In dieser Studienarbeit zum Modul hat die Lehre des „Konstruktivismus“ zum Gegenstand der genaueren Betrachtung. Des Weiteren wird die Anwendung dieser Lehre im Coachingkontext aufgezeigt.
In der heutigen Welt tragen die Beschaffenheiten dieser zur Entstehung psychischer Störungen bei. Höhere Anforderungen an Erwachsene im Berufsleben, mehr Verpflichtungen und damit einhergehend weniger Zeit, die einem frei zur Verfügung steht, die vorherrschende Schnelllebigkeit mit zahlreichen beständigen Unbeständigkeiten sowie die Kontaktverlagerung in virtuelle Welten oder der Bewegungsmangel als Indikator für erhöhte Stresslevel sind nur einige Beispiele für Gefahren, die durch ihre Problematik psychische Probleme auslösen können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Konstruktivistische Grundlagen
3. Abgrenzung Psychotherapie und Coaching
4. Bedeutende Vertreter des Konstruktivismus
4.1 Vorläufer und Bezugstheorien
4.1.1 Immanuel Kant und die Kritik der reinen Vernunft
4.1.2 John Dewey und der klassische Pragmatismus
4.1.3 Systemtheoretische und kybernetische Grundlagen
4.2 Der Konstruktivismus der Kommunikationstheorie der Palo-Alto-Schule von Paul Watzlawick
4.2.1 Die Axiome der Kommunikation
4.2.2 Wie wirklich ist die Wirklichkeit?
4.2.3 Kritik
5. Konstruktivistische Tools und Ansätze im Coaching
5.1 Gruppencoachingmethoden
5.1.1 Die Balintgruppenmethode
5.1.2 Adventure Based Counseling (ABC)
5.2 Einzelcoachingmethoden
5.2.1 Das „Social Cognitive Career“ – Theoriemodell (SCCT)
5.2.2 Die sokratische Gesprächsführung
6. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, den Begriff des Konstruktivismus theoretisch zu beleuchten und anschließend praktische Anwendungsmöglichkeiten dieser Lehre im professionellen Coachingkontext aufzuzeigen.
- Grundlagen und Definition des Konstruktivismus
- Unterscheidung zwischen Coaching und Psychotherapie
- Vorstellung einflussreicher Vordenker der konstruktivistischen Theorie
- Analyse der Kommunikationstheorie nach der Palo-Alto-Schule
- Anwendung konstruktivistischer Methoden in der Coachingpraxis
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Die Axiome der Kommunikation
Paul Watzlawick ist 1921 in Südösterreich geboren und legte mit seinem Studium der Philosophie und Sprachen den Grundstein, für eine beachtenswerte wissenschaftliche Karriere (vgl. Watzlawick 1999, S.2). Beispielsweise gilt er als Mitglied der Palo-Alto-Schule, einer renommierten kalifornischen Forschungsgruppe, als Mitbegründer der in diesem Rahmen publizierten Kommunikationstheorie, nach der Kommunikation und dessen Implikationen sich mit fünf grundlegenden Axiomen beschreiben lässt (vgl. von Almen 2004, S.58). Diese haben auch für die systemische Praxis Relevanz und Konsequenzen (vgl. von Almen 2004, S.60). Des Weiteren ist er Autor mehrerer konstruktivistischer Bücher und Beiträge. Die Axiome im Einzelnen lauten:
- „Man kann nicht nicht kommunizieren“ (von Almen 2004, S.59)
Die Grundauffassung der konstruktivistischen Lehre besagt unter anderem, dass jeder Mensch individuell mit seinen eigenen Filtern wahrnimmt. Hieraus ergibt sich das Phänomen, dass etwas Gesagtes bei unterschiedlichen Empfängern nie gleich wahrgenommen und interpretiert wird. Zugleich besitzt grundsätzlich jedes Verhalten eine Wirkung. „Schweigen“ hat ebenfalls Aussagekraft (Bsp. in Anhang unter 7.3). Des Weiteren wird auch mit der Gestik, Mimik oder Körpersprache kommuniziert.
Kritik: Jedes Verhalten ist Kommunikation, jedoch muss nach der Autorin Bettina Girgensohn-Marchand die Bedingung bestehen, dass das Verhalten von einem Rezipienten auch wahrgenommen wird (vgl. Lohmiller 2006). Ein Dialog ist so lange ein Monolog, bis der Empfänger das Gesagte wahrnimmt.
- „Jede Kommunikation hat einen Inhalt- und einen Beziehungsaspekt, derart, dass letzterer den ersteren bestimmt und daher eine Metakommunikation ist“ (von Almen 2004, S.59)
Popularisiert hat Schulz von Thun dieses Axiom in seiner Vier-Ohren-Theorie, die maßgeblich von Watzlawicks Überlegungen beeinflusst wurde. Ursprünglich wurde bereits in der Palo-Alto-Schule erkannt, dass eine Kommunikation nicht nur Informationsübertragung ist, sondern auch immer etwas über die Beziehung des Senders zum Empfänger aussagt (vgl. von Almen 2004, S. 58-59).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung thematisiert die Entstehung psychischer Probleme in der heutigen Zeit und führt in die Bedeutung konstruktivistischer Ansätze für das Coaching ein.
2. Konstruktivistische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die zentrale These, dass Wirklichkeit keine objektive Realität ist, sondern durch eine aktive Erkenntnisleistung konstruiert wird.
3. Abgrenzung Psychotherapie und Coaching: Hier werden Definitionen und Unterschiede zwischen den beiden Beratungsformaten, insbesondere in Bezug auf Ziele und Zielgruppen, erarbeitet.
4. Bedeutende Vertreter des Konstruktivismus: Dieses Kapitel stellt wichtige theoretische Wegbereiter wie Kant und Dewey sowie die einflussreiche Kommunikationstheorie nach Watzlawick vor.
5. Konstruktivistische Tools und Ansätze im Coaching: Hier werden konkrete Methoden wie die Balintgruppenmethode, das Adventure Based Counseling, das SCCT-Modell und die sokratische Gesprächsführung vorgestellt.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Relevanz konstruktivistischer Erkenntnisse für die Coachingpraxis zusammen und reflektiert die Studienarbeit.
Schlüsselwörter
Konstruktivismus, Coaching, Kommunikation, Systemtheorie, Paul Watzlawick, Psychotherapie, Wirklichkeit, Erkenntnistheorie, Selbstwirksamkeit, Sokratische Gesprächsführung, Balintgruppenmethode, Adventure Based Counseling, SCCT-Modell, Reframing, Systemischer Ansatz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die philosophischen und theoretischen Grundlagen des Konstruktivismus und deren praktische Anwendung im Bereich des Coachings.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Erkenntnistheorie, die Kommunikationstheorie nach der Palo-Alto-Schule sowie spezifische Coaching-Methoden wie die sokratische Gesprächsführung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Konstruktivismus als Lehre zu beleuchten und aufzuzeigen, wie diese Perspektive Coaching-Prozesse bereichern kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Studienarbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und dem Vergleich konstruktivistischer Modelle basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die Abgrenzung von Coaching zu Psychotherapie, die Vorstellung der bedeutendsten Konstruktivisten und konkrete Anwendungsbeispiele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Konstruktivismus, Systemtheorie, Kommunikation, Wirklichkeitskonstruktion und Coaching-Methoden charakterisieren.
Wie definiert Watzlawick die Wirklichkeit?
Watzlawick sieht Wirklichkeit als ein aktives Ergebnis von Kommunikation und individueller Wahrnehmungsfilter an, nicht als objektives Abbild der Realität.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Coaching und Psychotherapie im Konstruktivismus schwierig?
Da viele Tools und Interventionsweisen in beiden Feldern Anwendung finden, sind klare Grenzen in der konstruktivistischen Praxis oft schwer zu ziehen.
Welchen Nutzen hat die Sokratische Gesprächsführung im Coaching?
Sie dient dazu, durch gezielte Fragetechniken alte, starre Meinungen aufzuweichen und den Klienten dabei zu unterstützen, eigene, passendere Wirklichkeitsauffassungen zu konstruieren.
- Arbeit zitieren
- Patrick Spyra (Autor:in), 2017, Konstruktivismus und Anwendungsmöglichkeiten im Coaching, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497140