Die Entwicklung der Verbreitung von Musikvideos und ihre Bedeutung für Band-Karrieren


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Musikvideos als mediales Phänomen

2. Begriffsklärung und Einführung
2.1 Grundlegendes zu Musikvideos
2.1.1 Definition von Musikvideos
2.1.2 Funktionen von Musikvideos
2.1.3 Struktur von Musikvideos
2.2 Entwicklung der Verbreitung von Musikvideos
2.2.1 Anfänge von Musikvideos
2.2.2 Ära des Musikfernsehens
2.2.3 Youtube als neue Heimat von Musikvideos

3. Analyse von “Take On Me”
3.1 Allgemeine Infos zu „Take On Me“
3.2 Content
3.2.1 Personen und Handlungsebenen
3.2.2 Story-Line
3.3 Montage

4. Kurzprofil von „All The Things She Said“

5. Schlussbetrachtungen

6. Quellenverzeichnis
6.1 Literaturverzeichnis
6.2 Online-Quellen
6.3 Videographie

1. Musikvideos als mediales Phänomen

Die Zombies aus Michel Jacksons „Thriller“, die glitzernde Performance von Madonnas „Material Girl“ oder der tanzende Koreaner Psy mit seinem „Gangnam-Style“, das alles sind Bilder, die um die Welt gingen. Millionenfach auf Youtube geklickt und fest in die jeweilige (Musik-) Kultur integriert, haben Musikvideos vor allem in der Hochzeit des Musikfernsehens ganze Generationen geprägt.

Inzwischen sind freie Musikfernsehsender nahezu von der Bildfläche verschwunden und lediglich über Bezahlfernsehen beziehbar. Musik wird vor allem über Streaming-Dienste wie Spotify bezogen, bei denen Videos - wenn überhaupt - nur eine Nebenfunktion sind.

Im Zuge dieser Arbeit sollen Musikvideos zunächst definiert und ihre Entwicklung über verschiedene Etappen nachvollzogen werden. Anschließend soll eine ausführliche Analyse des Videos „Take on Me“ von A-ha sowie ein Kurzprofil von „All The Things She Said“ von t.A.T.u vorgestellt werden, da diese Musikvideos maßgeblich zum Erfolg der jeweiligen Band beigetragen haben.

Es soll geklärt werden, was ein Musikvideo ist, welchen Strukturprinzipien es folgt und wie sich dieses Medium verbreitet hat. Nachdem diese grundlegenden Themen behandelt wurden, wird das Musikvideo in den konkreten Kontext mit den es nutzenden Bands gestellt. In diesem Zusammenhang sollen Beispiele für Videos analysiert werden, die Bands zu ihrem „Durchbruch“ verholfen haben und Vermutungen für den Erfolg des jeweiligen Videos angestellt werden. Zum Schluss soll im Rahmen der Ausführungen ein Ausblick auf dieses Medium gegeben werden und mit der Frage abschließen, ob Musikvideos aussterben werden und ob sie künftig (auch) einen Teil zu Erfolgsgeschichten von Bands beitragen können.

2. Begriffsklärung und Einführung

Dieses Kapitel soll zu Beginn klären, was unter dem Begriff „Musikvideo“ zu verstehen ist, welche Funktionen und Eigenschaften dieses besitzt und die Entwicklung dieses Genres in Kürze nachvollziehen, um einen grundlegenden Überblick über die Materie zu schaffen.

2.1 Grundlegendes zu Musikvideos

2.1.1 Definition von Musikvideos

Eine festgelegte Definition von Musikvideos gibt es nicht, da diese davon abhängt, welches konkrete Verständnis man von ihnen hat. Die Theorien gehen in diesem Zusammenhang weit auseinander und setzen teilweise bereits bei Experimenten mit Lichtprojektoren und optischen Musikinstrumenten von Künstlern wie Leonardo da Vinci, Giuseppe Arcimboldo oder Luis-Bertrand Castel an. Diese Experimente vereinten zwar Bewegung in Farben, Formen und Musik, wie es auch in Musikvideos der Fall ist, ließen sich aber allein durch dieses Merkmal noch nicht von Live-Konzerten oder anderen musikalischen Aufführungen unterscheiden.1 „Clips hingegen zeichnen sich ja durch ihre von solchen Aufführungen abgekoppelte Verfügbarkeit aus, das heißt sie sind von einer solchen Situation emanzipiert und können unabhängig von den Musikern jeder Zeit abgespielt und angesehen werden.“2

Grundlegend könnte eine Definition folgendermaßen lauten: „Musikvideos sind in der Regel drei- bis fünfminütige Videofilme, in denen ein Musikstück […] von einem Solointerpreten oder einer Gruppe in Verbindung mit unterschiedlichen visuellen Elementen präsentiert wird.“3 Außerdem müssen Repräsentierbarkeit, also ständige Verfügbarkeit sowie Manipulation durch Bearbeitung, Montage oder ähnliche Techniken gegeben sein.

Vor den Musikvideos gab es bereits sogenannte „Pop Clips“, aber erst die Verschränkung von spezifischer Darstellungsform, durch (Pop-)Musik und (Video-)Bild, und spezifischer Distributionsform, dem Musikfernsehen, machte das Musikvideo zu einem festen Teil der Populärkultur.4 Auch heute gibt es dieses Medium noch, moderne Ansätze machen jedoch darauf aufmerksam, dass traditionelle Definitionen die vielschichtigen Entwicklungen nicht mehr erfassen.

Das Musikvideo darf nicht mehr als reines Promotionswerkzeug der Plattenindustrie gesehen werden, das lediglich die Verkaufszahlen steigern soll. Insbesondere die Online-Plattform Youtube hat dazu beigetragen, dass Musikvideos aller Genres kostenlos und in Massen von verschiedensten Personengruppen veröffentlicht werden. Die dort auffindbaren Clips halten sich nicht unbedingt an die gewohnte Dauer von drei bis fünf Minuten, sondern variieren von wenigen Sekunden bis hin zu mehreren Stunden. Außerdem werden Musikvideos im Internet von Werbeanzeigen, Pop-Ups und anderen Videos unterbrochen oder überlagert und in immer neue Medienformate wie Spiele oder Smartphone-Apps integriert.5

Ein genauerer Blick auf die Entwicklung des Musikvideos durch Youtube erfolgt in Kapitel 2.2.3.

2.1.2 Funktionen von Musikvideos

Grundlegend sollte ein Musikvideo durch spezifische Ästhetik und Bauprinzip einem Popmusikstück durch Zugabe visuellen Materials zu kommerziellen Erfolg verhelfen.6 Allerdings ist nicht das Bildmaterial allein, sondern die Koppelung mit der Musik für Musikvideos entscheidend. Dadurch entsteht ein eigenständiges Produkt, dass nicht ausschließlich auf seine Werbe-Funktion reduziert werden kann.7

Musikvideos sind – ähnlich wie Fernsehshows - Kulturdokumente der "Massenkommunikation", genauer Alltagsdokumente des öffentlichen Bereiches.8 Ähnlich wie Nachrichtensendungen nutzen Musikvideos einen visuellen Kontext, sind aber auf die erzählte Geschichte und die Dominanz von der Musik über die Bilder angewiesen. Beiden Gattungen wird eine Instrumentalisierung der Medien und „Sensations-Mache“ vorgeworfen, um ihre Inhalte zeigenswert zu machen.9

Konzerttourneen und Radio reichten als Promotion für Songs und Bands oft nicht mehr aus und waren teuer. Deswegen boten Musikfernsehsender wie MTV eine günstige, globale, reichweitenintensive und effektive, weil zielgruppenspezifische, Alternative, da Musikvideos dort Auftritt und Werbung zugleich waren.

"Die Plattenindustrie trat im Laufe der 1980er Jahre zusehens als Rechte-Händler (Right Exploiter) und weniger als Warenproduzenten in Erscheinung, das heißt, Kapital wurde mehr und mehr daraus geschlagen, dass Songs, Videoclips und Stars als Werbemedien für andere Produkte eingesetzt wurden."10

Musikvideos beeinflussten aber auch außerhalb der Marketingfunktion und Musiksender die ästhetische Entwicklung des Fernsehens, trugen zum Entstehen von ästhetischer Gestaltungsstandards bei und wurden zu künstlerischen Ausdrucksformen. Es gibt Museen und Ausstellungen, die sich mit Videoclips auseinandersetzen und die Musiksender selbst bieten beispielsweise Retroclipcharts in ihren Programmen an.11

„Die starke Verbindung von Mediennutzung und Alltagspraxis verleiht Musikvideos die Möglichkeit die biografischen Ereignisse und Prozesse ihrer Rezipient/inn/en zu moderieren und für sie niederschwellige Identifikations- und Entwicklungsräume zu eröffnen. Unter Berücksichtigung dieser medialen Dimensionen übersteigen Musikvideos damit bei weitem die ihnen oft verkürzt zugeschriebene Funktionalität einer bloßen visuellen Unterstützung oder Begleitung von Musik.“12

Wir halten also fest, dass Musikvideos neben der Funktion, ein Musikstück visuell zu begleiten, Marketingfunktionen für Bands, Songs sowie Waren innehat. Darüber hinaus können sie Kultur, Gestaltungsstandards und ihre Rezipienten beeinflussen.

2.1.3 Struktur von Musikvideos

Zu den grundlegenden Strukturbildenden Elementen von Musikvideos gehören Popsong, Performance, filmische Montage und kultureller Kontext.13

In der nachfolgenden Tabelle sollen durch Aufzählung und kurze Erläuterung verschiedene Strukturprinzipien von Musikvideos vorgestellt werden, welche ein besseres Verständnis für die weiteren Ausführungen und Analysen, in denen sie aufgegriffen werden, ermöglichen.14

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten15

2.2 Entwicklung der Verbreitung von Musikvideos

2.2.1 Anfänge von Musikvideos

Genau datieren lassen sich die Anfänge von Musikvideos nicht, da ihre „Geburtsstunde“, wie in 2.1.1 beschrieben, bis heute umstritten und stark davon abhängig ist, welche Definition von Musikvideo man vertritt. Ein Video, das in diesem Zusammenhang immer wieder angeführt wird, ist das zu Queens „Bohemian Rhapsody“ von Bruce Gowers aus dem Jahre 1975.16 17 Bis heute ist dieses Lied in Rankings der besten Songs aller Zeiten vertreten und die Musikzeitschrift „Rolling Stone“ schreibt, dass der Einfluss des Videos enorm gewesen wäre, da es sieben Jahre vor der Erstausstrahlung des Senders MTV das Musikvideo gewissermaßen erfunden habe. Die britische Tageszeitung „The Guardian“ listet „Bohemian Rhapsody“ außerdem als einen Schlüsselmoment der Rockmusik-Geschichte, der dafür gesorgt habe, dass Videos ein unabdingbares Werkzeug der Musikwerbeindustrie wurden.18

Die Grundidee hinter Musikvideos bestand darin, einen für das TV-Programm wiederholbaren Bilder-Clip zu produzieren und damit Songs – wie auch im Radio – zu promoten. Es handelt sich also um von der Musikindustrie bezahlte Kurzfilme, die die Übermittlung eines bestimmten Künstler-Images sicherstellten und gleichzeitig Einsparungen ermöglichten, da die Künstler nicht live in verschiedenen Shows auftreten mussten.19 Insbesondere Musikfernsehsender konnten durch (Nicht-) Ausstrahlung oder Zensur großen Einfluss auf Musikvideos ausüben und dürfen bei deren Analyse nicht außer Acht gelassen werden. Deshalb wird das nächste Kapitel die weitere Entwicklung von Musikvideos durch das Musikfernsehen behandeln.20

2.2.2 Ära des Musikfernsehens

"The transatlantic success of music video awaited the moment at which cable TV became an option for a substantial number of Americans and targeted audiences became commercially attractive.”21

(Aufderheide, 1986, 60)

Musikfernsehen ist ein kommerziell betriebener Fernsehsender und ein Spartenkanal wie Sport oder Nachrichten. Musiksender sprechen medienökonomisch Jugendliche und junge Erwachsene und damit unter anderem den Markt für Konsumgüter, Kleidung, Elektronik und Tonträger an. Das Thema ist Pop(uläre) Musik und ihre Erscheinungsweise: Das Musikvideo.22

Natürlich entwickelten sich im Laufe der Zeit eine Vielzahl von Musikfernseh-Sendern und regionalen Ablegern, doch soll hier der Fokus auf den wohl einflussreichsten Vertreter der Gruppe, MTV, gelegt werden.

2.2.2.1 MTV geht auf Sendung

MusicTeleVision (MTV) war der weltweit erste kommerzielle Musikspartenkanal mit 24-Stunden Programm und bediente einen Markt für Lifestyle- und Konsumaffine Popmusik beziehungsweise -kultur.23

Bei der Erstausstrahlung im August 1981 war das erste gezeigte Musikvideo „Video killed the Radio Star“ von „The Buggles“, was eine auf vielen Ebenen interessante und bedeutungsträchtige Wahl darstellte.24 „Der Song behandelt ausdrücklich die Thematik wie Television das Radio als wichtigstes Übertragungsmedium in den frühen 1950er Jahren ablöst und suggeriert, dass das Musikvideo eventuell auf ähnliche Weise Audioaufnahmen überflüssig machen könnte.“25 Dieses Lied ist insofern medien-bewusst als es zwei Punkte aus McLuhens "The medium is the message" wieder aufgreift, die seit jeher für Musikvideos gelten: Zum einen müssen Musiker wegen der Popularität von Musikvideos dem visuellen Auftritt (nun) genauso viel Aufmerksamkeit schenken wie dem Klang.

Zum anderen sind Musik Videos ein Produkt von modernsten Technologien und müssen sich im Gleichen Maße ändern, wie diese es stetig tun.26 Doch darf an dieser Stelle nicht vergessen werden, dass das Radio bis heute existiert, manche Künstler auch ohne Videos berühmt waren/werden und wieder andere nur durch Präsenz im Fernsehen schließlich auch im Radio gespielt wurden. Man kann also - in Bezug auf die Künstler und deren Musik - nicht von einer Konkurrenz zwischen beiden Medien, sondern vielmehr von einer gegenseitigen Verstärkung sprechen. Stars hatten mit Musikvideos zum einen eine neue persönliche Ausdrucksform wie Herausforderung und konnten zum anderen ihr Publikum auf völlig neue Weise faszinieren. Im Gegensatz zum ironischen Titel der Buggles kann also eher von „Video thrills the radio star“ gesprochen werden.27

[...]


1 Vgl. Keazor, Wübbena (2007, S. 55 f.)

2 Keazor, Wübbena (2007, S. 56)

3 Schmidt, Neumann-Braun, Autenrieth (2017, S. 12).

4 Vgl. Schmidt, Neumann-Braun, Autenrieth (2017, S. 12).

5 Vgl. Vernallis (2013, S. 208).

6 Vgl. Schmidt, Neumann-Braun, Autenrieth (2017, S. 12 f.).

7 Vgl. Schmidt, Neumann-Braun, Autenrieth (2017, S. 20).

8 Vgl. Hampl (2017, S.20).

9 Vgl. Cubbitt (1991, S.49).

10 Schmidt, Neumann-Braun, Autenrieth (2017, S. 25.).

11 Vgl. Schmidt, Neumann-Braun, Autenrieth (2017, S. 13 f.).

12 Hampl (2017, S. 157).

13 Vgl. Schmidt, Neumann-Braun, Autenrieth (2017, S. 12 ff.)

14 Vgl. für Inhalt der Tabelle Ausführungen ebenda (2017, S. 14 f.).

15 Anders bei Video von Mc Lean (2008), das als eine humoristische, durch „Sound Track“ begleitete Version des Originalvideos von A-Ha (1986) um die Welt ging.

16 Vgl. Keazor, Wübbena (2007, S. 55).

17 Für das Musikvideo siehe https://www.youtube.com/watch?v=fJ9rUzIMcZQ.

18 Bohemian Rhapsody (11.08.2018).

19 Vgl. Sibilla (2010 S. 225 f.).

20 Keazor, Wübbena (2007, S.68).

21 „Der transatlantische Erfolg von Musikvideos sehnte den Moment entgegen, ab dem Kabel-Fernsehen eine Option für eine beträchtliche Zahl Amerikaner wurde und Zielgruppen wirtschaftlich attraktiv wurden.“

22 Vgl. Schmidt, Neumann-Braun, Autenrieth (2017, S. 11).

23 ebenda

24 Vgl. Schmidt, Neumann-Braun, Autenrieth (2017, S. 27) sowie Vernallis (2013, S. 207).

25 “The song is explicitly about how television replaces the radio as the most important broadcast medium in the early 1950s, but it also suggests that music videos might well similarly make audio recordings obsolete.” Shaviro (2017, S.2).

26 Vgl. Shaviro (2017, S. 3 f.).

27 Vgl. Keazor, Wübbena (2007, S.70).

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung der Verbreitung von Musikvideos und ihre Bedeutung für Band-Karrieren
Hochschule
Universität Regensburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
21
Katalognummer
V480683
ISBN (eBook)
9783668971998
ISBN (Buch)
9783668972001
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entwicklung, verbreitung, musikvideos, bedeutung, band-karrieren
Arbeit zitieren
Sabrina Kaindl (Autor:in), 2018, Die Entwicklung der Verbreitung von Musikvideos und ihre Bedeutung für Band-Karrieren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/480683

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