Diese Arbeit ist eine ethnographische Feldstudie. Der Schwerpunkt liegt auf dem Phänomen der Hilfestellung und ihrer Rolle während der Teilnehmenden Beobachtung. Die Arbeit stützt sich in methodischer Hinsicht auf die Ethnographische Feldforschung. Im Speziellen wird die Methode der Teilnehmenden Beobachtung zur Datenerhebung herangezogen.
Das Phänomen der Hilfestellung wird im vorliegenden pädagogischen Kontext in den verschiedenen Äußerungsformen untersucht. Wer übt diese aus und wer ist der Adressat? Welche Wirkmechanismen kommen dabei zu Tage? Wie verhalten sich Hilfestellung und Kooperation und welche Rolle kommt dem Gruppengefüge dabei zu? Diese Fragen waren Teil meiner Überlegungen während der Bearbeitung meiner Protokolle und Interpretationen. Auf Grund der vorgeschriebenen Länge der Arbeit ist es mir allerdings nicht möglich, auf alle Aspekte in detaillierter Form einzugehen. Aus diesem Grund wird im vierten Teil vor allem auf das Phänomen der Hilfestellung und seine Erscheinungsformen eingegangen.
Das Resultat dieser Auseinandersetzung mit den gewonnen Daten soll im Rahmen dieser Arbeit dargestellt werden. Die Arbeit gliedert sich in vier Teile. Im ersten Teil wird versucht, den theoretischen Hintergrund darzustellen. Dabei wird auf die ethnographische Forschung als Methode eingegangen. Der zweite Teil widmet sich der Teilnehmenden Beobachtung. Hier wird im Besonderen die Rolle des Forschers und in weiterer Folge der Fokus, auf den sich mein Interesse nach und nach stützte, thematisiert. Die Institution, in der wir unsere Beobachtungen durchführen konnten, ist eine institutionelle Einrichtung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, benachteiligte Jugendliche auf ihrem Weg ins Arbeitsleben zu unterstützen. Im besten Fall soll es den Jugendlichen nach Abschluss des Trainings möglich sein, eine Ausbildungsstelle zu erhalten.
Inhaltsverzeichnis
I) Einleitung
II) Hauptteil
1. Theoretischer Hintergrund
1.1 Theoretischer Hintergrund zum spezifischen Feld
1.2 Einstieg ins Feld
2. Teilnehmende Beobachtung im Forschungsprozess
2.1 Die Rolle des Forschers im Feld
2.2 Ablauf der Beobachtung
2.3 Fokussierung des Interesses
2.4 Theoretisierung des Interessensphänomens im Feld
3. Datenanalyse
3.1 Interpretation des Datenmaterials
4. Abstraktion des Datenmaterials
4.1 Hilfestellung aus Sicht der Arbeitspädagogen/innen im Gefüge „Team“ oder „Individuen einer Gruppe“
4.2 Hilfestellung aus Sicht der Teilnehmer/innen
4.3 Bedarf einer Hilfestellung
III) Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht ethnographisch das Phänomen der Hilfestellung in einer pädagogischen Einrichtung für benachteiligte Jugendliche, um zu verstehen, wie soziale Regeln und Kooperation in diesem spezifischen Kontext ausgehandelt werden.
- Methodik der teilnehmenden Beobachtung im pädagogischen Feld
- Analyse von Interaktionsmechanismen bei Hilfestellungen
- Rolle des Gruppengefüges (Team vs. Individuen)
- Einfluss von pädagogischen Ansprüchen auf soziale Kompetenzen
- Strategien der Sichtbarmachung von Hilfeleistungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Interpretation des Datenmaterials
Da sich meine Fragestellung mit den versteckten Mechanismen der Hilfestellung innerhalb der Gruppe der Trainingsteilnehmer/innen beschäftigt, soll der erste Auszug aus dem Beobachtungsprotokoll einen kurzen Einblick gewähren, wie mit der Thematik der Hilfestellung umgegangen wird, wenn „Hilfestellung“ und „Teamarbeit“ als Lerninhalt und Arbeitskompetenz im vorliegenden pädagogischen Feld aufgegriffen werden.
Als Vorbereitung auf den darauffolgenden praktischen Trainingstag in einer Großküche wurde besprochen, das geplante Gericht zur Übung zuzubereiten. Im Vorfeld wurden die Zutaten auf einer Flip-Chart Tafel aufgelistet und die Jugendlichen zum Einkaufen geschickt. Die Arbeitspädagogen haben mit den Jugendlichen vereinbart, wer für welche Zutaten verantwortlich ist und diese im Geschäft besorgen sollte.
Ca. 20 Minuten später: Die Jugendlichen sind vom Einkaufen zurück. Wir gehen alle in die Küche. Sie haben die Lebensmittel auf den Tisch gelegt. Te hat die Flipcharttafel reingeschoben und hackt alles nach der Reihe ab. Te: „wie ist es abgelaufen? Chri, wie war das?“ De kichert. Chri: „ja jeder hat sich verteilt und an der Kassa wir uns wieder getroffen!“ Te: „Aa du hast mich angerufen? Habts ihr die Verkäuferin gefragt? Aa schaut und zögert mit der Antwort. Ang: „also als erstes seid ihr rein gegangen und habt den Blätterteig gesucht.....habt ihn nicht gefunden...und dann...habts die Verkäuferin gefragt?“ Aa: „wir haben ihr gesagt, dass wir den nicht gefunden haben.“ Te: „Chri, was habt ihr dann gemacht?“ Chri: „angerufen!“ Te: „ja das war sehr gut, ihr hattet ein Problem, habt nachgefragt und einen Plan B entwickelt!....Mae bei dir? Gabs eine Situation so schwierig war?“ Mae schüttelt den Kopf. Te: „De hat die Teamarbeit gut funktioniert?“ De nickt. Te: „Rum hast du geschaut zum Schluss, ob alles da ist? Rum: „ja...“. Te: „De, kannst du uns bitte sagen, was man als nächstes machen muss?“ De beginnt stockend zu erklären...Ang fällt ihr in den Satz: „hmm.. da hast du dir schon einiges gemerkt...!“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel verortet die Arbeit in der ethnographischen Forschung und definiert die Methode der teilnehmenden Beobachtung als Zugang zur Untersuchung sozialer Vorgänge in einer Einrichtung für benachteiligte Jugendliche.
2. Teilnehmende Beobachtung im Forschungsprozess: Hier wird der konkrete Zugang zum Feld, die Rolle der Beobachter und die Entwicklung des Forschungsfokus von einem offenen Blick hin zu spezifischen Kriterien der Hilfestellung erläutert.
3. Datenanalyse: Aufbauend auf der Grounded Theory werden Beobachtungsprotokolle interpretiert, um Interaktionsmechanismen und das Phänomen der Hilfestellung als soziale Regel innerhalb der Teilnehmergruppe sichtbar zu machen.
4. Abstraktion des Datenmaterials: Dieses Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und kategorisiert Hilfestellungen in verschiedene Formen – unterteilt nach den Sichtweisen von Arbeitspädagogen und Teilnehmern sowie dem Bedarf an Unterstützung.
Schlüsselwörter
Ethnographische Forschung, teilnehmende Beobachtung, Hilfestellung, pädagogische Einrichtung, benachteiligte Jugendliche, soziale Kompetenzen, Kooperation, Gruppengefüge, Teamarbeit, Interaktionsmechanismen, Problemlösekompetenz, Grounded Theory, Beobachtungsprotokoll, pädagogischer Anspruch, Feldstudie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer ethnographischen Feldstudie in einer Einrichtung für benachteiligte Jugendliche und untersucht, wie das Phänomen der „Hilfestellung“ als soziale Regel und Praxis in diesem pädagogischen Kontext fungiert.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Interaktionsdynamiken in Gruppen, der pädagogische Anspruch der Kompetenzförderung, die unterschiedlichen Erscheinungsformen von Hilfestellung und die Rolle der teilnehmenden Beobachtung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die versteckten Mechanismen und sozialen Regeln aufzudecken, die steuern, wie und wann Jugendliche sich gegenseitig Hilfestellung geben und wie diese innerhalb der pädagogischen Struktur bewertet wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt die Methode der teilnehmenden Beobachtung, eingebettet in einen ethnographischen Forschungsrahmen, sowie Ansätze der Grounded Theory zur Auswertung des erhobenen Datenmaterials.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die Beschreibung des Forschungsprozesses, die konkrete Datenanalyse anhand von Protokollauszügen und die theoretische Abstraktion des Phänomens Hilfestellung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie ethnographische Forschung, Hilfestellung, soziale Kompetenzen, teilnehmende Beobachtung und pädagogische Felder charakterisieren.
Was bedeutet das im Kapitel 4.2 erwähnte Triangulationsmodell?
Es dient als grafisches und analytisches Instrument, um Hilfestellungen aus Sicht der Teilnehmer in drei Kategorien zu unterteilen: selbstinitiativ (freiwillig), strategisch sowie erbeten/angeordnet.
Warum wird im Buch zwischen „gewollter“ und „ungewollter“ Hilfestellung unterschieden?
Diese Unterscheidung erfolgt aus der Perspektive der Arbeitspädagogen: „Gewollt“ ist Hilfestellung, wenn sie die Teamarbeit und Problemlösung fördert, während „ungewollte“ Hilfe, wie etwa Einsagen, als eher hinderlich für den individuellen Kompetenzerwerb eingestuft wird.
Inwiefern spielt die „Sichtbarmachung“ von Hilfe eine Rolle?
Die Autorin beobachtet, dass Jugendliche Strategien entwickeln, um ihre Hilfeleistung für die Pädagogen sichtbar zu machen, was darauf hindeutet, dass Hilfestellung im Feld nicht nur als notwendig, sondern als positiv bewertete soziale Regel gilt.
- Citar trabajo
- Sabine Jurecek (Autor), 2012, Über Hilfestellung und die Teilnehmende Beobachtung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491478