Kollegiale Hospitation im Unterricht. Voraussetzungen, Potenzial, Wirksamkeit


Hausarbeit, 2019
10 Seiten, Note: 1,0
Sophie Koenen (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Relevanz und Stellung kollegialer Hospitationen

3. Ablauf einer kollegialen Hospitation
3.1 Planung und Vorbereitung
3.2 Durchführung und Dokumentation
3.3 Auswertung und Rückmeldung

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Begriff kollegiale Hospitation bezeichnet den Unterrichtsbesuch eines Lehrers[1], in welchem er die Unterrichtsstunde eines Kollegen beobachtet und ihm anschließend ein differenziertes Feedback bezüglich seines Handelns gibt. Das große Potential der kollegialen Hospitation für die Weiterbildung von Lehrern bleibt oft ungenutzt, da sie an Schulen in Deutschland in den meisten Fällen höchstens sporadisch anzutreffen ist. Darüber hinaus ist sie bei Lehrern oft unbeliebt, da Angst vor Kritik und Zweifel an ihrer Sinnhaftigkeit besteht (Thomas & Fitzner, 2012, S.13).

Ziel dieser Arbeit ist es deshalb, eine Leitlinie zu geben, wie die kollegiale Hospitation ablaufen sollte, damit sie ihr Potential entfalten kann. Dafür werden im Folgenden zunächst die Relevanz und die aktuelle Stellung kollegialer Hospitationen in Schulen betrachtet. Für die Wirksamkeit kollegialer Hospitationen ist es ratsam, dass sie nach einem gewissen Schema ablaufen. Ein solches Schema wird anschließend in Form eines möglichen Ablaufs der kollegialen Hospitation erläutert.

2. Relevanz und Stellung kollegialer Hospitationen

Wisniewski und Zierer (2018) bezeichnen Professionalität bezüglich des Lehrberufs als „die Reflexivität in Bezug auf das eigene berufliche Handeln“ (S. 154). Um folglich als Lehrperson professionell zu handeln, müssen die eigenen Routinen ständig hinterfragt werden. Hierfür kann unter anderem die Selbstreflexion dienen. Jedoch sollte diese durch externe Daten ergänzt werden. Im schulischen Kontext bestehen diese hauptsächlich aus Feedback, darunter Schülerfeedback und kollegiales Feedback (a.a.O., S. 155). Feedback nimmt eine wichtige Rolle ein, da der Beobachter „vom Handlungszwang entlastet [ist und so] mehr Einzelheiten des Unterrichtsgeschehens wahrnehmen [kann] und mehr Freiräume für Reflexion [hat]“ als die unterrichtende Person selbst (Leuders, 2009, S. 277). Kollegiales Feedback und die zugehörige kollegiale Hospitation sind somit entscheidende Faktoren für das professionelle Handeln von Lehrpersonen, da sie die Reflexion des eigenen Handelns anregen.

Ferner ist die kollegiale Hospitation ein wichtiger Bestandteil der Unterrichts- und Schulentwicklung bezüglich methodischer und didaktischer Fragen (Helmke, 2017, S. 326). Für den Hospitierenden birgt sie den Vorteil, dass sie durch den Perspektivenwechsel vom Unterrichtenden zum Beobachtenden Anregungen für seine eigene Unterrichtspraxis bieten kann (ebd.).

Trotzdem ist die kollegiale Hospitation in Deutschland bei vielen Lehrkräften nicht sehr beliebt. Ursächlich hierfür ist, dass sie oft als Leistungsbeurteilung erlebt wird (Buhren, 2015, S. 149). Ihr Potential wird durch den daraus resultierenden seltenen Einsatz „bisher viel zu wenig genutzt“ (Helmke, 2017, S. 326). Oft entsteht eine negative Einstellung zur kollegialen Hospitation bereits während des Referendariats. In diesem findet häufig keine klare Abgrenzung zwischen Feedback und Beurteilung statt (Wisniewski und Zierer, 2018, S. 156). Die hierarchisch beurteilende Situation dient vor allem zur Leistungsüberprüfung und -überwachung (ebd.). So kann es durch die Befürchtung eines Misserfolgs oder aus Angst vor Kritik an der eigenen Person zu einer negativen Konnotation von Hospitationen im weiteren Berufsleben kommen (Thomas & Fitzner, 2012, S. 13). Ihren schlechten Ruf bei vielen Lehrpersonen verdankt die kollegiale Hospitation nicht zuletzt der Tatsache, dass in Hospitationen oftmals die von Hattie sogenannten Oberflächenmerkmale[2] wie beispielsweise ein häufiger Methodenwechsel diskutiert werden. Die Diskussion des entscheidenden Kriteriums, des tatsächlichen Lernerfolgs, bleibt in den meisten Fällen aus. Dies liegt daran, dass Hospitationen meist nicht evidenzbasiert durchgeführt werden, wodurch keine Datengrundlage bezüglich des Lernerfolgs besteht, die anschließend diskutiert werden könnte (Wisniewski & Zierer, 2018, S. 156). Ohne die nötige Strukturierung und Evidenzbasierung bleiben kollegiale Hospitationen weitgehend wirkungslos. Um die kollegiale Hospitation als wichtige Rückmeldung bezüglich des unterrichtlichen Handelns bei Lehrkräften neu etablieren zu können, muss eine strukturierte, evidenzbasierte Herangehensweise angestrebt werden.

3. Ablauf einer kollegialen Hospitation

Für einen strukturierten und evidenzbasierten Ablauf muss im Vorhinein geplant werden, welche Verfahrensschritte die kollegiale Hospitation beinhalten und was in welchem Verfahrensschritt geschehen soll. Thomas und Fitzner (2012) empfehlen eine Einteilung in die Verfahrensschritte Planung und Vorbereitung, Hospitation sowie Rückmeldung und Auswertung (S. 22). Im Folgenden werden diese Verfahrensschritte der kollegialen Hospitation im Einzelnen betrachtet.

3.1 Planung und Vorbereitung

Damit eine kollegiale Hospitation gelingen kann, ist Transparenz seitens der Lehrkraft gefragt. Nur wenn diese einen Einblick in ihre Unterrichtspraxis gewährt, kann anschließend ein differenziertes Feedback gegeben werden (Köker, 2012, S. 161). Die wesentliche Voraussetzung hierfür ist ein Vertrauensverhältnis zwischen den Lehrerkollegen in den Hospitationsteams (a.a.O., S. 163). Damit ein „Klima des Vertrauens und der gegenseitigen Anerkennung“ (Allgäuer, 1998, S. 90) herrschen kann, müssen „Hierarchiestrukturen […] bis zu einem gewissen Maße aufgebrochen und durch ein Forum ersetzt werden […], das gemeinsam die Ergebnisse prüft und gemeinsam Handlungsstrategien entwickelt“ (ebd.). Bei einer kollegialen Hospitation sollte folglich kein Machtgefälle bestehen, in dem das eine Teammitglied dem anderen beruflich oder anderweitig überlegen ist. Beide Partien werden als Forschende betrachtet, deren Verhältnis vielmehr partnerschaftlich sein sollte (Kempfert & Ludwig, 2015, S. 175). Eine wichtige Voraussetzung stellt außerdem die Konflikt- und Gesprächsbereitschaft beider Parteien dar (Allgäuer, 1998, S. 91). Zudem ist ein Wille zur Veränderung maßgeblich für langfristig erfolgreiche kollegiale Hospitationen. Optimale Voraussetzungen bieten Lehrkräfte, „die Freude an ihrer Arbeit haben und sich in ihrem Beruf ständig weiterentwickeln wollen“ (ebd.).

Nach der Bildung der Hospitationsteams muss in einem gemeinsamen Gespräch die Zielsetzung der jeweiligen Hospitation geklärt werden. Dabei sollten vor allem die persönlichen Anliegen des Unterrichtenden im Mittelpunkt stehen. Wenn er einen bestimmten Qualitätsbereich nennt, der ihm Schwierigkeiten bereitet, sollte in der Hospitation ein besonderes Augenmerk auf diesen gelegt werden (Thomas & Fitzner, 2012, S. 20). Er kann außerdem in seinem Beobachtungsauftrag benennen, ob er den Beobachtungsfokus auf sein eigenes Verhalten oder auf das Verhalten der Schüler legen möchte (Helmke, 2017, S. 327f.). Aus den gemeinsam festgelegten Beobachtungsbereichen wird das Beobachtungsinstrument abgeleitet. Hier bieten sich vor allem Beobachtungsbögen an (siehe Kap. 4.2).

Im Zuge der Vorbereitung müssen zudem sämtliche organisatorische Absprachen getroffen werden. Diese beinhalten den Zeitpunkt der Hospitation, ihre Häufigkeit und ihren Umfang, einen Termin zur Nachbesprechung. Eventuell kann eine Freistellung durch die Schulleitung für die Zeit der Hospitationen und der Vor- und Nachbesprechungen erfolgen (Thomas & Fitzner, 2012, S. 21f.).

[...]


[1] Im Folgenden wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit für Personen weiterhin ausschließlich das generische Maskulinum verwendet. Gemeint sind aber immer beide Geschlechter.

[2] Vgl. Hattie, J. (2018). Visible Learning auf den Punkt gebracht. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren GmbH.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Kollegiale Hospitation im Unterricht. Voraussetzungen, Potenzial, Wirksamkeit
Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
10
Katalognummer
V497887
ISBN (eBook)
9783346013125
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kollegiale, hospitation, unterricht, voraussetzungen, potenzial, wirksamkeit
Arbeit zitieren
Sophie Koenen (Autor), 2019, Kollegiale Hospitation im Unterricht. Voraussetzungen, Potenzial, Wirksamkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497887

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Kollegiale Hospitation im Unterricht. Voraussetzungen, Potenzial, Wirksamkeit


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden