„Wer die Pflicht hat, Steuern zu zahlen, hat das Recht, Steuern zu sparen!" (Helmut Schmidt, ehem. Bundeskanzler)
Um dieses Recht erfolgreich in die Praxis umzusetzen, ist die Kenntnis der besonderen Vorschriften zur Vereinsbesteuerung für
über 90.000 Sportvereine mit ihren knapp 24 Millionen Mitgliedern unabdingbar. Auch im Hinblick auf die steigende Anzahl der Außenprüfungen bei gemeinnützigen Vereinen, ist die Einhaltung der speziellen Vorschriften des Gemeinnützigkeitsrechts für die Vereine unerlässlich. Da sich Sportvereine neben ihren gemeinnützigen Zwecken nicht selten auch unternehmerisch betätigen, kann es in mehreren Fällen zu hohen Steuernachzahlungen und sogar zur Aberkennung der Gemeinnützigkeit kommen. Dieses Szenario hätte steuerliche und wirtschaftliche Folgen für den gesamten Sportverein. Es stellt sich die Frage nach steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten, die den Sportvereinen helfen sollen, die Steuerlasten aus Ertragsteuern und Umsatzsteuer so gering wie möglich zu halten. Gleichzeitig gilt es, durch die steuerliche Gestaltung nicht gegen die gemeinnützigkeitsrechtlichen Regelungen zu verstoßen.
Im Rahmen dieser Bachelorarbeit soll die Besteuerung der Sportvereine untersucht werden, um Abgrenzungsprobleme bei der steuerlichen Zuordnung von Geschäftsvorgängen des Vereins aufzuzeigen. Zusätzlich sollen die daraus resultierenden steuerlichen Folgen dargestellt werden, um Gestaltungsmöglichkeiten bei der Besteuerung von Sportvereinen anhand ausgewählter Sachverhalten zu präsentieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Gang der Untersuchung
2 Rechtliche Grundlagen
2.1 Begriff des Vereins
2.2 Notwendige Vereinsorgane
2.2.1 Die Mitgliederversammlung
2.2.2 Der Vorstand
2.3 Satzung und Haftung
3 Gemeinnützigkeit bei Sportvereinen
3.1 Förderung des Sports
3.2 Vorteile und Nachteile der Gemeinnützigkeit
3.3 Selbstlosigkeit, Ausschließlichkeit und Unmittelbarkeit
3.4 Steuerlich unschädliche Betätigungen
3.5 Gebot der zeitnahen Mittelverwendung
3.6 Bildung von Rücklagen
4 Tätigkeitsbereiche der Sportvereine
4.1 Ideeller Bereich
4.2 Vermögensverwaltung
4.3 Zweckbetrieb
4.3.1 Begriffsbestimmung
4.3.2 Steuerbegünstigungen
4.4 Wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb
4.4.1 Abgrenzung zu den anderen Tätigkeitsbereichen
4.4.2 Steuerliche Aspekte
4.4.3 Verluste im wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb
4.4.4 Besonderheiten bei sportlichen Veranstaltungen
5 Ausgewählte Abgrenzungsprobleme und daraus entwickelte Gestaltungsmöglichkeiten
5.1 Gemischt veranlasste Aufwendungen
5.2 Spielertrainer
5.3 Ablösezahlungen
5.3.1 Anwendung des § 67a Abs. 1 AO
5.3.2 Anwendung des § 67a Abs. 3 AO
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Besteuerung von Sportvereinen mit dem Ziel, Abgrenzungsprobleme zwischen ideeller Tätigkeit, Vermögensverwaltung, Zweckbetrieb und wirtschaftlichem Geschäftsbetrieb zu identifizieren und daraus steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten für die Praxis abzuleiten.
- Rechtliche Rahmenbedingungen und Gemeinnützigkeitsrecht bei Sportvereinen.
- Differenzierung der Tätigkeitsbereiche und deren steuerliche Konsequenzen.
- Lösungsansätze für Abgrenzungsprobleme bei gemischt veranlassten Aufwendungen.
- Steuerliche Optimierung bei Spielertrainerbezügen und Ablösezahlungen.
- Anwendung der Sonderregelungen für sportliche Veranstaltungen nach § 67a AO.
Auszug aus dem Buch
5.1 Gemischt veranlasste Aufwendungen
Wie in Kap. 4 ausgeführt, werden Erträge und Aufwendungen dem Tätigkeitsbereich zugeordnet, durch den sie veranlasst wurden. Probleme bei der Zuordnung ergeben sich für Sportvereine aber bei gemischt veranlassten Aufwendungen.
Bis zum Jahr 2015 leitete der BFH ein „Aufteilungsverbot“ für gemischt veranlasste Aufwendungen von Sportvereinen ab (z. B. für notwendige Gemeinkosten, wenn diese sowohl dem Sportbereich als auch dem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb dienten). Waren bspw. Ausgaben vorrangig durch den ideellen Bereich veranlasst, mussten sie grundsätzlich diesem Bereich in vollem Umfang zugeordnet werden. Dieses Prinzip war ebenfalls für den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb anzuwenden. Konnte aus der Gewichtung kein eindeutiges Ergebnis erzielt werden, so waren die Aufwendungen dem ideellen Bereich zuzuordnen.
Mit dem BFH-Urteil vom 15.01.2015 können vorrangig durch den ideellen Bereich veranlasste Aufwendungen, anteilig dem gewerblichen Bereich zugeordnet werden. Voraussetzung dafür ist eine gewerbliche Mitveranlassung. Diese ist nur berücksichtigungsfähig, wenn objektivierbare zeitliche oder quantitative Kriterien für die Abgrenzung der Veranlassungszusammenhänge vorhanden sind. Bei einer untrennbaren Verknüpfung der ideellen und gewerblichen Beweggründe, ist jedoch nur der primäre Veranlassungszusammenhang zu berücksichtigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Hinführung zur Problematik der Vereinsbesteuerung und Darstellung der Zielsetzung der Bachelorarbeit.
2 Rechtliche Grundlagen: Erläuterung der zivilrechtlichen Basis für Vereine, einschließlich Vereinsbegriff, Organe und Haftungsfragen.
3 Gemeinnützigkeit bei Sportvereinen: Analyse der Voraussetzungen, Vorteile und Pflichten, die mit dem Status der Gemeinnützigkeit verbunden sind.
4 Tätigkeitsbereiche der Sportvereine: Systematische Untersuchung der verschiedenen Einnahme- und Ausgabenbereiche sowie deren steuerlicher Behandlung.
5 Ausgewählte Abgrenzungsprobleme und daraus entwickelte Gestaltungsmöglichkeiten: Fallbezogene Analyse und Lösungsstrategien für spezifische steuerliche Abgrenzungsprobleme.
6 Fazit: Zusammenfassende Reflexion der Ergebnisse und Bedeutung der steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten in der Praxis.
Schlüsselwörter
Sportvereine, Gemeinnützigkeit, Abgabenordnung, Zweckbetrieb, Wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb, Vermögensverwaltung, Besteuerung, Steuerbegünstigung, Vorsteuer, Spielertrainer, Ablösezahlungen, Gemischt veranlasste Aufwendungen, Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer, Umsatzsteuer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den steuerlichen Herausforderungen für Sportvereine, insbesondere der Abgrenzung zwischen gemeinnützigen und wirtschaftlichen Tätigkeitsbereichen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentral sind die Abgrenzung von Tätigkeitsbereichen (Ideeller Bereich, Vermögensverwaltung, Zweckbetrieb, Geschäftsbetrieb) sowie die Auswirkungen auf Ertrag- und Umsatzsteuern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, Abgrenzungsprobleme bei Geschäftsvorgängen zu identifizieren und steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten aufzuzeigen, um die Steuerlast zu minimieren, ohne die Gemeinnützigkeit zu gefährden.
Welche wissenschaftliche Methode wird vorwiegend verwendet?
Es handelt sich um eine rechtsdogmatische Analyse auf Basis aktueller Gesetze, Finanzrechtsprechung (insbesondere BFH) und Kommentarliteratur.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der gesetzlichen Grundlagen der Gemeinnützigkeit, die Analyse der Tätigkeitsbereiche und die detaillierte Untersuchung von Abgrenzungsproblemen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Gemeinnützigkeit, Abgabenordnung, steuerpflichtiger wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb und steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten.
Wie gehen Sportvereine mit gemischt veranlassten Aufwendungen um?
Nach aktueller Rechtsprechung können Aufwendungen, die sowohl dem ideellen als auch dem wirtschaftlichen Bereich dienen, unter bestimmten Kriterien anteilig dem gewerblichen Bereich zugeordnet werden.
Gibt es steuerliche Vorteile bei der Vergütung von Spielertrainern?
Durch eine Aufteilung der Vergütung in Trainer- und Spieleranteil kann unter Umständen der Status als Zweckbetrieb für sportliche Veranstaltungen gewahrt werden, sofern der Spieleranteil die Aufwandspauschale nicht unzulässig übersteigt.
Welche Rolle spielen Ablösezahlungen für die Gemeinnützigkeit?
Ablösezahlungen können je nach Einordnung der sportlichen Veranstaltung entweder dem Zweckbetrieb oder dem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb zugeordnet werden, was maßgeblich von der Einhaltung der Zweckbetriebsgrenzen und dem Status des Sportlers abhängt.
- Citar trabajo
- Daniel Kappes (Autor), 2018, Sportvereine zwischen Zweckbetrieb und Geschäftsbetrieb. Abgrenzungsprobleme, steuerliche Konsequenzen und Gestaltungsmöglichkeiten, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496020