Bargeldabschaffung. Auswirkungen auf Schattenwirtschaft und Geldpolitik


Hausarbeit, 2017
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsund Tabelienverzeichnisi

AbkOrzungsverzeichnisi

1. Einleitung

2. Literaturuberblick

3. Krimina litat und Schattenwirtschaft
3.1. ZahIen und Definitionen
3.2. Ana lyse
3.3. Schlussfolgerung und Zusammenfassung

4. ReaIisierung eines Negativzinses
4.1. Theorie
4.2. Ana lyse/ Diskussion
4.3. Zusammenfassung und Ausblick

5. Fa zit

6. Literaturverzeichnisii

Abbildungsund Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Schattenwirtschaft in OECD Landern

Abbildung 2: Anteil der Barzahlung und Grii!Se der Schattenwirtschaft

Abbildung 3: Verlauf der gemittelten Zinssatze und Sparquote von 2007-2016

Tabelle 1: Obergrenzen fUr anonyme Barzahlungen in europaischen Landern

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abstract

In dieser Arbeit werden die Auswirkungen einer vollstandigen Bargeldabschaffung in Bezug auf die Reduzierung der Schattenwirtschaft und auf die Geldund Zinspolitik untersucht. Durch einen bargeldlosen Zahlungsverkehr wOrde sich die Schattenwirtschaft schatzungsweise reduzieren und eine expansivere Geldpolitik ki:innte durch negative Zinsen ermi:iglich werden. Allerdings ware die Abschaffung des Bargelds gegen den Willen der Bevi:ilkerung und somit sollten sich Politiker und Okonomen auf andere Li:isungsansatze konzentrieren.

1. Einleitung

Mit dem Beschluss der Europaischen Zentralbank (EZB), die Herstellung und Ausgabe der 500€ 5cheine bis zum Ende des Jahres 2018 einzustellen,ist die Diskussion um weitere Bargeldbeschrankungen angeregt worden. In mehreren europaischen Uindern, wie beispielsweise Griechenland, ltalien, Spanien und Frankreich gelten bereits Obergrenzen fUr anonyme Barzahlungen und eine Beschrankung auf Ebene der Europaischen Unionist in Diskussion (vgl. Europaische Kommission, 2017).

lm Jahr 2015 gaben 11% der schwedischen Bevtilkerung an, keinen Zugang zu Bargeld mehr zu haben oder es nicht mehr zu nutzen (vgl. Hungerland, 2017, p. 31). Durch die Digitalisierung steigen die Anzahl und Nutzung alternativer,bargeldloser Zahlungsmethoden. lm Zuge der Diskussion um diese Bargeldbeschrankungen fordern einige Okonomen, Bargeld vollstandig abzuschaffen. Diese Vorschlage stammen vor allem von prominenten Wissenschaftlern aus Amerika,wie Kenneth Rogoff und Larry Summers. Aus Deutschland, wo Barzahlung noch immer das bevorzugte Zahlungsmittel darstellt, ernten diese Vorschlage zumeist Kritik, insbesondere seitens der Deutschen Bundesbank.

In der Politik wird als Hauptargument fUr die Beschrankung oder Abschaffung von Bargeld die Eindammung von Kriminalitat genannt. Ein weiteres, in den Medien haufig vernachlassigtes, Argument ist, durch negative Zinsen eine expansivere Geldpolitik zu ermoglichen. Ziel dieser Arbeit ist es,sich mit den Vorund Nachteilen eines ausschlie&lich bargeldlosen Zahlungsverkehrs auseinanderzusetzen. Die Forschungsfrage lautet: Hat eine vollstandige Bargeldabschaffung positive Auswirkungen auf die Reduzierung der Kriminalitat und Schattenwirtschaft und auf die Geldpolitik?

Um diese Frage zu beantworten wird im nachsten Kapitel ein kurzer Oberblick Ober die verwendete Literatur und den aktuellen Forschungsstand gegeben. Der Hauptteil der Arbeit ist eine politischanalytische Diskussion und wird in zwei Teile untergliedert. lm ersten Teil wird diskutiert,ob die Abschaffung von Bargeld positive Folgen auf die Eindammung von Schattenwirtschaft und Kriminalitat hat. Der zweite Teil konzentriert sich auf die Auswirkungen eines negativen Zinses, der ohne Bargeld durchgesetzt werden ktinnte. Aile weiteren im Zuge der Debatte genannten Argumente werden in dieser Arbeit nicht beachtet.

2. Literaturuberblick

Das folgende Kapitel soli dazu dienen, dem Leser einen Oberblick Gber die in der Arbeit verwendete Literatur zu geben.

Norbert Haring bezeichnet die Debatte um die Bargeldabschaffung als transatlantischen Streit um das Bargeld (vgl Haring, 2017). FOr die Bargeldabschaffung pladieren vor allem Harvard Okonomen wie Kenneth Rogoff, Peter Sands,Larry Summers und Willem Buiter. Ihnen entgegen stehen die Deutsche Bundesbank und Okonomen des Berenberg Verlages, die eine komplette Bargeldabschaffung ablehnen. Auch Friedrich Schneider, Experte fUr Schattenwirtschaft, spricht sich gegen die komplette Abschaffung des BargeIds aus.

Rogoff, Professor an der Harvard-Universitat, forderte bereits im Jahr 1998 die Abschaffung des BargeIds (vgl. Rogoff,1998). Sein 2016 erschienenes Buch ,Der Fluch des Geldes: Warum unser Bargeld verschwinden wird"1 zeigt ausfUhrlich die Vorteile eines bargeldlosen Zahlungsverkehrs auf. Die genannten Hauptgriinde sind, die Kriminalitat, vor allem Steuerhinterziehung,unattraktiver zu machen und einen negativen Zinssatz einfOhren zu konnen. Um Sicherheitsbedenken aus dem Weg zu raumen schli:igt er vor, kurzund mittelfristig Mi.inzen beizubehalten {vgl. Rogoff, 2016}.

Peter Sands,Forscher am Harvard-Kennedy-lnstitut setzt sich ebenfalls fUr die Bargeldabschaffung ein. In zwei Ausarbeitungen fordert er landerubergreifende Obergrenzen fUr Barzahlungen und langfristig die Abschaffung von hohen Banknoten, um kriminelle Aktivitaten zu erschweren. (vgl. Sands et al.,2017;Sands, 2017).

Um in Kapitel 3 den Aspekt der Schattenwirtschaft zu diskutieren, werden die Forschungen von dem Schattenwirtschafts-Experten Friedrich Schneider als theoretische Grundlage dienen. Dieser ist trotz signifikanten Zahlen in dem Bereich der Meinung, dass eine Abschaffung von Bargeld keine angemessene Ma nahme im Kampf gegen Kriminalitat darstellt.

Die Deutsche Bundesbank spricht sich klar fi.ir eine Beibehaltung des Bargelds aus. In der Publikation ,Hatte eine Abschaffung von Banknoten und Munzen wirklich Vorteile?" begrunden Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele und andere Autoren, wie Malte Kruger und Franz Seitz diese Haltung. Wie auch Peter Fell, Ji:irn Quitzau und Jorg Konig vom Berenberg Verlag sind sie der Meinung, dass die Abschaffung von Bargeld eine unangemessen drastische Reaktion auf die aktuelle Wachstumsschwache und die Schattenwirtschaft sei.

3. Kriminalitat und Schattenwirtschaft

Der offizielle Grund zur Abschaffung des 500€ Scheins ist die Erschwerung illegaler Aktivitaten (vgl. Europaische Zentralbank,2016). Seitens der Bargeld-Gegner ist das Erschweren von Steuerhinterziehung, Kriminalitat und Geldwasche ein hiiufig genanntes Argument in der Debatte um das Geld. Gegner sind allerdings nicht davon uberzeugt, dass durch die Abschaffung von Bargeld die Kriminalitat zuruckgeht.

3.1. Zahlen und Definitionen

Das folgende Diagramm stellt einen Oberblick uber das AusmaB der Schattenwirtschaft in ausgewahlten Landern dar. In diesem Diagramm umfasst der Begriff Schattenwirtschaft sowohllegale als auch illegale Aktivitaten, was Schwarzarbeit und kriminelle Aktivitiiten wie zum Beispiel Drogenhandel gleicherma en einschliet (vgl. Schneider & Boeckmann, 2016, p. 6).

Die Autoren messen die Schattenwirtschaft im Verhaltnis zum offiziellen BIP und kommen zu dem Ergebnis, dass die Schattenwirtschaft in Deutschland seit 2003 stetig gesunken ist (vgl. Schneider & Boeckmann, 2016, p. 21). lm Jahr 2003 maB die Schattenwirtschaft relativ zum BIP 16,7%, als Absolutwert 370 Milliarden Euro. 20161ag der Wert bei 10,8%, also 336 Milliarden Euro.

Abbildung 1: Schattenwirtschaft in OECD Llindern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

lm Vergleich zu den anderen U3ndern liegt Deutschland im unteren Mittelfeld. Die hochste relative Schattenwirtschaft verzeichnet Griechenland,gefolgt von Ita lien, Spanien, Portugal, Belgien und Frankreich. Den niedrigsten Wert verzeichnen die Schweiz und die USA.

Schneider zeigt auf,dass Finanzund Steuerbetrug die umsatzstarkste Verbrechensart ist. Er schatzt fUr das Jahr 2009,dass Schwarzgeld zu 67% aus Finanzund Steuerbetrug resultiert, und zu 33% aus klassischen kriminellen Aktivitaten. Den Bargeldanteil am Finanzund Steuerbetrug schatzt Schneider auf 15-30% (vgl. Schneider,2016,p. 17}.

Klassische kriminelle Aktivitaten umfassen Drogenhandel,Menschenhandel, Diebstahl, Betrug, Falschung und sonstige illegale Aktivitaten. In den USA sind die kriminellen Aktivitaten mit den h6chsten Umsatzen in der Schattenwirtschaft Steuerhinterziehung, Drogenhandel,Korruption, Menschenhandel und illegale Einwanderung (vgl. Rogoff,2016, pp. 91-107}.

Ob es durch ausschlieBiich bargeldlosen Zahlungsverkehr moglich ist die Schattenwirtschaft zu reduzieren, wird in dem nachsten Kapitel diskutiert.

3.2. Analyse

Betrachtet man das AusmaB der Schattenwirtschaft in den U:indern, die eine Bargeldobergrenze eingefOhrt haben. ist auffallig, dass in denjenigen Landern, in denen eine Obergrenze fOr anonyme Barzahlungen herrscht, die Schattenwirtschaft am hochsten ist (vgl. Fell & Quitzau,2016, p. 3;Schneider,2016,p. 7).

Tabelle1: Obergrenzen fijr anonyme Barzahlungen in ausgewahlten europaischen Landern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Rogoff, 2016,p. 88.

Peter Sands vertritt trotz dieser empirischen Beweise die Meinung,dass Bargeldobergrenzen vor allem Geldwasche erschweren und Bargeld nach wie vor sehr beliebt bei kriminellen Akteuren ist,da es Oberall akzeptiert,anonym und unmoglich zu verfolgen ist (vgl. Sands et al.,2017, p. 27). Auch Rogoff schreibt,dass vor allem groBe Scheine oft fur illegale Aktivitaten,wie Menschenund Drogenhandel,Erpressung,Geldwasche etc. benutzt werden (vgl. Rogoff,2016, p.11). Die Autoren belegen diese Aussagen allerdings nicht empirisch.

Schneider findet dazu heraus,dass die Nutzung von Bargeld fOr kriminelle Aktivitaten rOcklaufig ist. Alternative elektronische Zahlungsmittel und Bitcoins gewinnnenn stark an Bedeutung (vgl. Schneider, 2016,p. 23). Bitcoins haben ebenso wie Bargeld den Vorteil, dass die Transaktionen anonym sind. 2

Bargeldbeschrankungen haben also empirisch betrachtet keine groBen Auswirkungen auf die Kriminalitat und Schattenwirtschaft. Nun soli analysiert werden, welche Auswirkungen eine vollstandige Abschaffung von Bargeld haben wurde.

[...]


1 Englisch: The curse of cash

2 Weiter soli auf alternative Zahlungsmittel nicht eingegangen werden.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Bargeldabschaffung. Auswirkungen auf Schattenwirtschaft und Geldpolitik
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
19
Katalognummer
V489130
ISBN (eBook)
9783668966789
ISBN (Buch)
9783668966796
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bargeldabschaffung, auswirkungen, schattenwirtschaft, geldpolitik
Arbeit zitieren
Marie Walther (Autor), 2017, Bargeldabschaffung. Auswirkungen auf Schattenwirtschaft und Geldpolitik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489130

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