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Das bedingungslose Grundeinkommen im Kontext liberaler Gerechtigkeitstheorien

Eine Analyse anhand John Rawls‘ Theorie der Gerechtigkeit

Title: Das bedingungslose Grundeinkommen im Kontext liberaler Gerechtigkeitstheorien

Bachelor Thesis , 2018 , 43 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Anonym (Author)

Politics - General and Theories of International Politics
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Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht die Forschungsfrage, ob das bedingungslose Grundeinkommen mit John Rawls Theorie der Gerechtigkeit kompatibel ist. Angesichts der wachsenden Produktivität fortgeschrittener Volkswirtschaften, der zunehmend ungleichen Einkommensverteilung, der mit der Automatisierung einhergehenden Abnahme klassischer Erwerbsarbeit sowie der Zunahme "atypischer" Beschäftigungsverhältnisse im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts, wird das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) zunehmend als sozialpolitische Alternative bemüht. Neben einigen Pilotprojekten wie beispielsweise in Kanada und Finnland, wurde 2016 in der Schweiz das erste Referendum weltweit über die Einführung eines BGE abgehalten.

Die Idee des BGE erlebt dabei aber nicht nur im gesellschaftlichen und politischen Diskurs neuen Aufschwung, auch in der akademischen Debatte erlangt das Thema immer mehr Aufmerksamkeit. Seit 2006 widmet sich beispielsweise ein ganzes Journal, das "Basic Income Studies", ausschließlich dem Thema Grundeinkommen. Die Idee, jedem Menschen eine permanente periodische Transferzahlung ohne Bedürftigkeitsprüfung oder Anknüpfung an eine Arbeitsbereitschaft zukommen zu lassen, wird dabei aber auch in vielerlei Hinsicht kritisiert.

Neben ökonomischen Bedenken hinsichtlich der Finanzierbarkeit und der Auswirkung auf die öffentlichen Haushalte, sowie des Arbeitsmarktes werden vor allem aus gerechtigkeitstheoretischer Sicht Einwände gegen ein BGE erhoben. Die Kernkritik an einem BGE richtet sich konkret - um es mit den Worten des norwegisch-US-amerikanischen Philosophen Jon Elster auszudrücken - gegen "[…] a widely accepted notion of justice: it is unfair for able-bodied people to live off the labor of others". Hinter diesem Einwand stehen zwei zutiefst liberale Konzeptionen von Gerechtigkeit. Vordergründig steht die Forderung nach Reziprozität, also dem Konzept, dass Gerechtigkeit auf einer Form der Gegenseitigkeit (gegenseitigen Inanspruchnahme) beruhen muss. Eng damit verbunden steht das Recht auf Eigentum und der Schutz vor staatlichen Eingriffen.
Innerhalb der politischen Philosophie sind es deswegen vor allem Vertreter des Liberalismus, die der Idee eines BGE entgegenstehen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffs- und Konzeptbestimmungen

2.1. Verteilungsgerechtigkeit

2.2. Der Liberalismus – Theorien der gerechten Verteilung

2.3. Das BGE – Entwicklung eines liberalen Konzeptes

3. Theoretische Grundlage: John Rawls Theorie der Gerechtigkeit als Fairness

4. Analyse des BGE im Kontext der Gerechtigkeitstheorie

4.1. Das Differenzprinzip

4.1.1. Bezugspunkt des Differenzprinzips - Interpretationsmöglichkeiten

4.1.2. Diskriminierung zwischen unterschiedlichen Konzeptionen des Guten

4.1.3. Neutralität bei Rawls

4.1.4. Reziprozität bei Rawls

4.1.5. Arbeit und fairer Beitrag

4.1.6. Arbeitsplatzmangel

4.1.7. Sinnvolle Arbeit und der Aristotelische Grundsatz

4.2. Selbstachtung – „das wohl wichtigste Grundgut“

4.3. Das BGE als Grundlage der Selbstachtung

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Vereinbarkeit des bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) mit der Gerechtigkeitstheorie von John Rawls. Das primäre Ziel ist es, den theoretischen Konflikt zwischen der Forderung nach Reziprozität im Liberalismus und dem BGE-Konzept aufzulösen, indem das Differenzprinzip und die Bedeutung der Selbstachtung in Rawls' Philosophie neu interpretiert werden.

  • Analyse des liberalen Gerechtigkeitsverständnisses nach John Rawls.
  • Untersuchung des Differenzprinzips im Hinblick auf das BGE und Lohnzuschüsse.
  • Diskussion von Reziprozität und Arbeitsverpflichtungen im Rawlsianischen Kontext.
  • Herausarbeitung der Selbstachtung als zentralem Grundgut und dessen Bezug zum BGE.

Auszug aus dem Buch

4.1.6. Arbeitsplatzmangel

Zur Simplifizierung in der Idealtheorie mag es sinnvoll sein davon auszugehen, dass genug Arbeit vorhanden ist, in der Realität ist dies aber nicht immer der Fall. In Anbetracht unfreiwilliger Arbeitslosigkeit - also Arbeitsplatzmangel - würde innerhalb eines Systems der reinen Lohnzuschüsse einige der am wenigsten Begünstigten, nämlich diejenigen, die arbeitslos sind, nicht berücksichtigt werden. Sie sind in Hinsicht auf die wesentlichen Zufälle innerhalb ihrer sozialen Position die Personen, deren Lebensaussichten aufgrund unverschuldeter gesellschaftlicher Ereignisse am stärksten benachteiligt sind.

Jenen Personen würde unter einer NES dann das Grundeinkommen zustehen. Angesichts des Differenzprinzips müsste die NES dann aber auch maximiert werden. Dies würde zur Folge haben, dass das Grundeinkommen oder der Freibetrag sehr hoch angesetzt werden müsste und dann auch effektiv Menschen in die Lage versetzt, Arbeit abzulehnen. Dies steht dann aber wieder im Gegensatz zu Rawls Idee „daß alle Bürger ihren Beitrag zur kooperativen Arbeit der Gesellschaft beitragen müssen“ (2003, 275) und der Forderung, Surfern keine Leistungen zukommen zu lassen.

Rawls Befürwortung einer NES kann aber auch so interpretiert werden, dass er ein einfaches System der Umverteilung bevorzugt, welches den am wenigsten Begünstigten einen Anreiz gibt Arbeit aufzunehmen aber gleichzeitig auch im Falle unfreiwilliger Arbeitslosigkeit ein Existenzminimum sichert. Eine NES so hoch wie möglich anzusetzen wäre dabei aber nicht nur kontraintuitiv für Rawls, sondern führt auch nicht dazu, die Aussichten der am wenigsten Begünstigen in Hinsicht auf Einkommen zu maximieren. Eine Maximierung der NES führt immer dazu, dass das Grundeinkommen erhöht wird, dies würde aber die Menschen dazu veranlassen weniger zu arbeiten. Diese Erkenntnis ist aus der vorangegangenen Analyse hervorgegangen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung verortet das BGE im sozialpolitischen Diskurs und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Kompatibilität mit Rawls' Gerechtigkeitstheorie.

2. Begriffs- und Konzeptbestimmungen: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe der Verteilungsgerechtigkeit, des Liberalismus und das Konzept des BGE als Basis für die Analyse.

3. Theoretische Grundlage: John Rawls Theorie der Gerechtigkeit als Fairness: Die Grundzüge von Rawls' Gerechtigkeitstheorie, insbesondere der Urzustand, das Freiheitsprinzip und das Differenzprinzip, werden dargelegt.

4. Analyse des BGE im Kontext der Gerechtigkeitstheorie: Der Hauptteil analysiert die Vereinbarkeit des BGE mit Rawls' Prinzipien, behandelt Reziprozität, Arbeitsmarktproblematiken und die zentrale Rolle der Selbstachtung.

5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und argumentiert, dass ein BGE auf Basis der Selbstachtung als Gerechtigkeitskonzeption innerhalb des Rawlsianischen Rahmens gerechtfertigt werden kann.

Schlüsselwörter

Bedingungsloses Grundeinkommen, John Rawls, Gerechtigkeitstheorie, Differenzprinzip, Liberalismus, Selbstachtung, Reziprozität, Verteilungsgerechtigkeit, Arbeitsplatzmangel, Grundeinkommen, Aristotelischer Grundsatz, Soziale Kooperation, Grundgüter, Gerechtigkeit als Fairness, Negative Einkommenssteuer

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, ob das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) mit der einflussreichen Gerechtigkeitstheorie von John Rawls vereinbar ist.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Schwerpunkte liegen auf der Verteilungsgerechtigkeit, dem Liberalismus, dem Differenzprinzip von Rawls sowie dem Konzept der Selbstachtung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Ist das bedingungslose Grundeinkommen kompatibel mit John Rawls Theorie der Gerechtigkeit?“

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, um bestehende Gerechtigkeitsprinzipien von Rawls auf die spezifischen Bedingungen eines BGE anzuwenden und interne Konsistenz zu prüfen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert das Differenzprinzip, die Problematik der Reziprozität bei Arbeitsverpflichtungen, die Rolle der Selbstachtung und den Vergleich mit anderen Modellen wie Lohnzuschüssen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Differenzprinzip, Selbstachtung, Gerechtigkeit als Fairness, Reziprozität und bedingungsloses Grundeinkommen.

Wie bewertet Rawls laut der Arbeit die Idee der „Surfer vor Malibu“?

Rawls lehnt eine Unterstützung für Menschen ab, die sich bewusst gegen Arbeit entscheiden, obwohl sie dazu fähig wären, da dies seiner Forderung nach einem fairen Beitrag zur kooperativen Gesellschaft widerspricht.

Warum ist die Selbstachtung laut der Analyse ein entscheidendes Argument für das BGE?

Die Arbeit argumentiert, dass Selbstachtung das wichtigste Grundgut ist und eine Bedürftigkeitsprüfung die Betroffenen herabsetzt, während ein BGE die soziale Basis für ein selbstbestimmtes Leben sichern kann.

Welcher Trade-Off besteht laut der Arbeit bei Lohnzuschüssen?

Es besteht ein Trade-Off zwischen dem Prinzip der Reziprozität (Beitrag zur Gesellschaft) und dem Aristotelischen Grundsatz (Entfaltung individueller Talente), da Lohnzuschüsse Menschen in eintönige Routinearbeiten zwingen könnten.

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Details

Title
Das bedingungslose Grundeinkommen im Kontext liberaler Gerechtigkeitstheorien
Subtitle
Eine Analyse anhand John Rawls‘ Theorie der Gerechtigkeit
College
University of Göttingen
Grade
1,7
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2018
Pages
43
Catalog Number
V501033
ISBN (eBook)
9783346035738
ISBN (Book)
9783346035745
Language
German
Tags
grundeinkommen kontext gerechtigkeitstheorien eine analyse john rawls‘ theorie gerechtigkeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2018, Das bedingungslose Grundeinkommen im Kontext liberaler Gerechtigkeitstheorien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/501033
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