Percussion. Persönliche Veränderung des Erlebens, der Wahrnehmung und der Ausdrucksmöglichkeiten in der Auseinandersetzung mit rhythmischem Musizieren


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Wahrnehmungspsychologische Grundlagen
1.1 Der Rhythmus
1.2 Das Metrum
1.3 Was ist Groove?
1.4 Was ist Percussion?

2. Betrachtung der Veranderung rhythmischer Wahrnehmung
2.1 Vorherige Erwartungen an das Seminar
2.2 Seminarinhalte
2.3 Groove Empfinden wahrend des Seminars
2.4 Rhythmische Wahrnehmung
2.4.1 Subjektive Rhythmisierung
2.4.2 Sensomotorische Wahrnehmung

3. Personliche Stellungnahme

Quellenverzeichnis

1. Wahrnehmungspsychologische Grundlagen

Zur Expertise meiner personlichen Veranderung des Erlebens, der Wahrnehmung und der Ausdrucksmoglichkeiten in der Auseinandersetzung mit rhythmischem Musizieren ist es erforderlich, zunachst grundlegende Begriffe im Zusammenhang mit dem rhythmischen Musizieren zu erlautern.

Der Rhythmusbegriff ist dabei stark interdisziplinar ausgerichtet. Die Musikwissenschaft liefert hierzu ebenso Erkenntnisse wie die Psychophysiologie, die Literaturwissenschaft und die Neurowissenschaft. Die Forschungen in diesen Bereichen konzentrieren sich aber alle im Wesentlichen auf zwei Elemente: das Element der Ordnung und das Element der zeitlich- dynamischen Veranderung.1

1.1 Der Rhythmus

Der Rhythmusbegriff ist unzahlige Male unterschiedlich definiert worden. Eine umfassende, allgemeingultige und allgemein anerkannte Definition ist demnach nur schwer zu finden. Rhythmus stellt alles dar, was mit der Strukturierung und dem Ablauf von (musikalischer) Zeit zusammenhangt.

Der griechische Begriff „rhythmos“ bedeutet ubersetzt „rein“ oder „flieBend“. Fur die Griechen war Rhythmus also etwas RegelmaBiges und Wiederkehrendes. Auch in der Antike wird der Rhythmus als „Ordnung der Bewegung“ (Platon) oder „Ordnung der Zeiten“ (Aristoxenos) verstanden, also als „(...) die Strukturierung des Zeitflusses durch eine bestimmte Reihenfolge der Ereignisse sowie durch deren Dauer und Gewichtung“.2

Primar verbindet man den Rhythmus mit Musik, egal ob in Form von Trommeln oder in Form einer bestimmten rhythmischen Melodie. Er tritt jedoch auch in ganz anderen Bereichen des Lebens auf. Man denke nur an den Rhythmus des Herzschlags, den Rhythmus der Sprache oder den Rhythmus der Jahreszeiten.

Laut Klingmann kann erst dann ein Rhythmus wahrgenommen werden, wenn ein Ereignis (eine Differenz) wiederholt wird.3 Auch bei Klages wird der Rhythmus als „die regelmaBige Wiederholung zeitlicher Erscheinungselemente“4 definiert.

Im Musiklexikon MGG wird dem Rhythmusbegriff eine weitere Komponente hinzugefugt: das subjektive Erleben des Rhythmus. „Rhythmus bezeichnet die Ordnung der Bewegung oder der Zeiten, die dem menschlichen Sinn unmittelbar und deutlich fasslich ist und deren Wahrnehmung sich mit dem Gefuhl des Wohlgefallens verbindet.“5 Hier wird deutlich, dass Rhythmus auch ein individuelles Empfinden des Menschen ist. Etwas wird als rhythmisch wahrgenommen, wenn es als wohltuend empfunden wird. Dies fuhrt direkt zuruck auf das

Thema dieser Hausarbeit: das personliche Erleben und Wahrnehmen von gemeinsamen, rhythmischen Musizieren. Wie steht der Mensch also in Verbindung mit dem Rhythmus?

1.2 Das Metrum

Eng verknupft mit dem Rhythmusbegriff ist das Metrum. Im musikwissenschaftlichen Bereich werden Rhythmus und Metrum jedoch haufig voneinander abgegrenzt genutzt. Das Metrum wird hier oft als die Ordnung des Rhythmus verstanden. Es ist „(...) eine auf qualitativer Abstufung gleich groBer Zeitteile beruhende, musikalisch wirksame Ordnung oder MaBeinheit.“6 Der Aspekt der Ordnung, zum Beispiel das Klicken eines Metronoms, wird damit klar abgegrenzt vom Aspekt der Veranderung und wird somit nicht als Rhythmus angesehen. Metrum und Rhythmus, Ordnung und Veranderung bilden jedoch eine Einheit und sind voneinander abhangig. Die Begriffe konnen dementsprechend nicht vollig voneinander abgegrenzt werden, auch wenn das Metrum auf den ersten Blick einen eher statischen Charakter hat, wahrend der Rhythmus lebendigere Elemente beinhaltet.

Das Musiklexikon MGG legt drei Zusammenhange von Metrum und Rhythmus dar:

1) Der Rhythmus ist dem Metrum ahnlich, also ein regelmaBig gegliederter Zeitverlauf.
2) Der Rhythmus ist beseeltes Metrum und insofern diesem untergeordnet.
3) Da Metrum ist ein regulierter Rhythmus.7

1.3 Was ist Groove?

Der Begriff Groove ist nicht eindeutig wissenschaftlich definiert. Obwohl viele Menschen die Bedeutung von Groove durchaus kennen und wissen, was mit Groove gemeint ist, lasst sich der Begriff nicht in einem kurzen, pragnanten Satz beschreiben. Groove ist ein Wahrnehmungsphanomen, ein bestimmtes Gefuhl fur die Musik, ein magischer Moment wahrend eines Konzertes, ein korperlich-emotionales Wohlgefuhl, welches anregt und sich lebendig anfuhlt.8

Klingmann fuhrt in seinem Buch „Groove - Kultur - Unterricht“ zwei Kurzdefinitionen des Begriffs Groove an, welche von Musikstudenten verfasst worden sind. Laut diesen entsteht Groove, „(...) wenn Rhythmus nicht stur nach Noten gespielt wird (...)“ und erzeugt ein „eigenes Feeling“ fur eine bestimmte Stilistik.9

Der Mensch steht mit seiner Emotionalitat also im Mittelpunkt der Betrachtung von Groove. Die Wahrnehmung ist dementsprechend individuell und ebenso kulturell gepragt. Ob eine bestimmte Musikrichtung „groovt“ oder nicht, hangt von dem Menschen ab, der sie hort. Diesen Aspekt greift auch Klingmann in seinen Ausfuhrungen auf. Laut ihm steht Groove fur musikalische Praktiken, welche eigenverantwortlich sind und kulturspezifischen Regeln unterliegen.10

Die unterschiedlichen Erfahrungen im Bezug auf Groove widersprechen somit einer allgemeinen Groove Theorie. Groove Erfahrungen sind individuell und kulturell bedingt und stellen dennoch ein allgemeines Phanomen rhythmischer Wahrnehmung dar. Groove entsteht im menschlichen Musikleben und Musik-Erleben.11

1.4 Was ist Percussion?

Percussion ist die ursprunglichste Form des Musizierens. Die Instrumentierung und Spielweise sind dabei stark beeinflusst von kulturellen Besonderheiten. Die Bezeichnung Percussion ist der Oberbegriff fur das Spiel von Schlag- und Effektinstrumenten. Dabei wird unterschieden zwischen dem Schlagzeug („Drum Set“) und sonstiger Percussion, welche beispielsweise Congas, Bongos, Timbales oder Maracas umfasst.

Das Schlagzeug besteht dabei aus einer bestimmten Zusammenstellung verschiedener Percussion-Instrumente, welche von einer Person gleichzeitig gespielt werden konnen. Haufig bedienen andere Personen dann all die Instrumente, welche nicht fest zum Schlagzeug gehoren.

Die Aufgabe des Percussionisten hangt immer vom Stil der Musik, der Orchestrierung und den allgemeinen, musikalischen Erfordernissen ab. Oft ist aufgrund der Vielzahl von Kombinationsmoglichkeiten der Instrumente Improvisationstalent gefragt.12

2. Betrachtung der Veranderung rhythmischer Wahrnehmung

2.1 Vorherige Erwartungen an das Seminar

Vor Kursbeginn hatte ich nur geringe Vorkenntnisse im Bereich der Percussion-Instrumente. Demnach bereitete mir die Anmeldung zum Seminar zunachst ein wenig Sorge, da ich davon ausging, dass wir einige Instrumente zumindest grob beherrschen mussten, um bei dem „Percussion Ensemble“ mitwirken zu konnen.

Meine Vorstellung des Kurses beinhaltete demnach zum Einen das Erlenen bestimmter Percussion-Instrumente. Zum Anderen erwartete ich aber auch das Einstudieren unbekannter Rhythmen und damit verbunden vor allem das Verbessern meines eigenen Rhythmusgefuhls.

Der Aspekt des Lernens von Rhythmen und der damit verbundenen Erfahrung, dass sich diese im gemeinschaftlichen Zusammenspiel verandern, war mir vor der Seminar noch nicht bewusst. Naturlich habe ich diese Erfahrung schon des Ofteren gemacht, ich habe ihr jedoch nicht eine solch detaillierte Beachtung geschenkt. Zudem hatte ich keine Vorstellung davon, wie man Schulklassen verschiedene Rhythmen beibringen und diese dann auch im Zusammenspiel uben kann.

2.2 Seminarinhalte

Das Seminar „Percussion-Ensemble: Schulbezogene Erarbeitung und Reflexion ausgewahlter Stucke“ von Prof. Dr. Heinrich Klingmann beinhaltete die Erarbeitung traditioneller Rhythmen und originaler Werke und damit den Erwerb der hierfur benotigten musikpraktischen Fertigkeiten.

Stucke wie „Samba-01odum (Bahia)“ oder „Cuba Linda“ sowie verschiedene Percussion Patterns, also Folgen von bestimmten Percussion-Klangen, wurden u.a. mit Cajons, Tumbas, Congas, Quitos, der Guiro oder auch den Claves in der Gruppe eingeubt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1.: Beispielstück aus dem Seminar; Klingmann

Spezielle Vorkenntnisse des Spielens von Percussion Instrumenten waren dabei keine Voraussetzung. Vielmehr ging es darum, sich trommelnd in eine Gemeinschaft einzubringen, also einen subjektiven Beitrag beizusteuern und dadurch Rhythmuserfahrungen in einem (bestenfalls) gemeinsamen Groove zu machen. Wahrend der musikalischen Interkation und dem Mitwirken in der Gruppe kam es zur ganzheitlich korperlich-sinnlichen Wahrnehmung des gespielten Rhythmus, verbunden mit einer individuellen Deutung von Diesem.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2.: Beispielstiick aus dem Seminar, aus: Franke/Konate (2001): Djembe. Percussion aus Westafrika

[...]


1 Vgl.: Kopiez (2005), S.128

2 Pfleiderer (2006), S.9

3 Vgl.: Klingmann (2010), S.11 f.

4 Klages (2000), S.16

5 Seidel, MGG Online (2017)

6 Zaminer (1967), S. 568

7 Vgl. Seidel, MGG Online (2017)

8 Vgl.: Gerischer (2003)

9 Klingmann (2010), S.9

10 Vgl.: Klingmann (2010), S.9

11 Vgl.: Gerischer (2003)

12 Vgl.: Altmann (2012)

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Percussion. Persönliche Veränderung des Erlebens, der Wahrnehmung und der Ausdrucksmöglichkeiten in der Auseinandersetzung mit rhythmischem Musizieren
Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
13
Katalognummer
V484034
ISBN (eBook)
9783668947313
ISBN (Buch)
9783668947320
Sprache
Deutsch
Schlagworte
percussion, persönliche, veränderung, erlebens, wahrnehmung, ausdrucksmöglichkeiten, auseinandersetzung, musizieren
Arbeit zitieren
Christin Vogt (Autor), 2017, Percussion. Persönliche Veränderung des Erlebens, der Wahrnehmung und der Ausdrucksmöglichkeiten in der Auseinandersetzung mit rhythmischem Musizieren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/484034

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