Diese Arbeit hat die Flugschriften-Publizistik von Ernst Moritz Arndt aus der Zeit des Sechsten Koalitionskrieges zum Gegenstand. Thematisiert wird die darin formulierte Sprachauffassung bzw. Sprachphilosophie. Seine Aussagen über Sprachursprung, Sprachwandel, Wesen und Funktion der Sprache sollen zusammengetragen werden. Die Kennzeichen der Sprachauffassung Arndts werden auf der einen Seite unabhängig von anderen sprachphilosophischen Betrachtungen ermittelt. Hierfür werden Prämissen, Argumentationsweise, eigentümliche Metaphern und Schlussfolgerungen, welche die Sprachphilosophie Arndts bestimmen, erörtert. Auf der anderen Seite werden die sondierten Aussagen mit zentralen Überlegungen anderer sprachphilosophischer Texte verglichen, z.B. von Humboldt oder Saussure, um die Besonderheiten der Sprachreflexion von Arndt näher zu beleuchten. Ausdrücklich nicht berücksichtigt werden Analogien zu Fichte, Jahn oder Kleist, um die radikal nationalistischen Aussagen Arndts nicht in den Kontext einer angeblich verkannten Stimmungslage während der Napoleonischen Kriege zu rücken.
Inhaltsverzeichnis
1. Thema, Vorgehensweise und Forschungsstand
2. Textauswahl und Erkenntnisinteresse
3. Zusammenstellung der Aussagen Arndts über Sprache
3.1 Metaphern
3.2 Sprachursprung und Sprachwandel
3.3 Wesen und Funktion der Sprache
3.4 Implikationen und Appell
4. Zusammenfassung der Sprachauffassung Arndts
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Sprachauffassung Ernst Moritz Arndts im Kontext seiner radikal nationalistischen Flugschriften-Publizistik während des Sechsten Koalitionskrieges, um die darin formulierten sprachphilosophischen Ansätze zu beleuchten und ihre politische Instrumentalisierung zu analysieren.
- Analyse der sprachphilosophischen Grundannahmen Arndts
- Untersuchung zentraler Metaphern und Sprachbilder
- Diskussion der identitätsstiftenden und antagonistischen Funktion von Sprache
- Erörterung der normativen Sprachkritik und politischer Appelle
Auszug aus dem Buch
3.1 Metaphern
Die Metaphern sollen zunächst nur benannt und aufgezählt werden und gemäß der Häufigkeit ihrer Verwendung bewertet werden. Eine Einordnung als Kennzeichen des Sprachverständnisses Arndts wird in späteren Abschnitten gegeben.
Sprache als Leib. Diesen bildhaften Vergleich verwendet Arndt in dem Text nur einmal. Er ist geknüpft an die Idee einer Seele und an die Vorstellung, dass sich diese in der Physiognomie des Menschen zeigt: „So wie der Leib die durchscheinende Hülle der Seele ist, so ist die Sprache gleichsam der Leib aller innerlich im Menschen bewegten Seelenkräfte.“
Sprache als Spiegel, Bild bzw. Abbild. Diese oft zusammen in einer Aufzählung genannten Metaphern verwendet Arndt recht häufig. Sie geht von der Annahme aus, dass jede Einzelsprache etwas anderes abbildet. Die Spiegelmetapher bezieht sich also nicht auf die generelle Sprachkompetenz aller Menschen, der Spiegel reflektiert nicht eine menschliche Eigenheit, sondern nur oder ausdrücklich die spezielle Wesensart eines Volkes. „Die Sprache ist ein Spiegel des Volkes; aus der Sprache erscheint hell, was es will, wohin es strebt, wohin es sich neigt, was es am meisten liebt und übt“ Und an anderer Stelle heißt es noch einmal: „[...] die Sprache sey der Spiegel und Bild eines Volkes, der äußere Abdruck seines innersten Lebens, seine Geschichte, seine Neigungen, seine Anlagen, seine Weltansicht und seine Liebe und sein Haß [...]“
Sprache als Gepräge oder Abdruck. Auch diese Metapher verwendet Arndt sehr häufig. Sie geht davon aus, dass eine Einzelsprache dem Individuum und einer Sprechgemeinschaft konkrete Eigenschaften auferlegt: „[...] es ist unvermeidlich, daß jede Sprache sich […] in dem Gemüthe dessen abdrucke und auspräge, der sie in seinen frühesten Jahren gebraucht. Wenn also z.B. ein teutsches Kind von seinem dritten oder vierten Jahre an englisch und französisch spricht, liest und schreibt, so muß das Gepräge eines englischen oder französischen Gemüthes sich mehr und mehr in ihm abdrucken [...]“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Thema, Vorgehensweise und Forschungsstand: Einleitung in die Thematik der Flugschriften Arndts und Überblick über den Stand der Forschung zur Sprachphilosophie des Autors.
2. Textauswahl und Erkenntnisinteresse: Eingrenzung des Untersuchungsgegenstandes auf die erste Phase der Publikationen Arndts während der Befreiungskriege.
3. Zusammenstellung der Aussagen Arndts über Sprache: Analyse der Sprachauffassung anhand der Kriterien Metaphern, Sprachursprung, Wesen, Funktion, Sprachwandel sowie Implikationen.
3.1 Metaphern: Systematische Aufzählung und erste Bewertung der zentralen Sprachbilder wie Leib, Spiegel, Nahrung oder Münze.
3.2 Sprachursprung und Sprachwandel: Untersuchung der göttlichen Herleitung der Sprache und des Verständnisses von Sprachwandel als Ausdruck kulturellen Verfalls.
3.3 Wesen und Funktion der Sprache: Erörterung der Identitätsstiftung und Abgrenzung gegenüber anderen Völkern durch die Sprache.
3.4 Implikationen und Appell: Analyse der normativen Forderungen Arndts an verschiedene gesellschaftliche Gruppen zur Reinhaltung und Pflege der deutschen Sprache.
4. Zusammenfassung der Sprachauffassung Arndts: Resümee über die identitätsstiftende und gleichzeitig restriktive Funktion der Sprache im Werk Arndts.
Schlüsselwörter
Ernst Moritz Arndt, Sprachphilosophie, Nationalismus, Befreiungskriege, Sprachwandel, Identität, Volkscharakter, Metaphern, Sprachpolitik, Fremdenhass, Sprachreinhaltung, Kulturgeschichte, Diskursanalyse, Sprachauffassung, Flugschriften.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Sprachauffassung von Ernst Moritz Arndt, wie sie in seinen Flugschriften während des Sechsten Koalitionskrieges (1812–1814) zum Ausdruck kommt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Konzepte von Sprache als identitätsstiftendes und antagonistisches Element, die Rolle des Sprachwandels sowie der Zusammenhang zwischen Sprache und nationaler Volksidentität.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Arndts Sprachphilosophie aus seinen nationalistisch geprägten Texten herauszuarbeiten und zu analysieren, ob er ein genuines linguistisches Interesse verfolgte oder die Sprache rein politisch instrumentalisierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung nutzt eine diskursanalytische Herangehensweise, um Arndts Metaphorik und seine theoretischen Aussagen systematisch zu erschließen und in den zeitgeschichtlichen Kontext einzuordnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet detailliert Arndts Sprachmetaphern (wie Spiegel oder Münze), seine Vorstellungen zum Sprachursprung und Sprachwandel sowie die Forderungen, die er in Form von Appellen an die Gesellschaft richtete.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Ernst Moritz Arndt, Nationalismus, Sprachphilosophie, Volksidentität, Sprachpolitik und der Einfluss der Befreiungskriege auf das Sprachdenken.
Welche Rolle spielen Metaphern in Arndts Sprachdenken laut der Arbeit?
Metaphern dienen Arndt als zentrale Argumentationsmuster, um die vermeintliche Wesensart von Völkern und die Gefahr fremder Einflüsse auf die deutsche Sprache anschaulich zu machen.
Wie bewertet der Autor Arndts "teutsche Gesellschaft"?
Die Arbeit sieht in dem Entwurf einer "teutschen Gesellschaft" sowohl eine Vorwegnahme politischer Organisationsformen als auch ein Instrument zur Durchsetzung von Sprachreinheit und zur Ausgrenzung als fremd definierter Elemente.
Warum wird die Verbindung von Sprache und Hass als zentral erachtet?
Da Arndt Sprache explizit zur Abgrenzung gegenüber dem "Welschen" (insbesondere dem Französischen) nutzt, ist die Sprachbetrachtung untrennbar mit seinem propagierten Volkshass und der Forderung nach ethnischer Homogenität verbunden.
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- Felix Norenz (Author), 2014, Sprache und Volk. Die Sprachauffassung Ernst Moritz Arndts in der radikal nationalistischen Flugschriften-Publizistik während des Sechsten Koalitionskrieges, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496934