Durkheim postulierte im Jahr 1895, dass für die Soziologie gelte, Soziales nur mit Sozialem zu erklären. Bei ungenauer Betrachtung kann daraus nur all zu leicht geschlussfolgert werden, dass lediglich die Soziologie zur Erklärung des Sozialen befähigt sei, wodurch jedoch unterschlagen werden würde, dass das Soziale möglicherweise auch durch weitere, nicht-soziale, Faktoren erklärt werden könnte. Die Soziologie hat sich demnach zwar der Erklärung des Sozialen verschrieben, jedoch hat sich das Soziale dadurch nicht automatisch allein der Erklärung durch die Soziologie hingegeben. [...]Erinnerungen an frühere Entwicklungen des Sozialdarwinismus und der zum Teil darauf zurückführbaren verheerenden wissenschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Ereignisse – exemplarisch seien hier nur Eugenik und die nationalsozialistische Vorstellung der Rassenhygiene genannt – scheinen im Kontext des Einbezugs genetischer Erklärungsansätze in Bezug auf soziale Fragestellungen wachgerüttelt zu werden. Zumindest werden in Bezug auf Ergebnisse der Verhaltensgenetik, Verhaltensendokrinologie, Soziobiologie, Molekularbiologie und der Neurowissenschaften Thesen des genetischen Determinismus sowie die (mangelnde) Berücksichtigung sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse diskutiert oder gleich von einer gescheiterten Biologisierung der Soziologie gesprochen.
Die zentrale Frage, welche dieser Arbeit zugrunde liegen soll, lautet daher: Inwiefern führt die Berücksichtigung genetischer Erklärungsansätze in Bezug auf soziale Fragestellungen zu ei nem Erkenntnisgewinn für die Soziologie oder zu einem biologisch-deterministischen und unterkomplexen Verständnis des Sozialen?
Inhaltsverzeichnis
- I. Einleitung
- II. Erkenntnisgewinn vs. Determinismusvorwurf
- III. Fazit....
- IV. Literaturverzeichnis..........\n|\n.1\n.2\n.7
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Verwendung genetischer Erklärungsansätze in der Soziologie, um herauszufinden, ob sie einen Erkenntnisgewinn für die Disziplin bieten oder zu einem deterministischen Verständnis des Sozialen führen. Die Arbeit analysiert die verschiedenen Disziplinen, die sich mit sozialen Fragestellungen befassen, und die unterschiedlichen Studiendesigns, die zur Untersuchung des genetischen Einflusses auf das Verhalten eingesetzt werden.
- Der Beitrag genetischer Erklärungsansätze zum Erkenntnisgewinn in der Soziologie.
- Die Kritik an genetischen Erklärungsansätzen aufgrund des Vorwurfs des Determinismus.
- Die unterschiedlichen biologischen Forschungsansätze, die auf soziale Fragestellungen angewendet werden, insbesondere die Soziobiologie, die Verhaltensendokrinologie und die Verhaltensgenetik.
- Die potenziellen Folgen und Auswirkungen des genetischen Determinismus auf die Gesellschaft.
- Die historischen Ereignisse und Entwicklungen, die zur Entstehung des Determinismusvorwurfs beigetragen haben.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung
Die Einleitung führt den Leser in die Thematik der genetischen Erklärungsansätze in der Soziologie ein und stellt die zentrale Frage der Arbeit: Inwiefern führt die Berücksichtigung genetischer Erklärungsansätze in Bezug auf soziale Fragestellungen zu einem Erkenntnisgewinn für die Soziologie oder zu einem biologisch-deterministischen und unterkomplexen Verständnis des Sozialen?
II. Erkenntnisgewinn vs. Determinismusvorwurf
Dieses Kapitel beleuchtet die unterschiedlichen biologischen Disziplinen, die sich mit sozialen Fragestellungen befassen, wie die Soziobiologie, die Verhaltensendokrinologie und die Verhaltensgenetik. Es untersucht die verschiedenen Studiendesigns, die zur Untersuchung des genetischen Einflusses auf das Verhalten verwendet werden, und beleuchtet den Begriff des Determinismus und die daraus resultierenden Befürchtungen.
Schlüsselwörter
Die zentralen Schlüsselwörter und Fokus-Themen dieser Arbeit sind genetische Erklärungsansätze, Soziologie, Erkenntnisgewinn, Determinismus, Soziobiologie, Verhaltensendokrinologie, Verhaltensgenetik, soziales Verhalten, reproduktives Verhalten, soziale Mobilität, Gesundheits- und Suchtverhalten, Humangenomprojekt, genomweite Assoziationsstudien, Zwillings- bzw. Adoptivstudien, Eugenik, Sozialdarwinismus, Rassenhygiene.
Häufig gestellte Fragen
Was ist die zentrale Forschungsfrage dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht, ob die Einbeziehung genetischer Erklärungsansätze in der Soziologie zu einem echten Erkenntnisgewinn führt oder lediglich ein biologisch-deterministisches und unterkomplexes Verständnis des Sozialen fördert.
Welche biologischen Disziplinen werden im Kontext sozialer Fragestellungen betrachtet?
Es werden Erkenntnisse aus der Verhaltensgenetik, Verhaltensendokrinologie, Soziobiologie, Molekularbiologie und den Neurowissenschaften diskutiert.
Warum gibt es in der Soziologie Vorbehalte gegen genetische Erklärungen?
Die Vorbehalte rühren oft von historischen Erfahrungen mit Sozialdarwinismus, Eugenik und der NS-Rassenhygiene her, die zu der Befürchtung führen, dass biologische Ansätze den sozialen Faktor vernachlässigen (genetischer Determinismus).
Welche Studiendesigns werden zur Untersuchung genetischer Einflüsse genutzt?
Die Arbeit thematisiert unter anderem Zwillings- und Adoptivstudien sowie moderne Ansätze wie genomweite Assoziationsstudien (GWAS) und das Humangenomprojekt.
Auf welche sozialen Verhaltensweisen beziehen sich die genetischen Ansätze?
Die Untersuchung umfasst Bereiche wie reproduktives Verhalten, soziale Mobilität sowie Gesundheits- und Suchtverhalten.
Was besagt das Postulat von Durkheim aus dem Jahr 1895?
Émile Durkheim postulierte, dass Soziales nur durch Soziales erklärt werden könne, was die Grundlage für die Abgrenzung der Soziologie von biologischen Faktoren bildete.
- Citation du texte
- Martin Radtke (Auteur), 2018, Genetische Erklärungsansätze in der Soziologie zwischen Erkenntnisgewinn und Determinismusvorwurf, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498030