In allen vier Evangelien wird erwähnt, wie Joseph von Arimathäa Pontius Pilatus darum bitte, Jesus beerdigen zu dürfen. Jedoch wird die Kreuzabnahme selbst in den Evangelien nur kurz zur Sprache gebracht, wie eben aus dem Johannes-Evangelium zitiert (noch kürzer wird es in den anderen drei Evangelien dargestellt). Trotzdem ist sie in der Bildenden Kunst eine überaus beliebte Darstellung und kann auch schon auf frühmittelalterlichen Tafelmalereien betrachtet werden.
Zu Anfang gestaltete sich die Kreuzabnahme-Gruppe minimalistischer als in der darauffolgenden Zeit: Jesus war meist mittig vor dem Kreuz dargestellt, Maria zu seiner Rechten seine Hand küssend und Johannes zu seiner Linken. Später kamen noch Joseph von Arimathäa und Nikodemus hinzu. Bei Rogier van der Weydens Kreuzabnahme sind noch weitere Personen dargestellt, die später näher erläutert werden sollen.
Inhaltsverzeichnis
1. Kurzbiographie des Rogier van der Weyden
2. Die Kreuzabnahme
2.1 Eckdaten
2.2 Beschreibung
2.3 Komposition und Besonderheiten
2.3.1 Maria-Johannes-Gruppe
2.3.2 Tränendarstellung und Leben und Tod
2.3.3 Christus-Gruppe
2.3.4 Magdalena-Gruppe
2.3.5 Gesamtkomposition
2.4 Rekonstruktion
3. Vergleich
4. Rogier oder doch Campin?
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit widmet sich der detaillierten kunsthistorischen Analyse der berühmten „Kreuzabnahme“ von Rogier van der Weyden. Ziel ist es, die kompositorischen Besonderheiten, die Ikonographie der Trauerdarstellung und die stilistischen Charakteristika des Werks zu untersuchen sowie die Debatte um die Zuschreibung an Rogier van der Weyden versus Robert Campin kritisch zu beleuchten.
- Biografische Einordnung des Künstlers Rogier van der Weyden
- Detaillierte Analyse der Bildkomposition und Figurenkonstellationen
- Untersuchung der Imitatio Christi und der Tränendarstellung als Ausdrucksform
- Rekonstruktionsversuche der verlorenen Altarflügel
- Stilvergleich mit nachfolgenden Werken (Joos van Cleve)
- Diskussion zur Autorschaft und künstlerischen Einordnung
Auszug aus dem Buch
2.3.3 Christus-Gruppe
Auch Christi Gesichtsausdruck (Abb. 12) lässt ihn nicht leidend wirken, er ist eher dargestellt, als würde er ruhen. Wie vorhin schon beschrieben ist er in einer Art Bogen dargestellt, da er von Joseph von Arimathäa und dem Diener auf der Leiter unter den Armen gehalten wird und Nikodemus rechts von ihm seine Beine nach oben hält. Christus ist tief in die Gruppe herabgelassen, in den Schoß der leidenden Angehörigen. Dies impliziert eine Familiarität.
Am wichtigsten jedoch ist Christi Verbindung zu seiner Mutter (Abb. 11). Diese stellt ja, wie bereits erwähnt, die Imitatio Christi dar. Sie ahmt quasi das Leid ihres Sohnes nach und wird damit zur zentralen Mitleidenden. Wichtig zu erwähnen sind auch die Hände von Mutter und Sohn, die in einer Spiegelsymmetrie zueinander stehen. Marias linke und Jesu rechte Hand sind nah beieinander und spiegelsymmetrisch dargestellt, ohne sich jedoch zu berühren. Die äußeren, also Marias rechte und Jesu linke Hand weisen halb geöffnet zueinander.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Kurzbiographie des Rogier van der Weyden: Dieses Kapitel gibt einen kurzen Überblick über das Leben des Künstlers von seiner Geburt in Tournai bis zu seinem Werdegang in der Werkstatt von Robert Campin.
2. Die Kreuzabnahme: Das Hauptkapitel analysiert das Madrider Gemälde hinsichtlich Eckdaten, der detaillierten Beschreibung der Figurengruppen, ihrer Komposition, der besonderen Tränendarstellung sowie der Versuche einer historischen Rekonstruktion des Altars.
3. Vergleich: Hier wird Rogiers Werk mit einer späteren Kopie von Joos van Cleve kontrastiert, um die stilistischen Unterschiede und die Wirkung des Fehlens bzw. Hinzufügens einer Landschaftskulisse aufzuzeigen.
4. Rogier oder doch Campin?: Das abschließende Kapitel diskutiert die wissenschaftliche Debatte um die Zuschreibung des Werks, wobei die Argumente zwischen einer Autorschaft Rogiers und der seines Lehrmeisters Campin abgewogen werden.
Schlüsselwörter
Rogier van der Weyden, Kreuzabnahme, Prado, Altniederländische Malerei, Robert Campin, Kunstgeschichte, Ikonographie, Imitatio Christi, Komposition, Tränendarstellung, Tafelmalerei, Triptychon, Rekonstruktion, Christus, Maria.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine umfassende Analyse der „Kreuzabnahme“ von Rogier van der Weyden, einem der bedeutendsten Werke der altniederländischen Malerei.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die formale Bildanalyse, die Untersuchung der Trauergebärden, die Bedeutung der Tränendarstellung sowie die kunsthistorische Rekonstruktion der ursprünglichen Altarform.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die spezifischen kompositorischen Mittel Rogiers herauszuarbeiten und die umstrittene Autorschaft des Werks auf Basis stilistischer Kriterien zu erörtern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die kunsthistorische Bildanalyse sowie den komparativen Vergleich mit anderen Werken und Kopien, um stilistische Merkmale zu identifizieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Beschreibung der Figuren, die Analyse ihrer Interaktion, die Deutung der Farbgebung und Raumgestaltung sowie die wissenschaftliche Rekonstruktion der verlorenen Flügel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Rogier van der Weyden, Kreuzabnahme, Imitatio Christi, Ikonographie und Altniederländische Malerei.
Warum ist die Tränendarstellung bei Rogier van der Weyden so bedeutend?
Rogier gilt als einer der ersten Künstler, der Tränen explizit in die Malerei einbezog. Sie dienen als Ausdrucksmittel für die Imitatio Christi und betonen das Mitleiden der Figuren.
Warum ist die Rekonstruktion des Altars so schwierig?
Da keine zeitgenössischen Belege für das ursprüngliche Aussehen des Triptychons existieren, beruhen alle Rekonstruktionsversuche auf Indizien, wie sie etwa im Edelheer-Triptychon überliefert sind.
Warum bleibt die Zuschreibung an Rogier oder Campin umstritten?
Da das Werk weder signiert noch datiert ist, stützt sich die Forschung lediglich auf Stilkritik. Diese lässt eine eindeutige Zuweisung, angesichts der wechselseitigen Einflüsse zwischen Schüler und Meister, kaum zu.
- Citar trabajo
- Paula Sprödefeld (Autor), 2015, Rogier van der Weydens "Die Kreuzabnahme" vor 1443. Biografie, Bildbeschreibung und Vergleich zu Joos van Cleve, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/494529