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Zur Zielgruppenspezifik im Werk "Die Stadt der Träumenden Bücher" (2004) von Walter Moers

Eine literaturwissenschaftliche narrative Analyse

Title: Zur Zielgruppenspezifik im Werk "Die Stadt der Träumenden Bücher" (2004) von Walter Moers

Bachelor Thesis , 2017 , 42 Pages , Grade: 2,1

Autor:in: Henrike Vogel (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Diese Arbeit untersucht die Zielgruppenspezifik in Walter Moers‘ "Die Stadt der Träumenden Bücher" (2004). Walter Moers ist einer der populärsten und erfolgreichsten Schriftsteller Deutschlands. Seine Leserschaft rekrutiert sich aus allen Altersgruppen, wobei beispielsweise seine Adolf-Comics oder die Reihe "Das kleine Arschloch" aufgrund ihrer vulgären Aufmachung eher als Erwachsenenliteratur gelten. 1994 stellte gar das Landesamt für Jugend und Soziales einen Antrag auf Indizierung des Comics, das heißt die Aufnahme in die Liste jugendgefährdender Medien. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt.

Trotz seiner Bekanntheit und der literarischen Qualität seiner facettenreichen Werke ist er in den Literaturwissenschaften noch immer weitestgehend unbeachtet, wohl auch weil viele seiner Werke der Kinder-und Jugendliteratur zugeordnet werden. Um diesem Pauschalurteil und vor allem seinen stigmatisierenden Konsequenzen innerhalb der Forschung etwas entgegenzusetzen, wird sich diese Bachelorarbeit mit dem Moers'schen Werk "Die Stadt der Träumenden Bücher" (2004) beschäftigen.

Es wird gemeinhin davon ausgegangen, dass Erwachsenenliteratur und Kinder- und Jugendliteratur zwei separate Literatursysteme darstellen. Diese Separation basiert vor allem auf institutionellen Zuschreibungen, wird jedoch oft auf inhaltliche oder formale Textmerkmale zurückgeführt. Diese Praxis spiegelt sich auch in der Forschung zur Kinder- und Jugendliteratur wider, wie an späterer Stelle dieser Arbeit gezeigt werden soll. Daher wird diese Abschlussarbeit der Frage nachgehen, inwiefern sich aus den textimmanenten Eigenschaften die Adressierung bestimmter Leser*innengruppen ableiten lässt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

1. FORSCHUNGSÜBERBLICK ZUR KINDER- UND JUGENDLITERATUR – ANSÄTZE & GRENZEN

2. EIN KRITERIENKATALOG DER KINDER- UND JUGENDLITERATUR

3. METHODIK: ANALYSERASTER

4. NARRATIVE ANALYSE VON WALTER MOERS’ „DIE STADT DER TRÄUMENDEN BÜCHER“

4.1 PARATEXT

4.2 SPRACHLICHE & STILISTISCHE MITTEL

4.3 FORMALE & STRUKTURELLE ERZÄHLSTRUKTUREN

4.4 INTERTEXTUALITÄT & PARODIE

5. ZUSAMMENFASSUNG & CROSSOVER-MODELLE

6. FAZIT

7. LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, inwieweit sich auf der strukturellen Textebene von Walter Moers' Roman "Die Stadt der Träumenden Bücher" eine eindeutige Zielgruppenadressierung an Kinder oder Erwachsene ableiten lässt. Dabei wird die These hinterfragt, dass Kinder- und Erwachsenenliteratur zwei separate Systeme bilden, und stattdessen ein hybrides, crossover-orientiertes Modell vorgeschlagen, das literarische Texte als per se mehrdeutig betrachtet.

  • Kritische Analyse der Forschung zur Kinder- und Jugendliteratur
  • Entwicklung eines narratologischen Analyserasters basierend auf Gérard Genette
  • Narrative Untersuchung von Paratexten, Erzählstrukturen und Sprache
  • Untersuchung von Phänomenen wie Intertextualität und Parodie im Werk
  • Reflexion über Mehrfachadressierung und crossover-Modelle in der Literaturwissenschaft

Auszug aus dem Buch

4.1. PARATEXT

Der Roman ist in einer durchschnittlichen Textgröße (12 pt) verfasst und als Blocksatz formatiert. Die Kapitelüberschriften sind fettgedruckt und ein wenig größer. Sie sind mit Ziffern der „Buchimistischen Zahlenmystik“ überschrieben, einem Zahlensystem der Buchimisten, die im Mittelalter nach zamonischer Zeitrechnung eine Art Alchimisten-Zunft gründeten (vgl. STB 98). Auf die typographischen Besonderheiten des Kursiv- und Fettdrucks oder auf die unterschiedlichen Schriftarten wird nicht gesondert eingegangen, auch wenn sie ein spannendes Gebiet des Paratextes bilden. Der Abschnitt wird sich auf die Fußnoten, die Umschlagsgestaltung sowie die Illustrationen fokussieren.

Über den Roman verteilt gibt es Fußnoten, die wissenschaftlich anmutend in einer kleineren Schriftgröße und enger abgedruckt sind (z.B. STB 12). In den Fußnoten finden sich Anmerkungen des Übersetzers, d.h. Anmerkungen des sich als Übersetzer der Werke Hildegunst von Mythenmetz inszenierenden Walter Moers. Bereits in der ersten Fußnote des Romans verweist die Erzählinstanz des Übersetzers auf weitere Werke aus dem Oeuvre von Walter Moers alias Hildegunst von Mythenmetz. Diese Praktik entspricht dem herkömmlichen wissenschaftlichen Vorgehen – in dieser ersten Fußnote werden sogar Seitenzahlen für eine bestimmte Passage aus „Rumo und die Wunder im Dunkeln“ (2003) angegeben. Im Gegensatz zur wissenschaftlichen Fußnote erläutert die Übersetzerfigur Walter Moers den Begriff der „Lindfestebewohner“ nicht sachlich-neutral, sondern ironisch-parodierend. So kürzt er die Entstehungsgeschichte der Lindwurmfeste mit den Worten „wie es dazu kam, mögen Unwissende bitte an anderer Stelle nachlesen“ (ebd.) ab, gibt zuerst die Leseempfehlung „[d]ie halbe Biographie des Hildegunst von Mythenmetz“ an und wirbt damit gleichzeitig für einen weiteren Roman aus der Feder der Autorfiktion Hildegunst von Mythenmetz, nämlich „Ensel und Krete“ (2000). Damit wirbt er, wie Walter Moers-Leser*innen wissen, für eine wissenschaftliche Abhandlung, die wiederum mit komischen, erfundenen Quellenangaben aufwartet:

Zusammenfassung der Kapitel

EINLEITUNG: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage nach der Zielgruppenadressierung in Walter Moers' Werk und führt in die Problematik der literarischen Systemtrennung zwischen Kinder- und Erwachsenenliteratur ein.

1. FORSCHUNGSÜBERBLICK ZUR KINDER- UND JUGENDLITERATUR – ANSÄTZE & GRENZEN: Das Kapitel bietet einen Abriss über die heterogene Definitionslandschaft der Kinder- und Jugendliteraturforschung und kritisiert deren teils vorurteilsbehaftete, normative Ansätze.

2. EIN KRITERIENKATALOG DER KINDER- UND JUGENDLITERATUR: Hier werden die gängigen Kriterien für Kinder- und Jugendliteratur, insbesondere das Konzept der Akkommodation, vorgestellt und kritisch auf ihre Validität und Problematik hin geprüft.

3. METHODIK: ANALYSERASTER: In diesem Kapitel wird ein auf Gérard Genette basierendes, erzähltheoretisches Analyseraster entwickelt, um eine unvoreingenommene, deskriptive Analyse des Textes zu ermöglichen.

4. NARRATIVE ANALYSE VON WALTER MOERS’ „DIE STADT DER TRÄUMENDEN BÜCHER“: Das Kernstück der Arbeit wendet das Analyseraster auf Moers' Roman an, unterteilt in die Aspekte Paratext, Sprache, Erzählstrukturen sowie Intertextualität und Parodie.

5. ZUSAMMENFASSUNG & CROSSOVER-MODELLE: Die Analyseergebnisse werden zusammengeführt, um die Eignung bestehender crossover-Modelle zu diskutieren und einen theoretischen Gegenvorschlag zu formulieren.

6. FAZIT: Das Fazit resümiert die Arbeit und bekräftigt die These, dass eine textzentrierte Analyse ohne starre Zielgruppenzuschreibungen einen gewinnbringenderen wissenschaftlichen Umgang mit crossover-Literatur ermöglicht.

7. LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS: Dieses Verzeichnis listet sämtliche verwendete Primär- und Sekundärliteratur sowie die herangezogenen Quellen auf.

Schlüsselwörter

Walter Moers, Die Stadt der Träumenden Bücher, Kinder- und Jugendliteratur, Erwachsenenliteratur, crossover, Mehrfachadressierung, Akkommodation, Narratologie, Gérard Genette, Intertextualität, Parodie, Zielgruppenorientierung, Erzählstrukturen, Zamonien, Literaturwissenschaft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Frage, ob eine klare Differenzierung zwischen Kinder- und Jugendliteratur sowie Erwachsenenliteratur auf Basis der textimmanenten Merkmale von Walter Moers' Roman "Die Stadt der Träumenden Bücher" gerechtfertigt ist.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen umfassen die Theorie der Kinder- und Jugendliteratur, die Konzepte der Mehrfachadressierung und des Crossover, sowie narratologische Untersuchungen von Erzählstrukturen, Paratexten und intertextuellen Bezügen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu zeigen, dass die Trennung zwischen Kinder- und Erwachsenenliteratur auf Textebene kaum haltbar ist, und ein hybrides, transgenerationales Modell zur Interpretation von crossover-Literatur zu etablieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine rein narrative, erzähltheoretische Analyse, die maßgeblich auf Gérard Genettes Modell basiert, um den Text deskriptiv und unabhängig von institutionellen Zuschreibungen zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Definitionen und Kriterienkatalog) sowie eine detaillierte Analyse der paratextuellen, sprachlichen, strukturellen und intertextuellen Merkmale des Romans.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Crossover, Mehrfachadressierung, Narratologie, Zielgruppenorientierung, Akkommodation, Intertextualität und Parodie.

Wie geht die Autorin mit dem Begriff der "Akkommodation" um?

Sie hinterfragt den Begriff kritisch und zeigt auf, dass viele als "kindgemäß" eingestufte Merkmale in Moers' Roman eine weit breitere, altersübergreifende Funktion haben, die weit über eine simple Adressierung hinausgeht.

Welche Bedeutung misst die Arbeit der Intertextualität bei Moers bei?

Die Arbeit betont, dass Moers Intertextualität auf eine innovative und unterhaltsame Weise nutzt, die zwar für literarisch Gebildete reizvoll ist, aber für das Verständnis des Romans selbst keine zwingende Voraussetzung darstellt.

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Details

Title
Zur Zielgruppenspezifik im Werk "Die Stadt der Träumenden Bücher" (2004) von Walter Moers
Subtitle
Eine literaturwissenschaftliche narrative Analyse
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für deutsche Literatur)
Grade
2,1
Author
Henrike Vogel (Author)
Publication Year
2017
Pages
42
Catalog Number
V491608
ISBN (eBook)
9783668978782
ISBN (Book)
9783668978799
Language
German
Tags
Walter Moers Kinderliteratur Jugendliteratur Jugendbücher Crossover Zielgruppen Die Stadt der Träumenden Bücher Parodie Intertextualität stilistische Mittel Sprache Literaturwissenschaft Analyse Erwachsene
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Henrike Vogel (Author), 2017, Zur Zielgruppenspezifik im Werk "Die Stadt der Träumenden Bücher" (2004) von Walter Moers, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491608
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