Ziel dieser Hausarbeit ist es, einen Vergleich des deutschen, britischen und schwedischen Wahlrechts aufzustellen. Wahlen sind das Grundprinzip einer liberalen Demokratie. Nur aus allgemeinen und freien Wahlen dürfen Regierungen und damit die politische Führung eines Landes hervorgehen. Ohne Wahlen und einem fairen Wettbewerb zwischen den politischen Strömungen, kann es also keine Demokratie geben.
Ein Wahlsystem muss verschiedene Prinzipien berücksichtigen. Es sollten möglichst alle Bevölkerungsgruppen im Parlament repräsentiert werden. Allerdings dürfen sich die Abgeordneten auch nicht soweit streuen, dass sie keine handlungsfähige Regierung hervorbringen können. Das Wahlrecht selbst muss einfach genug sein, um von allen Wahlberechtigten verstanden zu werden.
Ein einfaches Wahlrecht wird auch von der Bevölkerung leichter akzeptiert. Zudem darf es möglichst keinen von der Wahl ausschließen und möglichst alle müssen auch gewählt werden können. Natürlich muss der gemeine Wähler auch Alternativen für seine Stimme haben. Solche wettbewerbsorientierte Wahlen sind kompetitiv.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Fragestellung
2. Analyseraster: Vergleich von Wahlsystemen
3. Beschreibung der Wahlsysteme
3.1 Das deutsche Bundestagswahlrecht
3.2 Das britische Wahlrecht zum House of Commons
3.3 Das Wahlrecht zum schwedischen Reichstag
4. Analyse
4.1 Gemeinsamkeiten und Unterschiede
4.2 Vor- und Nachteile
4.3 Reformmöglichkeiten des deutschen Wahlsystems
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht das deutsche, britische und schwedische Wahlsystem, um Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in deren Ausgestaltung aufzuzeigen und daraus mögliche Reformansätze für das deutsche Bundestagswahlrecht abzuleiten.
- Grundprinzipien von Mehrheits- und Verhältniswahlsystemen
- Strukturelle Analyse des deutschen Bundestagswahlrechts
- Vergleichende Betrachtung des britischen Mehrheitswahlrechts und schwedischen Verhältniswahlrechts
- Diskussion von Vor- und Nachteilen (Repräsentation vs. Regierungsstabilität)
- Reformoptionen für das deutsche Wahlsystem zur Vermeidung von Überhangmandaten und Stärkung der Repräsentation
Auszug aus dem Buch
4.1 Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Während das britische Mehrheitswahlsystem eindeutige Mehrheiten hervorbringen soll, liegt der Schwerpunkt beim deutschen und schwedischen Verhältniswahlsystem in der genauen Abdeckung des Wählerwillens. Trotzdem gibt es zwischen allen Wahlsystemen teilweise Überschneidungen, aber auch Unterschiede zwischen den Verhältniswahlsystemen.
Allen drei Wahlsystemen ist gemein, dass sie mehrere Wahlkreise besitzen. Dabei erfolgt die Wahl der Abgeordneten im Vereinigten Königreich ausschließlich, in Schweden größtenteils über Wahlkreise. In Deutschland werden (im Normalfall) nur die Hälfte der Abgeordneten über Wahlkreise gewählt. Im Vereinigten Königreich und in Deutschland wird jeweils ein Abgeordneter mit relativer Mehrheit pro Wahlkreis gewählt. Das schwedische Wahlrecht sieht vor, dass in jedem Wahlkreis mehrere Abgeordnete gewählt werden können. Die Spanne reicht dabei (wie im letzten Kapitel erwähnt) von zwei Abgeordneten in Gotland bis zu 42 in Stockholm. Die Wahlkreise dürfen daher eine unterschiedliche Einwohnerzahl haben. In Deutschland und dem Vereinigten Königreich, wird nur ein Mandat vergeben, weil die Bevölkerungszahl in den verschiedenen Wahlkreisen nur minimal voneinander abweichen darf. Andernfalls hätten die Stimmen in kleineren Wahlkreisen ein höheres Gewicht.
Einzig und allein die Zweitstimmen sind in Deutschland für die Proporzverteilung im Bundestag zuständig. Sollte eine Partei in einem Bundesland mehr Direktmandate erringen, als ihr nach Zweitstimmenproporz zustehen, werden diese Überhangmandate durch zusätzliche Sitze für andere Parteien ausgeglichen. Dadurch erhöht sich die Gesamtsitzzahl im Bundestag. In Schweden bleiben Ausgleichsmandate für alle Parteien vorgesehen, die keine Wahlkreismandate errungen haben. Überhangmandate können auch durch die Vielzahl von Wahlkreismandaten nicht auftreten, welche verhindern, dass eine Partei in einem Wahlkreis durch ein einziges zu vergebenes Mandat bevorteilt wird, wie es in Deutschland immer wieder vorkommt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Fragestellung: Das Kapitel führt in die historische Entwicklung der Wahlrechtssysteme ein und stellt die leitenden Forschungsfragen zur Vergleichbarkeit und Effektivität verschiedener Wahlsysteme.
2. Analyseraster: Vergleich von Wahlsystemen: Hier werden die theoretischen Grundlagen und Kriterien für den Vergleich von Wahlsystemen dargelegt, insbesondere im Hinblick auf Repräsentation und Regierungsstabilität.
3. Beschreibung der Wahlsysteme: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte deskriptive Übersicht über die Funktionsweisen der deutschen, britischen und schwedischen Wahlsysteme.
4. Analyse: Es findet ein systematischer Vergleich hinsichtlich Gemeinsamkeiten, Unterschieden, Vor- und Nachteilen sowie potenziellen Reformoptionen für Deutschland statt.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass kein perfektes Wahlsystem existiert und betont die Bedeutung der Balance zwischen Wählerwillen und Regierungsfähigkeit.
Schlüsselwörter
Wahlsystem, Verhältniswahlrecht, Mehrheitswahlrecht, Bundestagswahlrecht, Überhangmandate, Ausgleichsmandate, Sperrklausel, Repräsentation, Regierungsstabilität, Wahlkreise, Erststimme, Zweitstimme, Minderheitsregierung, Parlament, Wahlsystemvergleich
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einem rechtsvergleichenden Blick auf die Wahlsysteme von Deutschland, Großbritannien und Schweden, um die Vor- und Nachteile der verschiedenen Ansätze zu analysieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Ausgestaltung von Mehrheits- und Verhältniswahlsystemen, die Problematik von Überhangmandaten, Sperrklauseln und die Auswirkungen auf die Regierungsbildung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, durch den Vergleich mit dem britischen und schwedischen System Reformmöglichkeiten für das deutsche Wahlsystem zu identifizieren, insbesondere um das Repräsentationsprinzip zu verbessern oder die Regierungsbildung zu vereinfachen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende politikwissenschaftliche Analyse, die deskriptive Beschreibungen mit einer kritischen Diskussion von Reformoptionen kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Beschreibung der drei Wahlsysteme sowie eine anschließende analytische Gegenüberstellung, in der Gemeinsamkeiten und Unterschiede diskutiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Wahlsystem, Überhangmandate, Ausgleichsmandate, Repräsentation, Regierungsstabilität und Sperrklausel.
Warum ist das britische Wahlsystem nicht direkt mit dem deutschen vergleichbar?
Das britische System verfolgt primär das Ziel der Herstellung eindeutiger Mehrheitsverhältnisse, während das deutsche System einen komplexen Mittelweg zur Abdeckung des Wählerwillens über Verhältniswahlanteile sucht.
Welche Rolle spielen die Mehrmandatswahlkreise in Schweden für die Stabilität?
Sie ermöglichen eine höhere Repräsentativität und verhindern das bei Mehrheitswahlrecht typische Problem der Stimmenverluste, was zur hohen politischen Stabilität des schwedischen Systems beiträgt.
Welche Reformoptionen schlägt der Autor für Deutschland konkret vor?
Der Autor diskutiert u.a. die Absenkung der Sperrklausel, die Einführung einer Alternativstimme oder eine grundlegende Reform nach schwedischem Vorbild mit Mehrmandatswahlkreisen.
- Quote paper
- Tim Holzlehner (Author), 2018, Das deutsche, britische und schwedische Wahlrecht im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/493865