Über Hilfestellung und die Teilnehmende Beobachtung

Ethnographische Feldstudie in einer Einrichtung für benachteiligte Jugendliche


Bachelorarbeit, 2012
25 Seiten, Note: Gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I) Einleitung.

II) Hauptteil
1. Theoretischer Hintergrund
1.1 Theoretischer Hintergrund zum spezifischen Feld
1.2 Einstieg ins Feld.
2. Teilnehmende Beobachtung im Forschungsprozess
2.1 Die Rolle des Forschers im Feld
2.2 Ablauf der Beobachtung
2.3 Fokussierung des Interesses
2.4 Theoretisierung des Interessensphänomens im Feld
3. Datenanalyse
3.1 Interpretation des Datenmaterials
4. Abstraktion des Datenmaterials
4.1 Hilfestellung aus Sicht der Arbeitspädagogen/innen im Gefüge „Team“ oder „Individuen einer Gruppe“ .
4.2 Hilfestellung aus Sicht der Teilnehmer/innen..
4.3 Bedarf einer Hilfestellung

III) Resümee

IV) Literaturverzeichnis

I ) Einleitung

Die vorliegende Bachelorarbeit wurde im Rahmen des Forschungspraktikumsseminars „Ethnographische Perspektiven auf pädagogische Felder“ im Wintersemester 2011 und Sommersemester 2012 als Abschlussarbeit erstellt. Wie sich bereits dem Titel entnehmen lässt, stützt sich die Arbeit in methodischer Hinsicht auf die Ethnografische Feldforschung. Im Speziellen wurde die Methode der Teilnehmenden Beobachtung zur Datenerhebung herangezogen.

Die Teilnehmende Beobachtung führte ich gemeinsam mit einem Kollegen aus dem Seminar über einen Zeitraum von mehreren Monaten im Regelfall an zwei Tagen der Woche durch. Die daraus entstandenen Beobachtungsprotokolle wurden fortlaufend in Form von Interpretationen und hinsichtlich verschiedener Kodes und Kriterien bearbeitet.

Das Resultat dieser Auseinandersetzung mit den gewonnen Daten soll im Rahmen der vorliegenden Arbeit dargestellt werden. Die Arbeit gliedert sich in vier Teile. Im ersten Teil wurde versucht, den theoretischen Hintergrund darzustellen. Dabei wird auf die ethnographische Forschung als Methode eingegangen. Der zweite Teil widmet sich der Teilnehmenden Beobachtung. Hier wird im Besonderen, die Rolle des Forschers und in weiterer Folge, der Fokus auf den sich mein Interesse nach und nach stütze thematisiert.

Die Institution in der wir unsere Beobachtungen durchführen konnten, ist eine institutionelle Einrichtung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, benachteiligte Jugendliche auf ihrem Weg ins Arbeitsleben zu unterstützen. Im besten Fall soll es den Jugendlichen nach Abschluss des Trainings möglich sein, eine Ausbildungsstelle zu erhalten.

Anhand der im Laufe der Beobachtungen erstellen Protokolle wurde mir bald mein Interesse an der Hilfestellung und Kooperation die im vorliegenden pädagogischen Feld auftauchte, bewusst. Somit beschloss ich bereits während den laufenden Beobachtungen das Phänomen der Hilfestellung genauer zu untersuchen. Die Einrichtung charakterisiert sich unter anderem durch ihren pädagogischen Anspruch die sozialen Kompetenzen der Jugendlichen, die für eine erfolgreiche Arbeitsaufnahme wichtig sind, weiter zu entwickeln. Wie sich dieser pädagogische Anspruch bei der Förderung zur gegenseitigen Unterstützung und Kooperation einteilen lässt, wird im vierten Teil der Arbeit dargestellt.

Das Phänomen der Hilfestellung wird im vorliegenden pädagogischen Kontext in den verschiedenen Äußerungsformen untersucht. Wer übt diese aus und wer ist der Adressat? Welche Wirkmechanismen kommen dabei zu Tage? Wie verhalten sich Hilfestellung und Kooperation und welche Rolle kommt dem Gruppengefüge dabei zu? Diese Fragen waren Teil meiner Überlegungen während der Bearbeitung meiner Protokolle und Interpretationen. Auf Grund der vorgeschriebenen Länge der Arbeit war es mir allerdings nicht möglich, auf alle Aspekte in detaillierter Form einzugehen. Aus diesem Grund, wird im vierten Teil, vor allem auf das Phänomen der Hilfestellung und seine Erscheinungsformen eingegangen.

II) Hauptteil

1. Theoretischer Hintergrund

Die Ethnographische Forschungsmethode hat ihren Ursprung in der Kulturanthropologie. Erst in den 1970er Jahren wurde diese qualitative Forschungsstrategie für die Erziehungswissenschaft angewandt (Friebertshäuser/Panagiotopoulou 2010, 301). Die ethnographische Forschung beschäftigt sich mit den sozialen Vorgängen und Regeln, die in einer bestimmten Gruppe zum Vorschein kommen. In der ethnographischen Forschung wird der Bereich in dem geforscht wird als Forschungsfeld bezeichnet. Dem Forschungsfeld werden bestimmte Vorgänge und Phänomene unterstellt, die es zu untersuchen gilt. Die Methode, die für die vorliegende Arbeit angewandt wurde ist die Teilnehmende Beobachtung. Der Forscher ist, wie die Bezeichnung vermuten lässt, Teilhabender im Feld und somit auch als Person während den Beobachtungen anwesend.

Ein Charakteristikum der Ethnographieforschung als qualitative Forschungsstrategie stellt die Beobachtung von gelebter und praktizierter Sozialität dar (Hirschauer 2002, 36). Die Teilnehmende Beobachtung als Methode ermöglicht durch die gleichzeitige und gleichörtliche Anwesenheit des Forschers auch Phänomene und Erscheinungen wahrzunehmen, die bei anderen Forschungsmethoden im Hintergrund bleiben. Die Teilnahme am Feld ermöglicht es dem Forscher verschiedene Eindrücke und auch nichtverbalisierte Ausdrücke aufzunehmen und dadurch einen breiteren Blickwinkel für das zu untersuchende Feld zu gewinnen.

Bei der Beobachtung stehen die Situationen, Vorgänge und sich entwickelnden Schemata im Fokus des Interesses, die sich im Feld bieten. Eine notwendige Haltung des Forschers bei der teilnehmenden Beobachtung stellt die Offenheit gegenüber dem zu untersuchenden Feld dar. Gleichzeitig wird diese Haltung mit dem Fortschreiten der Untersuchung zur Herausforderung, da durch die Teilnahme persönliche Kontakte und Beziehungen entstehen, die es immer wieder zu reflektieren gilt. Die eigene Offenheit gegenüber dem Feld ist während des Forschungsprozesses immer wieder zu hinterfragen, da durch die persönlichen Kontakte mit den Teilnehmern der Beobachtungssituation immer wieder Annahmen entstehen können, die den Blick auf das Feld verdecken können.

1.1 Theoretischer Hintergrund zum spezifischen Feld

Entsprechend der Ethnographischen Forschung liegt das Untersuchungsinteresse in den Einheiten von Situationen, Szenen, Milieus und Organisationen (Hirschauer 2002, 36). Ausgehend von einem sozialen und pädagogischen Kontext wurden für die vorliegende Arbeit wiederkehrende Phänomene und Mechanismen aufgedeckt, welche im zweiten Teil der Arbeit interpretiert und analysiert werden. Die Teilnahme am Feld und die gleichzeitige, notwendige Distanzierung von der Rolle des pädagogischen Mitarbeiters stellte immer wieder eine Herausforderung dar. Durch die räumliche Nähe und die sich verstärkenden persönlichen Kontakte die sich zwangsläuft bei der teilnehmenden Beobachtung ergeben, soll trotz allem der Blick auf die feldeigenen Strukturen und Regeln, welche das Beobachtungsinteresse darstellen, nicht verloren werden. Durch die teilnehmende Beobachtung als Methode lassen sich bestimmte Handlungsstrukturen und Phänomene erkennen und in weiterer Folge auch erfassen. Das Ziel der Beobachtung ist das Entdecken und Befremden von sozialen Strukturen. Welche, auf Distanz gebracht, immer wiederkehrende Phänomene erkennen lassen. Wie bereits erwähnt, kommt es durch die persönliche Anwesenheit im Feld zu verstärkten sozialen Kontakten, die jedoch nicht zu lasten der Offenheit gegenüber dem Feld führen dürfen.

1.2 Einstieg ins Feld

Im folgenden Kapitel wird der Einstieg ins Forschungsfeld behandelt. Bevor nun näher auf die tatsächlichen Beobachtungen eingegangen wird, möchte ich die Institution kurz vorstellen.

Im Zuge des Forschungspraktikumsseminars absolvierte ich mein Praktikum gemeinsam mit meinem Kollegen Tomas Barton in einer Institution die es sich zum Ziel gesetzt hat, benachteiligte Jugendliche beim Einstieg ins Arbeitsleben zu unterstützen. Es handelt sich um Jugendliche die meist aufgrund psychischer Erkrankungen im Laufe ihrer Kindheit und/oder Jugendalter die Schule oder Lehre nicht abschließen konnten. Aufgabe des Projektes ist die Hilfe und Unterstützung der Jugendlichen auf ihrem Weg ins Arbeitsleben. Ziel des Projektes ist es die Jugendlichen so lange zu begleiten, bis sie im besten Fall einen Ausbildungsplatz erhalten. Die Inhalte, welche in der Institution vorrangig vermittelt und erarbeitet werden, behandeln zum größeren Teil die Förderung sozialer Kompetenzen. -Es geht weniger um arbeitsrelevante Inhalte, als um den Anspruch die Jugendlichen auf ein soziales Gefüge vorzubereiten. Das Programm erstreckt sich über einen Zeitraum von zwölf bis maximal achtzehn Monaten, in dem die Jugendlichen in Gruppen, von entweder einem oder mehreren Arbeitspädagogen, betreut werden. Das Team der Arbeitspädagogen besteht aus vier Mitarbeitern, die abwechselnd die Gruppen betreuen. Wie obige Ausführungen bereits vermuten lassen, ist das Bildungsniveau der Jugendlichen sehr unterschiedlich, was bei den verschiedenen Trainings- und Übungseinheiten immer wieder aufgefallen ist. Ausgehend davon legen die Arbeitspädagogen sehr viel Wert darauf, das „Lernfeld“ jedes/r einzelnen Teilnehmer/in besonders zu respektieren, was auch von den Jugendlichen untereinander erwartet wird. Das so genannte „Lernfeld“ bezeichnet Kompetenzen und Fähigkeiten die vom/von der jeweiligen Jugendlichen in seiner/ihrer Programmphase erarbeitet und im besten Fall erlangt werden sollen. Diese, mit dem/r jeweiligen Jugendlichen in Einzelgesprächen vor Beginn des Projektes vereinbarten Ziele, werden auch während den Trainingseinheiten öffentlich, d.h. innerhalb der Gruppe thematisiert.

Da das Training die Jugendlichen nicht nur auf das Arbeitsleben einstellen soll, sondern zum Ziel hat, sie in ihrer persönlichen und beruflichen Zukunftsplanung zu unterstützen, werden auch lebenspraktische Trainings und Übungen durchgeführt, die die Jugendlichen bei einer selbstständigen Lebensführung unterstützen sollen.

Das Training besteht allerdings nur zu einem Teil aus dem theoretischen Training in der Zentrale der Institution. An bestimmten Tagen in der Woche werden Schnuppertage bei Firmen und Exkursionen gemacht. Es gibt auch die Möglichkeit ein Arbeitstraining in einem bestimmten Berufsbereich zu absolvieren. Dieses Berufsfeld wird von dem/der Teilnehmer/in selbst gewählt und findet entweder in einer der Arbeitstrainingsstätten des Instituts statt oder direkt in einer Firma.

2. Teilnehmende Beobachtung im Forschungsprozess

Im Folgenden soll nun die Rolle des Forschers im Feld an meinen eigenen Erfahrungen expliziert werden.

2.1 Die Rolle des Forschers im Feld

Den Erstkontakt mit der Institution stellte mein Kollege her, da er Dank seiner beruflichen Vorgeschichte mit der Institution bereits bekannt war. Nachdem er mit dem Leiter einen Termin für ein Erstgespräch vereinbart hatte und wir ihm daraufhin unser Anliegen mitgeteilt hatten, nahmen wir an einer Teamsitzung teil und stellten auch den anderen Teammitgliedern unser Forschungsvorhaben vor. Sie erklärten sich soweit mit allem einverstanden und waren auch während den verschiedenen Beobachtungseinheiten immer wieder sehr interessiert an unserer Arbeit. Dem Leiter war es nach Absprache mit seinem Team sehr wichtig die Jugendlichen über unser Vorhaben zu informieren und auch deren Zustimmung zu erhalten. Er erstellte dazu ein Informationsblatt auf dem die Jugendlichen darüber informiert wurden, dass mein Kollege und ich jeweils zwei Tage in der Woche an den Trainings teilnehmen werden, jedoch nicht in den Ablauf einbezogen werden sollten. Dies brachte uns nach einiger Zeit die Bezeichnung „ die Beobachter“ ein.

2.2 Ablauf der Beobachtung

Während unserer Anwesenheit im Feld erstellten wir permanent Beobachtungsprotokolle, die für die Erarbeitung bestimmter Phänomene und späterer Kategorien dienen sollten. Der Zeitraum für die Erhebung unserer Daten erstreckte sich über mehrere Monate und ermöglichte uns so einen guten Einblick in die Institution und deren institutionalisierte Regelsysteme.

Im Grunde liefen unsere Beobachtungen immer ähnlich ab. Die Jugendlichen fanden sich morgens mehr oder weniger pünktlich in einem der beiden Gruppenräume ein und die Arbeitspädagogen/innen präsentierten den Tagesplan. Danach wurden wir Beobachter oft getrennt und schlossen uns jeweils einer Gruppe an, die im Anschluss an das Morgentreffen gebildet wurde. Diese Variante haben wir bereits im Vorfeld mit dem Leiter besprochen, da die Anzahl der Teilnehmer/innen in der Gruppe teilweise ziemlich gering war. Der Grund dieser Überlegung findet sich darin, dass wir als teilnehmende Beobachter versuchten, das Geschehen in dem Forschungsfeld so wenig wie möglich zu beeinflussen und je geringer die Anzahl der Beobachteten Individuen ist, desto größer ist die Gefahr des eigenen Einflusses. Da die Jugendlichen vom Leiter der Institution bereits vor unserer ersten Beobachtung über unsere Anwesenheit und Vorhaben informiert wurden, war es uns sehr gut möglich das Geschehen und die Vorgänge in der Gruppe zu beobachten, ohne in den Ablauf mit einbezogen zu werden. Im Regelfall bezogen wir unsere Beobachterposition außerhalb der Trainingsgruppe, also etwas abseits im Raum, um einen Überblick über die Situation und die sich bietenden Abläufe zu erhalten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Über Hilfestellung und die Teilnehmende Beobachtung
Untertitel
Ethnographische Feldstudie in einer Einrichtung für benachteiligte Jugendliche
Hochschule
Universität Wien  (Bildungswissenschaften)
Veranstaltung
Ethnographische Perspektiven auf pädagogische Felder
Note
Gut
Autor
Jahr
2012
Seiten
25
Katalognummer
V491478
ISBN (eBook)
9783668976528
ISBN (Buch)
9783668976535
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ethnographische Perspektiven, pädagogische Felder, benachteiligte Jugendliche, berufsvorbereitung, Hilfestellung, teilnehmende Beobachtung
Arbeit zitieren
Sabine Jurecek (Autor), 2012, Über Hilfestellung und die Teilnehmende Beobachtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491478

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