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Demokratisches Erzählen - Eine narratologische Analyse zu Heinrich Manns "politischem" Roman "Die kleine Stadt"

Title: Demokratisches Erzählen - Eine narratologische Analyse zu Heinrich Manns "politischem" Roman "Die kleine Stadt"

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 20 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Sven Soltau (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Zunächst untersuche ich die Art und Weise, wie die Geschichte des Romans erzählerisch vermittelt wird, um dann zu fragen: ‚Warum wird sie gerade so vermittelt und nicht anders, welche Funktion könnte die gewählten Darstellungsverfahren, verstanden als integraler Bestandteil eines „politische[n], demokratische[n] Roman[s]“9, haben?’. Bei meiner narratologischen Betrachtung von „Die kleine Stadt“ stütze ich mich im Wesentlichen auf die von Gérard Genette in seinem Standardwerk „Die Erzählung“10, formulierte Erzähltheorie. Genette unterscheidet fünf Hauptkategorien der Erzähltextanalyse (1. Ordnung, 2. Dauer, 3. Frequenz, 4. Modus, 5. Stimme11). Im Hinblick auf die erzählerischen Eigenarten des Romans scheint es mir nicht sinnvoll diese Kategorien unbesehen in die narratologische Analyse aufzunehmen. So ist z.B. eine umfangreiche Untersuchung der Ordnung der Erzählung nicht nötig, da die chronologische Ereignisfolge seitens des Erzählers nicht ein Mal umgestellt wird. Fragen der Dauer lassen sich hier leicht im Zusammenhang mit dem Modus der Erzählung darstellen und auch eine Analyse der Frequenz erscheint wenig lohnend, da Ereignisse nur in der Form der singulativen Erzählung („,einmal erzählen, was sich einmal ereignet hat’“12) präsentiert werden. Ich werde mich also auf die Kategorien Modus (Distanz, Erzählung von Ereignissen und Worten/Gedanken, Fokalisierung) und Stimme (Funktionen des Erzählers) konzentrieren, wobei ich auch hier zur Analyse nur jene Unterkategorien heranziehe, die in Bezug auf den Untersuchungsgegenstand und die Zielsetzung dieser Arbeit einen wirklichen Erkenntnisgewinn versprechen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. „Die kleine Stadt“ – geistloser Roman eines „leeren Technikers“?

2. Der Modus des Erzählens in „Die kleine Stadt“

2.1 Erzählerische Distanz zum Geschehen

2.1.1 Erzählung von Ereignissen in „Die kleine Stadt“

2.1.2 Erzählung von Worten (und Gedanken) in „Die kleine Stadt“

2.2 Fokalisierung in „Die kleine Stadt“

3. Funktionen des Erzählers in „Die kleine Stadt“

4. Demokratisches Erzählen

5. Die Erzähltechnik als Mittler des demokratischen Geistes von „Die kleine Stadt“

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Heinrich Manns Roman „Die kleine Stadt“ unter narratologischen Gesichtspunkten, um nachzuweisen, dass die gewählten Erzähltechniken ein integraler Bestandteil des demokratischen Geistes des Werkes sind und der Roman nicht als bloßes technisches Virtuosentum missverstanden werden darf.

  • Narratologische Analyse auf Grundlage der Erzähltheorie von Gérard Genette
  • Untersuchung des dramatischen Modus und der erzählerischen Distanz
  • Analyse der Fokalisierung und der Rollenverteilung des Erzählers
  • Verbindung von Erzähltechnik und politischer Intention des Werkes

Auszug aus dem Buch

2.1.1 Erzählung von Ereignissen in „Die kleine Stadt“

Genuine Aufgabe des Erzählers ist es, die nichtsprachlichen Elemente (Ereignisse) der erzählten Welt, wie nonverbale Figurenhandlung, „natürliche“ Geschehnisse sowie Eigenschaften und Zustände, sprachlich zu vermitteln. Wie erfolgt diese Vermittlung in „Die kleine Stadt“?

Ulrich Weisstein schreibt, der Roman sei „der erste Versuch Heinrich Manns ein ganzes Volk episch zur Darstellung zu bringen“. Dass dieser Versuch gelungen ist, liegt an dem geschickten Umgang Manns mit dem dramatischen Erzählmodus.

Die Figuren erscheinen durch die spotlightartig-präzise erzählerische Beschreibung ihres Aussehens, ihrer Gestik und Mimik, ihrer Sprechweise sowie ihrer Bewegungen zum Greifen nahe. Schon der erste Satz des Romans erzeugt das, was Bachtin „Realitätseffekt“ nennt. „Der Advokat Belotti trat schwänzelnd an den Tisch vor dem Café ‚Zum Fortschritt’, wischte mit dem Taschentuch um seinen kurzen Hals und sagte erstickt […]“.

Derartige scheinbar auf präzise Beobachtung beruhende Beschreibungen von Figuren/Szenen dominieren die Erzählung von nichtsprachlichen Ereignissen im Roman. Die „technische“ Leistung Manns besteht dabei darin, mit einigen wenigen prägnanten mimetischen Pinselstrichen im Kopf des Lesers ganze Bilder entstehen zu lassen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. „Die kleine Stadt“ – geistloser Roman eines „leeren Technikers“?: Dieses Kapitel stellt die zeitgenössische Kritik am Autor Heinrich Mann vor und formuliert die zentrale Arbeitsthese, dass die Erzähltechnik als Mittler des Geistes in diesem Roman funktional ist.

2. Der Modus des Erzählens in „Die kleine Stadt“: Hier erfolgt eine narratologische Untersuchung unter Anwendung der Kategorien von Genette, wobei insbesondere die Dominanz des dramatischen Modus gegenüber einer distanzierten Erzählweise herausgearbeitet wird.

3. Funktionen des Erzählers in „Die kleine Stadt“: Das Kapitel analysiert die Rolle des Erzählers und kommt zu dem Schluss, dass dieser in seinen Aufgaben stark reduziert ist und sich primär auf die narrative Funktion beschränkt.

4. Demokratisches Erzählen: Der Autor argumentiert, dass der Roman einen demokratischen Erzähler benötigt, der sich zurücknimmt, um den Figuren Raum zur gleichberechtigten Kommunikation zu geben.

5. Die Erzähltechnik als Mittler des demokratischen Geistes von „Die kleine Stadt“: Das abschließende Kapitel fasst zusammen, dass die bewusste Erzählweise eine notwendige Voraussetzung für die Darstellung demokratischer Prozesse ist und weist die Kritik am Autor als „leeren Techniker“ zurück.

Schlüsselwörter

Heinrich Mann, Die kleine Stadt, Narratologie, Erzähltechnik, Gérard Genette, Demokratie, dramatischer Modus, Fokalisierung, Erzählerfunktionen, politischer Roman, Figurenanalyse, mimetische Erzählweise, Zeitgenössische Kritik, Literaturtheorie, Erzähldistanz

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht Heinrich Manns Roman „Die kleine Stadt“ unter Anwendung narratologischer Analysemethoden, um die Funktion der erzählerischen Darstellung zu klären.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Arbeit konzentriert sich auf die Kategorien des Erzählmodus, der Fokalisierung, der Erzählerfunktionen und deren Verbindung zum „demokratischen Geist“ des Romans.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Heinrich Manns Erzähltechnik kein „leeres Virtuosentum“ ist, sondern gezielt eingesetzt wird, um Demokratie und menschliche Kommunikation literarisch erfahrbar zu machen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Analyse stützt sich primär auf die Erzähltheorie von Gérard Genette, insbesondere auf dessen Kategorien von Modus, Distanz und Stimme.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Erzählung von Ereignissen und Gedanken, dem Wechsel der Fokalisierung sowie der Rolle des Erzählers und seiner Funktionen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Narratologie, Demokratie, dramatischer Modus, Fokalisierung und die literarische Vermittlung von Inhalten.

Warum wird die Rolle des Erzählers im Roman als so stark reduziert bewertet?

Der Erzähler tritt kaum kommentierend auf, um den Figuren die Möglichkeit zur gleichberechtigten und pluralistischen Kommunikation zu geben, was als Ausdruck eines „demokratischen Erzählens“ gedeutet wird.

Welche Bedeutung hat die Fokalisierung für die Interpretation des Romans?

Durch den stetigen Wechsel zwischen externer und interner Fokalisierung wird die Multiperspektivität unterstrichen, wodurch der Erzähler keine unhinterfragte Autorität beansprucht.

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Details

Title
Demokratisches Erzählen - Eine narratologische Analyse zu Heinrich Manns "politischem" Roman "Die kleine Stadt"
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Deutsches Institut)
Course
Heinrich Manns Frühwerk
Grade
1,0
Author
Sven Soltau (Author)
Publication Year
2005
Pages
20
Catalog Number
V50020
ISBN (eBook)
9783638463300
ISBN (Book)
9783638863766
Language
German
Tags
Demokratisches Erzählen Eine Analyse Heinrich Manns Roman Stadt Heinrich Manns Frühwerk
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sven Soltau (Author), 2005, Demokratisches Erzählen - Eine narratologische Analyse zu Heinrich Manns "politischem" Roman "Die kleine Stadt", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50020
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