Die vorliegende Ausarbeitung hat zum Ziel, die aus dem Quellenmaterial erarbeiteten Informationen und Ergebnisse geordnet und komprimiert wiederzugeben. Insbesondere befasst sie sich mit dem soziokulturellen, -ökonomischen, -geschichtlichen und -politischen Wandel und Transformationsprozessen, dem die Canela in ihrer Geschichte ausgesetzt sind und waren.
Der portugiesische Begriff "Canela" wird auf drei kulturell verwandte Timbira-Indiostämme angewandt. Es handelt sich hierbei um die Ramkokramekrá, die Apanyekrá und die Kenkateye, wobei einzig die Stämme der Ramkokramekrá und Apanyekrá heute noch existieren, nachdem die Kenkateye 1913 durch eine Attacke lokaler Farmer fast vollständig vernichtet wurden. Während der Ramkokramekrá-Stamm den Terminus "Canela" als Selbstbezeichnung übernahm, erhielt sich der Apanyekrá-Stamm seine traditionelle Bezeichnung. Diese spezifischen Selbstbezeichnungen werde ich auch in der fortlaufenden Ausarbeitung zur Kennzeichnung des jeweiligen Stammes nutzen.
Angesiedelt im zentralen Osten Brasiliens in der sog. Cerrado (Savanne) gehören beide Stämme mit unterschiedlichen Dialekten der Gê-Sprachfamilie an, die mit ihren verschiedenen Untersprachen vor allem in Zentral- und Ost-Brasilien und von insgesamt ca. 24.000 Indios gesprochen wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführende Anmerkungen
2 Definition der Canela
2.1 Unterschiede zwischen Canela & Apanyekrá
2.2 Entwicklungsgeschichte der Canela & Apanyekrá
3 Bevölkerungsveränderungen
3.1 Apanyekrá
3.1.1 Wachstumsraten
3.1.2 Extremitäten
3.2 Canela
3.2.1 Wachstumsraten
3.2.2 Extremitäten
3.3 Gründe für die untersuchten Bevölkerungsentwicklungen
4 Siedlungsveränderungen
5 Führungsgeschichte und -konflikte
6 Canela in der Diaspora
7 Medizinische Neuerungen
7.1 Jack Popjes
7.2 Sebastião Ferreira
8 Transportwege & Traditionelles Reisen
9 Einfluss durch Forscher und Lehrer & Sprachlicher Einfluss
10 Kulturelle, soziale und technische Veränderungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den soziokulturellen, ökonomischen, geschichtlichen und politischen Wandel der Canela-Indianer und analysiert die Transformationsprozesse, denen der Stamm im Laufe seiner Geschichte ausgesetzt war.
- Historische Siedlungsveränderungen und Diaspora-Erfahrungen
- Entwicklung der Bevölkerungsdynamik und Wachstumsraten
- Einfluss externer Akteure wie dem Indian Service, Missionaren und Ethnologen
- Sozio-ökonomische Auswirkungen moderner Lebensweisen
- Wandel von Traditionen, Rollenbildern und politischen Strukturen
Auszug aus dem Buch
2. Definition der Canela
Der portugiesische Begriff »Canela« wird auf drei kulturell verwandte Timbira-Indiostämme angewandt. Es handelt sich hierbei um die Ramkokramekrá, die Apanyekrá und die Kenkateye, wobei einzig die Stämme der Ramkokramekrá und Apanyekrá heute noch existieren, nachdem die Kenkateye 1913 durch eine Attacke lokaler Farmer fast vollständig vernichtet wurden (vgl. Kap. 4.) [vgl. Crocker 1990: In.4.b; II.B.1.d.(2)]. Während der Ramkokramekrá-Stamm den Terminus »Canela« als Selbstbezeichnung übernahm, erhielt sich der Apanyekrá-Stamm seine traditionelle Bezeichnung [vgl. Crocker 1990: In.4.b]. Diese spezifischen Selbstbezeichnungen werde ich auch in der fortlaufenden Ausarbeitung zur Kennzeichnung des jeweiligen Stammes nutzen.
Angesiedelt im zentralen Osten Brasiliens in der sog. Cerrado (Savanne) gehören beide Stämme mit unterschiedlichen Dialekten der Gê-Sprachfamilie an, die mit ihren verschiedenen Untersprachen vor allem in Zentral- und Ost-Brasilien und von insgesamt ca. 24.000 Indios gesprochen wird [vgl. Crocker 1990: In.1; II.A, II.A.2].
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführende Anmerkungen: Einführung in die Zielsetzung der Arbeit sowie Erläuterung der methodischen Vorgehensweise und Quellenlage.
2 Definition der Canela: Abgrenzung der Stammesgruppen innerhalb der Canela sowie geografische und kulturelle Einordnung der Stämme.
3 Bevölkerungsveränderungen: Detaillierte Analyse der Populationsdaten, Wachstumsraten und Entwicklungsfaktoren von Apanyekrá und Canela.
4 Siedlungsveränderungen: Untersuchung der historischen Fluchtbewegungen, Vertreibungen und Umsiedlungen des Stammes im 19. und 20. Jahrhundert.
5 Führungsgeschichte und -konflikte: Analyse der traditionellen Häuptlingsbestimmung und der Auswirkungen von Führungskonflikten auf die Stammeskohäsion.
6 Canela in der Diaspora: Darstellung der Probleme und Anpassungsprozesse während der Zeit der Vertreibung ins Gebiet der Guajajara.
7 Medizinische Neuerungen: Beschreibung der gesundheitlichen Verbesserungen durch gezielte Interventionen und deren Einfluss auf das Bevölkerungswachstum.
8 Transportwege & Traditionelles Reisen: Analyse der infrastrukturellen Erschließung und der kulturellen Bedeutung der traditionellen Wanderungen.
9 Einfluss durch Forscher und Lehrer & Sprachlicher Einfluss: Untersuchung des Einflusses von Missionaren, Forschern und moderner Bildung auf das Wissen und die Sprache der Canela.
10 Kulturelle, soziale und technische Veränderungen: Synthese des sozialen Wandels, von neuen Tanzstilen und Sportarten bis zur Rolle der Frau in der Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Canela, Apanyekrá, Cerrado, Gê-Sprachfamilie, Siedlungsgeschichte, Bevölkerungsentwicklung, Indian Service, Transformationsprozesse, Diaspora, Häuptlingskonflikte, kulturelle Anpassung, Bevölkerungswachstum, soziale Struktur, brasilianische Indios, Ethnologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der soziokulturellen und historischen Transformation der Canela-Indianer in Brasilien unter Berücksichtigung externer Einflüsse.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Siedlungsgeschichte, der Bevölkerungsentwicklung, politischen Konflikten innerhalb der Stämme sowie dem Einfluss externer Akteure.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Transformationsprozesse der Canela geordnet darzustellen und die Ursachen für ihre gesellschaftlichen Veränderungen zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um ein Lehrforschungsprojekt, das auf der Auswertung bestehender ethnologischer Quellen und Feldforschungsberichte, primär von William Crocker, basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die demografische Entwicklung, die Geschichte der Siedlungsverschiebungen und die Auswirkungen des Kontakts mit der Mehrheitsgesellschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Canela, Apanyekrá, Siedlungsgeschichte, Indian Service, kulturelle Anpassung und soziale Transformation sind zentral für das Verständnis der Arbeit.
Welchen Einfluss hatte der Indian Service auf die Canela?
Der Indian Service spielte eine entscheidende Rolle bei der Umsiedlung, medizinischen Versorgung und der Unterstützung der Canela in Konflikten mit Farmern.
Warum war die Diaspora der Canela zwischen 1963 und 1968 so prägend?
Diese Zeit zwang den Stamm zur Anpassung an eine neue ökologische Umgebung und zu einer massiven Auseinandersetzung mit der Außenwelt, was zu sozialen Spannungen führte.
Wie hat sich die Rolle der Frau bei den Canela verändert?
Frauen erlangten durch Emanzipation innerhalb der politischen Domäne und durch ihre Rolle in der Nahrungsbeschaffung sowie den Wandel des Sexualverhaltens eine neue gesellschaftliche Stellung.
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- Volker Hein (Author), 2013, Die Welt der südamerikanischen Canela Indianer. Soziokultureller, Ökonomischer, Geschichtlicher und Politischer Wandel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/493442