Ziel dieser Arbeit ist es, darzustellen, welche Analysemöglichkeiten der Sprachwissenschaft grundsätzlich im Umgang mit Lernersprachen zur Verfügung stehen und wie diese wissenschaftlich angewendet in Beziehung zueinander gesetzt werden können. Die Notwendigkeit dieses Forschungsfeldes ergibt sich schon allein in Hinblick auf die Hybridisierung der Gesellschaftsformen. Schließlich kann nur so die Analyse einer Lernersprache für Lingusitik, Lehrende und für den Lerner fruchtbar gemacht werden. Abschließend wird auf den Zusammenhang zwischen kultureller Identität, Fremde und Migration eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Kontrastive Analyse: Arabisch – Deutsch
2.2 Erwerbsequenzen
2.3 Gesprächsanalyse
2.4 Interkulturelle Kommunikation aus linguistischer Sicht
2.5 Integration und kulturelle Identität
3. Schluss
4. Literatur
5. Transkript
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Lernersprache eines syrischen Muttersprachlers nach dessen Ankunft in Deutschland, um Analysemöglichkeiten der Sprachwissenschaft im Umgang mit Lernersprachen aufzuzeigen und diese in einen größeren Kontext zu interkulturellen Fragen sowie sozialer Integration zu setzen.
- Kontrastive Analyse der Strukturen von Arabisch und Deutsch
- Analyse der Spracherwerbsphasen und morphosyntaktischer Kompetenzen
- Gesprächsanalyse zur Untersuchung von Sprachstruktur und Kommunikationsverlauf
- Interkulturelle Kommunikation und deren linguistische Betrachtung
- Integration, kulturelle Identität und deren Zusammenhang mit Spracherwerb
Auszug aus dem Buch
2.1 Kontrastive Analyse: Arabisch – Deutsch
Die kontrastive Analyse will nun Strukturen der Erstprache von AO und des Deutschen in Beziehung zueinander setzen und daraus Folgerungen für den Spracherwerbschießen. Sie ist bewusst allgemeiner gehalten, da in Kapitel 2.2 die Kompetenz von AO präziser analysiert wird.
Im Hinblick auf die Phonetik muss auch auf die Phonem-Graphem-Korrespondez als Besonderheit des Deutschen – besonders für Sprecher mit der Erstsprache Arabisch – hingewiesen werden. Diese wird von Hirschfeld (2010: 194) als sehr komplex beschrieben. Laut Nerius (2010: 200-204) ist es das interdependente Funktionsgeflecht der Othographieprinzipien, das den Einstieg in den Spracherwerb keineswegs erleichtert. Bei der Betrachtung des Vokal- und Konsonanteninventars offenbaren sich große Unterschiede zwischen dem Deutschen und dem Arabischen. Im Deutschen liegt mit 16 Vokalen ein differenzierterer Vokalismus als der arabische mit sechs Vokalen vor (Kästner 1981: 83). Interferenzen können daher aufgrund des differenzierten Konsonanteninventars, typologisch für semitischen Sprachen, (28 arabische Konsonanten (El Baghdadi 2013: 3-5)) auftreten. Die deutschen Diphtonge, Umlaute, die Frikative /ç/, /χ/, oder /p/ und /v/ finden im arabischen kein Pendant. Kompensiert werden kann das teilweise mittels Fremdsprachenkenntnissen (vgl. dazu Riedner/ Nabil 2010: 535-536). Da die arabische Silbestruktur dem Muster K-V-K folgt, sorgen auch sog. Konsonantenreihungen oder Kluster bei Lerner für Schwierigkeiten und führt häufig zur Kompensationsstrategie der Ellision, siehe [20: Odeonplatz] oder der Sprossvokale (Hirschfeld 2010: 196). Diese Kontraste ermöglichen Interferenzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Probanden und Erläuterung des Ziels, linguistische Analysemöglichkeiten bei Lernersprachen in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext zu stellen.
2. Hauptteil: Detaillierte Untersuchung der kontrastiven Unterschiede zwischen Arabisch und Deutsch, Analyse der Erwerbssequenzen, Durchführung einer Gesprächsanalyse sowie Reflexion über interkulturelle Aspekte und Integration.
3. Schluss: Zusammenführung der Ergebnisse und Einordnung der Bedeutung qualitativer Lernersprachenanalyse im Kontext gelingender Integration.
4. Literatur: Auflistung der im Text verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
5. Transkript: Dokumentation des erhobenen Audiomaterials zur Grundlage der durchgeführten Analyse.
Schlüsselwörter
Lernersprache, Kontrastive Analyse, Erwerbssequenzen, Gesprächsanalyse, Deutsch als Fremdsprache, Arabisch, Interkulturelle Kommunikation, Migration, Integration, Kulturelle Identität, Morphosyntax, Spracherwerb, Phonetik, Interferenz, Linguistik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Lernersprache eines syrischen Probanden, um Methoden zur Analyse von Fremdsprachenerwerb wissenschaftlich anzuwenden und zu bewerten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören die kontrastive Sprachanalyse, die Entwicklung von Erwerbssequenzen, die Gesprächsanalyse sowie die Verbindung von Sprache mit interkultureller Kommunikation und Integration.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, darzustellen, wie verschiedene linguistische Analysemöglichkeiten im Umgang mit Lernersprachen sinnvoll miteinander verknüpft werden können, um den Spracherwerbsprozess und die gesellschaftliche Teilhabe besser zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine qualitative Analyse, basierend auf der Halbinterpretativen Arbeitstranskription (HIAT), sowie kontrastive Analysen und Modelle der Spracherwerbsphasen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert strukturelle Unterschiede zwischen Arabisch und Deutsch, bewertet den Fortschritt des Lerners anhand von Erwerbssequenzen, untersucht die Struktur des geführten Gesprächs und diskutiert die Rolle der Sprache für kulturelle Identität und Integration.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Lernersprache, Kontrastive Analyse, Interkulturelle Kommunikation, Erwerbssequenzen und Integration.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Dativs für den Lerner?
Der Dativ stellt den Lerner vor Schwierigkeiten, da er im Arabischen nicht existiert, was als intralingualer Fehler klassifiziert wird.
Warum wird die Gesprächsanalyse als wichtig erachtet?
Sie ermöglicht es, Sprache nicht nur als isoliertes System, sondern als Medium der Mündlichkeit und menschlichen Interaktion zu verstehen, was für fundierte Analyseergebnisse essenziell ist.
Welche Bedeutung haben die Modalpartikeln im Transkript?
Sie dienen dem Lerner als Mittel, um seinen Äußerungen Struktur zu verleihen und die Kohärenz innerhalb seiner Redebeiträge (turns) zu steigern.
- Citar trabajo
- Michael Prestele (Autor), 2017, Arabisch-Deutsche Lernersprachenanalyse. Folgen unterschiedlicher Sprachstrukturen für den Spracherwerb, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498103