Das Ende der klassischen Formensprache: Neue Kapitellformen (Entwicklungen im 5./6. Jahrhundert)


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

27 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Die Abkehr von der klassischen Bautradition: Spolienverwendung und Aufkommen des Prinzips der varietas

3.1) Korinthische Kapitelle und ihre Umbildungen
3.2) Gliederung des Kircheninnenraums: Einsatz der verschiedenen Kapitellformen
3.3) Entwicklung zur Einzonigkeit: Figuralkapitelle und ihr Einfluss auf die Entstehung des reinen Kämpferkapitells bzw. Korbkapitells
3.4) Ionisches Kämpferkapitell

4) Zusammenfassung

5) Literatur

6) Abbildungen

1) Einleitung

Die Spätantike ist geprägt von Umbrüchen und Veränderungen. Das Ende Roms und die Verlegung der Hauptstadt des römischen Reiches nach Konstantinopel, ebenso wie die zahlreichen „Barbaren“einfälle in römischem Reichsgebiet und das Christentum als neue Staatsreligion zeugen davon.[1] Das alte System bricht allmählich zusammen. Die Spätantike löst sich nach und nach von der antiken Tradition. Eine neue, eigenständige Kultur beginnt sich auszubilden.

Diese tief greifenden Veränderungen im politischen wie kulturellen Leben zeichnen sich auch in der Bauweise ab. Gerade im sakralen Bereich entstehen mit der neuen Religion andere rituelle Anforderungen; die christliche Basilika wird zum dominierenden Gebäudetypus. Besonders deutlich werden die neuen Formen im Bereich der Bauplastik und hier wiederum an den Kapitellen. In Auseinandersetzung mit den klassischen Vorbildern werden diese vereinfacht, ergänzt, neu kombiniert. Es entstehen vielfältige Um- und Neubildungen, bis schließlich im frühen 6. Jh. mit dem reinen Kämpfer- bzw. Korbkapitell[2] der „Höhepunkt des frühchristlichen plastischen Architekturschmuckes“[3] gefunden ist. Diese neue und typisch spätantike Bauform ersetzt nach und nach die herrschende Vielfalt an Formen. Im späten 5. Jh. vollzieht sich ein wesentlicher Wandel in der Baudekoration, der zum Ende der klassisch-antiken Tradition führt. Viele neue, von der Antike zunehmend unabhängigere Formen ent- und bestehen nebeneinander.

Welche formalen Veränderungen entstehen ausgehend vom korinthischen Kapitelltypus, welche neuen Typen werden entwickelt? Welche Beziehungen und Wechselwirkungen bestehen und wie führen sie schließlich zum Korbkapitell? Ziel der vorliegenden Arbeit soll sein, Antworten auf diese Fragen zu erarbeiten, was allerdings nur überblicksweise geschehen kann. Geografische Besonderheiten können nicht untersucht werden, auch nicht, wie sich Entwicklung und Verbreitung geografisch vollzogen haben. Es sei kurz erwähnt, dass die stilistischen Veränderungen höchstwahrscheinlich von Konstantinopel ausgehen, wie Untersuchungen des Marmorexports von Prokonnesos ergeben. Allerdings ist gerade für das hierfür so wichtige 5. Jh. kaum Befund in der neuen Hauptstadt vorhanden[4] ; die ersten datierbaren Korbkapitelle wiederum finden sich allerdings dort. Außerdem können in dieser Arbeit keine konkreten einzelnen Kapitelle und die jeweiligen Bauten vorgestellt werden. Die verwendeten Bildbeispiele dienen nur zur Verdeutlichung der wesentlichen Grundzüge ohne Berücksichtigung möglicher Besonderheiten.

Ehe die Entwicklung der Kapitellformen vorgestellt werden kann, sind Überlegungen anzustellen, wie überhaupt diese Formenvielfalt aufkommen konnte. Was hat sich verändert im ästhetischen Anspruch der Spätantike?

2) Die Abkehr von der klassischen Bautradition: Spolienverwendung und Aufkommen des Prinzips der varietas

Bevor die Entwicklung der Formensprache an konkreten Beispielen nachgezeichnet werden kann, sind zunächst einige Überlegungen anzustellen, wie es zu der variantenreichen Bauplastik, besonders im Bereich der Kapitelle, kommen und sich mit diesen eine Abkehr von der klassisch-antiken Bautradition vollziehen konnte. Hierzu ist ein Rückblick auf die Praktik der Spolienverwendung[5] als „Ornament- und Profilträger“[6] in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten nötig.[7]

In der Spätantike wird es üblich, Bauteile älterer, hauptsächlich antiker[8] Bauten, die sogenannten Spolien, die als besonders wertvoll geschätzt wurden, in neuen Gebäuden wiederzuverwenden. In konstantinischer Zeit beginnt die systematische Spoliennahme in großem Umfang.[9] Im späten 3. und besonders im 4. Jh. n. Chr. setzen entscheidende Veränderungen in der Baupraxis ein. Es kommt zu einem nachhaltigen Wandel der ästhetischen Bauprinzipien. Ein Überblick über die Veränderungen der Baupraktiken in dieser Zeit verdeutlicht dies.

Im ersten Drittel des 4. Jh.s werden die kostbaren Spolien in kleineren offiziellen Gebäuden eingesetzt, während die Bauplastik für kaiserliche Großprojekte[10] in eigens eingerichteten Werkstätten hergestellt wird. Gründe dafür mögen im Schwinden der handwerklichen Fertigkeiten und dem Mangel an Material in dieser Zeit[11] gesehen werden[12], so dass nur noch für große, bedeutende Bauten neue Ausstattungen angefertigt wurden. Dies zeigt einerseits „die hohe Wertschätzung des älteren Spolienmaterials“[13], das zur Dekoration von kleineren öffentlichen Gebäuden, etwa kleineren Tempeln[14] – also durchaus Bauten von Bedeutung –, verwendet wurde; andererseits aber herrscht offenbar noch die Vorstellung vor, dass gerade für große, prestigeträchtige Bauwerke eigens angefertigte Bauplastik herzustellen sei. Gerade weil in dieser Zeit handwerkliche Fähigkeiten und Fachwissen schwinden, werden die fähigsten Bauleute dort zusammengezogen, wo es gilt, besonders prächtige Ausstattungen zu schaffen. Zudem hätte die Menge an einheitlicher Bauplastik, die für einen Großbau erforderlich ist, nicht aus dem vorhandenen Spolienmaterial gedeckt werden können.[15] Auf diese Problematik wird jedoch im Folgenden noch ausführlicher einzugehen sein.

Auch in konstantinischer Zeit ist das Einrichten von Werkstätten vor Ort noch üblich.[16] Dennoch wird beim Bau der frühen christlichen Basiliken darauf verzichtet, neue Bauplastik zu produzieren.[17] Die Kirchen werden vollständig mit Spolien ausgestattet.[18] Sowohl die Basilica Lateranense (Abb.1), die erste christliche Großbasilika, als auch Alt-St.Peter sind mit älterem Baumaterial ausgestattet, dessen genaue Anordnung aufgrund nur weniger erhaltener Werkstücke allerdings nicht mehr sicher rekonstruiert werden kann. Verschiedenfarbige Säulenmaterialien legen nahe, dass auch die Kapitelle verschiedener Ordnungen waren.[19] Das schon genannte Problem, genügend einheitliches Material, gerade an Kapitellen, zu bekommen, wird nicht nur in Kauf genommen, sondern nach und nach bewusst eingesetzt. Es kommt zu Vermischungen von Kapitellen, die zwar zur gleichen Gruppe gehören, jedoch räumlich und zeitlich verschiedene Ursprünge haben, daher also in den Details variieren. Bevorzugt werden die korinthischen Normal- und Kompositkapitelle sowie auch, weniger häufig, das ionische Kapitell.[20] Die dorische Ordnung findet nahezu keine Beachtung in der spätantiken Architektur.[21] In der Basilika als Richtungsbau, auf Presbyterium und Apsis hin ausgerichtet[22], ist es möglich, verschiedene Ordnungen nebeneinander einzusetzen, um einzelne Bauteile voneinander abzuheben und zu akzentuieren.[23] So werden die Spolienkapitelle nicht nur nach besonders kostbarer Ausarbeitung sortiert, sondern auch nach Steinfarbe und –material.[24] Ihre Anordnung weicht von der der klassischen Tradition grundsätzlich ab[25]. Allerdings ist sie keinesfalls beliebig und ungeordnet, sondern anders geordnet als die antike Norm, dabei aber immer noch mit dem von der Antike überkommenen Formenmaterial operierend.[26]

Für diese Praktik der Vermischung der verschiedenen Kapitellformen, anfänglich bedingt durch die beschränkte Anzahl von vorhandenem Spolienmaterial, gemessen an dem für einen Großbau erforderlichen Baustoff, spielen sicherlich auch wirtschaftliche und Zeit sparende Faktoren eine Rolle, jedoch kann sich hierin eine Begründung nicht erschöpfen[27] – zumal auch das umfangreiche Spolienmaterial keinesfalls ohne Schwierigkeiten zu beschaffen war.[28]

Die christlichen Basiliken sind ein völlig neuer Bautypus, der nicht an traditionelle, klassische Ideale gebunden ist. Auch wenn die theoretische Möglichkeit bestanden hat, antike Normen zu übertragen – Großbasiliken kommen den klassischen Bauten an Ausmaßen gleich[29] – wird dies nicht gewollt.[30] Hierin liegt das entscheidende Neuartige: die klassische homogene Baudekoration wird aufgegeben zugunsten einer „modernen“[31], d. h. spätantiken abwechslungsreichen Vielfalt, einer heterogenen Ausstattung des Baus.

Eine neue Ästhetik der varietas[32] bildet sich aus, die schließlich im 4. Jh. zum Bruch mit der antiken Tradition führt. Spätestens mit dem Bau von S. Paolo fuori le mura[33] (Abb.2) erringt das Prinzip der varietas selbständigen Charakter. Hier werden korinthische und komposite Kapitelle alternierend innerhalb einer Kolonnade gesetzt.[34] Auffallend ist, dass nur die eine Kapitellgruppe, die korinthische Kapitelle (Abb.2.a.2), Spolien sind, während die kompositen Kapitelle (Abb.2.a.1) Neuanfertigungen eigens für den Bau dieser Kirche sind.[35] Sie sind also nicht mehr aus Materialbedürftigkeit, quasi einer „Notsituation“[36] heraus, wie für frühere Bauten noch argumentiert werden kann, eingesetzt worden, sondern ganz gezielt, um einem bestimmten Bauanspruch, der varietas, Genüge zu tun.[37] Die Neuanfertigungen werden den kostbaren Spolien gleichgesetzt. Von hier ist es nur ein kleiner Schritt zu wieder vollständig ex novo angefertigter Bauplastik, wie sie spätestens im 5. Jh. wieder üblich ist. Die Ästhetik der varietas verdrängt mehr und mehr die Bedeutung der Spolien.[38]

Mit den christlichen Basiliken beginnt offenbar ein Bedürfnis nach Abgrenzung von der klassischen Bautradition. Zugleich wird versucht, die neuen Bauwerke durch ausschließliche Verwendung besonders wertvoller Spolien auszuzeichnen. Daher kommt es, bedingt durch nur begrenzt verfügbares einheitliches Spolienmaterial, zu Vermischungen verschiedener Kapitelltypen. Es lässt sich nicht mehr fassen, ob diese frühchristlichen Basiliken bereits bewusst nach dem Prinzip der varietas ausgestattet worden sind[39], zumal die Vermischung schon an früheren Bauten unter Diokletian zu beobachten ist, hier jedoch aus der Materialnot geboren.[40] Spätestens mit S. Paolo fuori le mura jedoch kommt das neue ästhetische Prinzip nachweislich gezielt zum Einsatz.

Letztendlich ist immer noch unklar, warum eigentlich die varietas gewollt wird. Zu bemerken ist, dass bei weitem nicht alle Kirchen dieser Zeit gemäß diesem Prinzip gebaut werden. Der Großteil der Gebäude im 5. und 6. Jh. wird offenbar in einheitlicher Bauplastik ausgestattet.[41] Es lässt sich vermuten, dass die varietas immer dort zum Einsatz kommt, wo ein Bau besonders prachtvoll und bedeutungsvoll werden soll, etwa an den monumentalen Basiliken in Rom wie Alt-St.Peter oder S.Maria Maggiore[42], ebenso wie in der Bischofskirche von Stobi oder der Basilika von Poreč.[43] Varietas, Abwechslungsreichtum, kann nur dann besonders auszeichnend sein, wenn es eine Einheitlichkeit, einen Standard gibt, von dem sie sich abhebt.[44]

Mit der Verbreitung der christlichen Basilika, wie sie unter Konstantin aufgekommen ist, verbreitet sich auch die neue Ästhetik der varietas.[45] Die Abkehr von der klassischen Tradition ist eingeleitet. Die neuen Bauten halten sich nicht mehr streng an die antike Bauordnung. So wird der Weg gebahnt für eine neue Formenvielfalt und Variantenreichtum der Bauplastik. Gerade im 5. Jh. entstehen neue Kapitellformen, die sich auf die klassischen Vorbilder und die des 3. und 4. Jh.s[46] stützen, diese aber immer weiter variieren und umwandeln.

[...]


[1] Vgl. Seidlmayer, S. 22ff.; Martin, (v. a.) S. 29ff.

[2] Zur Verwendung dieser Begriffe vgl. Anm. 124

[3] Deichmann, Frühchristliche Kirchen, S. 47.

[4] Strube, S. 11.

[5] Das Spolienthema ist ein recht junges Forschungsgebiet, das sich erst in den 60er Jahren, vor allem aber in den 80ern zu einem eigenständigen Bereich entwickelt hat. Entsprechend offen ist die Forschungslage, vgl. etwa den Sammelband von Joachim Poeschke (Hg.): Antike Spolien in der Architektur des Mittelalters und der Renaissance, München 1996.

[6] Deichmann, Spolien, S. 4: Zu unterscheiden ist der Gebrauch von älteren Bauteilen als billigem Baumaterial von gezielt dekorativ eingesetzten Spolien gemäß einem bestimmten ästhetischen Anspruch.

[7] Vgl. hierzu Brandenburg, S. 11.

[8] Auch Spolien und magazinierte Bauteile der späten Kaiserzeit werden verbaut. Hierzu mehr im Folgenden.

[9] Vgl. Brandenburg, S. 21; 30. Schon vor Konstantin gibt es Beispiele für Spolienverwendung, jedoch nicht so systematisch und in dem Ausmaß wie im 4. Jh. Über das Vorgehen in vorkonstantinischer Zeit ist allerdings nur wenig bekannt (Brandenburg, S. 17; Brenk, S. 50; Deichmann, Spolien, S. 91).

[10] Brandenburg nennt als Beispiele etwa die Diokletiansthermen in Rom (Brandenburg, S. 17).

[11] Die Spolienverwendung kann weder (nur) als Zeichen des kulturellen Verfalls gewertet werden, noch (nur) als Zeichen der klassizistischen Verehrung der Antike (Poeschke, S. 7; Brenk, S. 67). Zum Problem der Bewertung dieser Praxis vgl. auch Anm. 5 und Anm. 32.

[12] Brandenburg, S. 17f.

[13] Ebd., S. 18.

[14] Brandenburg nennt als Beispiele etwa den Romulustempel in Rom (Brandenburg, S. 7; Deichmann, Spolien, S. 6).

[15] Brenk, S. 56; Brandenburg, S. 20; 21: Entsprechend große antike Bauten wurden zu dieser Zeit noch genutzt, so dass sie nicht ohne weiteres und ohne kaiserliche Genehmigung abgeräumt werden konnten. Zur spätrömischen Gesetzgebung/zur Baumaterialnahme vgl. Deichmann, Spolien, S. 96; 100.

[16] Brandenburg, S. 17.

[17] Ebd., S. 19.

[18] Brandenburg, S. 18.

[19] Basilica Lateranense, 313 und Alt-St.Peter, 326 geweiht; zur Frage der Rekonstruktion des spätantiken Aufrisses vgl. Brandenburg, S. 18f.; Brenk, S. 54-57; Deichmann, Spolien, S. 8f.

[20] Brandenburg, S. 14.

[21] Ebd., S. 23.

[22] Ebd., S. 20.

[23] Ebd., S. 23f.; 31.

[24] Ebd., S. 20; Brenk, S. 56.

[25] Vgl. hierzu Brenks Ausführungen zum Lateranbaptisterium, Brenk, S. 61ff. Hier werden nicht nur alle drei Kapitelltypen (ionisch, korinthisch, komposit) einander gegenübergestellt, sondern auch das Gebälk anders als es der antike Kanon verlangt gestaltet.

[26] Vgl. Anm. 36.

[27] Brandenburg, S. 20.

[28] Ebd., S. 20; Brenk, S. 56; 74; vgl auch Anm. 15.

[29] Brandenburg, S. 20.

[30] Über die Gründe dafür kann nur gemutmaßt werden und sie sollen hier nicht weiter erörtert werden. Möglicherweise handelt es sich auch um den Versuch, eine optische Abgrenzung der neuen Staatsreligion, des Christentums, gegenüber der früheren „heidnischen“ Zeit zu finden. Deichmanns Aussage, dass es sich um eine sich aus der praktischen Bedürftigkeit ergebene Verfahrensweise handelt, lässt sich so wohl nur für die Anfangsphase halten (ders., Spolien, S.101).

[31] Brenk, S. 50 zitiert nach Deichmann.

[32] Brenk, S.59. Anders als Deichmann, der „dem ästhetischen Sinn [durch die Spolienverbauung] Grenzen gesetzt“ (ders., Spolien, S. 92) sieht, leitet Brenk gerade daraus die Bedingungen für die Entwicklung eines neuen ästhetischen Empfindens ab.

[33] S. Paolo, um 386, ist höchstwahrscheinlich nicht die erste Kirche mit alternierenden Kapitellen (vgl. Anm. 19 zur Laterankirche und Alt-St.Peter), allerdings taucht hier erstmals gesichert die variierende Kapitellanordnung in einer Kolonnade auf. Zudem wird hier (erstmals) nachweislich mit dem Prinzip der varietas gebaut (vgl. Brenk, 54;58f.; Brandenburg, S. 25f.; Deichmann, Spolien, S. 13ff.).

[34] Diese Anordnung scheint in dieser spezifischen Verteilung nicht mehr wiederholt worden zu sein (Brenk, S. 59).

[35] Für den Bau von San Paolo ist eine eigene Werkstatt eingerichtet worden (Brandenburg, S. 26).

[36] Durch das stetige Reisen waren die Kaiser gezwungen ihre Neubauten rasch hochziehen zulassen. Das notwendige Material musste daher oft gezwungenermaßen aus Spolien genommen werden. Damit entstehen „Paradigmata, [die] allmählich die Mentalität veränderten“ (Brenk, S. 59).

[37] Brenk, S. 59; 75.

[38] Vgl. Brenk, 49f. Zu beachten: Die Bedeutung von Spolien in spätantiken Bauten ist nach wie vor nicht eindeutig geklärt. Kaiserliche wie später päpstliche Bauherren betrieben keine Kulturpolitik (Brenk, S. 61). Eher handelt es sich um den Versuch, sich „die ganze Tradition der römischen Bauskulptur [...] verfügbar“ zu machen (Brenk, S. 63), jedoch gerade nicht in klassizistischer, konservativer Orientierung an der Antike, sondern vielmehr um Innovation in Form einer „ästhetische Neuinterpretation“ im Bewusstsein der ehrwürdigen Tradition (Brenk, S. 63; 67).

[39] Brenk, S. 56.

[40] Ebd., S. 58.

[41] Ebd., S. 76.

[42] Brandenburg, S. 27.

[43] Stobi ist mit ex novo-Kapitellen alternierend ausgestattet, vgl. Brenk, S. 73f.; ebenso Poreč, vgl. Brenk, S. 71f (zu Poreč vgl. auch Anm. 136).

[44] Vgl. Brenks Verglich mit der Rhetorik (Brenk, S. 76).

[45] Brenk, S. 70. Das Wissen über die Entwicklung der Spoliennahme im 4. Jh. stammt hauptsächlich aus Rom (Brenk, S. 67). Es gibt allerdings zahlreiche Anzeichen dafür, dass für Großstädte im gesamten Mittelmeerraum ähnliche Entwicklungen gelten (Brenk, S. 69). Zur Entwicklung der Kapitellvielfalt ex novo sind Ursprünge in Konstantinopel anzunehmen, die dort allerdings nicht mehr belegbar sind (Brenk, S. 73; 75).

[46] Die Bedeutung dieser zeitlich näher gelegenen, kaiserzeitlichen Spolienvorbilder wird im Folgenden noch genauer erörtert.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Das Ende der klassischen Formensprache: Neue Kapitellformen (Entwicklungen im 5./6. Jahrhundert)
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Kunsthistorisches Institut)
Veranstaltung
Frühmittelalterliche Kunst im Adriaraum
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
27
Katalognummer
V49743
ISBN (eBook)
9783638461122
ISBN (Buch)
9783638911795
Dateigröße
3775 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schwerpunkt auf Referat der Literatur
Schlagworte
Ende, Formensprache, Neue, Kapitellformen, Jahrhundert), Frühmittelalterliche, Kunst, Adriaraum
Arbeit zitieren
M. A. Simone Kraft (Autor), 2004, Das Ende der klassischen Formensprache: Neue Kapitellformen (Entwicklungen im 5./6. Jahrhundert), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49743

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