Die Situation Europas stellt durch das Kämpfen und Debattieren um das Fundament einer durch Zusammenhalt geprägten Gemeinschaft etwas Einzigartiges dar. Der Wunsch einer inneren, zeitüberdauernden und krisenbeständigen Einigkeit Europas symbolisiert einen Fall europäischer Werte, als welcher auch die Solidarität gilt. Der Solidaritätsbegriff nimmt dabei einen breitgefächerten Deutungsraum in Anspruch, welcher in Hinsicht auf aktuelle Umstände, dem entsprechenden Redekontext, der jeweiligen Weltansicht, dem Redezeitpunkt sowie der eventuellen Zugehörigkeit einer Partei variieren kann. Darüber hinaus muss Solidarität als Mittel sprachlicher Erzeugung von Politik verstanden werden, indem durch die vermittelten Solidaritätsformen und Solidaritätsziele die erfolgreiche Etablierung einer breiten Solidaritätsbereitschaft geschaffen werden soll. Aufrufe zur Solidarität symbolisieren in politischen Debatten einen hinreichenden Teil des generellen öffentlichen Prozesses der Meinungsbildung, indem Solidaritätsappelle als ständig fokussierte Handlungsaufrufe in Verbindung mit guten Argumenten das moralische Engagement jedes/ jeder Einzelnen in Anspruch zu nehmen versuchen. Fraglich bleibt jedoch in wie weit Solidarität als politische Lösung, um beispielsweise im Sinne der SPD einen neuen solidarischen Staat erschaffen zu können, in einem politischen Diskurs postuliert und verankert werden kann, um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu festigen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Kontext des Solidaritätsbegriffs
3 Solidarität als politischer Begriff
4 Europäische Perspektiven von Solidarität
5 Das Solidaritätsverständnis der linken Bundeskanzler der BRD in den Jahren 1949 - 2000
5.1 Willy Brandt: Solidarität als soziale Verantwortung
5.2 Helmut Schmidt: Solidarität als Bereitstellung mehr sozialer Gerechtigkeit
5.3 Gerhard Schröder: Die flexible Solidarität
6 Das aktuelle Solidaritätsverständnis der SPD
7 Das Sozialstaatskonzept der SPD
8 Anwendung des Framing- Konzepts auf Solidaritätskampagnen
8.1 Exkurs: Neurokognitive Kampagnenführung – Meinungsbildung durch Framing
8.2 Solidaritätsstiftung durch Rituale
9 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Wandel und die strategische Bedeutung des Solidaritätsbegriffs im politischen Diskurs, insbesondere im Kontext der Sozialdemokratie und der Anwendung von Framing-Techniken in politischen Kampagnen.
- Historische Entwicklung und philosophische Einordnung des Solidaritätsbegriffs.
- Analyse des Solidaritätsverständnisses verschiedener sozialdemokratischer Bundeskanzler.
- Die Rolle von Solidarität im europäischen Kontext und im modernen Sozialstaatskonzept.
- Untersuchung von Framing-Strategien zur Erzeugung von öffentlicher Solidarität.
- Bedeutung von Ritualen und Symbolen für die politische Mobilisierung.
Auszug aus dem Buch
8 Anwendung des Framing- Konzepts auf Solidaritätskampagnen
Aufrufe zur Solidarität symbolisieren in politischen Debatten einen hinreichenden Teil des generellen öffentlichen Prozesses der Meinungsbildung. Der Erfolg solcher Solidaritätskampagnen ist dabei eng mit einer „kommunikativen Fokussierung, Problematisierung und zielgerichtete[n] Kausalattribuierung“ verbunden und muss in der Analyse mit dem Konzept des „Framings“ in Verbindung gesetzt werden. Die dadurch erwünschte Veränderung unseres Verhaltens erfolgt durch eine Vermittlung kognitiver Konstrukte, bestehend aus unserem Symbol- und Kultursystem. Die Aufnahme von Informationen anhand der Kampagnen erfolgt durch Deutungsmuster, die für uns als eine Art Wegweiser fungieren, indem sie durch Stiftung konsistenter Realität einen semantischen Rahmen erzeugen, welcher unsere Interpretationen zu strukturieren versucht. Dabei ist die „Perzeption von Solidaritätskampagnen“ immer an eine gelungene Überzeugungskommunikation gekoppelt.
Im Prozeß der Durchsetzung zielgerichteter Deutungsmuster müssen Solidaritätsappelle als erste Anforderung aus dem massenmedialen Kommunikationssystem Aufmerksamkeit für ein bestimmtes Problem erzeugen. Die Problemorientierung eines Themas gestaltet sich dahingehend durch die Erzeugung kognitiver Differenzen und nimmt Bezug auf die kollektive Werteorientierung der Adressatengruppe, sowie auf die Herstellung eines konkreten lebensweltlichen Bezugs derer. Dieser Bezug zur individuellen Lebenswelt lässt die Adressatengruppe ein Gefühl der Betroffenheit verspüren und weckt auf diese Weise deren solidarische Handlungsbereitschaft. Das solidarische Handeln manifestiert sich dabei als Solidarnormbindung, welche ein eigenes Handlungsmotiv anhand persönlicher Überzeugungen darstellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema Solidarität ein und beleuchtet deren Rolle als politischer Grundwert sowie als Mittel zur sprachlichen Erzeugung von Politik.
2 Der Kontext des Solidaritätsbegriffs: Dieses Kapitel erörtert die etymologische Herkunft des Begriffs und definiert ihn als soziales System, das Gemeinschaften stabilisiert und Identität stiftet.
3 Solidarität als politischer Begriff: Hier wird der Wandel des Solidaritätskonzepts von der klassenorientierten Arbeiterbewegung hin zu einem universalistischen, ethisch begründeten Verständnis der SPD und des Solidarismus analysiert.
4 Europäische Perspektiven von Solidarität: Das Kapitel beleuchtet Solidarität als zentralen Grundwert der Europäischen Union und fragt nach der Basis für ein europäisches Solidaritätsgefühl.
5 Das Solidaritätsverständnis der linken Bundeskanzler der BRD in den Jahren 1949 - 2000: Eine Analyse, wie Brandt, Schmidt und Schröder Solidarität in ihren Reden unterschiedlich als soziale Verantwortung, Mittel der Gerechtigkeit oder flexible Eigenverantwortung definierten.
6 Das aktuelle Solidaritätsverständnis der SPD: Zusammenfassung des zeitgenössischen Solidaritätsbegriffs der SPD, insbesondere in Bezug auf die Forderungen für eine globalisierte Welt.
7 Das Sozialstaatskonzept der SPD: Dieses Kapitel stellt das Konzept eines „Neuen Sozialstaats“ vor, das Arbeit, Solidarität und Menschlichkeit in den Mittelpunkt stellt.
8 Anwendung des Framing- Konzepts auf Solidaritätskampagnen: Untersuchung, wie durch gezielte Deutungsmuster und emotionale Sprache Solidarität in der öffentlichen Meinung erzeugt und mobilisiert werden kann.
9 Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit unterstreicht, dass Solidarität nur dann sinnvoll ist, wenn sie auf freiwilligem Handeln basiert und kritisiert die staatliche Erzwungenheit von Solidarität.
Schlüsselwörter
Solidarität, Sozialdemokratie, politischer Diskurs, Framing, Sozialstaat, Solidarnorm, Meinungsbildung, Gemeinschaft, Wertewandel, politische Kommunikation, Eigenverantwortung, soziale Gerechtigkeit, Deutungsmuster, Solidaritätskampagnen, Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Konzept der Solidarität als zentralen politischen Begriff, seine historische Entwicklung in der SPD sowie seine Anwendung in der modernen politischen Kommunikation.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der philosophischen Einordnung von Solidarität, der Analyse sozialdemokratischer Kanzlerreden und der Bedeutung von sprachlichen "Framings" bei der Mobilisierung von Solidarität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Solidarität als semantische Legitimationsressource politisch eingesetzt wird und welche Rolle dabei persönliche Überzeugungen gegenüber staatlich verordneten Systemen spielen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt eine politische Deutungsanalyse, um Reden und Konzepte auf ihre sprachliche Verwendung und die zugrunde liegenden Deutungsmuster zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Analyse der Kanzler-Positionen, das aktuelle Sozialstaatskonzept der SPD und die medienwissenschaftliche Untersuchung von Framing-Strategien und Ritualen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich besonders durch Begriffe wie Solidarität, Framing, Sozialstaat, politische Kommunikation und soziale Verantwortung beschreiben.
Wie unterscheidet sich Gerhard Schröders Verständnis von Solidarität von dem seiner Vorgänger?
Während Brandt und Schmidt den Fokus stärker auf soziale Verantwortung und Verteilungsgerechtigkeit legten, führte Schröder den Begriff der Eigenverantwortung ein und interpretierte Solidarität flexibler als Anpassung an aktuelle Realitäten.
Warum spielt das "Framing-Konzept" eine so wichtige Rolle für politische Parteien?
Framing ist für Parteien entscheidend, um durch gezielte Deutungsmuster die öffentliche Wahrnehmung zu lenken, komplexe Probleme schlüssig zu definieren und so Deutungshoheit in politischen Debatten zu erlangen.
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- Helene Fraas (Autor), 2019, Solidarität als politische Lösung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496214