Amerika fasziniert und erschreckt zugleich - heute wie damals. In der vorliegenden Arbeit wird das Rezeptionsverständnis der USA anhand zwei wichtiger deutschsprachiger Schriftsteller des 19. Jahrhunderts vorgestellt und diskutiert: Johann Wolfgang von Goethe und Heinrich Heine. Zwar hatten weder Goethe noch Heine je Gelegenheit, die damals noch jungen Vereinigten Staaten selbst zu besuchen; immer wieder finden sich jedoch Vermerke auf die Neue Welt in den Werken der Dichter, nicht zuletzt in Goethes berühmten Gedicht "Den Vereinigten Staaten". Dabei lässt sich erstaunt feststellen, dass unsere zeitgenössische Sicht auf die USA dem Blickwinkel des 19. Jahrhunderts näher ist, als man zunächst vermuten mag.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Goethes Amerikabild
Heines Amerikabild
Fazit
Literaturangaben
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Proseminararbeit untersucht und vergleicht das Amerikabild von Johann Wolfgang von Goethe und Heinrich Heine im Kontext ihrer jeweiligen Lebensumstände und Persönlichkeiten.
- Analyse der Amerikarezeption in den Werken von Goethe
- Untersuchung der phasenweisen Wandlung des Amerikabildes bei Heine
- Gegenüberstellung der unterschiedlichen Voraussetzungen beider Dichter
- Einfluss politischer und sozialer Ideale auf die literarische Darstellung
- Vergleich der Bewertung von Freiheit und gesellschaftlicher Dynamik
Auszug aus dem Buch
Heines Amerikabild
Anders als Goethe hatte Heinrich Heine, der 1797 geboren wurde, nicht die Möglichkeit, die politisch brisante Zeit des ausgehenden 18. Jahrhunderts bewusst mitzuerleben. Auch kann man bei ihm nicht von einem kontinuierlichen Amerikabild sprechen. Es lässt sich vielmehr in zwei Phasen unterteilen: Die erste, bis zu seiner Übersiedlung nach Paris im Jahre 1831, in der er einen sehr positiven Eindruck von Amerika gehabt hat grenzt sich deutlich von der zweiten ab, von 1831 bis zu seinem Tod, die von einer zunehmenden Abneigung gegen die Vereinigten Staaten geprägt war. Diese Entwicklung ist außerdem unter weitläufigeren Gesichtspunkten zu betrachten, als dies bei Goethe der Fall war, d.h. sie läuft immer wieder mit einer Gesamtinterpretation der politischen, religiösen sowie geistigen Entwicklung des Dichters zusammen.
In Heines Frühphase (bis 1831) erschienen ihm die Vereinigten Staaten als das gelobte Land der Freiheit, in dem Toleranz und Menschenrechte, kurz, die Schlagwörter der Französischen Revolution „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ zwar mit Gewalt aber ohne Brutalität und Grausamkeit umgesetzt worden waren. In Amerika sah Heine ähnlich wie Goethe eine nahezu perfekte Umkehrung der deutschen Zustände. So ist seine erste Äußerung über die USA bereits von politischem Charakter, wenn er schreibt, dass am Berliner Hof ein fürstlicher Lakai „mehr Gold und Silber am Leib [trage] als das ganze Hauspersonal des Bürgermeisters von Nordamerika“ (V, 256). Beachtenswert ist bei dieser Aussage, dass Heine nicht Präsident, sondern „Bürgermeister von Nordamerika“ schreibt – an sich schon eine deutliche politische Stellungnahme.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den hohen Stellenwert der USA im literarischen Prozess und stellt die Forschungsfrage nach den Amerikabildern bedeutender deutscher Autoren der Vergangenheit.
Goethes Amerikabild: Dieses Kapitel analysiert Goethes intensives Interesse an Amerika, das durch seine wissenschaftliche Neugier, den Austausch mit amerikanischen Besuchern und die Lektüre von Reiseberichten sowie belletristischer Literatur geprägt war.
Heines Amerikabild: Der Abschnitt beschreibt die Wandlung von Heines Sicht auf die USA, die von einer anfänglichen Amerika-Euphorie bis hin zu einer tiefen Abneigung aufgrund sozialer Missstände und Rassismus reichte.
Fazit: Das Fazit führt die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass die unterschiedlichen Amerikabilder maßgeblich auf die verschiedenen Lebensbedingungen, sozialen Hintergründe und den Zugang zu Informationen beider Dichter zurückzuführen sind.
Literaturangaben: Dieses Kapitel listet die verwendeten Quellen, Sekundärliteratur und Internetressourcen auf, die zur Erstellung der Arbeit herangezogen wurden.
Schlüsselwörter
Amerika, Goethe, Heine, Literaturgeschichte, Amerikabild, USA, Auswanderung, Freiheit, Gesellschaft, Politik, Rezeption, Deutschsprachige Literatur, Sozialkritik, Wilhelm Meister, Klassik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht das Amerikabild der Dichter Johann Wolfgang von Goethe und Heinrich Heine im Kontext ihrer Zeit und Persönlichkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die literarische Verarbeitung des Motivs „Amerika“, die politische Bedeutung der USA im 19. Jahrhundert sowie der Einfluss persönlicher Lebensumstände auf die Wahrnehmung fremder Länder.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die jeweilige Stellung der USA in den Werken beider Autoren zu untersuchen und zu analysieren, warum ihre Ansichten über den amerikanischen Kontinent so unterschiedlich ausfielen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt einen komparatistischen literaturwissenschaftlichen Ansatz, indem sie Zitate aus Briefen, Werken und Dokumenten beider Dichter analysiert und in Beziehung zu ihren biographischen Hintergründen setzt.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil beleuchtet Goethes konstante Faszination und informierte Sicht auf die USA sowie die bipolare Entwicklung Heines von anfänglicher Sympathie hin zu scharfer Ablehnung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind Amerikabild, Rezeption, Literaturgeschichte, Auswanderung, gesellschaftliche Dynamik sowie der Kontrast zwischen deutschem Idealismus und amerikanischer Wirklichkeit.
Warum interessierte sich Goethe laut der Arbeit so stark für Amerika?
Goethe war fasziniert von der Dynamik der jungen Nation, ihrer politischen Struktur und sah in ihr ein spannendes soziales Experiment, wobei er sich intensiv durch Fachliteratur und persönliche Kontakte weiterbildete.
Welche Gründe führten bei Heine zum Umschwung seines Amerikabildes?
Heine entwickelte eine Abneigung, da er soziale Ungerechtigkeiten, Rassismus und den berechnenden Materialismus in den USA als unvereinbar mit seinen Idealen von Freiheit und Ästhetik betrachtete.
Spielt das Thema „Auswanderung“ eine wichtige Rolle für beide Autoren?
Ja, bei beiden Dichtern wird das Thema Auswanderung diskutiert: Bei Goethe eher als intellektuelle Auseinandersetzung und literarisches Motiv, bei Heine stärker im Kontext seiner politischen Exilsituation und Hoffnungen auf ein freieres Leben.
- Citation du texte
- Holger Lenz (Auteur), 2004, Das Amerikabild in der deutschen Literatur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489742