Diese Arbeit untersucht die Frage, ob berufliche Gymnasien dazu beitragen, der Bildungsungleichheit in Deutschland entgegenzuwirken. Dieser Fragestellung soll zunächst durch die Erläuterung zweier Theorien zur Entstehung von Bildungsungleichheit nachgegangen werden. Aus diesen werden jeweils Hypothesen zur Bildungsungleichheit abgeleitet, die anhand der Längsschnittstudie „Transformation des Sekundarschulwesens und akademische Karrieren“ (TOSCA) sowie daran anknüpfenden Arbeiten empirisch geprüft werden. Abschließend wird ein Fazit zu den gewonnenen Erkenntnissen der Bedeutung von beruflichen Gymnasien für die Bildungsungleichheit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theorie
2.1 Wert-Erwartungstheorie
2.2 Theorie der Herkunftseffekte
3 Empirie
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss beruflicher Gymnasien auf die Bildungsungleichheit in Deutschland. Ziel ist es zu analysieren, ob diese Schulform insbesondere für Schüler aus sozioökonomisch benachteiligten Familien eine Chance zur Erlangung des Abiturs darstellt und ob sie soziale Disparitäten im Bildungssystem verringern kann.
- Analyse der Zusammensetzung der Schülerschaft nach sozioökonomischem Status.
- Vergleich der Schulleistungen zwischen beruflichen und allgemeinbildenden Gymnasien.
- Untersuchung der Studienintentionen von Abiturienten beider Schulformen.
- Anwendung der Wert-Erwartungstheorie nach Esser.
- Anwendung der Theorie der Herkunftseffekte nach Boudon.
- Empirische Überprüfung anhand der TOSCA-Längsschnittstudie.
Auszug aus dem Buch
2.1. Wert-Erwartungstheorie
Ebenso wie bei anderen Theorien zur Entstehung von Bildungsungleichheit ist das Ziel von Essers Modell, zu erklären, warum Kinder aus niedrigen sozialen Schichten seltener als Kinder höherer sozialer Schichten weiterführende Bildungswege einschlagen (Esser 1999: 266). Mittels zweier Gleichungen drückt er den Abwägungsprozess bei der Bildungsentscheidung aus, wobei EU in beiden Fällen für den Erwartungsnutzen steht. Die Entscheidung für einen Verzicht auf weiterführende Bildung codiert Esser mit An und die Entscheidung dafür mit Ab, sodass EU(An) den Erwartungsnutzen für keine weiterführende Bildung und EU(Ab) für weiterführende Bildung wiedergibt. In beiden Fällen bezeichnet c die Wahrscheinlichkeit eines drohenden Statusverlustes (-SV). Bei einem Verzicht auf weitere Bildung spielen Esser zufolge ausschließlich diese beiden Variablen eine Rolle. Bei einem weiterführenden Bildungsweg hingegen müssen weitere Variablen mit einbezogen werden. Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass der weitere Bildungsweg erfolgreich abgeschlossen wird, drückt Esser mit p aus. Die entsprechende Gegenwahrscheinlichkeit entspricht (1-p). Der Wert, der dem weiteren Bildungsweg zugemessen wird, ist mit U codiert, und die entstehenden Kosten mit C (Esser 1999: 267).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die historische Entwicklung der Hochschulzulassungen ein, erläutert die Bedeutung beruflicher Gymnasien und definiert den Begriff der Bildungsungleichheit als Grundlage für die Untersuchung.
2 Theorie: Hier werden die theoretischen Fundamente, bestehend aus Hartmut Essers Wert-Erwartungstheorie und Raymond Boudons Theorie der Herkunftseffekte, dargelegt, um Hypothesen zur Entstehung von Bildungsungleichheit abzuleiten.
3 Empirie: Dieses Kapitel prüft die aufgestellten Hypothesen anhand der Daten der TOSCA-Studie und analysiert die Schülerschaft, Schulleistungen sowie Studienintentionen an beruflichen und allgemeinbildenden Gymnasien.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen, bestätigt die Hypothesen zur Schülerschaft sowie den Schulleistungen, revidiert die Hypothese zur Studienintention und diskutiert Limitationen sowie weiteren Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Bildungsungleichheit, berufliche Gymnasien, allgemeinbildende Gymnasien, Wert-Erwartungstheorie, Herkunftseffekte, TOSCA-Studie, sozioökonomischer Status, Bildungsentscheidungen, Schulleistungen, Abitur, Studienintention, Bildungsexpansion, Bildungsabschluss, soziale Disparität, tertiärer Bildungsbereich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht den Einfluss beruflicher Gymnasien auf die Bildungsungleichheit in Deutschland, indem sie analysiert, wer diese Schulform besucht und wie sich die Schüler im Vergleich zu jenen an allgemeinbildenden Gymnasien schlagen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die soziale Zusammensetzung der Schülerschaft, die Leistungsfähigkeit der Schüler in Mathematik und Englisch, die Abiturnoten sowie die Studienabsichten nach dem Abschluss.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage lautet: Welchen Einfluss haben berufliche Gymnasien auf die Bildungsungleichheit? Ziel ist es zu klären, ob sie eine Bildungsoption für benachteiligte Gruppen darstellen und Disparitäten verringern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen theoretisch-deduktiven Ansatz, indem sie Hypothesen aus soziologischen Theorien (Esser, Boudon) ableitet und diese anhand der Längsschnittdaten der TOSCA-Studie empirisch überprüft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Modelle von Esser und Boudon erläutert und daraus Hypothesen abgeleitet, welche anschließend unter Rückgriff auf die Daten der TOSCA-Studie analysiert und bewertet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Bildungsungleichheit, sozioökonomischer Status, berufliche Gymnasien, Wert-Erwartungstheorie, Herkunftseffekte und TOSCA-Studie charakterisiert.
Warum wird Essers Wert-Erwartungstheorie für die Untersuchung herangezogen?
Essers Theorie wird verwendet, da sie eine sich verändernde Bildungsmotivation über Zeitverläufe abbilden kann und den Abwägungsprozess bei Bildungsentscheidungen mathematisch modellierbar macht.
Welches Ergebnis erbrachte die Überprüfung der Hypothese zur Studienintention?
Die Hypothese, dass Schüler beruflicher Gymnasien eine geringere Studienneigung aufweisen, konnte in der allgemeinen Form nicht bestätigt werden, da soziale Herkunftsvariablen bei der Studienintention keine diskriminierende Wirkung zeigten.
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- Max Schmidt (Autor), 2016, Welchen Einfluss haben berufliche Gymnasien auf die Bildungsungleichheit?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489146