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Steigende Erwerbsarmut in Deutschland. Das BGE als mögliche Chance aus der Krise oder eine unrealisierbare Utopie?

Titre: Steigende Erwerbsarmut in Deutschland. Das BGE als mögliche Chance aus der Krise oder eine unrealisierbare Utopie?

Thèse de Bachelor , 2018 , 49 Pages , Note: 3,0

Autor:in: Kristina Heinrich (Auteur)

Sociologie - Travail, Education, Organisation
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Résumé Extrait Résumé des informations

Kern dieser Arbeit ist das Problem der steigenden Erwerbsarmut in Deutschland näher zu beleuchten und die damit verbundene Ausweitung prekärer Lebenslagen zu analysieren. Anknüpfend soll die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens als mögliche Chance diese krisenhaften Lebenslagen zu reformieren, ausführlich diskutiert werden.

"Arbeit zu haben, sei es als Arbeitnehmer oder auch als Selbstständiger, ist ein wesentlicher Schlüssel im Leben. Arbeit ermöglicht Teilhabe, sie schafft Wohlstand. Deshalb bleibt völlig klar: Jeder Arbeitslose ist ein Arbeitsloser zu viel, und deshalb ist mein Ziel die Vollbeschäftigung bis 2025." Dies waren die Worte, der Bundeskanzlerin Angela Merkel, bei einer politischen Veranstaltung zum Thema: Wohlstand für alle (Die Bundesregierung 2017). Dieser Optimismus der Bundeskanzlerin rührt daher, dass die Erwerbstätigkeit tatsächlich seit zwölf Jahren kontinuierlich in der Bundesrepublik steigt und die Erwerbslosenquote dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung entspricht. Doch ermöglicht dieser Beschäftigungszuwachs wirklich Teilhabe und Wohlstand in der Bevölkerung?

Denn im Widerspruch zu dieser positiven Arbeitsmarktentwicklung, steht auf der anderen Seite der starke Zuwachs der Erwerbsarmut in Deutschland. Laut einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, hat sie sich zwischen 2004 und 2014 sogar mehr als verdoppelt. Denn "die positive Arbeitsmarktentwicklung beruht zu einem großen Teil auf einer Zunahme von atypischer Beschäftigung, vor allem in Teilzeit, häufig im Dienstleistungsbereich und im Niedriglohnsektor" (Spannagel et al. 2017, S. 9). Da die gegenwärtige Politik bis 2025 die Vollbeschäftigung erzielen möchte, statt das Augenmerk auf die Erwerbsarmut zu legen, steht die Arbeitsmarktpolitik und der Sozialstaat zunehmend unter öffentlicher Kritik und neue Alternativen werden debattiert. Dabei steht kein Lösungsansatz so häufig in der medialen Berichterstattung, wie das bedingungslose Grundeinkommen. Oft kritisiert, als Utopie und unrealisierbares Konzept abgetan, hält sich die Debatte um das Grundeinkommen dennoch im öffentlichen Diskurs und gewinnt zunehmend ideologieübergreifende Anhänger. Dass selbst zur Bundestagswahl 2017 das bedingungslose Grundeinkommen mehrfach thematisiert wurde, verdeutlicht wie aktuell diese Debatte ist.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 ERWERBSARMUT

2.1 Begriffsannäherung

2.1.1 Armut

2.1.2 Erwerbsarmut

2.2 Erwerbsarmut in Deutschland

3 URSACHEN VON ERWERBSARMUT

3.1 Atypische Beschäftigungen

3.2 Niedriglohnarbeit

3.3 geringe Arbeitsintensität

3.4 Haushaltsebene

4 RISIKOGRUPPEN VON ERWERBSARMUT

4.1 weibliche Erwerbstätige

4.2 Personen mit Migrationshintergrund

4.3 niedrig Qualifizierte

4.4 Junge Erwachsene

5 AUSWIRKUNGEN AUF DIE LEBENSLAGEN

5.1 prekäre Lebensverhältnisse

5.2 Deprivation

5.2.1 materielle Deprivation

5.2.2 soziale Deprivation

5.2.3 relative Deprivation

6 PROBLEME DER GEGENWÄRTIGEN SOZIALLEISTUNGEN

7 DAS BEDINGUNGSLOSE GRUNDEINKOMMEN

7.1 Entwicklung des BGE

7.2 Definition und Ansätze

7.3 Höhe und Ziele eines BGE

8 CHANCEN UND RISIKEN EINES BGE

8.1 Die Chance auf freie Lebensgestaltung und Entfaltung

8.2 Existenzsicherung und soziale Teilhabe

8.3 Familien stärken

8.4 Chancen für Risikogruppen

8.5 Arbeit ist mehr als bezahlte Erwerbsarbeit.

9 FAZIT

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Problem der zunehmenden Erwerbsarmut in Deutschland trotz einer positiv bewerteten Arbeitsmarktentwicklung. Sie analysiert die Auswirkungen prekärer Lebenslagen auf die Betroffenen und diskutiert, inwieweit das Konzept eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) als mögliche Reformoption zur Verbesserung dieser Situation und als Antwort auf die Unzulänglichkeiten der gegenwärtigen Sozialleistungen dienen kann.

  • Analyse der Ursachen von Erwerbsarmut und deren Risikogruppen.
  • Untersuchung der Auswirkungen prekärer Lebenslagen (materielle, soziale und relative Deprivation).
  • Kritische Beleuchtung der aktuellen Grundsicherung und sozialpolitischer Strategien.
  • Diskussion des Konzepts eines bedingungslosen Grundeinkommens sowie seiner Chancen und Risiken.
  • Reflektion über einen erweiterten Arbeitsbegriff jenseits reiner Lohnarbeit.

Auszug aus dem Buch

3.1 Atypische Beschäftigungen

Um zu klären was unter “atypischen Beschäftigungen” zu verstehen ist, ist es sinnvoll zunächst das Normalarbeitsverhältnis in Betracht zu ziehen. Die meisten Arbeitnehmer streben nach einer Normalbeschäftigung, die sich durch einen staatlich gesicherten Schutz auszeichnet, der ihnen garantiert, dass sie bei sozialen Risiken wie Krankheit, plötzliche Arbeitslosigkeit, Erwerbsunfähigkeit und im Alter sozial versichert sind. Die Tätigkeit ist in der Regel unbefristet und mit ausreichendem Einkommen, Weiterbildungsmöglichkeiten, Aufstiegschancen und Urlaubsregelungen gekennzeichnet (vgl. Sopp/Wagner 2015, o.S.). Personen, die einer atypischen Beschäftigung nachgehen wird dieser Schutz überwiegend nicht gewährleistet. Bei atypischen Beschäftigungen handelt es sich „um eine heterogene Gruppe mit höheren Prekaritätsrisiken als beim Normalarbeitsverhältnis“ (vgl. Brehmer/Seifert 2008, S. 516). Zu dieser Gruppe zählen unter anderem befristete und geringfügige Beschäftigungen, Teilzeitstellen und Berufe im Niedriglohnsektor (vgl. Sopp/Wagner 2015, o.S.).

Dabei unterscheidet sie sich durch bestimmte Merkmale von einem Normalarbeitsverhältnis: Die befristete Beschäftigung zeichnet sich durch eine begrenzte Laufzeit des Arbeitsvertrages aus, somit ohne Schutz vor Arbeitsplatzverlust und geringfügig Beschäftigte sind nicht sozialversichert. Teilzeitstellen7 werden atypisch durch zu geringe Arbeitsintensität. Berufe im Niedriglohnsektor sind häufig nicht existenzsichernd.

Zusammenfassung der Kapitel

1 EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet den Widerspruch zwischen der offiziellen Vollbeschäftigungspolitik und dem Anstieg der Erwerbsarmut, was das bedingungslose Grundeinkommen als Reformalternative in den Fokus rückt.

2 ERWERBSARMUT: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Armut und Erwerbsarmut und zeigt auf, dass der Reichtum in Deutschland ungleich verteilt ist, obwohl die Erwerbstätigkeit kontinuierlich steigt.

3 URSACHEN VON ERWERBSARMUT: Hier werden atypische Beschäftigungen, Niedriglohnarbeit, geringe Arbeitsintensität sowie der Haushaltskontext als zentrale Einflussfaktoren für das Abrutschen in die Erwerbsarmut identifiziert.

4 RISIKOGRUPPEN VON ERWERBSARMUT: Das Kapitel beleuchtet spezifische Gruppen mit erhöhtem Armutsrisiko, darunter weibliche Erwerbstätige, Migranten, niedrig Qualifizierte und junge Erwachsene.

5 AUSWIRKUNGEN AUF DIE LEBENSLAGEN: Hier wird analysiert, wie Prekarität und verschiedene Formen der Deprivation (materiell, sozial, relativ) die Lebensrealität und Gesundheit der Betroffenen negativ beeinflussen.

6 PROBLEME DER GEGENWÄRTIGEN SOZIALLEISTUNGEN: Das Kapitel kritisiert die bestehende Grundsicherung (ALG II) aufgrund ihres Arbeitszwangs, ihrer Unzulänglichkeit bei der Existenzsicherung und der Stigmatisierung der Leistungsbezieher.

7 DAS BEDINGUNGSLOSE GRUNDEINKOMMEN: Es erfolgt eine Einführung in die Idee, die Entwicklung und die verschiedenen Ansätze sowie Definitionen eines BGE, inklusive der Kriterien des Netzwerks Grundeinkommen.

8 CHANCEN UND RISIKEN EINES BGE: Dieser Hauptteil diskutiert die Potenziale zur freien Lebensgestaltung, Existenzsicherung und Aufwertung ehrenamtlicher Arbeit gegenüber den Risiken wie Trägheitsargumenten oder dem Gießkannenprinzip.

9 FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass eine Vollbeschäftigung keinen Schutz vor Armut bietet und das BGE zwar keine Allheilmittel-Lösung darstellt, aber wichtige Chancen für eine gesellschaftliche Transformation und individuelle Entfaltung bietet.

Schlüsselwörter

Erwerbsarmut, Bedingungsloses Grundeinkommen, BGE, Prekäre Beschäftigung, Atypische Beschäftigung, Niedriglohnsektor, Sozialstaat, Deprivation, Armutsrisiko, Soziale Teilhabe, Existenzsicherung, Sozialleistungen, Aktivierungspolitik, Prekarität, Arbeitsmarktpolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Zunahme von Erwerbsarmut in Deutschland und untersucht das bedingungslose Grundeinkommen als mögliche Lösung für die damit verbundenen sozialen Probleme.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Ursachen für den Anstieg der Erwerbsarmut, die prekäre Lebenssituation der Betroffenen, die Kritik am aktuellen Sozialstaat sowie die Chancen und Risiken eines BGE.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu analysieren, ob ein BGE Auswirkungen auf die prekären Lebenslagen von Erwerbsarmen hätte und ob eine Einführung in der heutigen Gesellschaft theoretisch vorstellbar wäre.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf der Analyse bestehender Studien, Berichte und sozialwissenschaftlicher Literatur basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Ursachenanalyse der Erwerbsarmut, die Auswirkungen auf die Lebenslagen, eine Kritik der gegenwärtigen Sicherungssysteme sowie die ausführliche Chancen- und Risikodiskussion des BGE.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Erwerbsarmut, Bedingungsloses Grundeinkommen, atypische Beschäftigung, Prekarität und soziale Teilhabe charakterisiert.

Warum wird die Haushaltsebene bei der Messung von Armut als problematisch angesehen?

Da die Armutsgefährdungsquote über den Haushalt berechnet wird, werden individuelle Einkommensverhältnisse und spezifische Abhängigkeiten innerhalb des Haushalts verschleiert.

Warum kritisieren Gegner des BGE das sogenannte Gießkannenprinzip?

Die Kritiker argumentieren, dass es nicht bedarfsgerecht ist, wenn wohlhabende Bürger denselben Geldbetrag erhalten wie Menschen in echter Armut oder mit besonderen gesundheitlichen Bedürfnissen.

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Résumé des informations

Titre
Steigende Erwerbsarmut in Deutschland. Das BGE als mögliche Chance aus der Krise oder eine unrealisierbare Utopie?
Université
University of Osnabrück
Note
3,0
Auteur
Kristina Heinrich (Auteur)
Année de publication
2018
Pages
49
N° de catalogue
V496097
ISBN (ebook)
9783346005663
ISBN (Livre)
9783346005670
Langue
allemand
mots-clé
Gundeinkommen BGE soziale ungleichheit Erwerbsarmut working poor Armut atypische Beschäftigung niedriglohnarbeit prekär Deprivation Arbeit Sozialleistungen
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Kristina Heinrich (Auteur), 2018, Steigende Erwerbsarmut in Deutschland. Das BGE als mögliche Chance aus der Krise oder eine unrealisierbare Utopie?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496097
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Extrait de  49  pages
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