Diese Seminararbeit untersucht die Darstellung des Männerbildes in Gotthold Ephraim Lessings bürgerlichem Trauerspiel "Emilia Galotti". Das Drama aus dem Jahr 1772 handelt vom Prinzen Hettore Gonzaga, seiner fanatischen Liebe zu Emilia Galotti und seinem Vorhaben, das Mädchen zu erobern. Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist, darzustellen, wie Lessing das Männerbild in Emilia Galotti entwickelt. Mittels Charakteranalysen des Verhaltens, der Lebensvorstellungen und der Interaktionen mit anderen Figuren werden Männlichkeitskonzepte der Protagonisten abgeleitet. Die Forschungsfrage lautet:
Wie passt das in "Emilia Galotti" dargestellte Männlichkeitskonzept zum allgemeinen Geschlechterverständnis des 18. Jahrhunderts?
Eine Beantwortung der Forschungsfrage soll einen Beitrag zum besseren Verständnis der gegenwärtigen Genderdiskussion leisten, da sich die vorherrschende Literatur überwiegend mit dem Frauenbild des behandelten Dramas und vergleichbarer Werke beschäftigt. Methodisch gliedert sich diese Seminararbeit in vier Kapitel, die nachfolgend beschrieben sind. Kapitel 2 betrachtet zunächst den literaturhistorischen Kontext. In Kapitel 3 werden weitere Grundlagen zum Verständnis des damaligen Männerbilds geschaffen, indem zunächst die höfische Gesellschaft des 18. Jahrhunderts und danach der Patriarchalismus als Familienmodell erklärt werden. Kapitel 4 widmet sich einer Analyse der vier zentralen Männerfiguren des bürgerlichen Trauerspiels "Emilia Galotti": Odoardo Galotti, der Prinz von Guastalla, dessen Kammerherr Marinelli, sowie Graf Appiani.
Hierbei spielen Odoardo Galotti als Vertreter des damaligen Bürgertums und Vater der Protagonistin Emilia Galotti, sowie dessen Gegenspieler, der Prinz von Guastalla als dem Adel zugehöriges Oberhaupt des Herzogtums eine herausragende Rolle. Deshalb wird in der Folge detailliert auf diese beiden Charaktere eingegangen.
Abschließend erfolgt ein Fazit, das aus einer Analyse der Unterschiede und Gemeinsamkeiten der in Kapitel 4 betrachteten bürgerlichen Figuren und Vertretern des Adels, sowie der Einbindung des historischen Kontextes, das von Lessing dargestellte Männerbild erschließt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Literaturhistorischer Kontext
2.1 Die Epoche der Aufklärung
2.2 Unterströmung der Empfindsamkeit
2.3 Das bürgerliche Trauerspiel
3. Die höfische Gesellschaft im 18. Jahrhundert
3.1 Patriarchalismus als Familienmodell
4. Männliche Charaktere in ‚Emilia Galotti‘
4.1 Odoardo Galotti
4.2 Der Prinz
4.3 Graf Appiani
4.4 Marinelli
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung und Entwicklung des Männerbildes in Gotthold Ephraim Lessings bürgerlichem Trauerspiel „Emilia Galotti“. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, wie die in dem Werk dargestellten Männlichkeitskonzepte mit dem allgemeinen Geschlechterverständnis des 18. Jahrhunderts korrespondieren.
- Analyse des literaturhistorischen Kontextes der Aufklärung und Empfindsamkeit
- Untersuchung des bürgerlichen Trauerspiels als Gattung und dessen Funktion
- Erörterung des Patriarchalismus als Familienmodell des 18. Jahrhunderts
- Charakteranalyse der männlichen Hauptfiguren (Odoardo Galotti, Prinz, Graf Appiani, Marinelli)
Auszug aus dem Buch
4.1 Odoardo Galotti
Odoardo Galotti ist der Vater von Emilia Galotti und der Ehemann von Claudia Galotti. Seine Wertvorstellungen entsprechen dem vorangehend beschriebenen patriarchalistischen Muster und so beschreibt er sich selbst im Gespräch mit Frau und Tochter als „Mann und Vater der euch so herzlich liebet“ (2/4, S.25, Z.16). Auch ist es auffällig, dass seine Frau Claudia ihn anfangs mit „Sie“ (2/3, S.22, Z.2,3) anspricht, er sie aber duzt und damit seine ihr übergeordnete Position verdeutlicht. Nach seinem Militärdienst zieht er sich auf sein Landgut außerhalb der Residenz nach Sabionetta zurück, auf welchem die Hochzeit seiner Tochter mit dem Graf Appiani stattfinden soll. Über Graf Appiani, seinem zukünftigen Schwiegersohn, denkt er nur positives und will Emilia gerne in seine Hände geben, da er überzeugt davon ist, dass er die gleiche Wertschätzung für die bürgerlichen Tugenden aufbringt wie er und es das Beste für Emilia ist, wenn sie abseits der städtischen Einflüsse auf dem Lande in fester Männerhand lebt: “Kaum kann ich’s erwarten, diesen würdigen jungen Mann meinen Sohn zu nennen. Alles entzückt mich an ihm. Und vor allem der Entschluss, in seinen väterlichen Tälern sich selbst zu leben.“ (2/2; S.25, Z.2ff.) Auch ist Odoardo sich durchaus der Stellung Appianis in der Gesellschaft bewusst. Er selbst gehört der oberen Bürgerschicht an, da er einen eigenen Hof besitzt, es sich leisten kann nicht in der Stadt wohnen zu müssen und einen Diener hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, definiert das Ziel der Arbeit, die Forschungsfrage sowie das methodische Vorgehen innerhalb der vier Kapitel.
2. Literaturhistorischer Kontext: Dieses Kapitel beleuchtet die Epoche der Aufklärung, die Bedeutung der Empfindsamkeit sowie die Merkmale des bürgerlichen Trauerspiels.
3. Die höfische Gesellschaft im 18. Jahrhundert: Hier werden die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und insbesondere der Patriarchalismus als zentrales Familienmodell untersucht.
4. Männliche Charaktere in ‚Emilia Galotti‘: Dieses Kapitel widmet sich der detaillierten Charakteranalyse der vier zentralen Männerfiguren Odoardo Galotti, Prinz, Graf Appiani und Marinelli.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Figurenanalyse zusammen und setzt diese in Bezug zum historischen Männerbild und zur Geschlechterthematik.
Schlüsselwörter
Männerbild, Emilia Galotti, Gotthold Ephraim Lessing, Aufklärung, Patriarchalismus, Bürgertum, Adel, Odoardo Galotti, Geschlechterverständnis, Empfindsamkeit, Charakteranalyse, Männlichkeitskonzept, bürgerliches Trauerspiel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Darstellung von Männlichkeit und verschiedenen Männerfiguren in Lessings Trauerspiel „Emilia Galotti“ vor dem Hintergrund des 18. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind der historische Kontext der Aufklärung, das Modell des Patriarchalismus, die Gattung des bürgerlichen Trauerspiels und die spezifische Ausgestaltung von männlichen Charakteren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, das Männerbild in „Emilia Galotti“ zu analysieren und zu hinterfragen, wie die Männlichkeitskonzepte der Figuren mit dem allgemeinen Geschlechterverständnis der damaligen Zeit übereinstimmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt Literaturrecherche zum historischen Kontext sowie eine detaillierte Charakteranalyse der Protagonisten auf Basis des Dramentextes.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des historischen Kontextes (Aufklärung, Empfindsamkeit, Trauerspiel) und eine fundierte Analyse der Charaktere Odoardo Galotti, des Prinzen, Graf Appianis und Marinellis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Männlichkeitskonzept, Patriarchalismus, Aufklärung, bürgerliches Trauerspiel und die Figuren des Dramas.
Inwiefern beeinflusst der Militärdienst Odoardo Galottis seinen Charakter?
Seine Vergangenheit beim Militär prägt sein Verständnis von Tugend, Ehre und Disziplin, was sich in seiner Rigorosität und seiner oftmals gefühlsgeleiteten, unruhigen Art zeigt.
Welche Rolle spielt die Ambivalenz des Prinzen für das Drama?
Der Prinz schwankt zwischen absolutistischer Willkür und Ansätzen von Aufklärung, was ihn zu einer komplexen Figur macht, die Lessing als kritischen Kontrast zur bürgerlichen Welt nutzt.
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- Vanessa Schlurmann (Autor), 2016, Gotthold Ephraim Lessings "Emilia Galotti". Wie werden die Männerfiguren dargestellt?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/492592