Kinder stoßen in unserer Gesellschaft auf mehr Mitgefühl und Hilfsbereitschaft als Jugendliche. Auch in der Jugendhilfe ist die Frühförderung gerade im Trend. Bei Jugendlichen hingegen gehen viele davon aus, dass es zu spät ist, um noch etwas zu bewirken. Doch nicht aufgearbeitete Traumata aus der Kindheit wirken in Jugendlichen weiter. Bei 13- bis 18-Jährigen ist das Risiko einer Depression oder sogar eines Suizids deshalb besonders hoch.
Vernachlässigung ist in Deutschland noch immer ein aktuelles und weit verbreitetes Problem. Annika Quednau hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, auf die Sorgen und Bedürfnisse von Jugendlichen aufmerksam zu machen. Sie erklärt die emotionalen Herausforderungen und Entwicklungsaufgaben des Jugendalters. Denn Vernachlässigung findet nicht nur in der Familie statt, sondern auch in den Peergroups der Jugendlichen sowie in gesellschaftlichen Strukturen.
Quednau legt jedoch auch einen besonderen Akzent auf die Arbeit mit Jugendlichen. Wie können Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter den Betroffenen helfen? Sie führt Interviews mit Experten aus der Jugendhilfe und betroffenen Jugendlichen. Daraus zieht sie wichtige Schlussfolgerungen für die soziale Arbeit. Insbesondere Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern dient ihre Publikation als Argumentationsgrundlage für Hilfen sowie als Arbeitshilfe.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Emotionale Herausforderungen des Jugendalters
3. Jugend und Gesellschaft
3.1 Jugend im gesellschaftlichen Kontext
3.2 Gesellschaftliche Veränderungen in ihrer Auswirkung auf die Jugendhilfe
4. Jugend und Umfeld
4.1 Emotionale Vernachlässigung in der Familie
4.2 Emotionale Vernachlässigung in Peergroups
5. Jugend in der Jugendhilfe
5.1 Jugend als vernachlässigte Zielgruppe
5.2 Fehlende geeignete Hilfen
6. Folgen von Vernachlässigung
7. Erklärung des Forschungsdesigns
7.1 Erstellung des Leitfadens
7.2 Auswahl der Interviewpartner
7.3 Auswertung mit Hilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Phillip Mayring
8. Auswertung der Interviews
Tina Mützer:
Hermann Thies:
8.2 Zusammenfassung Professionelle
8.3 Auswertung der Jugendlichen
Chantal:
Dilara:
Emilia:
Emily:
Medina:
Nina:
Elina:
Kevin:
8.4 Zusammenfassung Jugendliche
9. Ergebnisse der Forschung und ihre Konsequenzen für Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen
10. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Lebensrealität vernachlässigter Jugendlicher im Alter von 13 bis 18 Jahren und beleuchtet, warum diese Altersgruppe in der Jugendhilfe oft unterrepräsentiert ist und welche spezifischen Bedürfnisse sie hat. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit den Auswirkungen emotionaler Vernachlässigung auf die psychische Entwicklung und die soziale Integration der Jugendlichen im Kontext aktueller gesellschaftlicher Anforderungen und jugendhilferechtlicher Rahmenbedingungen.
- Analyse der emotionalen Entwicklungsaufgaben im Jugendalter.
- Untersuchung von Vernachlässigungsformen in Familie und Peergroup.
- Kritische Reflexion der aktuellen Jugendhilfepraxis und Sparpolitik.
- Empirische Erhebung mittels qualitativer Experten- und Jugendinterviewstudie.
- Ableitung von Handlungsempfehlungen für Sozialarbeiter zur Unterstützung vernachlässigter Jugendlicher.
Auszug aus dem Buch
3.1 Jugend im gesellschaftlichen Kontext
Bei Jugendlichen handelt es sich um eine von der Gesellschaft vernachlässigte Gruppe.
Die gesellschaftlichen Erwartungen an Jugendliche sind hoch und mit den steigenden gesellschaftlichen Umbrüchen und der Pluralisierung der Gesellschaft ist es für Jugendliche noch schwerer geworden, diese Erwartungen zu erfüllen.
Die Fachwelt des Arbeitsfeldes Jugendhilfe ist sich einig, dass Jugendliche von der Gesellschaft vernachlässigt werden. So schreibt Professor Dr. Dieter Baacke, ehemaliger Dozent der Universität Bielefeld, im Vorwort zu seinem Buch „Die 13- bis 18-Jährigen. Einführung in die Probleme des Jugendalters“: „Es ist meine Überzeugung, dass es sich um eine von Erwachsenen – aus Angst, aus Unsicherheit? – vernachlässigte Altersgruppe handelt, die auf Loyalität und Liebe entschieden angewiesen ist.“40
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Vernachlässigung Jugendlicher als vernachlässigte Generation und stellt die Zielsetzung auf, diese Gruppe in den Fokus der Jugendhilfe zu rücken.
2. Emotionale Herausforderungen des Jugendalters: Dieses Kapitel erläutert die psychologischen Entwicklungsaufgaben, wie die Identitätsfindung und das Ablösen vom Elternhaus, sowie die Folgen ausbleibender Unterstützung.
3. Jugend und Gesellschaft: Hier wird die gesellschaftliche Wahrnehmung Jugendlicher sowie der Einfluss von Politik und demografischem Wandel auf die Lebenssituation diskutiert.
4. Jugend und Umfeld: Das Kapitel beleuchtet emotionale Vernachlässigung innerhalb der Familie und in Peer-Kontexten als prägende Faktoren der Jugend.
5. Jugend in der Jugendhilfe: Es wird analysiert, warum Jugendliche eine vernachlässigte Zielgruppe im Jugendhilfesystem darstellen und welche strukturellen Mängel bei Hilfsangeboten bestehen.
6. Folgen von Vernachlässigung: Dieses Kapitel fasst die negativen Auswirkungen von Vernachlässigung auf die körperliche, kognitive und sozio-emotionale Entwicklung zusammen.
7. Erklärung des Forschungsdesigns: Die Verfasserin beschreibt die methodische Vorgehensweise ihrer Untersuchung, insbesondere die Durchführung und Auswertung von Leitfadeninterviews.
8. Auswertung der Interviews: Hier werden die Ergebnisse der Befragungen von Professionellen und betroffenen Jugendlichen analysiert, verglichen und als Fallbeispiele dargestellt.
9. Ergebnisse der Forschung und ihre Konsequenzen für Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen: Das Kapitel synthetisiert die Befunde und leitet daraus konkrete Handlungsanweisungen für die pädagogische Praxis ab.
10. Fazit: Eine abschließende Betrachtung, die die zentrale Bedeutung der Jugendphase und die Notwendigkeit von Unterstützung hervorhebt.
Schlüsselwörter
Vernachlässigung, Jugendalter, Jugendhilfe, emotionale Zuwendung, Identitätsentwicklung, Sozialarbeit, Bindungstheorie, Kindeswohlgefährdung, Peergroup, Familienhilfe, Soziale Entwicklung, Psychische Folgen, Jugendkultur, Niedrigschwellige Angebote, Empowerment.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Problem der emotionalen Vernachlässigung von Jugendlichen und untersucht deren spezifische Lebenssituation sowie die mangelnde Unterstützung durch die Jugendhilfe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den emotionalen Entwicklungsaufgaben, der gesellschaftlichen Stigmatisierung von Jugendlichen, der Vernachlässigung in Familie und Peergroup sowie den Folgen dieses Handelns.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die vernachlässigte Zielgruppe der 13- bis 18-Jährigen stärker in den Fokus von Sozialarbeit und Öffentlichkeit zu rücken.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Verfasserin nutzte qualitative Leitfadeninterviews, ausgewertet nach der qualitativen Inhaltsanalyse von Philipp Mayring, um theoretische Annahmen mit der Praxis abzugleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Bereich (Entwicklungspsychologie und soziale Rahmenbedingungen) und einen empirischen Bereich (Auswertung von Interviews mit Fachkräften und Jugendlichen).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen emotionale Vernachlässigung, Jugendhilfe, Identitätsfindung, Bindungstheorie und Soziale Arbeit.
Warum wird laut den befragten Experten Jugendlichen oft nicht geholfen?
Die Experten führen an, dass Jugendliche häufig Kompetenzen zugeschrieben werden, die sie aufgrund ihrer Situation nicht besitzen, und dass Hilfen oft zu spät oder unter falschen Annahmen gewährt werden.
Welche Rolle spielt die Peergroup für die Betroffenen?
Die Peergroup fungiert oft als Ersatzfamilie, birgt aber bei vernachlässigten Jugendlichen das Risiko für Cliquenkonflikte, Drogenkonsum und Gewalt, wenn die nötige Geborgenheit fehlt.
- Citation du texte
- Annika Quednau (Auteur), 2014, Jugend. Eine vernachlässigte Generation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/501049