Diese Bachelorarbeit hat zum Ziel, ein Gesamtbild systemischer Risiken zu zeichnen, begriffliche Klarheit zu schaffen und ein konzeptuelles Rahmenwerk zu entwerfen, um systemische Risiken analysieren zu können.
In Kapitel 2 werden einige Definitionen systemischer Risiken untersucht, die politikwissenschaftliche Relevanz der Risikoperspektive begründet und erklärt, weshalb systemischen Risiken eine besondere Aufmerksamkeit erfahren. Anschließend werden verschiedenen Teilaspekte systemischer Risiken eingenordnet und zueinander in Bezug gesetzt. Danach befasst sich die Arbeit mit den theoretischen und methodologischen Grundlagen des Ansatzes, um schließlich ein Rahmenwerk zur empirischen Analyse systemischer Risiken zu entwerfen.
Die Zahl beängstigender global vernetzter Probleme deren Ursache-Wirkungs-Strukturen nur schwierig zu begreifen und deren Folgen nicht vorherzusagen sind, nehmen seit einigen Jahrzehnten stetig zu. Gleichzeitig sind die Bemühungen diesen Problemen zu begegnen entweder relativ gering oder mit starken Widerständen konfrontiert. Auf der Suche nach begrifflichen und theoretischen Werkzeugen, um diese Probleme untersuchen zu können, definierte eine Expertenkommission der OECD die Kategorie systemische Risiken. Es wird angenommen, dass die vergleichende Untersuchung dieser Probleme unter der gemeinsamen Kategorie systemischer Risiken handlungsleitendes Wissen zu deren Bewältigung generieren kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definitionen, politikwissenschaftliche Relevanz und Prominenz systemischer Risiken
2.1 Definitionsversuche
2.2 Risiko und Politik
2.3 Die Prominenz systemischer Risiken
3 Systemwissen: Auf dem Weg zu einer Theorie systemischer Risiken?
3.1 Systemisch über die Art des Schadens
3.2 Systemisch über die Ursache des Risikos
3.2.1 Handlungstheoretische Erklärungen systemischer Risiken
3.2.2 Strukturalistische Erklärungen systemischer Risiken
3.2.3 Bewältigungshindernisse und Steuerungsdefizite als Erklärungen systemischer Risiken
3.3 Systemisch über die Dynamik des Zusammenbruchs
3.3.1 Systemische Risiken als theoretisches und methodologisches Projekt
3.3.2 Systemische Risiken und die Theorie kritischer Transitionen nach Scheffer
3.4 Synthese, Rahmenwerk und Grenzen
3.4.1 Ein erstes Rahmenwerk zur Analyse systemischer Risiken
3.4.2 Möglichkeiten und Grenzen des Ansatzes
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, das interdisziplinäre Forschungsfeld der systemischen Risiken systematisch zu ordnen, begriffliche Klarheit zu schaffen und ein konzeptuelles Rahmenwerk für deren Analyse zu entwickeln. Dabei steht die Frage im Zentrum, mit welchen theoretischen und methodologischen Werkzeugen Systemwissen über komplexe, vernetzte Probleme generiert werden kann, um eine integrative politische Bewältigung zu ermöglichen.
- Systematisierung und Konzeptualisierung systemischer Risiken
- Theorie kritischer Transitionen und ihre Anwendung auf soziale Systeme
- Analyse von Bewältigungshindernissen und Steuerungsdefiziten
- Entwicklung eines Rahmenwerks zur empirischen Risikoanalyse
- Verhältnis von Vernetzung, Resilienz und Systemstabilität
Auszug aus dem Buch
Systemisch über die Ursache des Risikos
Ein Risiko kann allerdings ebenfalls über dessen Ursache als systemisch begriffen werden. Das ist der Fall, wenn die Ursache nicht bei einzelnen angebbaren AkteurInnen und deren Handlungen oder einzelnen Ereignissen gesehen wird, sondern in deren Interdependenzen oder marginalen Beiträgen, also gewissermaßen im System selbst (Goldin & Mariathasan, 2014; Lucas, Renn & Jaeger, 2018). Hier erscheint es sinnvoll, zwischen (a) einer handlungstheoretischen Perspektive, (b) einer strukturalistischen Perspektive und (c) einer Perspektive, die Bewältigungshindernisse und Steuerungsdefizite betont, zu unterscheiden. Je nach Gegenstand können diese Ansätze mehr oder weniger angemessene Erklärungen liefern. Außerdem kann zwischen zwei Betrachtungsweisen differenziert werden. Es kann die Resilienz eines Systems betrachtet werden oder die Wahrscheinlichkeit und Stärke von auslösenden Störungen (Perturbationen). Solche Störungen können entweder innerhalb eines bedrohten Systems auftreten oder systemextern in einem benachbarten oder umfassenden System.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz systemischer Risiken ein, benennt die Forschungsfragen der Arbeit und skizziert die qualitative Literaturstudie als methodisches Vorgehen.
2 Definitionen, politikwissenschaftliche Relevanz und Prominenz systemischer Risiken: Dieses Kapitel erörtert verschiedene Definitionsansätze für systemische Risiken, beleuchtet ihre Bedeutung für Politik und Wissenschaft und erklärt die Faktoren, die zu ihrer öffentlichen Prominenz führen.
3 Systemwissen: Auf dem Weg zu einer Theorie systemischer Risiken?: Das Hauptkapitel strukturiert das Forschungsfeld, indem es Risiken über die Art des Schadens, die Ursache und die Dynamik des Zusammenbruchs differenziert und theoretische Konzepte wie Kipppunkte und Resilienz integriert.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, betont die Notwendigkeit einer integrativen politischen Bewältigung und verweist auf den zukünftigen Bedarf, theoretische Konzepte an der Realität zu testen.
Schlüsselwörter
Systemische Risiken, Systemwissen, Politische Bewältigung, Theorie kritischer Transitionen, Resilienz, Stabilitätslandschaften, Vernetzung, Kipppunkte, Komplexität, Kausalität, Risikowahrnehmung, Governance, Rückkopplungsprozesse, Risikoabschätzung, Systemdynamik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Systematisierung und Konzeptualisierung des interdisziplinären Forschungsfeldes systemischer Risiken, um ein besseres Verständnis für komplexe, vernetzte Probleme zu erlangen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen zur Entstehung systemischer Risiken, die Dynamik von Systemzusammenbrüchen sowie die Herausforderungen bei der politischen Steuerung und Risikokommunikation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, begriffliche Klarheit zu schaffen und ein konzeptuelles Rahmenwerk zu entwickeln, das eine systematische Analyse systemischer Risiken ermöglicht.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor führt eine qualitative Literaturstudie durch, in der Fachzeitschriften, Monographien und theoretische Grundlagen des Forschungsfeldes systematisch analysiert und in Beziehung gesetzt werden.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert das Systemwissen in drei Kategorien: Die Art des Schadens, die Ursache des Risikos (inkl. handlungs- und strukturalistischer sowie steuerungstheoretischer Perspektiven) und die Dynamik des Zusammenbruchs mittels der Theorie kritischer Transitionen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Begriffe wie systemische Risiken, Systemwissen, kritische Transitionen, Resilienz, Stabilitätslandschaften und Vernetzung sind für das Verständnis der Arbeit zentral.
Wie erklärt der Autor den Zusammenhang zwischen Vernetzung und systemischen Risiken?
Der Autor argumentiert, dass dieser Zusammenhang komplex ist und maßgeblich von der spezifischen Netzwerkstruktur abhängt; eine rein generalisierte Annahme, dass Vernetzung zwangsläufig das Risiko erhöht, wird kritisch hinterfragt.
Welche Rolle spielen psychologische Faktoren bei der Risikowahrnehmung?
Psychologische Faktoren wie Verlustaversion, Verfügbarkeitsbias und soziale Verstärkungsmechanismen erklären, warum bestimmte Risiken stärker wahrgenommen und politisiert werden als andere.
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- Janosch Pfeffer (Author), 2019, Systemische Risiken. Konzeptualisierung eines interdisziplinären Forschungsprogramms, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/500108