Ein theoretisches Konzept im Bereich der Umweltschutzmaßnahmen ist die CO2-Kompensation, welche auch unter dem international gebräuchlichen Begriff CO2-Offsetting bekannt ist. Ein Unternehmen, welches diesen Ansatz im Rahmen seiner Umweltpolitik verfolgt ist die Deutsche-Post-AG-Tochter DHL International GmbH, im Folgenden DHL. DHL führte im Jahr 2005 das Programm GoGreen ein und wirbt seither, innerhalb Deutschlands klimaneutral zu versenden.
Das Umweltbundesamt warnt in Bezug auf CO2-Kompensation explizit vor sogenanntem Green-Washing.
Kritiker der CO2-Kompensation sprechen von einer modernen Form des Ablasshandels, in dem das schlechte Gewissen aufgrund eines umweltschädlichen Ver-haltens durch die Zahlung eines gewissen Geldbetrages wieder reingewaschen werden könne. Im Bereich der Umsetzung der von den Stakeholdern einer Organisation geforderten Maßnahmen ist laut einer Studie von Walker/Wan (2011) festgestellt worden, dass symbolisches Handeln einer Organisation nachweislich finanziell schaden kann. Neben der Berücksichtigung der oben genannten Kritik soll in Hinblick auf die gesellschaftlichen und naturwissenschaftlichen Zweifel an der substanziellen Umsetzung des CO2-Offsettings im Verlauf dieser Bachelorarbeit die folgende Forschungsfrage beantwortet werden:
"Inwiefern besitzt das Programm GoGreen des Logistikunternehmens DHL in Bezug auf die Umsetzung von CO2-Offsetting substanziellen Charakter?"
Wenn das Programm GoGreen substanziellen Charakter aufweist, könnte dies für das Management einer Organisation und damit für die Organisationsforschung im Allgemeinen einen Vorbildcharakter für die Umsetzung der Forderungen von Anspruchsgruppen im Bereich des Umweltschutzes darstellen.
Aktuelle Veröffentlichungen, wie die von Hyatt/Berente (2017) zeigen, dass für die Organisationsforschung darüber hinaus ein großes Interesse an den Auswirkungen und unterschiedlichen Ausprägungen symbolischen und substanziellen Handelns besteht. Das zugrundeliegende organisationswissenschaftliche Forschungsinteresse sowie die politische Aktualität in Bezug auf eine substanzielle Umsetzung des CO2-Offsettings bekräftigen die Relevanz dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung und Zielsetzung
2. Theoretischer und konzeptioneller Rahmen
2.1 Legitimität
2.2 Symbolisches und substanzielles Handeln
3. Fallbeispiel CO2-Offsetting
3.1 Fallauswahl und Vorgehensweise
3.2 Aufbau und Gewinnung von Legitimität
3.3 Analyse
3.3.1 GoGreen-Website
3.3.2 CO2-Kompensationsprojekte
3.3.3 Rolle von Standards
3.3.4 Ergebnisse der Analyse
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, inwieweit das Programm GoGreen des Logistikunternehmens DHL bei der Umsetzung von CO2-Offsetting substanziellen Charakter besitzt, um die Legitimität des Unternehmens gegenüber seinen Stakeholdern zu wahren.
- Analyse der theoretischen Konzepte von Legitimität sowie symbolischem und substanziellem Handeln.
- Untersuchung der CSR-Strategie von DHL anhand des Programms GoGreen.
- Kriterienbasierte Inhaltsanalyse der Unternehmenswebsite und ausgewählter Kompensationsprojekte.
- Beurteilung der Diskrepanz zwischen öffentlicher Kommunikation und tatsächlicher ökologischer Performanz.
Auszug aus dem Buch
3.3.1 GoGreen-Website
Wie in Kapitel 2.2 angekündigt, folgen nun einige Definitionen, anhand derer sich Handlungen als substanziell oder symbolisch kategorisieren lassen. Die Bezeichnung Sub1 – Sub3 und Sym1 – Sym3 stammen dabei nicht von Ashforth/Gibbs (1990), sondern wurden von mir zum Zwecke einer Steigerung der Übersichtlichkeit gewählt.
Substanzielle Handlungen (vgl. Ashforth/Gibbs 1990: 178f.):
Sub1) Das Erfüllen der Rollenerwartungen relevanter Stakeholder,
Sub2) ein koerziver Isomorphismus, der sich durch zwangsgeleitete Anpassung an Werte, Normen und Erwartungen der relevanten Stakeholder ausdrückt,
Sub3) eine Veränderung der Ressourcen-Abhängigkeit, welche als Konsequenz veränderte Erwartungen an die Organisation stellen soll.
Symbolische Handlungen (vgl. Ashforth/Gibbs 1990: 180f.):
Sym1) Das vermeintliche Unterstützen sozial akzeptierter Ziele bei gleichzeitiger Verfolgung geringer akzeptierter Ziele,
Sym2) die Zurückhaltung von Informationen, die bedrohlich für die Legitimität sein könnten,
Sym3) die sogenannte zeremonielle Konformität, bei der insbesondere die Handlungen hervorgehoben werden, die eine hohe Übereinstimmung mit den Erwartungen des Organisationsumfeldes aufweisen, während grundlegende Prozesse der Organisation unverändert bleiben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung und Zielsetzung: Die Einleitung führt in die Klimarahmenkonvention und das Kyoto-Protokoll ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich des substanziellen Charakters des Programms GoGreen bei DHL.
2. Theoretischer und konzeptioneller Rahmen: Dieses Kapitel erläutert die Begriffe Legitimität nach Suchman sowie die Abgrenzung von symbolischem und substanziellem Handeln nach Ashforth und Gibbs.
3. Fallbeispiel CO2-Offsetting: Das Fallbeispiel analysiert die GoGreen-Strategie von DHL, bewertet Kompensationsprojekte und untersucht die Rolle von Zertifizierungsstandards sowie die Kommunikation auf der Unternehmenswebsite.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass das Programm GoGreen überwiegend symbolischen Charakter aufweist, während echtes CO2-Offsetting nur bei einer konsequenten Priorisierung von Vermeidung und Reduzierung substanziell sein kann.
Schlüsselwörter
CO2-Offsetting, DHL, GoGreen, Legitimität, symbolisches Handeln, substanzielles Handeln, Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Green-Washing, Corporate Social Responsibility, Stakeholder, Emissionshandel, Kyoto-Protokoll, Zertifizierung, Ressourcen-Abhängigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Umweltstrategie eines großen Logistikunternehmens unter dem Aspekt, ob die beworbenen Klimaschutzmaßnahmen tatsächlich substanziell umgesetzt werden oder primär der Imagepflege dienen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind organisatorische Legitimität, Unternehmenskommunikation im Bereich Nachhaltigkeit, die Funktionsweise von CO2-Kompensationsmechanismen und das Phänomen des symbolischen Handelns.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, inwiefern das Programm GoGreen von DHL in Bezug auf die Umsetzung von CO2-Offsetting substanziellen Charakter besitzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Literaturrecherche zu theoretischen Modellen durchgeführt und anschließend eine kriterienbasierte Inhaltsanalyse der DHL-Website sowie der Kompensationsprojekte vorgenommen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen (Legitimitätstheorie) erarbeitet und auf das Fallbeispiel DHL angewendet, wobei insbesondere die Diskrepanz zwischen gesetzten Zielen und realer Emissionsentwicklung analysiert wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie CO2-Offsetting, Legitimität, symbolisches Handeln und Corporate Social Responsibility charakterisiert.
Wie bewertet der Autor das GoGreen-Programm von DHL?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass das Programm GoGreen überwiegend symbolischen Charakter aufweist und das Unternehmen bei der Kommunikation seiner Klimaschutzbemühungen teilweise irreführende Taktiken anwendet.
Welche Rolle spielen Kompensationsprojekte in der Analyse?
Kompensationsprojekte wie die Save80-Kocher in Lesotho werden als Instrument zur Legitimitätserhaltung analysiert, wobei deren tatsächliche Zusätzlichkeit und ökologische Wirksamkeit kritisch hinterfragt werden.
- Citar trabajo
- Johannes Middendorf (Autor), 2019, CO2-Offsetting. Symbolisches und substanzielles Handeln in der Logistikbranche, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496148