Diese Arbeit ist eine empirische Untersuchung und analysiert die verschiedenen Leasing-Formen bei kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU). Konkret geht es dabei auch um die Definition und die Charakteristika von KMU selbst.
Leasing ist ein Terminus, der nicht zuletzt wegen seiner Bedeutung für die gesamtwirtschaftliche Investitionstätigkeit in Deutschland häufig Erwähnung findet. Leasing ist dabei kein Phänomen bestimmter Branchen oder Unternehmensgrößen. Und doch erfreut es sich gerade bei klein- und mittelständischen Unternehmen großer Beliebtheit. Diesen Umstand hat sich der Autor zum Anlass genommen, um mit dieser Arbeit zu erörtern, inwieweit sich Leasing tatsächlich für KMU eignet. Dies stellt gleichzeitig auch die Leitfrage dieser Ausarbeitung dar, wobei sich ausschließlich auf in Deutschland ansässige Unternehmen und folglich den deutschen Leasingmarkt konzentriert wird.
Um jene Leitfrage zu beantworten, wird eine empirische Untersuchung anhand eines KMU durchgeführt. Hierbei wird sich sowohl quantitativer als auch qualitativer Analysemittel bedient, die sich gegenseitig ergänzen. Bei ersterem handelt es sich um eine Jahresabschlussanalyse, während der qualitative Teil durch ein informatorisches Interview mit dem Geschäftsführer des Unternehmens erfüllt wird. Der Fokus liegt dabei auf dem Leasing von materiellen Mobilien. Als Ergebnis dieser Untersuchung lässt sich feststellen, dass weder beim Finance Leasing, welches durch den Finanzierungscharakter als Alternative zum Bankkredit betrachtet werden kann, noch beim Operate Leasing als Miete von Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens oder bei der Sonderform des Sale-and-Lease-back Leasings eine Eignung für das Unternehmen festgestellt werden konnte. Bei der Verallgemeinerung dieses Ergebnisses für alle KMU muss allerdings berücksichtigt werden, dass das projektbegleitende Unternehmen eine außergewöhnlich positive gesamtwirtschaftliche Situation aufweist und auch nur die Finanzierung von solchen Wirtschaftsgütern für den Vergleich von Finance Leasing und Bankkredit betrachtet werden konnte, die sich dem Vorteil des Finance Leasings hinsichtlich eines früheren Austausches und damit der zügigeren Anpassung an den technologischen Fortschritt entziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition und Charakteristika von KMU
3. Wesen des Leasings
3.1 Unterscheidung nach der Vertragsform
3.1.1 Das Finance Leasing
3.1.2 Abgrenzung zum Bankkredit
3.1.3 Das Operate Leasing
3.2. Die Sonderform des Sale-and-Lease-back Leasings
4. Kritische Würdigung des Leasings in Bezug auf KMU
4.1 Vergleich von Finance Leasing und Bankkredit
4.1.1 Quantitative Aspekte
4.1.2 Qualitative Aspekte
4.2 Das Operate Leasing
4.3 Das Sale-and-Lease-back Leasing
5. Empirische Untersuchung der Eignung von Leasing für KMU
5.1 Methodik und Aufbau
5.2 Unternehmensanalyse der Bremer Handwerk GmbH
5.3 Analyse der Eignung von Leasing für die Bremer Handwerk GmbH
5.3.1 Das Operate Leasing
5.3.2 Das Sale-and-Lease-back Leasing
5.3.3 Das Finance Leasing
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Eignung verschiedener Leasingformen für klein- und mittelständische Unternehmen (KMU) in Deutschland, um festzustellen, ob Leasing eine sinnvolle Alternative zur klassischen Fremdfinanzierung über Bankkredite darstellt.
- Analyse der verschiedenen Leasingarten (Finance Leasing, Operate Leasing, Sale-and-Lease-back)
- Kritische Gegenüberstellung von Leasing und Bankkredit anhand quantitativer und qualitativer Kriterien
- Empirische Untersuchung der Eignung anhand der Bremer Handwerk GmbH
- Bewertung von Liquiditätseffekten und bilanzpolitischen Auswirkungen
- Untersuchung der technologischen Anpassungsfähigkeit durch Finanzierungsentscheidungen
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Quantitative Aspekte
Beschließt man, sich einem quantitativen Vergleich von Finance Leasing und Bankkredit zu widmen, so müssen für einen solchen zunächst gleiche Ausgangsbedingungen geschaffen werden. Dies impliziert zum einen, dass bei beiden Finanzierungsformen eine vollständige Finanzierung des Wirtschaftsgutes ohne Einbindung von Eigenkapital vorausgesetzt werden muss. Zum anderen müssen beim Finance Leasing jegliche hinzubuchbare Serviceleistungen im Rahmen des Full-Service-Leasings außen vorgelassen werden. Für eine Aussage zur quantitativen Vorteilhaftigkeit von einer der beiden Finanzierungsformen bedarf es der Betrachtung der zu leistenden Zahlungen. Eine bloße periodische Gegenüberstellung dieser lässt allerdings dahingehend keine vernünftigen Rückschlüsse zu, wie man schnell feststellen muss. Grund hierfür ist, dass der Anfall von Zins und Tilgung sowie Leasingrate unterschiedlichen zeitlichen Strukturen unterliegt. Dies wird schon allein daran erkenntlich, dass beide Finanzierungsformen differenzierte Laufzeiten aufweisen.
Beim Finance Leasing werden nicht bis zum Ende der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer Zahlungen getätigt, so wie es regelmäßig beim Bankkredit der Fall ist. Aus diesem Grund bedient man sich in der Literatur häufig der Barwertmethode, bei der die anfallenden Raten von Bankkredit und Finance Leasing mithilfe eines Kalkulationszinssatzes abgezinst werden und anschließend die Finanzierungsform mit dem höheren Barwert als die teurere ausgemacht wird. Dabei ist als Ergebnis der Literaturrecherche festzustellen, dass das Finance Leasing in der für diese Arbeit relevanten Form in der Regel einen geringeren Barwert als der Bankkredit aufweist und damit für gewöhnlich die günstigere Finanzierungsform darstellt. Grund hierfür ist die Tatsache, dass beim Finance Leasing nur ein Großteil der Anschaffungskosten des Wirtschaftsgutes durch die vom KMU gezahlten Leasingraten gedeckt wird, während der Restwert hauptsächlich durch den Verkauf des Objektes am Markt amortisiert wird. Beim Bankkredit hingegen zahlt das KMU den in Höhe der Anschaffungskosten geliehenen Geldbetrag vollständig zurück. Dieses Ergebnis behält in den meisten Fällen auch dann Gültigkeit, wenn bei der Finanzierung über den Bankkredit ein Erlös durch den regelmäßigen Verkauf des Wirtschaftsgutes nach Ende der Vertragslaufzeit und damit nach Ablauf der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer des Gegenstandes berücksichtigt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zum Thema Leasing, Darstellung der Relevanz für KMU und Definition der Leitfrage sowie des Untersuchungsumfangs.
2. Definition und Charakteristika von KMU: Erläuterung der Abgrenzungskriterien für kleine und mittelständische Unternehmen, sowohl quantitativ als auch qualitativ.
3. Wesen des Leasings: Definition der Grundlagen des Leasings sowie detaillierte Vorstellung der verschiedenen Vertragsformen wie Finance und Operate Leasing.
4. Kritische Würdigung des Leasings in Bezug auf KMU: Analyse der Vor- und Nachteile des Leasings gegenüber dem Bankkredit hinsichtlich quantitativer und qualitativer Entscheidungskriterien.
5. Empirische Untersuchung der Eignung von Leasing für KMU: Praxisnahe Überprüfung der theoretischen Erkenntnisse anhand einer Unternehmensanalyse der Bremer Handwerk GmbH.
6. Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der Ergebnisse der Untersuchung und Beantwortung der zentralen Leitfrage hinsichtlich der Eignung von Leasing für KMU.
Schlüsselwörter
Leasing, KMU, Finance Leasing, Operate Leasing, Bankkredit, Finanzierung, Unternehmensanalyse, Liquidität, Investition, Barwert, Bilanzneutralität, Fremdfinanzierung, Sale-and-Lease-back, Investitionsrisiko, Handwerksbetrieb.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, inwieweit sich verschiedene Leasingformen als Finanzierungsalternativen für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) im Vergleich zum klassischen Bankkredit eignen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Untersuchung deckt die theoretischen Grundlagen des Leasings (Finance und Operate), die Abgrenzung zum Bankkredit sowie die praktische Eignungsanalyse anhand eines KMU ab.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Leitfrage: "Inwieweit eignet sich Leasing tatsächlich für KMU?" unter ausschließlicher Betrachtung des deutschen Marktes.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine Kombination aus einer theoretischen Literaturanalyse sowie einer empirischen Untersuchung, die eine Jahresabschlussanalyse und ein informatorisches Interview mit der Geschäftsführung eines KMU umfasst.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Definition von KMU, die Charakteristika verschiedener Leasingverträge, einen kritischen Vergleich zwischen Leasing und Bankkredit anhand von Kennzahlen und die Anwendung dieser Erkenntnisse auf ein konkretes Fallbeispiel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Leasing, KMU, Finance Leasing, Bankkredit, Finanzierung, Liquidität und Investitionsrisiko.
Warum wurde die "Bremer Handwerk GmbH" als Partner für die Untersuchung gewählt?
Die Bremer Handwerk GmbH dient als konkretes Beispiel eines KMU, um die Eignung von Leasing unter realen betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu testen.
Zu welchem Ergebnis kommt der Autor hinsichtlich der Eignung des Leasings für die untersuchte Bremer Handwerk GmbH?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Leasing für die untersuchte GmbH aktuell keine sinnvolle Alternative zur bestehenden Kreditfinanzierung darstellt, da keine Notwendigkeit für die spezifischen Vorteile der Leasingformen besteht und diese mit höheren Kosten verbunden wären.
Wie bewertet der Autor die "Bilanzneutralität" als Argument für Leasing bei KMU?
Der Autor bewertet diesen Vorteil als eher schwach, da im Falle von Kapitalgesellschaften Leasingverbindlichkeiten ohnehin im Anhang ausgewiesen werden müssen und dies somit für Stakeholder transparent ist.
- Arbeit zitieren
- Tim Stolle (Autor:in), 2019, Über verschiedene Leasing-Formen bei kleinen und mittelständischen Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/499108