Geisteswissenschaftliche Pädagogik und kritische Erziehungswissenschaften im Vergleich


Hausarbeit, 2013

11 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.1 Die Geisteswissenschaftliche Pädagogik
2.1.1 Grundannahmen der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik
2.1.2 Grundfragen der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik
2.2 Die Kritische Erziehungswissenschaft
2.2.1 Grundannahmen der Kritischen Erziehungswissenschaft
2.2.2 Grundfragen der Kritischen Erziehungswissenschaft

3. Die Unterschiede Geisteswissenschaftlicher Pädagogik und Kritischer Erziehungswissenschaft

4. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Erziehung spielt seitdem es Menschen gibt eine zentrale Rolle. Bereits in der Antike wurden die jüngeren Generationen von den älteren erzogen. In der Gegenwart sieht dies nicht anders aus, denn die pädagogische Praxis steht in einem, sich stets wandelnden, Bildungssystem oft im Fokus. Erziehung versteht sich jedoch nicht nur als reine Praxis, sondern auch als eine theoretische Wissenschaft. Eine Wissenschaft zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass sie Forschungsarbeit betreibt und Theorien aufstellt.

Die ersten Diskussionen zum Erziehungsbegriff und zum Erziehungsverständnis fanden zur Zeit der Aufklärung statt. Erziehungstheorien wie wir sie heutzutage aus den Erziehungswissenschaften kennen, finden ihren Ursprung im 20. Jahrhundert. Zu den drei zentralen Richtungen der Theorien über Erziehungswissenschaften zählen die Geisteswissenschaftliche Pädagogik, die Empirische Erziehungswissenschaft und die Kritische Erziehungswissenschaft. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von modernen Ansätzen, wie Erziehungswissenschaft verstanden werden sollte.

Diese Ausarbeitung setzt sich mit der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik und der Kritischen Erziehungswissenschaft als zentrales Thema auseinander. Die Empirische Erziehungswissenschaft und andere Ansätze werden nicht zusätzlich thematisiert, da dies den Rahmen dieser Ausarbeitung sprengen würde. Es wird zunächst die Geisteswissenschaftliche Pädagogik und anschließend die Kritische Erziehungswissenschaft vorgestellt. Die Vorstellung beider Theorien soll einer Gegenüberstellung dienen. In dieser werden im Anschluss beide Konzepte voneinander abgegrenzt. Die Grundlage für diese Ausarbeitung bilden die Lektüren „Grundbegriffe, Theorien und Methoden der Erziehungswissenschaft – Eine Einführung“ von Hans- Christoph Koller und „Einführung in die Theorien und Methoden der Erziehungswissenschaften“ von Hein-Hermann Krüger. Diese wurden in Absprache mit der Dozentin ausgewählt.

Im Schlussteil der Hausarbeit wird eine Zusammenfassung, die die gewonnen Erkenntnisse und die zentralen Unterschiede vorstellt, gegeben.

2.1 Die Geisteswissenschaftliche Pädagogik

Im Folgenden wird die Geisteswissenschaftliche Pädagogik vorgestellt. Grundannahmen und Grundfragen, die diese ausmachen, stehen dabei im Mittelpunkt.

2.1.1 Grundannahmen der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik

Ausgangspunkt der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik ist Wilhelm Diltheys Gegenüberstellung der Charakteristika von Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften. Zentrale Begriffe dieser Gegenüberstellung sind „ Erklären“ und „ V erstehen“: 1 In diesem Zusammenhang wird oft der Bezug zu der folgenden Aussage Diltheys hergestellt: ‚Die Natur erklären wir, das Seelenleben verstehen wir‘.2 Im Gegensatz zu den Naturwissenschaften, geht es Dilthey zufolge in der Geisteswissenschaft nicht darum, naturwissenschaftliche Phänomene anhand von Formeln, Normen und Theorien zu beschreiben und zu erklären, sondern darum, den ‚Sinn‘ und die ‚Bedeutung‘ pädagogischen Handelns zu erkennen und zu verstehen.3

Hilfsmittel des wissenschaftlichen Verstehens ist hierbei die Hermeneutik, die Lehre vom Verstehen. Koller bietet für die genauere Begründung des Verstehens als Methode der Geistes- und Sozialwissenschaften drei argumentative Schritte an. Diese drei Schritte lassen sich an einem Zitat Diltheys verdeutlichen: ‚Wir nennen den Vorgang, in welchem wir aus Zeichen, die von außen sinnlich gegeben sind, ein Inneres erkennen: Verstehen. […] Sonach nennen wir Verstehen den Vorgang in welchem wir aus sinnlich gegebenen Zeichen ein Psychisches, dessen Äußerung sie sind, erkennen‘.4

Zunächst wird „ Verstehen als alltäglicher Vorgang“ aufgefasst.5 In all diesen alltäglichen Situationen geht es Dilthey darum, Zeichen, also menschliche Handlungen, zu erkennen und ihnen einen tieferen Sinn zuzuschreiben. Der darauf folgende Schritt, versucht „ aus diesem alltäglichen Verstehen eine Methode wissenschaftlicher Erkenntnis […]“ zu formulieren.6 Methodisch gesehen wird dabei das Ziel verfolgt, aus dem herausgestellten alltäglichen Vorgang des Verstehens fremder ‚Lebensäußerungen‘ objektive, allgemein gültige Erkenntnisse zu gewinnen und so das Verständnis vom Einzelfall auf das allgemeine zu erschließen, um letztendlich für das vorliegende „Problem eine Lösung vorzuschlagen. Diese beruht im Wesentlichen darauf, das Verstehen als ein regelgeleitetes […] Tun zu beschreiben “.7

Um die, zu verstehende, Situation schließlich stets parat zu haben, bedarf es nach Dilthey und Klafki einer „dauerhaften Fixierung des zu Verstehenden“. Diese dient dazu, gewonnene Erkenntnisse kontinuierlich an der Ausgangssituation überprüfen zu können. Dadurch soll gewährleistet werden, dass unterschiedliche Forscher/Forscherinnen auf die dauerhafte Fixierung zurückgreifen und die Interpretation untersuchen können. Für eine derartige dauerhafte fixierte Form sind Medien geeignet, die eine pädagogische Handlung oder die Meinung darüber festhalten. Diese können zum Beispiel schriftliche Dokumente, Bilder, Plastiken, musikalische Werke, aber auch Tonbänder und Filme sein.8

Bezieht sich nun ein Geisteswissenschaftler/eine Geisteswissenschaftlerin auf die genannten Medien, so muss er/sie Koller zufolge die „semantischen und syntaktischen Besonderheiten des Textes“ und den Kontext, in dem er entstanden ist, berücksichtigen. Dies bedeutet im Klartext, dass es von Bedeutung ist, zu berücksichtigen, „ w as“ und „ w ie“ ein Sachverhalt geschildert wird und wie einzelne Textfragmente miteinander verbunden werden. Ein und dieselben Wörter können in einem anderen Zusammenhang einen unterschiedlichen Sinn bekommen und somit das Verständnis beeinflussen.9

Ein weiterer einflussreicher Faktor ist der Kontext, in dem ein Text entstanden ist. Krüger zufolge ist es wichtig, den Hintergrund einzelner Äußerungen sowie „das Prinzip der Geschichtlichkeit“ zu betrachten. Fixierte Formen können dem zur Folge „als Ausdruck jeweils bestimmter historischer Prozesse und Verhältnisse sowie der in ihnen handelnden Menschen mit jeweils geschichtlich bedingten Vorstellungen und Motiven verstanden“ werden. Allerdings ist zu beachten, dass die Berücksichtigung der Geschichtlichkeit nur dann einen Beitrag zur Bearbeitung pädagogischer Probleme leistet, wenn „sie die Vorgeschichte der jeweiligen Fragen und Probleme aufdeckt“.10

Ein wichtiges Mittel wissenschaftlichen Verstehens ist der hermeneutische Zirkel.11 Bei der Anwendung des hermeneutischen Zirkels beginnt die Interpretation bei einem einzelnen Fragment, welches im Laufe des Interpretationsverfahrens immer in Bezug auf größere Fragmente betrachtet wird. So geht man bei einem Text zunächst von einem einzelnen Wort aus, betrachtet folglich den Satz als Ganzes, anschließend die Bedeutung des Satzes innerhalb einen Absatzes und schlussendlich interpretiert man diesen Absatz bezogen auf den vollständigen Text. Der hermeneutische Zirkel beschränkt sich jedoch nicht auf eine einzige Quelle. Es können weitere Medien, die das Verständnis weiter vertiefen, hinzugezogen werden, um dadurch ein größeres Verständnis des Sachverhaltes zu erlangen. Graphisch dargestellt, entsteht mithilfe des hermeneutischen Zirkels eine Zirkularstruktur, die keinen Kreis sondern eine Spirale darstellt. Folglich ist es nach Klafki ‚angemessener, von der ‚hermeneutischen Spirale‘ zu sprechen‘.12

2.1.2 Grundfragen der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik

Zentrale inhaltliche Diskussionen zur Geisteswissenschaftlichen Pädagogik setzen sich, unter anderem, mit dem pädagogischen Bezug und den Aufgaben des Erziehers/ der Erzieherin auseinander.13

Krüger verweist diesbezüglich auf Nohl. Dieser „definiert den pädagogischen Bezug als ‚das leidenschaftliche Verhältnis eines reifen Menschen zu einem werdenden Menschen, und zwar um seiner selbst willen, dass er zu seinem Leben und zu seiner Form komme‘“. Das Zitat zeigt, dass sich Erzieher/Erzieherin und Zu-Erziehender/Zu-Erziehende auf unterschiedlichen Ebenen befinden, wobei der Erzieher/die Erzieherin über dem Zu- Erziehenden/der Zu-Erziehenden steht. Diese Hierarchie bewirkt autoritäres Einwirken des Erziehers/der Erzieherin auf seinen/ihren Zögling auf der einen Seite und erfordert Vertrauen des/der Zu-Erziehenden gegenüber seinem Erzieher/ihrer Erzieherin auf der anderen Seite.14

Die Beziehung beruht Krüger zufolge auf dem „Moment der Freiwilligkeit“. Demnach liegt es im Interesse des Zöglings, ein reifer Mensch zu werden. Die Aufgabe des Erziehers/der Erzieherin besteht konsequenter Weise darin, die Bedürfnisse des Zu- Erziehenden/der Zu-Erziehenden zu berücksichtigen und ihn/sie auf dem Weg zum Erwachsensein zu leiten. Dabei muss der/die Erziehende „zwischen dem Eigenrecht und den Interessen der Heranwachsenden und den Erwartungen und Ansprüchen von Kultur und Gesellschaft vermitteln“.15 Der Erzieher/die Erzieherin ist somit relativ frei in seinem/ihrem Handeln, solange er/sie den, ihm/ihr von der Kultur und der Gesellschaft vorgegebenen, Rahmen und die Bedürfnisse des/der Zu-Erziehenden in Betracht zieht.

Schlussendlich zielt die Beziehung zwischen dem Erzieher/der Erzieherin und dem/der Zu-Erziehenden darauf ab, sich Schritt für Schritt aus der Abhängigkeit zu lösen. Dies soll durch die Erziehung zu einem selbstbestimmt mündig handelnden Erwachsenen erreicht werden. Der/die Zu-Erziehende soll nach und nach erkennen, dass er nicht mehr auf den Erzieher/die Erzieherin angewiesen ist. Hierbei ist es besonders wichtig das Verhältnis zwischen Bindung und Selbstständigkeit zu berücksichtigen.16

[...]


1 Vgl. Koller 2009 S. 202

2 Dilthey nach Krüger 2006 S.24

3 Vgl. Klafki nach Koller 2009 S. 204

4 Dilthey nach Koller 2009 S. 205

5 Koller 2009 S. 204

6 ebd. S. 204

7 Koller 2009 S. 207

8 ebd. S. 208

9 Vgl. ebd. S. 211

10 Krüger 2006 S.28

11 Vgl. Koller S 213f

12 Klafki nach Koller 2009 S. 214

13 Krüger 2006 S. 31

14 ebd. S. 32

15 ebd. 2006 S. 33

16 Vgl. Krüger 2006 S.33

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Geisteswissenschaftliche Pädagogik und kritische Erziehungswissenschaften im Vergleich
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
11
Katalognummer
V498879
ISBN (eBook)
9783346016911
ISBN (Buch)
9783346016928
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geisteswissenschaftlich, pädagogik, kritisch, kritische, erziehungswissenschaft, erziehungswissenschaften, vergleich, koller, krüger, einführung, theorien, methoden, grundbegriffe
Arbeit zitieren
Andreas Kühltau (Autor), 2013, Geisteswissenschaftliche Pädagogik und kritische Erziehungswissenschaften im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498879

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