Die Fragen, denen im Laufe der Ausführungen nachgegangen werden soll sind: Wie kritisiert Baudelaire die bildende Kunst seiner Zeit und wie steht diese Kritik und seine Haltung zu verschiedenen Künstlern im Zusammenhang mit seiner Kritik an der Fotografie? Welche Auffassung von Kunst hatte Baudelaire und aufgrund welcher Ansichten verurteilt er die neue Technik der Fotografie? Wie werden die Kunsttheorie und Fotografie-Kritik Baudelaires im Laufe der (Theorie-)Geschichte rezipiert?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Baudelaires Kunstkritik und Kunstverständnis
2.1. Salonkritik in Frankreich zur Zeit Baudelaires
2.2. Subjektivität trotz Wissen und Bildung: Baudelaire als Kunstkritiker
3. Kurze Fotografie-Geschichte
3.1. Vorgeschichte: Dunkelkammer und Abbildungsbedürfnis
3.2. Die ersten fotografischen Verfahren: Der Siegeszug eines neuen Mediums
3.3. Nadar und Disdéri: Pioniere der Popularität
3.4. Entwicklungen ab dem Ende des 19. Jahrhunderts: Nach Baudelaires Zeit
4. Baudelaire und die Fotografie als Todfeindin der Malerei: Der Salon von 1859
5. Fotografie-Theorie nach Baudelaire: Walter Benjamin und der Aura-Verlust
6. Baudelaire und Constantin Guys – Lyrik und Malerei im Dialog
6.1. „La peintre de la vie moderne“ – Die Bedeutung Guys‘ für Baudelaires Kunstauffassung
6.2. Die Zeichnungen von Constantin Guys – exemplarisch betrachtet
6.3. Baudelaires Skizzen und Zeichnungen – exemplarisch betrachtet
6.4. Guys und Baudelaire: als Wegbereiter der Moderne?
7. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die kritische Haltung des Dichters Charles Baudelaire gegenüber dem aufkommenden Medium der Fotografie im 19. Jahrhundert. Ziel ist es, diese Ablehnung vor dem Hintergrund seines eigenen Kunstverständnisses zu analysieren, die historische Entwicklung der Fotografie nachzuzeichnen und Baudelaires Rolle als Wegbereiter der Moderne durch seinen Austausch mit dem Maler Constantin Guys zu beleuchten.
- Baudelaires kunsttheoretische Fundierung und seine Kritik an der Fotografie im „Salon von 1859“.
- Die historische Entwicklung und Kommerzialisierung der Fotografie im 19. Jahrhundert.
- Die Rezeption von Baudelaires Fotografie-Kritik durch Walter Benjamin und den Begriff des Aura-Verlusts.
- Der Dialog zwischen Lyrik und Malerei am Beispiel von Baudelaire und Constantin Guys.
Auszug aus dem Buch
Baudelaire und die Fotografie als Todfeindin der Malerei: Der Salon von 1859
Bei aller Popularität der Fotografie würde über sie gerade bei Künstlern und Kritikern von Beginn an heftig und kontrovers diskutiert. Euphorischer Begeisterung stand kategorische Ablehnung entgegen. Die kritischen Zeitgenossen stellten vor allem ihren ästhetischen Wert und ihre Kunstwürdigkeit in Frage. Tatsache war allerdings auch, dass die Fotografie schnell in die wichtigen Aufgabenbereiche der Kunst, etwa das Porträt, die Landschaft, den Akt oder die Kunstreproduktion, vordrang und für zahlreiche Künstler eine Gefährdung ihrer Existenz bedeutete.
Baatz fasst hier die Auswirkungen der Fotografie zur Anfangszeit gut zusammen und verweist mitunter auf die recht schnell aufkommenden Schmähschriften hin. Charles Baudelaire verfasste eine dieser frühen Aufsätze, die sich gegen die Fotografie aussprachen. In seinem Salon de 1859 betitelt er einen Abschnitt Le Public Moderne Et La Photographie. Diese „regelrechte Abrechnung“ mit der Fotografie soll im Folgenden nach ihren inhaltlichen Aspekten bezüglich seinen Kritikpunkten am neuen Medium und bezüglich deren Wechselwirkungen zum Kunstverständnis Baudelaires untersucht werden.
Im Zentrum der baudelaireischen Kunstkritik steht der Begriff der ‚Einbildungskraft‘ (imagination). Damit ist die ‚Kardinalfähigkeit‘ des Menschen gemeint, ein ursprüngliches, schöpferisches Vermögen, das in der Kunst seinen privilegierten Ausdruck findet[.] Die sichtbare Welt soll also lediglich „als Rohstoff für das schöpferische Wirken“ gesehen werden, jede Form des Realismus bzw. Naturalismus lehnt Baudelaire infolgedessen ab. Die Aufgabe der Kunst und Literatur besteht für Baudelaire nicht in der Spiegelung der Wirklichkeit, sondern in der Erschaffung von „Gegenwelten der Phantasie […] oder der reinen Schönheit, in [denen] die Regeln der Realität nicht gelten“. Diese Konzeption von wahrer Kunst geht nun in den Vergleich der Malerei mit Fotografie ein, den er in Le Public Moderne Et La Photographie aufstellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob Fotografie Kunst ist, und beleuchtet Charles Baudelaires ablehnende Haltung gegenüber diesem Medium.
2. Baudelaires Kunstkritik und Kunstverständnis: Dieses Kapitel erläutert den historischen Kontext der französischen Salonkritik und Baudelaires subjektive Herangehensweise als Kunstkritiker.
3. Kurze Fotografie-Geschichte: Ein technischer und historischer Abriss über die Anfänge der Fotografie von der Camera obscura bis zur Kommerzialisierung durch Pioniere wie Nadar.
4. Baudelaire und die Fotografie als Todfeindin der Malerei: Der Salon von 1859: Hier wird Baudelaires Kritik an der Fotografie als mechanische und fantasielose Tätigkeit analysiert, die er als Bedrohung für die imaginative Malerei sah.
5. Fotografie-Theorie nach Baudelaire: Walter Benjamin und der Aura-Verlust: Untersuchung der Rezeption von Baudelaires Thesen durch Walter Benjamin, insbesondere in Bezug auf den Verlust der „Aura“ durch die technische Reproduzierbarkeit.
6. Baudelaire und Constantin Guys – Lyrik und Malerei im Dialog: Analyse der engen Beziehung zwischen Baudelaire und dem Maler Constantin Guys als Ausdruck von Baudelaires Modernitätstheorie.
7. Zusammenfassung und Fazit: Abschließende Betrachtung, die Baudelaires Rolle als Kritiker würdigt und feststellt, dass seine Kritik an der Fotografie eine frühe Reflexion über die Transzendierung der Realität darstellte.
Schlüsselwörter
Charles Baudelaire, Fotografie, Kunstkritik, Malerei, Salon von 1859, Einbildungskraft, Walter Benjamin, Aura, Technische Reproduzierbarkeit, Constantin Guys, Moderne, Modernitätstheorie, Ästhetik, Wirkungsästhetik, Bildende Kunst.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Auseinandersetzung von Charles Baudelaire mit der Fotografie als neuem Medium im 19. Jahrhundert und setzt diese in Bezug zu seinem allgemeinen Kunstverständnis.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Kunstkritik des 19. Jahrhunderts, die Geschichte und technische Entwicklung der Fotografie, Baudelaires spezifische Fotografie-Kritik sowie die wechselseitige Beeinflussung von Malerei und Lyrik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu verstehen, warum Baudelaire die Fotografie als „Todfeindin“ der Malerei betrachtete und wie dieses Urteil mit seinem Konzept der „Einbildungskraft“ zusammenhängt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literatur- und kunstwissenschaftliche Analyse, bei der Primärtexte von Baudelaire und Benjamin mit kunsthistorischer Sekundärliteratur verknüpft werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Baudelaires Texte zur Fotografie, vergleicht sie mit den Ansichten Walter Benjamins zum Aura-Verlust und untersucht anhand von Constantin Guys, wie Baudelaires Modernitätsbegriff in der Malerei praktisch Anwendung fand.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Baudelaire, Fotografie, Aura, Kunstkritik, Einbildungskraft, Modernität, Constantin Guys und technische Reproduzierbarkeit.
Wie bewertete Baudelaire die Fotografie konkret im „Salon von 1859“?
Baudelaire bezeichnete die Fotografie als mechanische und triviale Abbildung, die als „Zuflucht für untalentierte Maler“ diene und die imaginative Kunst, die in seinen Augen die wahre Kunst darstellte, zu verdrängen drohe.
Inwiefern beeinflusste Constantin Guys das Werk Baudelaires?
Guys galt für Baudelaire als der „Peintre de la vie moderne“ (Maler des modernen Lebens). Sein Zeichenstil und seine Beobachtungsgabe dienten Baudelaire als direkte Inspiration für seine eigene Dichtungstheorie.
Welche Rolle spielt Walter Benjamin in der Arbeit?
Benjamin wird als entscheidender Rezipient Baudelaires herangezogen, dessen Begriff des „Aura-Verlusts“ durch die technische Reproduktion dazu dient, die langfristigen Auswirkungen der Fotografie auf das Kunstverständnis kritisch zu beleuchten.
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- Anonym (Author), 2015, Baudelaires Theorien und Kritik zur Malerei und Fotografie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/494153