Ziel der Unterrichtsbeobachtung war es, den Ablauf der didaktischen Phasen eines Unterrichts chronologisch abzubilden. Die Frage lautete mithin: „Wie ist der Unterricht von Frau S. bei Heilerziehungspflegern im zweiten Ausbildungsjahr aufgebaut, was verläuft gut, was nicht so gut und was kann ich für mein eigenes pädagogisches Handeln davon ableiten?“
Frau S. startete im ersten Block nach Pfingsten und setzte eine Gruppenarbeit fort, die vor Pfingsten begonnen wurde. Die Unterlagen, die von den Gruppen bearbeitet werden sollten, waren sehr umfangreich, denn den Gruppen lagen zusammen insgesamt 20 Seiten zur Bearbeitung vor. Nur etwa die Hälfte der Schüler/innen waren anwesend. In einigen Gruppen fehlten diejenigen, die die Arbeitsunterlagen nach dem letzten Block eingesteckt hatten. Die Qualität der von den Gruppen präsentierten Ergebnisse waren sehr unterschiedlich. Zwei Gruppen lieferten relativ ausführliche Fallbeispiele und konnten auch den theoretischen Hintergrund erläutern. Eine weitere Gruppe musste durch gutes Zureden ermuntert werden, zu referieren. Zwei eher knappe und lückenhafte Referate gingen über in Lehrer-Schüler-Gespräche. Frau S. verhielt sich agil, vital und bewegte sich viel im Raum. Die Schüler/innen indes benahmen sich zurückhaltend und kamen nur langsam in Schwung. Die Lehrerin absolviert nebenberuflich eine Ausbildung zum systemischen Couch. Die Systemtheorie wird auch auf Didaktik angewandt und ist somit im Schulunterricht umsetzbar; Urvater der systemischen Theorie ist Niklas Luhmann, der das Individuum als autopoetisches System verstand, dass sein Lernen selbst organisiert und sich seine Wirklichkeit selbst erzeugt; eine direkte Beeinflussung des Lernenden ist mithin nicht möglich, sondern der Lehrer kann nur Rahmenbedingungen schaffen, die den Lernenden ermöglichen, Erkenntnisse zu gewinnen. Insofern hat Frau S. hier im besten Sinne Scaffolding betrieben und die Rahmenbedingungen geschaffen, die die Schüler/innen aus ungünstigen Startbedingungen heraus zu den bestmöglichen Leistungen beflügelt. Die eher ängstlichen Schüler hat sie ermutigt, die ins Stocken geratenen Schüler auf den richtigen gedanklichen Pfad geführt. Hier zeigt sich optimal: Die Verhaltensweisen des Lehrers oder der Lehrerin, seine bzw. ihre Agilität, das Ausmaß seiner/ihrer Aktivität, seine Position im Raum und seine Körperhaltung sollte dem Kurstemperament und Kursklima entsprechen.
Inhaltsverzeichnis
Kopfdaten
Abkürzungen
Ausgangssituation des Unterrichts
Protokoll
Zielsetzung und Fragestellung der Beobachtung (im Rahmen der Unterrichtshospitation)
Zusammenfassung zentraler Beobachtungsergebnisse
Ableitung von Interpretationen der Beobachtungsergebnisse
Wirkung der Beobachtungen auf den Beobachter
Schlussfolgerungen aus den Beobachtungen für das eigene pädagogische Handeln
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit analysiert anhand einer teilformalisierten Unterrichtshospitation den didaktischen Aufbau einer Lerneinheit zum Phasenmodell der Konflikteskalation nach Friedrich Glasl im Ausbildungsgang Heilerziehungspflege. Ziel ist es, unter ungünstigen Rahmenbedingungen gelungene pädagogische Interventionsstrategien zu identifizieren und für die eigene Lehrpraxis nutzbar zu machen.
- Strukturierung didaktischer Phasen im Unterricht
- Anwendung des Eskalationsmodells nach Glasl
- Reflexion von Lehrer-Schüler-Interaktion unter schwierigen Bedingungen
- Ableitung pädagogischer Schlussfolgerungen für die eigene Lehre
Auszug aus dem Buch
Ableitung von Interpretationen der Beobachtungsergebnisse
Frau S. kämpfte mit ungünstigen Ausgangsbedingungen, denn Pfingsten war gerade vorbei, die großen Ferien standen unmittelbar bevor; im ersten Block nach einem langen Wochenende an einem sonnigen Frühlingstag hat es eine Lehrerin nicht einfach, zumal fast die Hälfte der Schüler/innen fehlten, insbesondere Schlüsselfiguren aus den Gruppen, die das vor Pfingsten bearbeitete Material eingesteckt hatten. Unter diesen Startvoraussetzungen holte Frau S. das Bestmögliche aus dem Kurs heraus. Sie bewahrte, obschon innerlich angespannt, die Contenance und anstatt den Schüler/innen etwas vorzuhalten, unterstützte und förderte sie die Schüler/innen. Während der Kurs sehr träge war und nur mühselig in Schwung kam, bewegte sich Frau S. sehr viel im Raum, war überaus aktiv, verteilte Handouts, stellte den Ventilator auf, kommunizierte mit den Gruppen, stellte Fragen, gab Hilfestellungen und sprang ein, wenn die Gruppen nicht mehr weiterkamen.
Die Lehrerin absolviert nebenberuflich eine Ausbildung zum systemischen Couch. Die Systemtheorie wird auch auf Didaktik angewandt und ist somit im Schulunterricht umsetzbar; Urvater der systemischen Theorie ist Niklas Luhmann, der das Individuum als autopoetisches System verstand, dass sein Lernen selbst organisiert und sich seine Wirklichkeit selbst erzeugt; eine direkte Beeinflussung des Lernenden ist mithin nicht möglich, sondern der Lehrer kann nur Rahmenbedingungen schaffen, die den Lernenden ermöglichen, Erkenntnisse zu gewinnen. Insofern hat Frau S. hier im besten Sinne Scaffolding betrieben und die Rahmenbedingungen geschaffen, die die Schüler/innen aus ungünstigen Startbedingungen heraus zu den bestmöglichen Leistungen beflügelte.
Zusammenfassung der Kapitel
Kopfdaten: Enthält die formalen Eckdaten zur hospitierten Lerneinheit, den beteiligten Personen und dem zeitlichen Rahmen.
Abkürzungen: Listet die verwendeten Kürzel für Phasen, Methoden, Medien und Akteure auf, um das Protokoll übersichtlich zu halten.
Ausgangssituation des Unterrichts: Beschreibt die Rahmenbedingungen der Lerngruppe sowie die spezifische Aufgabenstellung für die Gruppenarbeit zum Konfliktmodell.
Protokoll: Dokumentiert chronologisch den Verlauf der Unterrichtseinheit inklusive der Lehrer-Schüler-Interaktionen und situativer Kommentare.
Zielsetzung und Fragestellung der Beobachtung (im Rahmen der Unterrichtshospitation): Definiert den Zweck der Hospitation und legt dar, welche methodische Anpassung der Hospitationsbogen erfahren hat.
Zusammenfassung zentraler Beobachtungsergebnisse: Führt die wesentlichen Eindrücke des Unterrichtsverlaufs und der studentischen Leistungen zusammen.
Ableitung von Interpretationen der Beobachtungsergebnisse: Analysiert das pädagogische Handeln der Lehrkraft vor dem Hintergrund systemtheoretischer Ansätze unter schwierigen äußeren Umständen.
Wirkung der Beobachtungen auf den Beobachter: Reflektiert die persönliche Wahrnehmung des Beobachters bezüglich der Kompetenz der Lehrkraft sowie erkennbarer Optimierungspotenziale im Zeitmanagement.
Schlussfolgerungen aus den Beobachtungen für das eigene pädagogische Handeln: Leitet konkrete Strategien für die eigene didaktische Gestaltung ab, insbesondere in Bezug auf Agilität, Raumpositionierung und Impulsgebung.
Schlüsselwörter
Unterrichtshospitation, Konflikteskalation, Friedrich Glasl, Heilerziehungspflege, Didaktik, Lehrer-Schüler-Interaktion, Systemtheorie, Scaffolding, Reflexion, Pädagogisches Handeln, Gruppenarbeit, Deeskalation, Selbstbestimmtes Lernen, Classroom Management, Leistungsnachweis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit ist ein reflexives Beobachtungsprotokoll eines Unterrichtsbesuchs in einer Klasse für Heilerziehungspflege, in dem das Konfliktmodell nach Friedrich Glasl thematisiert wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die didaktische Planung, die Umsetzung von Gruppenarbeitsphasen und die Anwendung systemtheoretischer Ansätze in der Lehrer-Schüler-Interaktion.
Was ist das primäre Ziel der Hospitation?
Das Ziel war es, den chronologischen Aufbau der didaktischen Phasen zu erfassen und daraus Erkenntnisse für das eigene pädagogische Handeln bei unterschiedlichen Kursklimata zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine teilformalisierte, unstrukturierte Unterrichtsbeobachtung durchgeführt, die durch reflexive Elemente des Autors ergänzt wurde.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in ein detailliertes Protokoll der Unterrichtsinteraktion, eine Analyse der Ergebnisse und eine pädagogische Reflexion der Beobachtungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Unterrichtshospitation, Konflikteskalation nach Glasl, Heilerziehungspflege-Didaktik und reflexive Pädagogik definieren.
Wie geht die Lehrkraft mit den schwierigen Rahmenbedingungen um?
Trotz geringer Teilnehmerzahl und mangelnder Motivation der Schüler agierte die Lehrkraft aktiv, nutzte systemisches Scaffolding und bewahrte durch gezielte Aktivierung die Contenance.
Welche Rolle spielt die Systemtheorie in der Analyse?
Der Autor interpretiert die Lehrkraft als jemanden, der Rahmenbedingungen schafft, statt direkt zu intervenieren, was dem Verständnis des Lernenden als autopoetisches System entspricht.
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- Markus Hieber (Autor), 2019, Unstrukturierte, teilformalisierte und reflektierte Beobachtung des Unterrichts zum Phasenmodell der Konflikteskalation nach Friedrich Glasl, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496034