Diese Arbeit behandelt in seiner Gesamtheit die Überprüfung der religiösen Situation in Deutschland im Hinblick auf die immer weiter voranschreitende Säkularisierung. Im Schwerpunkt soll dabei mithilfe der drei religionssoziologischen Modelle: Säkularisierungsthese, ökonomisches Marktmodell und Individualisierungsthese, die Säkularisierung in Deutschland erläutert und begründet werden.
Auf der Forschungsebene der Säkularisierung im deutschsprachigen Raum besteht ein großes Spektrum an Literatur und wissenschaftlichen Arbeiten. Einer der wichtigsten Vertreter ist hierbei Prof. Dr. Detlef Pollack vom Institut für Soziologie der Universität Münster. Zusammen mit Prof. Dr. Karl Gabriel (Universität Münster) zählt er zu den bekanntesten Experten auf diesem Gebiet. Angesichts dieses Umstandes habe ich mich im Rahmen meiner Literaturrecherche insbesondere auf die Werke und Überlegungen von Prof. Pollack konzentriert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Säkularisierungsthese
3. Das ökonomische Marktmodell
4. Die Individualisierungsthese
5. Welches religionssoziologische Modell kann die religiöse Situation in Deutschland erklären?
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die aktuelle religiöse Situation in Deutschland vor dem Hintergrund fortschreitender Säkularisierungsprozesse. Dabei wird analysiert, inwieweit drei zentrale religionssoziologische Erklärungsmodelle – die Säkularisierungsthese, das ökonomische Marktmodell und die Individualisierungsthese – den beobachtbaren religiösen Wandel in Deutschland plausibel begründen können.
- Analyse des Rückgangs kirchlich institutionalisierter Religion
- Gegenüberstellung von Säkularisierungsthese und Marktmodell
- Untersuchung des Konzepts der religiösen Individualisierung
- Empirische Einordnung anhand von Statistiken zur Kirchenmitgliedschaft
- Bewertung der Anwendbarkeit US-amerikanischer Marktmodelle auf den deutschen Kontext
Auszug aus dem Buch
3. Das ökonomische Marktmodell
Die Religionsökonomie (Economics of Religion) steht in der klassischen Tradition Adam Smiths. Dabei wird die Religion als eine Ware angesehen, welche auf dem Markt gehandelt werden kann. Gleichzeitig liegt auf der Angebotsseite das Interesse religiöser Anbieter (Kirchen, Sekten) darin im Wettbewerb mit der Konkurrenz möglichst viele Kunden bzw. Gläubige für sich zu gewinnen. Auf der Nachfrageseite hingegen besteht ein Bedürfnis nach religiösen Gütern und Dienstleistungen, (Rosenkränze, Heilige Schriften, Gottesdienste). Die religiösen Akteure verhalten sich dabei am Markt gemäß den Annahmen der „Rational-Choice-Theorie“. So wie in der Volkswirtschaft auch handelt das agierende Subjekt aus Eigeninteresse in dem Bestreben, in einer Welt der knappen Güter seinen individuellen Nutzen zu maximieren. Dadurch wählt es in Entscheidungssituationen, auf Basis einer Kosten-Nutzen-Analyse, die für seinen religiösen Nutzen günstigere Alternative aus. Der fromme „Homo Religiosus“ ist also immer auch ein nutzenmaximierender Homo Oeconomicus. Aus diesem Grund lässt sich religiöses Handeln, so die Annahme der Religionsökonomie mit den Modellen der Rational-Choice-Theorie analysieren.
Die Funktionsweise religiöser Märkte von Adam Smith wurde in der Wirtschaftswissenschaft lange ignoriert. Erst in den 1970er begannen die Ökonomen Corry Azzi und Ronald Ehrenberg die „Economics of Religion“ in den USA wieder zu einer sozialwissenschaftlichen Subdisziplin, mit folgenden Annahmen zu etablieren. Als Erstes gehen sie davon aus, dass eine zeit- und kontextunabhängige stabile Nachfrage nach Religion besteht, die das Bedürfnis nach Erklärungen von Existenz befriedigt und dafür übernatürliche Kräfte (Austausch mit Gott) beansprucht. Zweitens versuchen die Akteure ihren religiösen Nutzen zu maximieren, welcher in der Erlangung und Vermehrung von Heilsgütern besteht. Die dritte Annahme besagt, dass religiöse Organisationen Waren und Dienstleistungen anbieten und durch die Interaktion mit Konsumenten ein religiöser Markt entsteht. Als Letztes wird in Betracht gezogen, dass religiöse Partizipation und religiöser Glaube abhängig von den jeweiligen Rahmenbedingungen einer Gesellschaft sind, dies bedeutet, dass Religion und Moderne nicht zwingend in einem Spannungsverhältnis zueinanderstehen müssen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Rückgang religiöser Praxis in Deutschland und führt in die Fragestellung ein, welche der drei soziologischen Modelle diesen Wandel am besten erklären können.
2. Die Säkularisierungsthese: Dieses Kapitel erläutert die Theorie des fortschreitenden Relevanzverlusts von Religion durch Modernisierungsprozesse und deren Auswirkungen auf kirchliche Autorität und Glaubenspraxis.
3. Das ökonomische Marktmodell: Hier wird der Ansatz vorgestellt, Religion als Ware auf einem kompetitiven Markt zu betrachten, der durch rationale Nutzenmaximierung von Anbietern und Nachfragern geprägt ist.
4. Die Individualisierungsthese: Dieses Kapitel beschreibt den Wandel weg von institutionellen Vorgaben hin zu einer persönlichen, subjektiven Auswahl religiöser Überzeugungen durch das Individuum.
5. Welches religionssoziologische Modell kann die religiöse Situation in Deutschland erklären?: Eine empirische Analyse, die Daten zur Kirchenmitgliedschaft und religiösen Überzeugungen nutzt, um die Erklärungsmodelle auf den deutschen Kontext anzuwenden.
6. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass primär die Säkularisierungs- und Individualisierungsthesen den deutschen Kontext erklären, während das US-amerikanische Marktmodell weniger passend erscheint.
Schlüsselwörter
Säkularisierung, Religionssoziologie, Individualisierung, Rational-Choice-Theorie, Kirchenmitgliedschaft, Religionsmarkt, Entkirchlichung, Moderne, Religionsökonomie, Entmythologisierung, Glaubenspraxis, Säkularisierungsthese, Religionswandel, Deutschland, Institutionelle Religion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den religiösen Wandel in Deutschland und bewertet, welche der drei gängigen religionssoziologischen Modelle diesen Prozess am präzisesten erklären können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Themenfelder umfassen die Säkularisierungstheorie, das ökonomische Marktmodell für Religion sowie die Individualisierungsthese im Kontext der modernen deutschen Gesellschaft.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Welche sind die drei religionssoziologischen Modelle und inwieweit können diese die aktuelle religiöse Situation in Deutschland erklären?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung der Fachliteratur sowie eine Analyse statistischer Daten, um die Eignung der Modelle für den deutschen Kontext zu prüfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Vorstellung der drei Modelle und deren anschließende Anwendung auf empirische Entwicklungen in Deutschland, wie etwa den Mitgliederrückgang in den Kirchen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Säkularisierung, Individualisierung, Marktmodell, Religionssoziologie und der deutsche Kirchenkontext.
Warum ist das ökonomische Marktmodell für Deutschland weniger geeignet?
Da in Deutschland der Kirchenaustritt meist zum Status des Konfessionslosen führt und das Modell von US-amerikanischen Marktbedingungen ausgeht, greifen die dort postulierten Konkurrenzmechanismen hier nur begrenzt.
Wie korreliert die Individualisierung mit traditioneller Religion?
Die Arbeit zeigt, dass Individualisierungsindizien wie das Streben nach Selbstbestimmung negativ mit traditionellen christlichen Formen, aber positiv mit modernen, außerkirchlichen spirituellen Formen korrelieren.
- Citar trabajo
- Georg Rosenkranz (Autor), 2018, Die Überprüfung der religiösen Situation in Deutschland anhand der drei religionssoziologischen Modelle, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/492373