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Kabarett unter Hammer und Sichel - Kann politisches Kabarett unter einer Diktatur existieren?

Title: Kabarett unter Hammer und Sichel - Kann politisches Kabarett unter einer Diktatur existieren?

Seminar Paper , 2005 , 31 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Marisa Klasen (Author)

Politics - Political Systems - Germany
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Die Kabaretts in der DDR wurden vom Staat geschaffen, um nach dem Arbeiteraufstand 1953 für gute Laune zu sorgen. Dieser Beitrag befasst sich mit der Frage, ob ostdeutsches Kabarett als vom Staat initiiert, organisiert und kontrolliert überhaupt existieren konnte. Im Untersuchungsmittelpunkt stehen die drei bekanntesten ostdeutschen Kabaretts: die Berliner "Distel", die Leipziger "Pfeffermühle" und die Dresdner "Herkuleskeule". Anhand exemplarischer Beispiele wird der Umgang des jeweiligen Kabaretts mit der Zensur dokumentiert und es zeigt sich, dass sich die Kabarettisten in der DDR nicht von der Zensur einschüchtern ließen. Der Zensor saß zwar im Kopf, aber gerade das hat sie dazu veranslasst, überaus brisante Texte zu schreiben und diese in ihrer Form harmlos zu verpacken.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Kabarett im Auftrag der SED

2.1. Verwaltung und äußere Struktur des Kabaretts in der DDR

2.1.1. Das staatliche Komitee für Unterhaltungskunst

2.2. Zensurpolitische Maßnahmen

III. Kabaretts in der „Zone“ – Selbstzensur oder die Lust an der List

3.1. Die „Distel“

3.1.1. „Keine Mündigkeit vorschützen“

3.2. Die „Pfeffermühle“

3.2.1. „Wir können uns gratulieren“

3.3. Die „Herkuleskeule“

3.3.1. „Auf dich kommt es an, nicht auf alle“

IV. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Existenzberechtigung des politischen Kabaretts in der DDR unter den Bedingungen einer Diktatur und staatlicher Zensur. Dabei wird der Forschungsfrage nachgegangen, wie sich Kabarettisten unter dem Druck der SED-Führung behaupten konnten, welche Mechanismen der Zensur und Selbstzensur existierten und inwieweit das Kabarett als Stimmungsbarometer für das politische Klima fungierte.

  • Staatliche Lenkung und Verwaltung des DDR-Kabaretts
  • Mechanismen der staatlichen Zensur und Einflussnahme
  • Umgangsstrategien der Kabarettisten mit staatlichem Druck
  • Analyse der drei bedeutendsten DDR-Berufskabaretts
  • Die Bedeutung der „Lust an der List“ vs. Selbstzensur

Auszug aus dem Buch

3.1. Die „Distel“

Laut Brigitte Riemann erklang 1952 der erste Ruf nach politischer Satire in der DDR. Das entscheidende Signal „für eine theoretische und vor allem öffentlich geführte Auseinandersetzung mit der bislang so verschmähten künstlerischen Ausdrucksform der Satire (Riemann 2001, S. 72)“ kam aus der Sowjetunion. Der sowjetische Parteifunktionär G.M. Malenkow hatte auf dem XIX. Parteitag der KPdSU gefordert, der Satire eine höheren Stellenwert beizumessen. „Es sei an der Zeit, die berechtigte Kritik der Künstler an rückständigen, die kommunistische Entwicklung hemmenden Verhalten endlich zuzulassen“ (ebd., S. 72). Egon Rentzsch, der Leiter der Abteilung Schöne Künste und Kultur des Zentralkomitees der SED brachte die Satirefrage in der DDR zur Sprache. Während er die Satire als Mittel ansah, um Selbstzufriedenheit anzuprangern, ohne den Menschen Mut zu nehmen, wurde dieses Vertrauen in die Satire von den SED-Spitzenpolitikern nicht geteilt. Die SED-Politiker sahen keinen Grund, warum sie Kritik und Unzufriedenheit tolerieren sollten. Erst durch den Tod Stalins kam wieder Leben in die Satire Debatte (vgl. ebd., S. 73).

„Damals sah sich das SED-Regime gezwungen, dem Drängen der neuen sowjetischen Führungsriege nachzugeben und auch in der DDR einen milderen politischen Kurs einzuleiten. Besonders in Berlin und Leipzig setzten daraufhin in der Tagespresse langwierige Diskussionen darüber ein, ob die DDR das Wagnis auf sich nehmen könne, Kabaretts mit festen Sitz einzurichten“ (ebd., S.73).

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung definiert das Kabarett in der DDR als staatlich initiiertes Stimmungsbarometer und legt die Forschungsfrage zur Existenzfähigkeit unter einer Diktatur fest.

II. Kabarett im Auftrag der SED: Dieses Kapitel erläutert die staatliche Organisationsstruktur, die Einbindung in die Planwirtschaft sowie die zentrale Koordinationsinstanz durch das staatliche Komitee für Unterhaltungskunst.

2.1. Verwaltung und äußere Struktur des Kabaretts in der DDR: Dieser Abschnitt beschreibt die Einbindung der Kabaretts in staatliche, städtische oder betriebliche Strukturen und deren ökonomische Kalkulation.

2.1.1. Das staatliche Komitee für Unterhaltungskunst: Hier wird die Rolle des Komitees bei der Besetzung von Planstellen und der Festlegung ideologisch-künstlerischer Leitlinien thematisiert.

2.2. Zensurpolitische Maßnahmen: Es wird dargelegt, wie die SED über die Kulturfunktionäre Zensur ausübte, ohne ein einheitliches, starres System zu etablieren, wobei Mut und Feigheit der Funktionäre vor Ort eine entscheidende Rolle spielten.

III. Kabaretts in der „Zone“ – Selbstzensur oder die Lust an der List: Dieser Teil analysiert anhand der drei großen Kabaretts exemplarisch den Umgang mit staatlichen Vorgaben und Zensur.

3.1. Die „Distel“: Die Entwicklung des ersten DDR-Profikabaretts „Distel“ und dessen Loyalität zur SED werden vor dem Hintergrund seiner Berliner Lage beleuchtet.

3.1.1. „Keine Mündigkeit vorschützen“: Eine detaillierte Analyse der Zensurgeschichte und inhaltlichen Auseinandersetzung dieses spezifischen Programms steht im Mittelpunkt.

3.2. Die „Pfeffermühle“: Das Kapitel widmet sich der „bissigeren“ Leipziger Pfeffermühle und ihrer Rolle bei der Etablierung geschlossener Kabarettprogramme.

3.2.1. „Wir können uns gratulieren“: Hier wird der Eklat um das Programm und die daraus resultierende Absetzung durch staatliche Stellen analysiert.

3.3. Die „Herkuleskeule“: Die Geschichte und der spezifische Stil des Dresdener Kabaretts werden untersucht, insbesondere die Experimentierfreudigkeit unter dem Autor Peter Ensikat.

3.3.1. „Auf dich kommt es an, nicht auf alle“: Dieser Abschnitt behandelt die Konfrontation mit der SED durch dieses konsequente Programm und den resultierenden Zensurprozess.

IV. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass politisches Kabarett unter der Diktatur möglich war, indem Kabarettisten durch List, Musik und den Aufbau von Vertrauen zum Publikum die Grenzen der Zensur austesteten.

Schlüsselwörter

DDR, Politisches Kabarett, SED-Diktatur, Zensur, Selbstzensur, Distel, Pfeffermühle, Herkuleskeule, Systemkritik, Peter Ensikat, Kulturpolitik, DDR-Kultur, Satire, Anpassung, Widerstand

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Existenz und die Arbeitsweise des politischen Kabaretts in der DDR unter den Bedingungen der staatlichen SED-Kontrolle und Zensur.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die organisatorische Struktur der staatlichen Kulturarbeit, die verschiedenen Ebenen der Zensur sowie die kreativen Überlebens- und Ausdrucksstrategien der drei bekanntesten Kabaretts.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist zu ergründen, wie Kabarettisten in einer Diktatur erfolgreich systemkritische Inhalte präsentieren konnten, ohne ihre Spielstätten zu verlieren oder beruflich vernichtet zu werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine qualitative Analyse durchgeführt, die auf der Auswertung von Primärtexten (Programmtexte) und Sekundärliteratur (Interviews, zeitgeschichtliche Dokumente) basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der strukturellen Bedingungen und eine tiefgehende Fallanalyse der Kabaretts „Distel“, „Pfeffermühle“ und „Herkuleskeule“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

DDR-Kulturpolitik, staatliche Zensur, politisches Kabarett, Systemkritik, Selbstzensur, künstlerischer Widerstand und die spezifischen Programme der drei untersuchten Ensembles.

Warum wird die „Distel“ oft als „Hauskabarett der SED“ wahrgenommen?

Aufgrund ihrer Berliner Lage im Machtzentrum und der dort tätigen SED-Mitglieder agierte die „Distel“ häufig loyal und vorsichtiger als ihre Pendants in Leipzig oder Dresden.

Welche Rolle spielte die „Lust an der List“ bei den Kabarettisten?

Dieser Begriff steht für die kreativen Tricks der Kabarettisten, durch die Verwendung von Humor, Metaphern und die Interaktion mit einem „zwischen den Zeilen“ lesenden Publikum, die staatliche Zensur zu umgehen.

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Details

Title
Kabarett unter Hammer und Sichel - Kann politisches Kabarett unter einer Diktatur existieren?
College
Ruhr-University of Bochum  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Politisches Kabarett in Deutschland
Grade
1,0
Author
Marisa Klasen (Author)
Publication Year
2005
Pages
31
Catalog Number
V47813
ISBN (eBook)
9783638446785
ISBN (Book)
9783638691178
Language
German
Tags
Kabarett Hammer Sichel Kann Kabarett Diktatur Politisches Kabarett Deutschland
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marisa Klasen (Author), 2005, Kabarett unter Hammer und Sichel - Kann politisches Kabarett unter einer Diktatur existieren?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47813
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