Diese Arbeit untersucht exemplarisch die Fragestellung, ob und wenn ja, inwiefern, die von Max Frisch konstruierten Figuren in "Homo faber" eine Tendenz zur Stereotypisierung aufweisen.
Die Autorin geht zunächst auf den Begriff des Stereotyps ein und zeigt auf, wie dieser in seinen Facetten dargestellt wird. Im Anschluss werden, insbesondere auf Basis des Romans, die Beschaffenheit der Charaktere Ivy, Hanna und Faber herausgearbeitet, sodass anschließend mit Hilfe zweier Kriterien überprüft werden kann, ob die Figuren stereotypische Züge aufzeigen. Einbezug in diese Überlegungen findet das Geschlecht, was sich hinsichtlich der Fragestellung zusätzlich als relevant erweist.
Der Roman "Homo faber. Ein Bericht" von Max Frisch ist in seinen Deutungsinhalten vielschichtig und bietet insbesondere Literaturwissenschaftlern die Möglichkeit, die unterschiedlichsten Themengebiete zu analysieren. Zahlreiche Motive wie zum Beispiel die Gegensätze von Natur und Technik, Schicksal und Zufall, Tod und Ewigkeit, aber auch die Beschaffenheit der unterschiedlichen Figuren bietet Potenzial um einen näheren Blick darauf zu werfen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Stereotype – Was ist darunter zu verstehen?
3. Die Figurenkonzeption in ,,Homo Faber. Ein Bericht“
3.1 Ivy
3.2 Hanna Landsberg
3.3 Walter Faber
4. Stereotype Tendenzen?
4.1 Mehrdimensionalität
4.2 Soziale und persönliche Funktion
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit untersucht die Figurenkonzeption in Max Frischs Roman „Homo Faber. Ein Bericht“ im Hinblick auf eine mögliche Tendenz zur Stereotypisierung. Dabei wird analysiert, inwiefern die Charakterisierung der Figuren Ivy, Hanna Landsberg und Walter Faber durch stereotype Muster geprägt ist oder ob sie eine Mehrdimensionalität aufweisen.
- Analyse des Stereotyp-Begriffs und dessen Facetten
- Untersuchung der Figuren Ivy, Hanna Landsberg und Walter Faber
- Anwendung der Kriterien „Mehrdimensionalität“ sowie „soziale und persönliche Funktion“ nach Linda Seger
- Kritische Reflexion von Geschlechterstereotypen im literarischen Kontext
- Untersuchung der Charakterentwicklung und inneren Wandlung der Protagonisten
Auszug aus dem Buch
3.1 Ivy
Die Figur Ivy findet bereits Erwähnung, als sich Walter Faber zu Beginn des Romans im Flugzeug befindet und zuvor den Deutschen kennengelernt hat, der neben ihm in der Maschine sitzt. Zum ersten Mal wird der Name im Zusammenhang mit der Information genannt, dass Ivy auf Faber ,,eingeschwatzt“ habe, weil sie ihn heiraten wolle, dieser jedoch, in Ivys Wissen, ,,[...] grundsätzlich nicht heirate“, (S.7). Ivy ist Walter Fabers Geliebte, von der jedoch von Faber selbst vor ihrem eigentlichen Erscheinen ein eher nachteiliges Bild konstruiert wird. Bereits der Name Ivy, der sich aus dem Englischen mit ,,Efeu“ übersetzen lässt (S.7), deutet darauf hin, dass Faber sie als eine einnehmende Person wahrnimmt, von der er sich nur schwer befreien kann. Über den Nachnamen gibt Walter Faber keinerlei Informationen, weshalb nicht klar ist, ob dieser ihm unbekannt ist oder ob er ihn bewusst nicht nennt.
Eine weitere Konkretisierung erfolgt, wenn Faber, mitten in seinen Gedanken über das Steigen des Flugzeuges, schildert: ,,Ich versuchte an Ivy zu denken – Wir stiegen“19. Das Verb ,,versuchen“ kann an dieser Stelle als ein Indiz dafür betrachtet werden, dass Faber nahezu keine Gefühle für diese Frau empfindet und so nicht an sie denken ,,muss“, sondern es ,,versucht“. Dies bestätigt sich nochmals, als Faber den Brief an sie verfasst, um ihr mitzuteilen, dass er sie nicht wiedersehen will. Nicht nur der Brief selbst, ebenfalls seine Denkweise über Ivy, die dem Leser offenbart wird, spiegelt deutlich seine Haltung ihr gegenüber wider, da er ihr nahezu unterstellt, jeden Mann heiraten zu wollen, mit dem sie etwas anfängt, was bereits erstmals andeutet, dass Faber Ivy ein hohes Maß an Naivität zuschreibt (,,[...] aber eine Art von Amerikanerin, die jeden Mann, der sie ins Bett nimmt, glaubt heiraten zu müssen.“, S.32).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Themenvielfalt des Romans ein, stellt die Forschungsfrage zur Stereotypisierung der Figuren und skizziert das methodische Vorgehen der Arbeit.
2. Stereotype – Was ist darunter zu verstehen?: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Stereotyps wissenschaftlich und beleuchtet dessen Entstehung, Funktionen sowie die Relevanz von Geschlechterstereotypen.
3. Die Figurenkonzeption in ,,Homo Faber. Ein Bericht“: Hier werden die Charaktere Ivy, Hanna Landsberg und Walter Faber detailliert auf Basis der Primärquelle charakterisiert und ihr Verhalten analysiert.
4. Stereotype Tendenzen?: In diesem Kapitel wird anhand der Kriterien „Mehrdimensionalität“ und „soziale und persönliche Funktion“ geprüft, ob die Figuren stereotype Züge tragen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Ivy stereotype Tendenzen aufweist, während bei Hanna und Faber eine dynamische Entwicklung gegen eine rein stereotype Einordnung spricht.
Schlüsselwörter
Max Frisch, Homo Faber, Stereotype, Figurenkonzeption, Mehrdimensionalität, Geschlechterstereotype, Walter Faber, Hanna Landsberg, Ivy, Literaturanalyse, Identität, Rollenbild, Rationalität, Emotionalität, Selbstbestimmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, inwiefern die Figuren in Max Frischs Roman „Homo Faber“ stereotyp konzipiert sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Mittelpunkt stehen die Charakterisierung der Figuren Ivy, Hanna und Walter Faber sowie die Reflexion über Geschlechterrollen und Stereotypisierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, inwieweit die Figurenkonzeption des Romans stereotype Muster aufweist oder ob die Figuren als mehrdimensional und dynamisch zu bewerten sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung erfolgt literaturwissenschaftlich und greift auf Definitionen und Kriterien (wie Mehrdimensionalität und soziale Funktion) der Autorin Linda Seger zurück.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Figurenkonzepte, die Anwendung der Analysekriterien und die Überprüfung auf stereotype Tendenzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Stereotype, Geschlechterrollen, Mehrdimensionalität, Identitätsentwicklung und die Romanfiguren Ivy, Hanna und Faber.
Warum wird die Figur Elisabeth Piper in der Analyse ausgeschlossen?
Die Figur wird aufgrund der Begrenzung des Seitenumfangs weggelassen, da der Fokus stärker auf dem Kontrast zwischen Ivy und Hanna liegt.
Welche Rolle spielt die „Mehrdimensionalität“ für die Bewertung der Figuren?
Mehrdimensionalität dient als Kriterium für Nicht-Stereotypisierung, da sie psychologische Tiefe und verschiedene Facetten einer Figur voraussetzt.
Wie verändert sich die Sichtweise auf Walter Faber im Verlauf des Romans?
Faber wandelt sich von einem rein rationalen, technisch orientierten „homo oeconomicus“ hin zu einem Menschen, der zunehmend Gefühle reflektiert und sein Weltbild hinterfragt.
Inwiefern unterscheidet sich Hanna Landsberg von Ivy?
Hanna wird als selbstbestimmte, komplexe Figur gezeichnet, die eine Wandlung durchläuft, während Ivy von Faber primär einseitig als emotional und aufdringlich wahrgenommen wird.
- Citation du texte
- Marieke Ozimek (Auteur), 2019, Stereotypen in "Homo faber" von Max Frisch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/488981