Kompetenzentwicklung von Krankenpflegeschülern auf der Intensivstation - Probleme, Möglichkeiten, Notwendigkeiten


Seminararbeit, 2002

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Einleitung

2 Kompetenz und Krankenpflege
2.2 Wesensmerkmale von Kompetenz
2.2.2 Dimensionen individueller Unterschiede
2.2.3 Kompetenz und soziale Interaktion in Krankenpflegeprozessen

3 Potenzen von Kompetenz in Krankenpflegeprozessen

5 Zusammenfassung und abschließende Wertung

6 Ausblick (oder: weiterführende Fragestellung / Resümee)

Literaturverzeichnis

Vorwort

Auch auf der Intensivpflegestation (IPS) des St. Vincenz-Krankenhauses, Datteln, auf der ich seit 1993 arbeite und seit 1998 als Praxisanleiter tätig bin, werden Krankenpflegeschüler/Innen zur praktischen Ausbildung eingesetzt. Die Einsatzlänge dauert zwischen sechs und zehn Wochen. Es werden Krankenpflegeschüler/Innen des Mittel- und Oberkurses von der Krankenpflegeschule bei uns eingesetzt. Ganz selten absolvieren auch Unterkursschüler bei uns ihre Einsatzzeit.

Die Schüler werden nicht nur von mir, sondern auch von anderen erfahrenen Mitarbeitern der IPS während ihres Einsatzes begleitet. Ich sehe bei deren Anleitung oft die Tendenz, Schüler als „Arbeitshelfer“ einzusetzen und weniger die Absicht, ihnen manuelles und mentales Geschick im Umgang mit alltäglichen und besonderen Situationen beizubringen. Diese, für den späteren Alltag im Pflegeberuf notwendige Kompetenz, wird nur selten bewusst oder unbewusst als Lernziel gesehen. Ich möchte mit diesem Bericht eine systematische Erarbeitung des Themas der Kompetenzentwicklung von Schülern auf der IPS erreichen, um meinen Kollegen und mir eine kompetente Argumentationsgrundlage zu schaffen.

Ich möchte meinen Kolleginnen und Kollegen auf meiner IPS danken, die mir in anregenden Gesprächen Tipps und Gesichtspunkte zur Erarbeitung dieses Themas gaben.

Ich hoffe, dass der Blick der Mitarbeiter für die Ausbildung kompetenter Schüler einen ebenso großen Stellenwert bekommt, wie die Bewältigung der momentanen Situation, die es zu meistern gilt. Denn die Ausbildung von kompetenten Schülern, entlastet jeden Mitarbeiter in Zukunft mehr, als nur willige Arbeitskräfte, die ihr aufgetragenes Arbeitssoll erledigen.

1 Einleitung

Mit dieser theoretischen Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, ob es reicht, dass Krankenpflegeschüler auf einer so komplexen Station, wie der Intensivpflegestation, in einem Zeitrahmen von sechs bis zehn Wochen den Anspruch haben sollten, Routinearbeitstechniken zu erlernen, oder der hohe Anspruch der Kompetenzentwicklung angegangen oder sogar erreicht werden sollte.

Mit dieser Arbeit möchte ich die Arbeitshypothese aufstellen, dass zu erwarten ist, dass Krankenpflegeschüler, die so eingearbeitet wurden, dass sie gewisse Anforderungen der Kompetenz entwickeln, nicht nur in Standartsituationen, sondern auch neue oder nur durch innovative Handlungen zu lösenden Aufgaben, flexibler im Arbeitsalltag und in ihrem eigenen Lebensalltag, zu lösen imstande sind.

Das Erlebens- und Arbeitsspektrum auf einer Intensivpflegestation ist sehr vielfältig. Durch den Umstand, dass unsere IPS eine interdisziplinäre Intensivstation darstellt, sind Patienten vieler unterschiedlicher Fakultäten zur selben Zeit auf derselben Station. Es finden sich sowohl Internistische, als auch Unfall- und Bauchchirurgische, sowie Gynäkologische und Patienten der Hals-Nasen-Ohrenabteilung bei uns ein. Das fachpflegerische Wissen kann sich also nicht auf nur ein spezielles Feld der Medizin / Pflege beim Pflegepersonal fokussieren, es muss vielfältig sein. Wegen der unterschiedlichen Fakultäten hat das Pflegepersonal natürlich auch mit ebenso unterschiedlichen Ärzten aller medizinischen Richtungen zu tun. Nicht nur, dass jeder Arzt individuelle Schwerpunkte der medizinischen und pflegerischen Arbeit verfolgt sehen möchte, die unterschiedlichen Fakultäten möchten auch die unterschiedlichsten Gepflogenheiten der Dokumentation, der Standarteinstellungen verschiedener Geräte, der Flüssigkeitsbilanzierung u.v.m gehandhabt sehen. Dies verlangt von der Pflegekraft eine komplexe Übersicht über die zu verrichtenden Arbeiten, die von ihr verlangt werden. Zudem kommen natürlich noch die patientenindividuellen pflegerischen Verrichtungen, die es ebenfalls zu erfüllen gilt, dazu. Die Komplexizität der unterschiedlichen Handlungsabläufe, die individuellen Unterschiede der eigentlich standardisierten Handlungen und die Notwendigkeit der korrekten Prioritätensetzung bei allen Anforderungen, verlangen von der Pflegekraft ein hohes Maß an Kompetenz, die im Folgenden näher beschrieben werden soll.

2 Kompetenz und Krankenpflege

Krankenpflege versteht sich heute nicht mehr nur als verlängerter Arm oder Ausführungs- und Assistenzorgan der Ärzte. Dies setzt die Kooperation der im Therapeutenteam gemeinsam arbeitenden Berufsgruppen voraus. „In diesem therapeutischen Team haben die Pflegepersonen allein zeitlich betrachtet den weitaus häufigsten Kontakt zum Patienten und verfügen daher über differenzierte Kenntnisse der jeweiligen Situation des Patienten. Durch ihre täglichen Beobachtungen sind sie eine wesentliche Informationsquelle für die an der Versorgung beteiligten Berufsgruppen. Daneben erfüllen sie mit der Grundpflege sowie mit der Behandlungspflege originäre, aber aufgrund der hinzukommenden Koordinationsaufgaben darüber hinaus komplementäre Aufgaben im Sinne der effektiven Arbeit des gesamten therapeutischen Teams.“ (Kellnhauser et.al. 2000: 100)

Pflege befindet sich auf dem „Weg zur Professionalisierung“ (vgl. Kellnhauser et.al. 2000: 91). Die Pflegewissenschaftlerin Patricia Benner nimmt bei ihrer Beschreibung des Professionalisierungsprozesses die Perspektive der Handlungskompetenz in der Berufspraxis ein. Sie beschreibt insgesamt fünf Stufen des individuellen Qualifizierungsprozesses von Pflegepersonen:

- Stufe 1: Neuling/Anfänger/Schüler
Berufliche Anfänger haben noch keinerlei Berufserfahrung. Sie sind deswegen auf Regeln angewiesen, um sich in ihrer Arbeitsausführung sicher zu fühlen. Diese Regeln ermöglichen es ihnen, das Richtige im geeigneten Moment zu tun. Sie vermögen ihnen aber nicht zu sagen, was in einer bestimmten Pflegesituation nun oberste Priorität hat bzw. wann z.B. Ausnahmen gemacht werden können.
- Stufe 2: fortgeschrittener Anfänger
Durch ihre Berufserfahrung haben sie die Fähigkeit erlangt, situationsbedingte wiederkehrende Muster zu erkennen und entsprechend zu handeln. Das Erkennen alleine genügt aber noch nicht. Durch fehlendes selbständiges Prioritäten setzen können, sind sie bei komplexen Situationen noch auf feste Regeln angewiesen.
- Stufe 3: kompetente Pflegeperson
Kompetente Pflegepersonen besitzen schon mehr Berufserfahrung in komplexen Situationen. Sie können ihr Handeln auf langfristige Ziele und Pläne ausrichten und erkennen, welche Aspekte in einer Situation wichtiger sind als andere. Sie fühlen sich in jeder Situation ihrer Berufsausübung sicher, sind aber dennoch nicht so schnell und flexibel wie erfahrene Pflegepersonen.
- Stufe 4: erfahrene Pflegepersonen
Pflegepersonen dieser Stufe sind in der Lage, eine Situation in ihrer Gesamtheit zu sehen und nicht nur als Zusammensetzung einzelner Teile. Sie finden schnell das Wichtigste heraus und können aufgrund dessen in der Situation rasch Entscheidungen treffen.
- Stufe 5: Pflegeexperte

Pflegeexperten benötigen in der Berufsausübung keine expliziten Regeln mehr, da sie diese schon internalisiert haben. Durch ihren großen Erfahrungshintergrund erfassen sie die jeweilige Situation richtig und gehen unmittelbar das Hauptproblem an. Dieses Erfahrungswissen der Gesamtsituation kann nicht nur einfach erlernt werden, es resultiert aus langjähriger Erfahrung auf einem bestimmten Gebiet. Daher muss dieses Expertenwissen bei jedem beruflichen Wechsel neu erworben werden.

Benner geht aber auch davon aus, dass lange Berufserfahrung nicht automatisch dazu führt, Pflegeexperte zu werden. Wer sich nicht ständig fachlich weiterentwickelt, wird zwar eine langjährige Berufserfahrung besitzen, jedoch wird der Blick für die Wahrnehmung einer Gesamtsituation durch die sich allmählich einschleichende Routine getrübt. Professionalisierung in diesem Sinne ist ein individueller Qualifikationsprozess, basierend auf kriterienorientiertem, begründetem und theoriegeleitetem Handeln in der Praxis der Berufsausübung (Kellnhauser et.al. 2000: 90-92).

2.2 Wesensmerkmale von Kompetenz

Kompetenz hat also nicht nur einen, sondern mehrere Aspekte (Kron 2001: 326-327; Böhm 2000: 309).

- Die „fachliche Kompetenz“. Sie findet ihren Ausdruck in dem fachlichen Wissen und Können, sowie in der Fähigkeit zur Einordnung fachlicher Inhalte und Fragen in umfassendere, z.B. philosophische, wissenschaftsgeschichtliche und gesellschaftspolitische Zusammenhänge.
- Die „didaktische Kompetenz“. Sie drückt die Beherrschung der Fähigkeit das Fachwissen auch präsent zu haben und in Erziehungs-, Unterrichts- und Vermittlungsprozessen praktisch umsetzen zu können aus.
- Die „ reflektive Kompetenz“. Sie ist durch die Fähigkeit gekennzeichnet, das eigene Handeln zu reflektieren und dabei neben den fachlichen und didaktischen Bezügen auch den eigen biographischen Bezug und die gesellschaftlichen und politischen Bezüge herzustellen. Diese Dimension der Kompetenz löst auch jene „Selbstbetroffenheit“ aus, die die Handelnden nicht nur in ihre pädagogische Freiheit und Verantwortung vom Ganzen her stellt, sondern auch in ihrer Existenz herausfordert.
- Unter „Selbstkompetenz“ wird verstanden, durch Lernprozesse vermittelte Fähigkeiten und Zuständigkeiten, eigenverantwortlich handeln zu können.
- Unter „sozialer Kompetenz“ sei die Fähigkeit verstanden, das pädagogische und organisatorische Handeln auch von den Klientel her zu begreifen. Sie drückt sich darin aus, dass Lehrer ihren Unterricht auch an den Interessen, Bedürfnissen und Entwicklungstendenzen der Schüler orientieren. Subjektiv heißt dies für sie, Empathie und Rollendistanz zu lernen, das Über-Ich flexibel zu halten und sich trotz der organisatorischen Vorgegebenheiten und Zwänge auch als Anwälte der jungen Generation einzusetzen und zu intervenieren.
Zimbardo sieht in der Interaktion mit Gleichaltrigen durch intellektuelle und körperliche Interaktion, die Möglichkeit des Erwerbes der sozialen Kompetenz (vgl. Zimbardo 1995: 91).
- Die „metakommunikative Kompetenz“. Mit ihr ist die Fähigkeit gemeint, die im Alltag ablaufenden Rollenbeziehungen und Interaktionen hinsichtlich aller Probleme zur Sprache zu bringen; also statt Diskussion einen herrschaftsarmen Diskurs in Gang zu bringen und zu führen.
- Der „linguistische Begriffe der Kompetenz“ vereinigt die derzeit differenziertesten Vorstellungen über die dispositionellen Grundlagen der Sprachbeherrschung. Arnold et.al. (1997:2172-2173) beschreibt eine „sprachliche Performanz“, die Teilleistungen wie Morphologie, Semantik, Grammatik und Phonemik voraussetzt. CHOMSKY hat 1969 ein Kompetenz-Performanz-Modell entwickelt. Er bezeichnet Kompetenz als ein „kognitives Regelsystem, mit dessen Hilfe (sprachliche) Handlungen generiert werden können. Die Kompetenz eines Hörers/Sprechers ist von dem tatsächlichen wahrnehmbaren Sprachgebrauch, von der Performanz, zu unterscheiden“ (Lenzen 1998: 877).
- In den letzten Jahren wird verstärkt die „Medienkompetenz“ eingefordert. Sie betont den hinzukommenden Aspekt, dass Kommunikation auch über technische Mittel, von Druckmedien über das Fernsehgerät bis zum Computer geschieht. Dies hat zur Folge, dass wir uns heute Wirklichkeit über und mit Hilfe von Medien aneignen und sie gestalten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Kompetenzentwicklung von Krankenpflegeschülern auf der Intensivstation - Probleme, Möglichkeiten, Notwendigkeiten
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft)
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
16
Katalognummer
V49507
ISBN (eBook)
9783638459495
ISBN (Buch)
9783638751155
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kompetenzentwicklung, Krankenpflegeschülern, Intensivstation, Probleme, Möglichkeiten, Notwendigkeiten
Arbeit zitieren
Dirk Franke (Autor), 2002, Kompetenzentwicklung von Krankenpflegeschülern auf der Intensivstation - Probleme, Möglichkeiten, Notwendigkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49507

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