Zahlreiche Funde von Säulenresten, Viergöttersteinen und ähnlichen den Jupitergigantensäulen zuzuordnenden Ornamenten im obergermanischen Gebiet, sowie des römischen Einflussgebietes Galliens, lassen dieses mythische Denkmal in der Forschungsgeschichte der Religion in den germanischen Provinzen zu einem der meistdiskutierten werden. Inwieweit sich die Jupitergigantensäule zu einem eigenständigen Kult herausgebildet hat, soll anhand der Großen Mainzer Jupitersäule, das als Vorbild gilt, geklärt werden. Dabei muss zuerst ein historischer Überblick gegeben werden, der zeigen soll, wo und wann sich diese Art von religiösem Kult in Form eines Denkmals ausgebreitet hat und wie es zu dem Begriff der Jupitergigantensäule gekommen ist. Die Bevölkerung im historischen Kontext in den germanischen Provinzen ist für die Entwicklung der Jupitergigantensäulen von tragender Bedeutung. Des weiteren wird in dieser Arbeit der Aufbau einer „klassischen“ Jupitergigantensäule beschrieben und versucht ein Überblick über die Entwicklungsstadien der Säule, hin zu einem Denkmalstyp einheimischer Prägung, zu geben.
Inhaltsverzeichnis
Kulturtransfer am Beispiel der JUPITERGIGANTENSÄULEN in den germanischen Provinzen, vom 1. –3. Jahrhundert n. Chr.
1. Einleitung
2. Historischen Abriss
3.Aufbau einer Jupitergigantensäule
3.1. Das Beispiel der Großen Mainzer Jupitersäule
3.2. Die Verlaufsgeschichte weiterer Säulen
4. Der Einfluss der germanisch-keltischen Bevölkerung
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht den Kulturtransfer zwischen römischen und einheimischen Traditionen in den germanischen Provinzen anhand des Denkmaltyps der Jupitergigantensäule, mit dem Ziel, die Entstehung dieses Kultphänomens und den Einfluss der lokalen Bevölkerung auf die religiöse Praxis zwischen dem 1. und 3. Jahrhundert n. Chr. zu ergründen.
- Historische Entwicklung der Provinzialreligion
- Struktureller Aufbau einer klassischen Jupitergigantensäule
- Die Große Mainzer Jupitersäule als zentrales Vorbild
- Synkretismus: Römische Götterwelt und keltische Einflüsse
- Die Rolle der Bevölkerung als Träger der Religionspraxis
Auszug aus dem Buch
3.Aufbau einer Jupitergigantensäule
Der Schwerpunkt soll auf der Beschreibung einer „klassischen“ Jupitergigantensäule liegen, weil sich anhand dieser der Einfluss der germanisch-keltischen Provinzbevölkerung am Besten nachweisen lässt. Dieser Teil stützt sich überwiegend auf die Recherchen von Gerhard Bauchhenß und ist in großen Teilen sehr allgemein gehalten.
Das unterste Bauglied des Denkmals besteht aus einem Viergötterstein ( siehe Anhang), der auf einem einfachen oder mehrstufigen Unterbau platziert ist. Der oft aus einem einzigen Quader erbaute Körper besteht in den meisten Fällen aus Sandstein und hat in den Maßen je nach Größe der Säulen eine hohe Variationsbreite. So hat der größte Stein die Maßeinheiten von 1,48m x 1,08m x 1,10m.13 Der Großen Mainzer Säule entlehnt, ist hier die häufigste Reihenfolge der Götter Juno, Minerva, Mercur und Hercules, wobei Juno meist auf der Vorderseite der Säule zu finden ist und Hercules auf der Rückseite, Minerva rechts und Mercur links. Der Auswahl der vier Götter liegen zweifellos römische Vorstellungen zugrunde. Juno, Gemahlin Jupiters und Minerva beschützen den römischen Staat sowie Haus, Ehe, Handel und Gewerbe. Hercules bekämpft das Böse zum Wohle der Menschheit. Mercur beschert als Gott des Handels und Verkehrs den Reichtum.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Jupitergigantensäulen ein und stellt die Forschungsfrage nach der Entwicklung dieser Denkmäler als eigenständiger Kult unter Berücksichtigung der Großen Mainzer Jupitersäule.
2. Historischen Abriss: Dieses Kapitel skizziert die historisch-religiöse Entwicklung in den germanischen Provinzen anhand der vier Entwicklungsphasen nach Spickermann, von der römischen Besiedlung bis zur Konsolidierungsphase.
3.Aufbau einer Jupitergigantensäule: Es erfolgt eine detaillierte architektonische Beschreibung der Bauteile einer klassischen Jupitergigantensäule sowie eine spezifische Untersuchung der Großen Mainzer Jupitersäule als Referenzobjekt.
3.1. Das Beispiel der Großen Mainzer Jupitersäule: Dieser Abschnitt analysiert die Mainzer Säule als Prototyp, beleuchtet ihre Entstehungsgeschichte unter Nero und diskutiert die Einflüsse griechisch-römischer Handwerkskunst.
3.2. Die Verlaufsgeschichte weiterer Säulen: Die Untersuchung befasst sich mit der regionalen Variationsbreite der Säulen in den Provinzen Germania superior und inferior sowie den Gründen für unterschiedliche Typologien.
4. Der Einfluss der germanisch-keltischen Bevölkerung: Das Kapitel analysiert die Verschmelzung römischer Weiheformeln mit einheimischen, keltisch geprägten Kultvorstellungen, insbesondere hinsichtlich der Deutung des Reiter-Symbols und des Baumkults.
5. Schlussbetrachtung: Die Arbeit resümiert, dass wirtschaftlicher Wohlstand und religiöse Toleranz in den Provinzen die Entstehung dieses neuen Gattungstyps als Resultat eines aktiven Kulturtransfers ermöglichten.
Schlüsselwörter
Jupitergigantensäule, Obergermanien, Kulturtransfer, Provinzialreligion, Römische Eroberung, Synkretismus, Große Mainzer Jupitersäule, Viergötterstein, Kelten, Germanen, Weihdenkmal, Religionsgeschichte, Romanisation, Kult, Archäologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Jupitergigantensäulen in den germanischen Provinzen und wie diese als Ausdruck eines Kulturtransfers zwischen römischen und einheimischen keltisch-germanischen Traditionen zu verstehen sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die römische Provinzialreligion, die architektonische Gestaltung und symbolische Bedeutung der Denkmäler sowie die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die deren Errichtung ermöglichten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, inwieweit sich die Jupitergigantensäule als eigenständiger Kult aus der Verschmelzung römischer und einheimischer Traditionen entwickelte und wie die Große Mainzer Jupitersäule als Vorbild diente.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse archäologischer Funde und historischer Inschriften, gestützt auf religionshistorische Entwicklungsmodelle der Provinzialforschung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen historischen Abriss, die morphologische Analyse der Säulen inklusive ihrer Bestandteile und eine detaillierte Diskussion über den Einfluss der lokalen Bevölkerung auf die religiöse Symbolik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Kulturtransfer, Jupitergigantensäule, Provinzialreligion, Obergermanien, Synkretismus und die Mainzer Jupitersäule.
Warum wird die Große Mainzer Jupitersäule als Vorbild betrachtet?
In der Forschung gilt sie als das architektonisch prägende Modell, das den Standard für nachfolgende Denkmäler setzte und an dem sich römische Handwerkskunst besonders deutlich ablesen lässt.
Welchen Einfluss hatte die keltische Bevölkerung auf die Säulen?
Die einheimische Bevölkerung interpretierte römische Götterattribute neu, beispielsweise durch die Gleichsetzung des reitenden Jupiters mit keltischen Licht- und Donnergöttern sowie die Integration von Baumkult-Elementen.
Warum spielten private Stifter eine so große Rolle?
Der Bau war sehr kostspielig und zeugt vom Statussymbolcharakter für die lokale Elite, die ihre Verbundenheit mit der neuen religiösen Ordnung im privaten Kontext demonstrierte.
Was passierte mit den Denkmälern ab dem 3. Jahrhundert?
Die Auflösungsphase war durch den Einfall der Alamannen und die damit verbundene Zerstörung vieler religiöser Denkmäler gekennzeichnet, was schließlich den Weg für das Christentum ebnete.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2006, Jupitergigantensäulen in den germanischen Provinzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490729