Die folgende Arbeit behandelt die Malerei und die Fotografie innerhalb der Neuen Sachlichkeit. Als Beispiele werden je drei Werke der Malerei und drei Werke der Fotografie der Epoche der zwanziger Jahre betrachtet.
Alle sechs Kunstwerke werden für sich jeweils auf Form, Farbe und Licht, sowie Raumdarstellung und Komposition untersucht, mit der Gattung der Neuen Sachlichkeit verbunden und im Kontext der sozialen und politischen Gegebenheiten der Weimarer
Republik betrachtet. Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten sollen zum Schluss kurz näher betrachtet und miteinander verglichen werden.
Das gute und erfüllte Leben der "Goldenen Zwanziger" in der Weimarer Republik kam nur wenigen Gesellschaftsschichten zu. Der Großteil der Bevölkerung hatte noch immer mit den Nachwirkungen des Krieges zu kämpfen, hinzu kamen Armut und ein
beschleunigtes Zeitalter durch neue Technologien und Medien.
Die Maler begannen, die Dinge so abzubilden, wie sie waren. Dies bezog sich nicht nur auf die visuelle Wahrnehmung, sondern auch auf gefühlte Wahrheiten wie soziale und politische Missstände in der Republik. Sie nutzten die Kunst der Malerei als Medium, um die Öffentlichkeit zu erreichen und eben diese Missstände aufzudecken und publik zu machen - sie reagierten auf ihre Umwelt.
In den zwanziger Jahren gründete sich, als Gegenbewegung zur Abstraktion von Kubismus und Futurismus, eine neue Stilrichtung in der Kunst, die im Dadaismus ihre Ursprünge suchte: die Neue Sachlichkeit. Zwischen Tradition und Avantgarde reflektierte die Kunst der Neuen Sachlichkeit ohne verbindliche Programmatik, die gesellschaftliche Realität der Weimarer Republik.
Inhaltsverzeichnis
1. NEUE SACHLICHKEIT
1.1 ZEITGESCHICHTLICHER HINTERGRUND
1.1.1 Die „Problematik der historischen Eingrenzung“
1.2 BEDEUTENDE GRUPPEN UND VERTRETER DER NEUEN SACHLICHKEIT
1.2.1 Verismus
1.2.2 Magischer Realismus
1.2.3 Klassizismus
2. MALEREI DER NEUEN SACHLICHKEIT
2.1 STRUKTUREN DER GESELLSCHAFT
2.2 DAS BILD DES MENSCHEN
2.3 STILLLEBEN
3. FOTOGRAFIE DER NEUEN SACHLICHKEIT
3.1 „EXPERIMENTIERENDE“ FOTOGRAFEN
3.2 „NATURZEICHNENDE“ FOTOGRAFEN
3.3 „SOZIOLOGISIERENDE“ FOTOGRAFEN
4. FAZIT: PARALLELEN UND BEZIEHUNG ZWISCHEN MALEREI UND FOTOGRAFIE DER NEUEN SACHLICHKEIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkungen und Unterschiede zwischen Malerei und Fotografie innerhalb der Epoche der Neuen Sachlichkeit in der Weimarer Republik. Durch eine vergleichende Analyse von jeweils drei Werken beider Gattungen wird erforscht, wie Künstler und Fotografen auf die sozialen und politischen Gegebenheiten der 20er Jahre reagierten und welche ästhetischen Mittel sie für eine objektive und nüchterne Darstellung der Realität wählten.
- Historische Einordnung der Neuen Sachlichkeit
- Klassifizierung in Verismus, Magischen Realismus und Klassizismus
- Strukturen der Gesellschaft in der Malerei
- Das Bild des Menschen und das Stillleben als Motivwelten
- Experimentelle, naturzeichnende und soziologisierende Fotografie
- Vergleichende Analyse von Malerei und Fotografie
Auszug aus dem Buch
2.1 Strukturen der Gesellschaft
Viele Künstler der neusachlichen Malerei wollten den Zustand der ganzen Gesellschaft deutlich machen, ein bekanntes Beispiel ist Grosz´ Werk „Die Stützen der Gesellschaft“, ein Ölgemälde auf Leinwand mit den Maßen 200x108 cm von 1926. Heute ist es in der Nationalgalerie in Berlin ausgestellt. Es zeigt in hierarchischer Anordnung diverse Stereotypen und thematisiert die Rolle von Klerus, Militär und Bürgertum.31
Auf diesem Gemälde befinden sich fünf klar erkennbare Personen auf unterschiedlichen Ebenen, die sich durch das Hochformat überschneiden. Im Vordergrund ist ein Herr mit vernarbter Wange, Hakenkreuz auf der Krawatte und Säbel in der Hand zu sehen. Anstatt einer Schädeldecke steigt ihm schemenhaft ein berittener Soldat aus dem Kopf. In zweiter Reihe ist ein Mann zu erkennen, der einen umgestülpten Nachttopf auf dem Kopf hat, die Zeitung unter den Arm geklemmt, einen Bleistift und einen Palmwedel in beiden Händen haltend. Am rechten Bildrand ist ein korpulenter Herr mit gerötetem Gesicht zu erkennen, der eine schwarz-weiß-rote Fahne in den Händen hält, die Handelsflagge der Weimarer Republik. 32 Zudem trägt er ein Etikett mit der Aufschrift „Sozialismus ist Arbeit“ und statt der Schädeldecke hat er einen Misthaufen im Kopf. Hinter den soeben genannten drei Herren ist ein Mann zu sehen, der durch seine Kleidung als Geistlicher zu erkennen ist, der seine Hände in geöffneter Geste vor sich streckt und seine Augen geschlossen hält. Im rechten oberen Bildrand sind zudem Soldaten mit Degen in den Händen zu sehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. NEUE SACHLICHKEIT: Dieses Kapitel erläutert den zeitgeschichtlichen Hintergrund der Kunstepoche in der Weimarer Republik und grenzt sie von anderen Stilrichtungen ab. Zudem werden bedeutende künstlerische Gruppen wie Verismus, Magischer Realismus und Klassizismus vorgestellt.
2. MALEREI DER NEUEN SACHLICHKEIT: Hier wird die Malerei anhand der Themenkomplexe Gesellschaftsstrukturen, das Bild des Menschen und Stillleben analysiert. Anhand beispielhafter Werke werden Form, Farbe, Licht und Komposition untersucht.
3. FOTOGRAFIE DER NEUEN SACHLICHKEIT: Dieses Kapitel widmet sich der revolutionierten Wahrnehmung durch die Fotografie und kategorisiert Fotografen in experimentelle, naturzeichnende und soziologisierende Richtungen. Anhand ausgewählter Aufnahmen wird die neue Ästhetik der Sachlichkeit dargelegt.
4. FAZIT: PARALLELEN UND BEZIEHUNG ZWISCHEN MALEREI UND FOTOGRAFIE DER NEUEN SACHLICHKEIT: Das Fazit fasst thematische Gemeinsamkeiten zusammen und erörtert die Unterschiede in der Darstellung, wobei insbesondere der Vergleich zwischen der bewussten Realismuskritik in der Malerei und der objektiven Wiedergabe in der Fotografie im Vordergrund steht.
Schlüsselwörter
Neue Sachlichkeit, Weimarer Republik, Malerei, Fotografie, Verismus, Magischer Realismus, Klassizismus, Gesellschaftskritik, Industriegesellschaft, Stillleben, Porträtfotografie, George Grosz, Christian Schad, August Sander, Albert Renger-Patzsch
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung und Charakteristika der Kunstrichtung Neue Sachlichkeit in der Weimarer Republik und vergleicht dabei die künstlerischen Ansätze in der Malerei und der Fotografie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind der zeitgeschichtliche Kontext der 20er Jahre, die Darstellung von Gesellschaftsstrukturen, der Mensch als Individuum in seiner Zeit sowie die Abkehr von expressionistischen Tendenzen hin zu einer sachlichen, objektiven Bildsprache.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch die Analyse ausgewählter Kunstwerke beider Gattungen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der bildnerischen Umsetzung von Realität innerhalb der Neuen Sachlichkeit aufzuzeigen und zu vergleichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kunstwissenschaftliche Analyse, bei der Werke der Malerei und Fotografie anhand von Kriterien wie Form, Farbe, Licht, Raumdarstellung und Komposition in ihrem historischen und sozialen Kontext betrachtet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Untersuchung der Malerei, unterteilt in Gesellschaft, Menschenbild und Stillleben, sowie eine Betrachtung der Fotografie, welche in experimentelle, naturzeichnende und soziologisierende Strömungen unterteilt wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Neue Sachlichkeit, Weimarer Republik, soziale Realität, Sachlichkeit, Objektivität und den Vergleich von Malerei und Fotografie charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die Darstellung des Menschen bei Christian Schad im Vergleich zu den soziologisierenden Fotografen?
Während Christian Schad in seinem „Selbstporträt“ eine psychologische Ebene der Isolation und eine kühle, narzisstische Distanziertheit inszeniert, zielen soziologisierende Fotografen wie August Sander auf eine archetypische Repräsentation verschiedener Gesellschaftsschichten ab, um den Menschen in seinem Lebensumfeld zu zeigen.
Welche Rolle spielt die „Neue Sachlichkeit“ bei der Fotografie von Objekten im Vergleich zur Malerei?
Sowohl in der Malerei (z.B. Dischingers Grammophon) als auch in der Fotografie (z.B. Finslers Service) steht die Konzentration auf die Materialität, die funktionale Darstellung und die bewusste Nüchternheit im Vordergrund, wobei die Fotografie dies durch eine neue Bildästhetik der absoluten Schärfe und Detailtreue erreichte.
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- Carolin Sophie Neumeyer (Autor), 2019, Die Malerei und Fotografie der Neuen Sachlichkeit, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/495619