Es ist keine neue Erkenntnis, dass soziale Beziehungen eine Basis für unser Handeln darstellen. Als kompetente Mitglieder der Gesellschaft, wissen wir, wie man mit Eltern, Verkäufern, Freunden et cetera umgeht und besitzen Erwartungen, wie wir von Eltern, Verkäufern, Freunden et cetera behandelt werden wollen. Das "Hände-Halten" ist zum Beispiel eine Umgangsform zwischen zwei Intimpartnern oder einem Elternteil und einem Kind, die eine bestimmte soziale Beziehung erwartbar macht. Es könnte dagegen irritierend wirken, wenn diese Umgangsform von zwei Freunden ausgeführt wird. Von Freunden erwarten wir andere Umgangsformen beziehungsweise Konventionen. Darüber hinaus wird das Thema der Konventionen in dieser Lehrforschung mit dem Thema Kleidung verknüpft. Damit wird die basale Frage gestellt, wie Menschen untereinander mit Kleidung umgehen und welche Aussagen sich aus diesem Umgang über die Beziehungsformen ableiten lassen?
Dazu wurde das episodische Interview als Methode ausgewählt, um verschiedene Situationen, in denen eine Handlung mit Kleidung passiert, von den Interviewpartnern in kurzen Geschichten erzählen zu lassen. Eine Handlung mit Kleidung meint, dass ein Kleidungsstück gekauft, nachgekauft, verschenkt, verliehen oder Beratung zur Kleidung geleistet wird. In dieser Lehrforschung liegt der Fokus auf den Rechtfertigungsformen für bestimmte Handlungen mit Kleidung und wie mit bestimmten Konventionen umgegangen wird.
Ich werde in dieser Lehrforschung den Forschungsprozess skizzieren, indem ich die Erarbeitung des Themas und die Methode vorstelle, und das Forschungsdesign in Abhängigkeit der Forschungsfrage erläutere. Des Weiteren werde ich das Thema theoretisch einbetten, den gesamten Forschungsprozess reflektieren und zum Schluss die Ergebnisse und Hypothesen zusammenfassen, um abschließend einen Ausblick für weitere Forschung zu geben.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Forschungsstand
2. Erarbeitung des Themas
3. Methode
4. Analyse
4.1 Kaufen
4.2 Nachkaufen
4.3 Beraten
4.4 Schenken
4.5 Ausleihen
5. Theoretische Einbettung
6. Selbstreflexion / Methodenreflexion
7. Schluss / Erkenntnisse
8. Literaturverzeichnis
9. Anhang
9.1 Interview 1
9.2 Interview 2
9.3 Interview 3
9.4 Interview 4
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie soziale Beziehungen durch alltägliche Handlungen mit Kleidung – wie das Kaufen, Nachkaufen, Beraten, Schenken und Ausleihen – konstituiert werden. Dabei steht die Frage im Fokus, welche Rechtfertigungsformen und Konventionen Menschen in diesen Interaktionen nutzen und welche Bedeutung die Materialität von Stoffen für die soziale Interaktion besitzt.
- Soziologische Analyse von Mode- und Bekleidungspraktiken
- Methodische Anwendung episodischer Interviews
- Untersuchung von Konventionen und Handlungsunsicherheit
- Analyse der Bedeutung von sozialen Beziehungen bei Kleiderhandlungen
- Reflexion der Rolle der Materialität in sozialen Kontexten
Auszug aus dem Buch
4.3 Beraten
Pt2: boah ey das ist ähm also es kommt erstens ultra selten vor
In: okay
Pt2: und wenns vorkommt dann auf jeden fall so dass äh ich halt versuche das so schnell wie möglich zu machen also ich versuche halt dann so zu beraten wie ich glaube dass derjenige beraten werden möchte damit er sich möglichst schnell entscheidet damit ich möglichst schnell auch wieder nachhause kann und nicht weiter beraten muss so ist halt auch eher also umgekehrt auch interessant wie man sich gerne beraten lässt ähm also auch das ist halt so ne sache irgendwie also ich finds immer ziemlich unangenehm mich beraten zu lassen von jemandem der da mitentscheidet so es sei denn es geht halt wirklich um so sachen okay passt die oder ist die zu eng irgendwie oder sowas halt
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der Kleidung als Basis sozialer Beziehungen und Skizzierung des Forschungsvorhabens.
1. Forschungsstand: Überblick über soziologische Ansätze zu Mode, Selbstdarstellung und Lebensstil von Theoretikern wie Goffman, Bourdieu und Simmel.
2. Erarbeitung des Themas: Herleitung der Forschungsfrage aus persönlichen Beobachtungen über soziale Konventionen beim Kleidungsumgang.
3. Methode: Darstellung des episodischen Interviews als qualitatives Instrument zur Erhebung von alltagsnahen Geschichten.
4. Analyse: Detaillierte Untersuchung der fünf Handlungsbereiche (Kaufen, Nachkaufen, Beraten, Schenken, Ausleihen) anhand der geführten Interviews.
5. Theoretische Einbettung: Anwendung der „Économie des conventions“ zur Deutung der Ergebnisse als Mechanismen zur Bewältigung von Handlungsunsicherheit.
6. Selbstreflexion / Methodenreflexion: Kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle als Interviewer und den Herausforderungen der angewandten Methode.
7. Schluss / Erkenntnisse: Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse und Ausblick auf zukünftige Forschungsansätze.
Schlüsselwörter
Soziologie, Kleidung, soziale Beziehungen, Konventionen, episodisches Interview, Économie des conventions, Handlungsunsicherheit, Selbstdarstellung, Mode, Kleiderkauf, Beratung, Schenken, Ausleihen, Alltagshandlungen, Qualitative Sozialforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie verschiedene alltägliche Handlungen im Umgang mit Kleidung, wie das Kaufen, Schenken oder Ausleihen, dazu beitragen, soziale Beziehungen zu definieren und zu festigen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Zentral sind die soziale Dimension von Mode, die Analyse von Konventionen und die Art und Weise, wie Menschen durch den Austausch von Kleidung miteinander interagieren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu ergründen, wie Menschen im zwischenmenschlichen Bereich mit Kleidung umgehen und welche Rückschlüsse sich aus diesen Interaktionen auf die zugrunde liegenden Beziehungsformen ziehen lassen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Der Autor nutzt das episodische Interview, um anhand von persönlichen Erzählungen und Geschichten aus dem Alltag tiefere Einblicke in subjektive Erfahrungen und Konventionen zu gewinnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in fünf Analysebereiche (Kaufen, Nachkaufen, Beraten, Schenken, Ausleihen), in denen Interviewausschnitte analysiert und soziologisch interpretiert werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind „Konventionen“, „Handlungsunsicherheit“, „Wertigkeitsordnungen“ sowie die „Économie des conventions“ nach Diaz-Bone.
Warum wird beim Kleidungskauf oft auf Begleitung verzichtet?
Die Analyse zeigt, dass viele Befragte den Zeitaufwand beim gemeinsamen Einkaufen scheuen und den Prozess eher als eine zu erledigende Aufgabe betrachten, statt als gemeinsames Erlebnis.
Welche Rolle spielt die „Ehrlichkeit“ bei der Beratung durch den Intimpartner?
In Intimbeziehungen wird die Ehrlichkeit als wesentliche Norm wahrgenommen; eine unehrliche Antwort wird oft als Bruch dieser speziellen sozialen Konvention empfunden.
- Quote paper
- Ivan Logunov (Author), 2017, Kaufen, beraten, schenken und ausleihen. Wie Handlungen mit Kleidung soziale Beziehungen ausmachen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/494460