Fördern Bewegungsübungen im Unterricht die Konzentration?

Durchführung und Auswertung von Übungen in einer 8. Klasse


Hausarbeit, 2018
25 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Problemstellung und Zielsetzung

2. Theoretische Fundierung
2.1 Was ist Konzentration?
2.2 Konzentration und Bewegung
2.3 Bewegungsübungen
2.3.1 Lernbegleitende Funktion
2.3.2 Lernerschließende Funktion

3. Durchführung des Unterrichtsversuchs
3.1 Voraussetzungen und Lerninhalt
3.2 Vorüberlegungen zu den Bewegungsübungen
3.3 Unterrichtsverlauf

4. Reflexion des Unterrichtsversuchs
4.1 Durchführung der Schülerbefragung
4.2 Reflexion aus Sicht der Schüler
4.3 Reflexion aus Sicht der Lehrkraft

5. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Unterscheidung zwischen Bewegungen mit lernbegleitender und lernerschlieBender Funktion. (Projekt StuBSS, o.J., S. 2) 4

Anhangsverzeichnis

Anhang 1: Verankerung im Lehrplan (ISB, 2018)

Anhang 2: Bewegungsübung

Anhang 3: Unterrichtsverlaufsplan

Anhang 4: Einstiegssituation

Anhang 5: Arbeits- und Übungsblätter

Anhang 6: Fragebogen

Anhang 7: Auswertung des Fragebogens

1. Problemstellung und Zielsetzung

Jeder Lehrkraft ist es schon passiert: Wir betreten ein Klassenzimmer in der Hoffnung eine gute Unterrichtsstunde halten zu können, an der sich die Schüler aktiv beteiligen, konzentriert mitarbeiten und mit einem Wissenszuwachs aus der Stunde gehen. Doch die Realität sieht oft anders aus. Je nach Tageszeit finden wir eine lebhafte oder sehr ruhige, fast schon verschlafene Klasse vor (Härdt, 2000). In den lebhaften Klassen sind einzelne Schüler1 oft sehr laut und kaum zu beruhigen. Hier verbringen wir die ersten Minuten der Unterrichtseinheit damit, Ruhe ins Klassenzimmer zu bekommen, um so eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre, die lernfördernd ist, zu gewährleisten. Oft müssen wir bereits an dieser Stelle Disziplinierungsmaßnahmen ergreifen. In den verschlafenen Klassen haben wir hingegen damit zu kämpfen, dass sich die Schüler sehr wenig bis gar nicht am Unterricht beteiligen und wir somit nicht wissen, ob die Schüler den Lernstoff aufnehmen. In diesen Klassen ist uns die Durchführung von handlungsorientiertem Unterricht, bei dem sich die Schüler selbstständig den Lernstoff erarbeiten sollten, meist nicht möglich.

Aber wie können wir unsere Schüler in den genau richtigen Aktivierungszustand brin- gen, um ihre Konzentration im Unterricht zu fördern und so zu einem Lernerfolg der Schüler beitragen?

Kann Bewegung helfen? Die Diskussion, ob Bewegung in der Schule die Konzentra- tion fördern kann, läuft seit Jahrzehnten. Lange wurde an Schulen die Konzentration beim Lernen mit Stillsitzen verbunden. Bewegung war nur ein Thema im Sportunter- richt oder auf dem Pausenhof (Müller/Petzold, 2002). Dies hat sich glücklicherweise stark geändert und der Bewegung in der Schule wird mehr Bedeutung beigemessen (ebd., 2002). „Bereits seit Mitte der 90er Jahre haben die Schulen und die Schulbehör- den damit begonnen, Initiativen zur bewegungsfreundlichen Ausgestaltung der Schul- räume und des Schullebens zu ergreifen.“ (Beschluss der Kultusministerkonferenz, 2001, S. 4). Für alle weiterführenden Schulen in Bayern, hierzu zählen auch die Wirt- schaftsschulen, wurde die Initiative „Bewegte Schule“ entwickelt, unter anderem mit der Zielsetzung den Konzentrationsschwächen der Schüler wirkungsvoll zu begegnen (ebd, 2001). Durch Bewegung in der Schule können positive Effekte, wie die Steige- rung der Lern- und Leistungsfähigkeit, als auch die Förderung der Gesundheit, erreicht werden (Breithecker, 1998). „Die Berücksichtigung von Bewegung und Körperlichkeit in der Schule stellt eine wesentliche Voraussetzung für eine umfassende und förderli- che Entwicklung von Kindern und Jugendlichen dar. Dazu gehört unabdingbar die sys- tematische Einbindung von Sport, Spiel und Bewegung in den Schulalltag.“ (Fess- ler/Stibbe/Haberer, 2008, S. 250).

Doch kann Bewegung tatsächlich zu einem positiven Lernerfolg beitragen? Hierzu ka- men verschiedenste Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen. Beispielsweise be- werteten Dordel&Breithecker, 2003; sowie Graf et al., 2003; den Einfluss der Bewe- gung auf das Lernen als bedeutsam, während Worth, 2004; den Einfluss als geringfü- gig einstufte.

In dieser Arbeit soll die Auswirkung von Bewegungsübungen auf die Konzentration, in einer bereits durchgeführten Unterrichtseinheit in einer 8. Klasse der S. F., reflektiert werden.

2. Theoretische Fundierung

2.1 Was ist Konzentration?

Das Wort Konzentration wird häufig benutzt, insbesondere im Schulalltag. Doch was genau steckt dahinter? In der Praxis werden Aufmerksamkeit und Konzentration oft synonym verwendet. In der Fachliteratur hingegen gibt es unterschiedliche Definitio- nen. Ich möchte an dieser Stelle einige Definitionen zur Konzentration anbringen.

Lenniger erklärt Konzentration wie folgt: „gebündelte Aufmerksamkeit auf einen Ge- genstand, auf einen Denkinhalt oder ein Tun“ (Lenniger, 1995, S.10). Sie vertritt auch die Meinung, dass Konzentration mit dem eigenen Willen verbunden ist und formuliert: „Wir können mit dem Willen bewirken, uns nicht von den Reizen in der Außenwelt ablenken zu lassen, sondern uns auf den Inhalt eines Buches zu konzentrieren. Da in unserer Zeit die Reize der Außenwelt ständig zunehmen, erfordert es eine verstärkte Willensanstrengung, sich zu konzentrieren“ (Lenniger, 1995, S.10).

Christine Ettrich bezeichnet die Konzentration als die Steigerung der Aufmerksamkeit wie folgt: „als vom Willen gesteuerte Aufmerksamkeit [...], die willentliche Eingrenzung der Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Objekt [...], die Einstellbarkeit auf fremdge- setzte Aufgaben, die sowohl den intellektuellen Voraussetzungen als auch den alters- typischen Besonderheiten des Kindes angepasst sind [...]" (Ettrich,1998, S. 21).

Während Krowatschek die Konzentration als zeitlich begrenzt und selektiv betrachtet (Krowatschek, 2000).

Im Englischen wird zwischen Aufmerksamkeit und Konzentration nicht unterschieden. Für beides wird der Begriff „attention“ verwendet (Ehmanns, 2003).

In dieser Arbeit wird nicht weiter auf die Differenzierung zwischen Aufmerksamkeit und Konzentration eingegangen. Es sei nur festgehalten, dass Konzentration ohne Auf- merksamkeit nicht stattfinden kann. Dieser Abschnitt dient lediglich der theoretischen Begriffsbestimmung. An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass der Konzentration eine sehr wichtige Rolle in der Schule zukommt. Ohne Konzentration kann kein Lernen stattfinden und die Schüler können den Unterrichtsstoff nicht aufnehmen und verarbei- ten.

2.2 Konzentration und Bewegung

Die positive Auswirkung von Bewegung auf die Konzentration ist bereits seit Jahr- hunderten bekannt. Schon in Klöstern gab es für die Mönche Wandelgänge, damit sich diese bewegen konnten, während sie nachdachten (Ehmanns, 2003). „Bewe- gung orientiert und aktiviert das Gehirn ganz eindeutig, indem sie für den Zustand wacher Aufmerksamkeit sorgt, der nötig ist, um relevante Informationen aufzuneh- men. Gleichzeitig ist Bewegung wichtig, damit koordinierte visuelle und auditive Re- flexe in Aktion treten können, die für den Lernprozess Voraussetzung sind.“ (Krebs & Brown, 1998, S. 195).

Im Gehirn übernehmen Neurotransmitter die Aufgabe, Reize und somit auch Infor- mationen an die Nervenzellen zu übertragen. Nur bei einem ausgeglichenen Neuro- transmitterhaushalt ist es möglich, sich zu konzentrieren. Durch Sport und Bewegung wird ein Sauerstoffüberschuss gebildet, in welchem sich die Neurotransmitter ver- mehrt bilden und dadurch zu einem optimaleren Neurotransmitterhaushalt beitragen. Dieser wiederum fördert die Konzentration (vgl. Gemmer, 2001). „Die Aufmerksam- keits- bzw. Konzentrationsfähigkeit stellt eine zentrale Komponente der kognitiven Fähigkeiten dar. Für optimale Lern- und Leistungsvoraussetzungen in der Schule sind kurze Bewegungspausen während des Unterrichts zu fördern, denn sie helfen den Kindern sich besser zu konzentrieren.“ (Ritter; 2014, S. 1). Ich möchte festhal- ten, dass Bewegung die Konzentration positiv beeinflusst und diese eine grundlegen- den Voraussetzung für das Lernen darstellt.

2.3 Bewegungsübungen

Bewegung beeinflusst das Lernen positiv, weshalb mehr Bewegung auch während des Unterrichts angeboten werden sollten (DGUV, 2013). Es ist dabei zu unterschieden zwischen lernbegleitender und lernerschließender Funktion von Bewegung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Unterscheidung zwischen Bewegungen mit lernbegleitender und lernerschließender Funk- tion. (Projekt StuBSS, o.J., S. 2)

2.3.1 Lernbegleitende Funktion

Lernbegleitende Bewegungsangebote können in zwei Bereiche eingeteilt werden: in Bewegungspausen und in bewegte Lernorganisationen. Bei den Bewegungspausen führen die Schüler beispielsweise Streck- und Dehnübungen oder klassische Locke- rungs- und Kräftigungsübungen durch. Bewegte Lernorganisationen hingegen bedeu- ten, dass durch die Wahl einer bestimmten Methode (z.B. Rollenspiele, Stationenler- nen, Expertenpuzzel, etc.) die Schüler dazu aufgefordert werden, sich während des Unterrichts zu bewegen (DGUV, 2013). „Insgesamt kann zweifelsfrei festgestellt wer- den, dass eine Bewegungsaktivierung durch mehr Bewegungsangebote – nicht nur in der Pause, sondern auch im Unterricht – das Lernen positiv beeinflusst.“ (DGUV, 2013, S.1).

2.3.2 Lernerschließende Funktion

Bei der lernerschließenden Funktion der Bewegung geht es darum, dass der Lernen- den sich durch die Bewegung den Lerngegenstand erschließen kann. „So kann ich nur wissen, wie schwer ein Stein ist, wenn ich das Gewicht körperlich gespürt habe, ebenso erschließt sich die Größe eines Raumes unmittelbar durch das Gehen im Raum. Zentrifugalkräfte können begriffen werden, wenn sie körperlich gespürt worden sind. So lassen sich mit solchen Aufgaben lernerschließend Wörter oder Vokabeln mit dem Körper wahrnehmen, Zeit empfinden, spiegelsymmetrische Darstellungen erle- ben, Winkelarten empfinden, Atmung spüren, Kunst und Umwelt fühlen.“ (Projekt StuBSS, o.J., S. 2). Es geht um das Erleben fachlicher Inhalte wie beispielweise das Bewegen in einem aufgezeichneten Koordinatensystem (ebd., o.J.). Kurz gesagt be- deutet lernerschließende Funktion, dass durch die Bewegung etwas Neues gelernt wird.

3. Durchführung des Unterrichtsversuchs

3.1 Voraussetzungen und Lerninhalt

Ich führte den Unterrichtsversuch in der Klasse 8 der S. F.

durch. Die Klassenstärke betrug 22 Schüler. Am Tag des Unterrichtsversuchs waren insgesamt 19 Schüler anwesend, somit beträgt die Stichprobengröße n = 19. Das Unterrichtsfach war betriebswirtschaftliche Steuerung und Kontrolle (BSK). Die Größe des Klassenzimmers war ausreichend, um einfache Bewegungsübungen durchzuführen. In der Unterrichtseinheit habe ich das Thema Quittungen behandelt. Dies ist im Lehrplan im Lernbereich 2.3 „Waren und Dienstleistungen verkaufen“ ver- ankert (siehe Anhang 1). Die Schüler sollen in diesem Lernbereich die Kompetenz erwerben, Quittungen korrekt auszustellen.

3.2 Vorüberlegungen zu den Bewegungsübungen

Um Bewegungsübungen sinnvoll in den Unterricht integrieren zu können, ist es wich- tig, diese im Sinne der Bewegungsförderung durchzuführen. Grössing sagt:: „Bewe- gungsförderung wird als vielfältige und zeitaufwendige Bewegungshandlung durch ge- zielte und pädagogisch durchdachte Bewegungsanregungen von Seiten der Eltern, der Vereine, Schulen oder des Kindergartens“ (Grössing, 1993, S.163) definiert. Ich machte mir vor der Durchführung der Bewegungsübung Gedanken, wie, wann und mit welchem Ziel ich diese im Unterricht am besten integrieren kann.

Da die Klasse noch keine Erfahrung mit Bewegungsübungen hatte, fiel meine Ent- scheidung auf Bewegungsübungen mit lernbegleitender Funktion in Form einer Bewe- gungspause zu Beginn der Unterrichtseinheit. Ich unterrichtete die Klasse 8 freitags in der 4. Stunde. Meist war die Klasse zu Unterrichtsbeginn sehr laut und viele Schüler saßen nicht auf ihren Plätzen. Auch während des Unterrichtes standen Schüler häufig auf, unterhielten sich mit Mitschülern und arbeiteten oft nicht mit. Der Lärmpegel war teilweise so hoch, dass ein konzentriertes Arbeiten nicht möglich war.

Meine Grundüberlegung war, die Schüler durch die Bewegungsübungen zu beruhigen, aber gleichzeitig auch ihre überschüssige Energie abzubauen. Aufgrund der Alters- stufe (Pubertät) ging ich davon aus, dass die Übungen eventuell von Einzelnen abge- lehnt oder ins Lächerliche gezogen werden könnten. „Für Jugendliche und junge Er- wachsene spielen die Themen Gesundheit, Lernen und Vernunft keine zentrale Rolle in ihrem täglichen Leben. Aus ihrer Sicht ist Gesundheit etwas Selbstverständliches; Vernunft entwickelt sich mit dem Ausreifen des Gehirns mit zunehmendem Alter […]“ (DGUV, 2013, S. 1).

Die Übungen sollten einfach im Klassenraum durchzuführen sein, um nicht zu viel der effektiven Lernzeit zu beanspruchen. Die Herausforderung war diese Komponenten (Beruhigen, Energie abbauen, Berücksichtigung der Pubertät, Zeit und Raum) in Ein- klang zu bringen. Ich entschied mich für zwei aufeinanderfolgende kurze Bewegungs- übungen. Die erste sollte dem Energieabbau, die zweite dem Beruhigen dienen.

[...]


1 Für eine bessere Lesbarkeit wird im Verlauf dieser Hausarbeit auf eine begriffliche Unterscheidung zwischen Schülerin und Schüler verzichtet und gesammelt unter der Bezeichnung „Schüler“ geführt.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Fördern Bewegungsübungen im Unterricht die Konzentration?
Untertitel
Durchführung und Auswertung von Übungen in einer 8. Klasse
Hochschule
Staatliches Studienseminar für das Lehramt an beruflichen Schulen, Standort Nordbayern
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
25
Katalognummer
V489872
ISBN (eBook)
9783668967243
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fördern, bewegungsübungen, unterricht, konzentration, durchführung, auswertung, übungen, klasse
Arbeit zitieren
Semira Häckl (Autor), 2018, Fördern Bewegungsübungen im Unterricht die Konzentration?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489872

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