In dieser Ausarbeitung wird neben der Darstellung der Entwicklung der Institution Schule in Deutschland und der gesetzlichen Grundlage bezüglich inklusiver Bildung, auch der Integrations- und der Inklusionsgedanken gegenübergestellt und versucht, deutlich zu machen, dass der Inklusionsgedanke bildungsspezifisch weitreichendere Folgen hat als eine schulische Integration. Danach wird der Frage nachgegangen, unter welchen Bedingungen eine Schule als inklusiv bezeichnet werden kann.
Das Thema Inklusion ist, obwohl schon seit mehreren Jahren auf der politischen Tagesordnung, immer noch hochaktuell. Gesellschaftlich wird es ebenso sehr kontrovers diskutiert. Geschichtlich gesehen ist es ,vor allem im Hinblick auf Bildung und Schule, geradezu bahnbrechend. Die praktische Umsetzung des Inklusionsgedankens stellt aber auch bisherige pädagogische Konzepte auf den Kopf und verlangt von vielen Menschen in unserer Gesellschaft, auch von pädagogischen Fachkräften, ein Umdenken bezüglich des eigenen Menschenbildes.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sonderpädagogische Schulentwicklung in Deutschland
3. Integration vs. Inklusion
4. Rechtliche Grundlagen inklusiver Bildung in der BRD
4.1 Die UN-BRK
4.2 Das Niedersächsische Schulgesetz
5. Inklusion in der Schule
5.1 Gesellschaftliche Bewusstsein
5.2 Alte Denkmuster
5.3 Standards einer inklusiven Schule
5.4 Kennzeichen einer inklusiven Schule
5.5 Der inklusive Unterricht
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die theoretischen und praktischen Möglichkeiten der Umsetzung von Inklusion im deutschen Schulsystem unter Berücksichtigung rechtlicher Rahmenbedingungen und pädagogischer Notwendigkeiten.
- Entwicklung des sonderpädagogischen Systems in Deutschland
- Gegenüberstellung von Integration und Inklusion
- Rechtliche Grundlagen durch UN-BRK und niedersächsisches Schulrecht
- Gesellschaftliche Voraussetzungen und notwendige Umdenkprozesse
- Standards und Kennzeichen inklusiver Schulpraxis
Auszug aus dem Buch
3. Integration vs. Inklusion
Nicht selten ist in der Öffentlichkeit, seit dem Inkrafttreten der UN-BRK, und oft auch in der Kombination oder auch als Ergänzung zum seit Jahren gängigen Wort der Integration, der bereits o.g. Begriff der Inklusion zu hören.
Die Unterscheidung der Begriffe Integration und Inklusion sorgte und sorgt aber in breiten Teilen der Bevölkerung, und auch in pädagogischen Fachkreisen immer noch für Unklarheit und Verwirrung. Dies mag vielleicht auch ein Grund dafür gewesen sein, warum aufgrund einer Entscheidung der Kultusministerkonferenz in der offiziellen deutschen Fassung der UN-BRK der Begriff inclusive education system anstatt als inklusives Bildungssystem, als integratives Bildungssystem ins Deutsche übersetzt wurde (Demmler 2008: In: Prengel 2010:17) und das wiederrum führt nach Meinung von Reich (2012) dazu, dass der eigentliche Kerngedanke von inklusiver Bildung, dass niemand ausgeschlossen werden darf und die Bringschuld für Inklusion auf der staatlichen Seite liegt, durch die „falsche“ Übersetzung nämlich dahingehend umgekehrt wurde, dass das Individuum mit Behinderung sich in die „Normalgruppe“ integrieren soll. (vgl. Reich 2012:36)
Bei dem Begriff Inklusion handelt es sich aber nicht einfach nur um den Austausch eines Schlagwortes durch ein anderes: „Integration und Inklusion bezeichnen vielmehr zwei sich grundlegend unterscheidende sozialpolitische Konzepte und stehen für unterschiedliche Sichtweisen auf die Gesellschaft“ (vgl. inklusion-schule).
Bei einer Integration wird davon ausgegangen, dass eine Gesellschaft aus einer relativ homogenen Mehrheitsgruppe und einer kleineren Außengruppe besteht, welche in das bestehende System integriert werden soll.
Die Inklusion hingegen stellt eine Abkehr von dieser Zwei-Gruppen-Theorie dar. Sie sieht alle Menschen als gleichberechtigte Individuen, die von vornherein und unabhängig von persönlichen Merkmalen oder Voraussetzungen Teil eines Ganzen sind. (vgl. ebd.)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Der Autor führt in die Relevanz des Inklusionsthemas ein und erläutert seine persönliche Motivation sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2. Sonderpädagogische Schulentwicklung in Deutschland: Dieses Kapitel skizziert die historische Entwicklung des deutschen Schulsystems von der Separierung leistungsschwächerer Schüler hin zur heutigen kritischen Auseinandersetzung mit Sonderpädagogik.
3. Integration vs. Inklusion: Hier werden die begrifflichen Unterschiede sowie die sozialpolitischen Konzepte hinter Integration und Inklusion theoretisch differenziert.
4. Rechtliche Grundlagen inklusiver Bildung in der BRD: Das Kapitel analysiert die Bedeutung der UN-Behindertenrechtskonvention sowie deren spezifische Umsetzung im niedersächsischen Schulgesetz.
5. Inklusion in der Schule: Es werden die gesellschaftlichen Voraussetzungen, notwendige Umdenkprozesse, Standards und Merkmale einer inklusiven Unterrichts- und Schulpraxis detailliert erläutert.
6. Fazit: Der Autor fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Inklusion ein gesamtgesellschaftlicher Prozess ist, der ein grundlegendes Umdenken erfordert.
Schlüsselwörter
Inklusion, Integration, Sonderpädagogik, UN-BRK, Schulentwicklung, Bildungsgerechtigkeit, Diversität, Regelschule, inklusive Schule, Heterogenität, Menschenrechte, Barrierefreiheit, individuelles Lernen, Schulkultur, Förderschule
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, ob Inklusion im deutschen Schulsystem erfolgreich umgesetzt werden kann und welche theoretischen wie praktischen Voraussetzungen dafür notwendig sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Sonderpädagogik, die Abgrenzung von Integration und Inklusion, die rechtlichen Grundlagen sowie die Gestaltung inklusiver Unterrichtsprozesse.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, unter welchen Bedingungen eine Schule als inklusiv bezeichnet werden kann und warum Inklusion über das bisherige Integrationsmodell hinausgeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung fachwissenschaftlicher Literatur sowie der Analyse von Rechtsgrundlagen und bildungspolitischen Dokumenten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Schulentwicklung, die Gegenüberstellung von Integration und Inklusion, die Analyse der Rechtslage sowie die praktische Ausgestaltung inklusiver Standards.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Inklusion, Bildungsgerechtigkeit, Vielfalt, Schulentwicklung, UN-Behindertenrechtskonvention und individuelles Lernen.
Welche Rolle spielt das niedersächsische Schulgesetz in dieser Arbeit?
Das niedersächsische Schulgesetz dient als konkretes Fallbeispiel für die praktische Umsetzung der UN-BRK auf Landesebene.
Was versteht man in dieser Arbeit unter dem "Haus der Vielfalt"?
Das "Haus der Vielfalt" ist ein von Wocken entwickeltes Modell, das die drei notwendigen Säulen – Vielfalt der Kinder, Dimension des Unterrichts und Vielfalt der Pädagogen – für einen gelingenden inklusiven Unterricht beschreibt.
- Citation du texte
- André Bakemeier (Auteur), 2014, Eine Schule für Alle. Kann Inklusion in der Schule umgesetzt werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498947