Die leitende Forschungsfrage für die vorliegende Hausarbeit lautet: Wie stehen die Menschen in der Türkei zur Demokratie und inwieweit sind autokratische Züge in der Türkei vor allem in den Medien sichtbar?
In dieser Hausarbeit wird die Systemtransformation eines defekt-demokratischen Systems hin zu einem autoritären System vorgestellt. Ziel dieser Hausarbeit ist es, eine kritische Beobachtung der Entwicklung der Demokratie während der Regierungszeit der Adalet ve Kalkinma Partisi (AKP) in der Türkei im Verlauf der Zeit zu führen. Die AKP ist seit seinem Regierungsantritt 2002 die ununterbrochene allein regierende ehemalige Partei Recep Tayyip Erdogans. Die Entscheidung darüber, ob ein politisches System ein demokratisches politisches System ist, oder nicht, verlangt eine Festlegung, was mit "Demokratie" gemeint ist. Nach Gutman (1998) ist der Bedeutungsinhalt von Demokratie bis heute umstritten und die Verständigungsprobleme scheinen eher zu wachsen als abzunehmen.
Die vorliegende Arbeit gliedert sich in vier aufeinander aufbauende Teile und zwar zu Beginn einem theoretischen Teil, in dem die Begriffe "Demokratie", "Autokratie" und weitere Typen autokratischer Regime vorgestellt und der aktuelle Forschungsstand skizziert wird. In dem zweiten Teil wird die Entwicklung der Türkei skizziert. Im dritten Abschnitt wird die Operationalisierung der Daten vorgestellt. Der letzte Teil der Arbeit beinhaltet schließlich die Interpretation sowie eine Zusammenfassung der Ergebnisse.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Demokratie, Autokratie und Typen autokratischer Regime
3. Die „neue” Türkei
4. Operationalisierung
5. Ergebnisse
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die systemische Transformation der Türkei von einem defekt-demokratischen hin zu einem autoritären System während der Regierungszeit der Adalet ve Kalkinma Partisi (AKP) und analysiert, wie sich diese Entwicklung auf das Demokratieverständnis der Bürger sowie die Sichtbarkeit autokratischer Züge, insbesondere in den Medien, auswirkt.
- Transformation politischer Systeme unter der AKP-Regierung
- Differenzierung zwischen Demokratie, Autokratie und deren Subtypen
- Analyse der Einstellungen türkischer Bürger zur Demokratie
- Entwicklung der Pressefreiheit und des Korruptionsniveaus im Zeitverlauf
- Rolle des Konzepts der „neuen Türkei“ und Entkemalisierung
Auszug aus dem Buch
3. Die „neue” Türkei
Viele Forscher haben sich zur der Tendenz der Türkei hin zum Autoritarismus geäußert / Stellung genommen, sodass die Türkei z.Z. „on the borderline between illiberal (or electoral) democracies and ‚competitive authoritarian’ regimes“ (Özbudun 2015a: 142) beschrieben werden kann. Während des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts war die vorherrschende Meinung in der (Türkei)forschung, dass das Land sich, trotz wichtiger demokratischer Defizite, erfolgreich demokratisierte und auf dem Weg zu einer konsolidierten pluralistischen Demokratie war (Somer 2016: 1). Die demokratisierenden Reformen, die nach Öztürk (2009) insbesondere im Rahmen des EU-Annäherungsprozesses durchgeführt wurden, gingen einher mit dem Ausbau der Bürger- und Individualrechte und dem Abbau der Privilegien der Staatselite (vgl. Carkoglu, Toprak 2006; Kramer 2004; Aydin 2005; Özdemir 2006 zit. in Öztürk 2009; Somer 2016).
Die Ausübung einer militärisch bürokratischen Kontrolle über zivil-politische Angelegenheit wurde eingeschränkt. Zu den weiteren wichtigen Errungenschaften der AKP zur Demokratisierung des Landes gehören: die Abschaffung der Todesstrafe, das eingeführte Folterverbot, die Ausweitung der Meinungsfreiheit sowie der Minderheiten-, Frauen- und Kinderrechte (Öztürk 2009). Nach Somer galt die Türkei tatsächlich als Vorbild für andere Länder mit einer muslimischen Mehrheit. Jedoch argumentieren/ belegen neuere Studien, dass sich die Türkei in Richtung Autoritarismus bewegt (vgl. hierzu Mecellem 2018; Özbudun 2015b, Polity IV, Seufert 2009, Leiße & Üreyen 2015).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Systemtransformation der Türkei unter der AKP ein, benennt die Forschungsfrage und skizziert den Aufbau der Untersuchung.
2. Demokratie, Autokratie und Typen autokratischer Regime: Dieses Kapitel definiert und differenziert die theoretischen Konzepte von Demokratie und Autokratie sowie deren Unterformen anhand verschiedener politikwissenschaftlicher Kriterien.
3. Die „neue” Türkei: Hier wird der historische Wandel der Türkei im 21. Jahrhundert beschrieben, von anfänglichen demokratisierenden Reformen hin zur aktuellen Entwicklung in Richtung Autoritarismus.
4. Operationalisierung: Das Kapitel erläutert die methodische Vorgehensweise und die verwendeten Datensätze (World Value Survey, Freedom House, Korruptionsindikator) zur Messung der untersuchten politischen Werte und Zustände.
5. Ergebnisse: Die gewonnenen Daten werden analysiert und zeigen einerseits eine hohe demokratische Unterstützung in der Bevölkerung, andererseits eine Verschlechterung der Pressefreiheit und einen Anstieg der Korruption.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Türkei unter Druck steht, demokratische Fundamente angegriffen werden und das autoritäre System die Medienlandschaft maßgeblich beeinträchtigt.
Schlüsselwörter
Türkei, Demokratie, Autokratie, AKP, Systemtransformation, Autoritarismus, Pressefreiheit, Korruption, Politische Kultur, Regierungsform, Demokratiedefekt, World Value Survey, Politische Beteiligung, Rechtsstaatlichkeit, Staatsumbau.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den politischen Systemwandel in der Türkei während der Regierungszeit der AKP unter dem Aspekt des zunehmenden Autoritarismus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Abgrenzung von Demokratien und Autokratien, die historische Entwicklung der Türkei unter der AKP sowie die Analyse von Pressefreiheit und Korruptionswahrnehmung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist eine kritische Beobachtung der Demokratieentwicklung in der Türkei und die Beantwortung der Frage, wie Bürger zur Demokratie stehen und inwieweit autokratische Züge in den Medien sichtbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Sekundärdatenanalyse basierend auf etablierten Indizes wie dem World Value Survey, Freedom House Daten und Korruptionsindizes.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Begriffsteil, eine Skizzierung der politischen Entwicklung der Türkei, die Operationalisierung der Datenquellen und die abschließende Ergebnisanalyse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Systemtransformation, Autoritarismus, Türkei, Pressefreiheit, AKP und Demokratiedefekt charakterisiert.
Welche Bedeutung hat das Konzept der „neuen Türkei“ für die Analyse?
Die „neue Türkei“ steht symbolisch für den durch die AKP vorangetriebenen Umbau des Staates, der unter anderem durch eine Entkemalisierung der Eliten und eine Umgestaltung der politischen Machtstrukturen gekennzeichnet ist.
Wie stehen die Bürger in der Türkei laut den Ergebnissen zum demokratischen System?
Die Daten des World Value Survey zeigen, dass die Mehrheit der Bürger in der Türkei die Demokratie weiterhin als die beste aller Regierungsformen betrachtet und es für sehr wichtig hält, in einer Demokratie zu leben.
Was sagen die Daten über die Entwicklung der Pressefreiheit aus?
Die Daten zeigen, dass die Pressefreiheit sich zwischen 2003 und 2012 verbesserte, sich jedoch seit 2013 signifikant verschlechtert hat, was das Land als „not free“ in den Berichten erscheinen lässt.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2017, Rückzug der Demokratie in der Türkei. Das Regierungssystem während der Regierungszeit der AKP, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496701