Es wäre wohl nicht unbedingt zu weit gegriffen, würde man behaupten, dass das liebevolle Miteinander von Mensch und Tier sich wie ein roter Faden durch die gesamte Zeitspanne meines bisherigen Lebens hindurchzöge.
Nicht ein Jahr meiner Kindheit habe ich in Abwesenheit von Tieren in meinem unmittelbaren Lebensumfeld verlebt. Sie ermöglichten mir unzählige schöne und intensive Erlebnisse, die ich zusammenfassend als eine Erhöhung der eigenen Lebensqualität und Daseinsfreude beschreiben kann. Tiere waren für mich in allen Stationen meiner bisherigen Entwicklung Freunde, Begleiter, Tröster, liebevolle Zuhörer und Wegweiser. Besonders in schwierigen Zeiten fühlte ich mich durch sie verstanden und unterstützt.
Die Brücke von meinen persönlichen Erfahrungen hin zu therapeutisch anwendbaren Mitteln schlug sich hingegen erst während meiner Zeit als Praktikantin auf einer psychosomatischen Station einer Kinderklinik. Ich hatte nun zum ersten Mal die Aussicht auf eine Ausweitung meiner generellen Überzeugung, dass Tiere eine enorme Bereicherung für die menschliche Entwicklung darstellen können, in Hinblick auf die Arbeit mit sonst schwer erreichbaren Kindern und Jugendlichen.
Diese Erkenntnis stellte sich bei einer zufälligen Beobachtung während der gemeinsamen Freizeitgestaltung mit zwei Kindern ein, welche sich zur Behandlung auf der psychosomatischen Station befanden.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Einleitung
2. Geschichte der Mensch-Tier-Beziehung
2.1 Verbundenheit zwischen Mensch und Tier
2.2 Entwicklung der tiergestützten Therapie und Pädagogik
3. Die Interaktion zwischen Kind und Hund
3.1 Die Kind-Hund-Beziehung
3.1.1 Die Bedeutung von Hunden für Kinder
3.1.2 Die psychologische Sichtweise der Kind-Hund-Beziehung
3.2 Die Besonderheit von Hunden in der Interaktion mit Kindern
3.3 Die Kommunikation zwischen Kind und Hund
3.4 Voraussetzungen für die Interaktion zwischen Kind und Hund
3.5 Der fördernde Prozess in der Kind-Hund-Interaktion
3.5.1 Soziale Förderung
3.5.2 Psychische Förderung
3.5.3 Kognitive Förderung
3.5.4 Physische Förderung
3.5.5 Verhaltensänderung
4. Die Interaktion zwischen Kind und Hund in der Arbeit mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen
4.1 Zielgruppe verhaltensauffälliger Kinder und Jugendlicher
4.1.1 Begriffsabgrenzung
4.1.2 Problematik und Folgen für das verhaltensauffällige Kind
4.1.3 Zielsetzung der Arbeit mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen
4.2 Förderung von verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen durch die Interaktion mit dem Hund
4.3 Professionalität des Pädagogen in der Interaktion zwischen Kind und Hund
4.4 Pädagogische Zielsetzung in der Kind-Hund-Interaktion
5. Praxismodelle des Einsatzes der Kind-Hund-Interaktion in der Arbeit mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen
5.1 Interaktionsmöglichkeiten/Aktivitäten
5.2 Einzelarbeit und Gruppenarbeit
5.3 Konzepte „hundgestützter“ Pädagogik
5.3.1 Konzept der Canepädagogik
5.3.2 Konzept der Kinder- und Jugendfarmen
6. Grenzen beim Einsatz von Hunden in der Arbeit mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen
7. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern die Interaktion zwischen Kind und Hund als fördernder Prozess in der pädagogischen Arbeit mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen eingesetzt werden kann, um deren Entwicklung und Persönlichkeit positiv zu beeinflussen.
- Theoretische Grundlagen der Mensch-Tier-Beziehung und der tiergestützten Pädagogik
- Psychologische und soziale Wirkmechanismen der Kind-Hund-Interaktion
- Förderung verhaltensauffälliger Kinder durch den gezielten Einsatz von Hunden
- Praxismodelle wie die Canepädagogik und Kinder- und Jugendfarmen
- Grenzen und Herausforderungen beim therapeutischen Einsatz von Hunden
Auszug aus dem Buch
3.5.2 Psychische Förderung
„Hund– Balsam für die Seele“, mit diesen Worten bezeichnet Niepel (1998, S. 22) prägnant die Wirkung des Hundes auf die menschliche Psyche. Die Interaktion mit dem Hund wirkt sich tatsächlich fördernd auf die psychische Entwicklung des Kindes aus. Diese These benötigt jedoch eine präzisere Untersuchung der Wirkung, die der Hund auf die Psyche des Kindes hat.
Ruft man sich noch einmal das spezifische Verhalten des Hundes gegenüber dem Kind ins Bewusstsein, wird die Auswirkung, die dieses Verhalten auf die kindliche Psyche hat, schnell deutlich. Der Hund geht aus eigener Motivation auf das Kind zu, interessiert sich für es, nimmt es so an, wie es ist und bringt ihm Achtung und Zuneigung entgegen. Er vermittelt dem Kind auf diese Weise das Gefühl „Er gibt mir Aufmerksamkeit, ich gefalle.“. Durch das bedingungslose Akzeptiertwerden bestätigt der Hund das Kind in seinem Selbstbild, wodurch es schließlich zu der Überzeugung „Ich bin in Ordnung.“ gelangt (vgl. Otterstedt, 2001, S. 95).
Indem der Hund dem Kind ausserdem unersättlich und konstant das Gefühl von Liebe und Bewunderung entgegenbringt, lernt das Kind, sich selbst gern zu haben, an seinen eigenen Wert zu glauben und sich wert zu fühlen, von anderen geliebt zu werden (vgl. Siegal, 1986, S. 12). Das Kind beginnt, sich durch den Hund wichtig, von jemandem gebraucht und unersetzlich zu fühlen. Schließlich erfährt es dadurch eine Aufwertung seiner ganzen Persönlichkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die Problematik verhaltensauffälliger Kinder und führt die Kind-Hund-Interaktion als neue pädagogische Methode ein.
2. Geschichte der Mensch-Tier-Beziehung: Beleuchtet die historische Entwicklung der Verbundenheit zwischen Mensch und Tier bis hin zur heutigen tiergestützten Pädagogik.
3. Die Interaktion zwischen Kind und Hund: Analysiert die Bedeutung der Kind-Hund-Beziehung sowie die psychologischen und sozialen fördernden Prozesse dieser Interaktion.
4. Die Interaktion zwischen Kind und Hund in der Arbeit mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen: Untersucht die Zielgruppe und die Möglichkeiten, diese Kinder durch Hunde gezielt zu fördern und zu unterstützen.
5. Praxismodelle des Einsatzes der Kind-Hund-Interaktion in der Arbeit mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen: Stellt praktische Umsetzungsmodelle wie die Canepädagogik und den Besuch von Kinder- und Jugendfarmen vor.
6. Grenzen beim Einsatz von Hunden in der Arbeit mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen: Diskutiert kritische Aspekte, Grenzen der Methode und notwendige Rahmenbedingungen.
7. Zusammenfassung und Ausblick: Fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Bedeutung der tiergestützten Pädagogik.
Schlüsselwörter
Kind-Hund-Interaktion, Verhaltensauffälligkeit, tiergestützte Pädagogik, soziale Förderung, psychische Förderung, Canepädagogik, Selbstkonzept, Bindungstheorie, Kommunikationsverhalten, Pädagogik, Hund, emotionale Entwicklung, Verhaltensänderung, therapeutische Arbeit, Förderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die fördernden Auswirkungen der Interaktion zwischen Kind und Hund auf die Entwicklung und Persönlichkeit von verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die Geschichte der Mensch-Tier-Beziehung, die psychologische Bedeutung des Hundes als Bindungsobjekt und Kommunikationspartner, sowie die praktische Anwendung in pädagogischen Konzepten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass der Einsatz von Hunden eine wirksame pädagogische Methode darstellt, um verhaltensauffällige Kinder zu erreichen, ihnen Sicherheit zu geben und sie ganzheitlich in ihrer Entwicklung zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf umfangreichem Literaturstudium und der Analyse bestehender Ansätze und Forschungsergebnisse zur tiergestützten Pädagogik basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zur Kind-Hund-Interaktion, eine differenzierte Betrachtung verhaltensauffälliger Kinder und die Vorstellung praktischer Modelle wie der Canepädagogik und Kinderbauernhöfen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Kind-Hund-Interaktion, Verhaltensauffälligkeit, soziale und psychische Förderung, sowie die Rolle des Pädagogen in diesem Prozess.
Warum eignet sich gerade der Hund besonders gut für die Arbeit mit Kindern?
Der Hund ist ein soziales Wesen, das dem Kind vorurteilsfrei und authentisch begegnet. Er fungiert als „sozialer Katalysator“, bietet Sicherheit und ermöglicht eine analoge, angstfreie Kommunikation, die emotionale Barrieren abbaut.
Was ist der Kern der Canepädagogik?
Die Canepädagogik nach Corinna Möhrke ist ein heilpädagogisches Konzept, das den Hund als gezieltes pädagogisches Medium und Partner nutzt, um eine Dreiecksbeziehung zwischen Kind, Hund und Pädagoge aufzubauen und so verhaltensauffällige Kinder zu stabilisieren.
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- Diplom-Sozialpädagogin Bianca Langenbach (Author), 2005, Die Interaktion zwischen Kind und Hund als fördernder Prozess in der Arbeit mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49642