Verbvalenzanalyse zu 'bellen'


Ausarbeitung, 2018

5 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

1. Einleitende Worte

Eine angemessene Verbvalenzanalyse bedarf einiger wichtiger Analyseschritte, um zu einem aussagekräftigen Ergebnis zu gelangen. Zu untersuchen ist eine potentielle Va- lenzänderung, sowie ein Bedeutungswandel eines Verbes des mittelhochdeutschen zu seiner neuhochdeutschen Entsprechung, falls vorhanden. Im Folgenden wird das mit- telhochdeutsche Verb ‚bellen‘ anhand des entsprechenden Artikels aus dem ‚Mittel- hochdeutschen Wörterbuch online‘ der Universität Trier auf die zuvor genannten As- pekte untersucht und analysiert.

2. Verbvalenzanalyse

In einem ersten Schritt wird der Wörterbuchartikel des mittelhochdeutschen Verbes

‚bellen‘ aus dem MWB übernommen und absatzweise in seine Sememe gegliedert. Anschließend erfolgt eine Nummerierung der zugehörigen Belegsätze:

bëllen stV. (IIIb)

1 ‘bellen’

(1) ein hövescher hunt, der spilte gegen sînem herren schône, / wand er sprang ûf in unde bal in süezer stimme dôneKVWLD32,167;
(2)funff hundert hunde, / di machten ungefugen schal: / diser galph, diser palHVNSTAP8795;
(3)sam ain hunt, der niht gepellen magBDN115,11;
(4)wer aim hund gibt ainen lebentigen frosch in prôt, der verleust sein peiln [d.i. bel- len]ebd.306,11;
(5)wider die warhæit si [die Ungeheuer] bullen / mit æiterigen zungenSERV622. –
übertr.: der tievel ûz dir belleNEIDHSL 8:5,2;
(6) mit bellender stimme sprach erSEUSE61,11;
(7) swenne unser mage vor hunger billet, / salz und brôt in schier gestilletREN- NER9533.
(8) – Sprichw. (?): eines hundis bellen / mac vil scâfe irschellen; / ob si rehtis hûtêris niht ne haben, / er tût in michelen scaden. / dâ mite meinter daz, / daz iz ein unstête folc was / alliz Daries here, / dâ er sih mite wolde wereSALEX2539;
(9)ain hundt / der vil pild zu aller stundt / ist unnucz und enwichtSEIFRIT2076;
(10)saget an, ist iu daz iht kunt / daz ein vil bellender hunt / selten grôzen schaden tuot?RVEALEX4276;
(11) da ir nit mugind bissen, da bellent aberSEUSE382,3. 463,12;
(12)was hilfet, das der hunt billet; die wile das der wirt sclafet, so brichet der diep in sin husMECHTH7: 3,20

2 hierher oder zu einem ahd. belegten bellen swV. ‘brüllen, schreien’ (vgl. AWB 1,873f.) ?:

(13) mitt ungefügen bellen gross [unter großem Geschrei] / gaben sy vil mangen stoss / mitt hornnen uff die schiltteGTROJ16145

Nachdem die Sememe des Verbes in Absätze gegliedert sind, werden die Belegsätze, die nicht von Bedeutung für die Verbvalenzanalyse sind, gestrichen. Das sind beispiels- weise Belege, in denen ‚bellen‘ nicht als Prädikat fungiert, die ohne Kontext nicht in- terpretierbar sind oder in einer anderen Sprachform als das Mittelhochdeutsche ver- fasst sind. Der bearbeitete Artikel sieht nun wie folgt aus:

1 ‘bellen’

(1) ein hövescher hunt, der spilte gegen sînem herren schône, / wand er sprang ûf in unde bal in süezer stimme dône KvWLd 32,167;
(2) funff hundert hunde, / di machten ungefugen schal: / diser galph, diser pal HvNstAp 8795; sam ain hunt, der niht gepellen mag BdN 115,11;
(3)sam ain hunt, der niht gepellen magBDN115,11;
(4) wider die warhæit si [die Ungeheuer] bullen / mit æiterigen zungen Serv 622 ; (5) ain hundt / der vil pild zu aller stundt / ist unnucz und enwicht Seifrit 2076;
(6) da ir nit mugind bissen, da bellent aber Seuse 382,3. 463,12;
(7) was hilfet, das der hunt billet; die wile das der wirt sclafet, so brichet der diep in sin hus Mechth 7: 3,20

2 ‘brüllen, schreien’

(8) übertr.: der tievel ûz dir belle Neidh SL 8:5,2;
(9) swenne unser mage vor hunger billet, / salz und brôt in schier gestillet Renner 9533

Bereits hier erfolgt eine Umordnung der Belegsätze. Während sich das erste Semem auf tierisches Bellen beschränkt, bezieht sich das zweite Semem auf einen lauten Aus- ruf, der menschlichen Ursprungs ist, weshalb Belegsätze acht und neun, die zuvor dem ersten Semem zugeordnet waren, nun dem zweiten Semem untergeordnet sind. Hie- raus ergeben sich also neun Belegsätze, die im Weiteren formal und semantisch ana- lysiert und kategorisiert werden.

1 ‘bellen’

(1) (ein hövescher hunt, der spilte gegen sînem herren schône,) / wand er sprang ûf in unde bal in süezer stimme dône KVWLD32,167;

er: NGNomAgens/E – bal: Prädikat – in süezer stimme dône: AdvG Modal/A

[...]

Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Verbvalenzanalyse zu 'bellen'
Hochschule
Universität Regensburg  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Historische Valenz und der Computer - Ältere deutsche Literaturwissenschaft
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
5
Katalognummer
V501217
ISBN (eBook)
9783346025821
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die blauen Lettern und Ziffern hinter den Belegsätzen sind die dazugehörigen Quellenangaben, weshalb es in der Arbeit ansonsten keine anderen Quellenangaben bzw. Literaturverweise gibt.
Schlagworte
Verbvalenzanalyse, Valenz, Satzbauplan, Tiefenkasusrahmen, bellen, Bedeutungswandel, Mediävistik, Mittelhochdeutsches Wörterbuch online
Arbeit zitieren
Nina Stahlberger (Autor), 2018, Verbvalenzanalyse zu 'bellen', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/501217

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