Immer häufiger liest und hört man aus den Nachrichten über Gewalt an Schulen, auch in Deutschland. Für viele Kinder ist Gewalt immer noch das naheliegendste Mittel mit Konflikten umzugehen. Sie haben keine andere Möglichkeit zur Lösung ihrer Probleme gelernt und verfügen über keine Verhaltensalternativen. Doch Konflikte in der Schule treten schon vorher auf. Schüler beschimpfen und mobben sich gegenseitig und werden vor den Lehrern schlecht gemacht, bis sich so mancher Schüler nicht mehr in die Klasse traut, geschweige denn sich auf die Arbeit konzentrieren kann. Bis es schließlich zu Prügeleien, Pöbeleien und Verletzungen kommt. Die Fähigkeit zur friedlichen Konfliktlösung ist bei vielen Schülern nur unzureichend entwickelt, da im Elternhaus häufig die Kenntnisse und/oder die Zeit fehlen, mit Kindern kreativ nach fairen Lösungen zu suchen.
Auch in der Schule wird immer noch mehr in die Nacharbeit, also in Polizeieinsatz an der Schule, in Jugendstrafeinrichtungen und Sozialarbeit investiert, als in die Konfliktvorbeugung und -bearbeitung. Dabei stellt die Schüler-Streit-Schlichtung ein geeignetes Verfahren dar, Konflikte in geschützter Atmosphäre mit Hilfe eines unparteiischen Streitschlichters zu besprechen und zu lösen. In der folgenden Hausarbeit möchte ich mich mit der Konfliktbewältigung in Schulen auseinandersetzen. Dabei befasse ich mich zunächst mit der Definition von Konflikt und Mediation und gehe dann auf die Möglichkeit der Konfliktbewältigung mittels Schulmediation näher ein. Ich möchte aber nicht auf den Konflikt zwischen Lehrern und Schülern eingehen, sondern mich auf Streitigkeiten zwischen Schülern, und dabei speziell auf die Schüler-Streitschlichtung beschränken. Mit Mediation in der Praxis habe ich selber bisher wenig Erfahrung gemacht. Die Gespräche meines Anleiters im Jugendamt, in dem ich mein erstes Praxissemester absolviert habe, hatten einen vermittelnden Charakter, waren aber nicht speziell mit den Methoden der Mediation gehalten worden. Da ich in der Schule auch hin und wieder in Konflikt mit Mitschülern geraten bin und ich damals aber leider nicht die Möglichkeit der Schüler-Streitschlichtung hatte, war ich sehr neugierig auf diese Thematik.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. BEGRIFFSBESTIMMUNG
2.1. DEFINITION VON KONFLIKT
2.2. WAS IST MEDIATION?
2.3. DIE ROLLE DES MEDIATORS
3. STREITSCHLICHTUNG IN DER SCHULE
4. DAS STREITSCHLICHTERPROGRAMM
4.1. ABLAUF EINER STREITSCHLICHTUNG
1. Einleitung und Eröffnung
2. Standpunkte anhören und Sachverhalte klären (Konflikterhellung)
3. Problemlösung
4. Vereinbarung
4.2. DIE „SCHÜLER-STREITSCHLICHTER-AUSBILDUNG“
4.3. VORTEILE DER SCHÜLER-STREITSCHLICHTUNG
4.4. GRENZEN DER SCHÜLER-STREITSCHLICHTUNG
5. RAHMENBEDINGUNGEN
6. FALLBEISPIEL
7. SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit befasst sich mit der Konfliktbewältigung an Schulen durch das Verfahren der Schüler-Streitschlichtung. Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen der Mediation sowie die praktische Umsetzung und die Wirksamkeit eines solchen Programms zur Förderung einer konstruktiven Streitkultur zu untersuchen.
- Grundlagen von Konfliktdefinition und Mediation
- Struktur und Ablauf eines Streitschlichtungsgesprächs
- Anforderungen und Kompetenzen von Schülern als Streitschlichter
- Vorteile und Grenzen der Peer-Mediation in der Schule
- Rahmenbedingungen für die Implementierung eines Schlichtungsprojekts
Auszug aus dem Buch
2.1. Definition von Konflikt
Neubauer weist Konflikten drei Merkmale zu. Das erste Merkmal besteht aus dem Vorhandensein von mindestens zwei Konfliktparteien. Parteien bestehen aus ein oder mehreren Personen, die die gleichen Interessen vertreten und der anderen Partei mit einem unterschiedlichen Standpunkt gegenüber stehen. Das Verhalten der einen Partei zieht Konsequenzen für das Verhalten der anderen Partei nach sich (NEUBAUER 1992: 6).
Das zweite Merkmal ist die Unvereinbarkeit der Handlungstendenzen. Konflikte sind durch Handlungsdispositionen gekennzeichnet, die sich schlecht miteinander vereinen lassen oder sich sogar gegenseitig ausschließen. Die unterschiedlichen Standpunkte ergeben sich aus unterschiedlichen Motiven, grundlegender Überzeugungen und Werthaltungen, sowie damit zusammenhängender Erwartungen und Einstellungen. Dadurch gibt es bei den Parteien unterschiedliche Sichtweisen und Beurteilungen von Sachverhalten (NEUBAUER 1992: 6).
Die Unvereinbarkeit des Verhaltens beschreibt das dritte Kennzeichen und beinhaltet das direkt beobachtbare Konfliktverhalten. Meinungsverschiedenheiten allein sind noch keine Konflikte, wenn kein entsprechendes Interaktionsverhalten zu beobachten ist. In einem Konflikt hingegen wird das Verhalten der einen Partei durch das beabsichtigte Verhalten der anderen Partei behindert, blockiert, gestört und weniger wirksam gemacht (NEUBAUER 1992: 7).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Gewalt an Schulen und führt in die Thematik der Schüler-Streitschlichtung als präventives und bearbeitendes Verfahren ein.
2. BEGRIFFSBESTIMMUNG: Hier werden die theoretischen Grundlagen gelegt, indem der Konfliktbegriff definiert und das Konzept der Mediation sowie die Rolle des Mediators erläutert werden.
3. STREITSCHLICHTUNG IN DER SCHULE: Dieses Kapitel beschreibt die Spezifika der Schulmediation, bei der Schüler als Mediatoren fungieren, um Konflikte eigenständig und ohne Strafe zu lösen.
4. DAS STREITSCHLICHTERPROGRAMM: Es wird der konkrete Ablauf einer Schlichtung dargelegt, die Ausbildung der Schüler beleuchtet sowie die Vorteile und Grenzen dieses Peer-Modells diskutiert.
5. RAHMENBEDINGUNGEN: Hier wird thematisiert, wie ein Streitschlichtungsprojekt institutionell in das Schulprogramm eingebunden werden muss, um Nachhaltigkeit und Unterstützung zu gewährleisten.
6. FALLBEISPIEL: Anhand eines konkreten Konflikts zwischen zwei Schülern werden die Chancen sowie die Grenzen der Mediation in der Praxis aufgezeigt.
7. SCHLUSSBETRACHTUNG: Das Fazit fasst die Bedeutung der Schüler-Streitschlichtung zusammen, betont aber, dass sie lediglich ein Teilaspekt einer umfassenden Schulkultur sein kann.
Schlüsselwörter
Konflikt, Mediation, Streitschlichtung, Schule, Schüler-Mediatoren, Konfliktbewältigung, Gewaltprävention, Peer-Mediation, Kommunikationstraining, Gesprächsführung, Neutralität, Aktives Zuhören, Schulsozialarbeit, Konfliktkultur, Verantwortungsübernahme.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Implementierung und Anwendung von Schüler-Streitschlichtungsprogrammen zur friedlichen Lösung von Konflikten im Schulalltag.
Welche Themenfelder sind zentral?
Im Fokus stehen die theoretische Bestimmung von Konflikt und Mediation, der strukturierte Ablauf eines Schlichtungsgesprächs sowie die Ausbildung und Rolle von Schülern als Mediatoren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Nutzen von Peer-Mediation für die Gewaltprävention und die Stärkung sozialer Kompetenzen bei Schülern darzustellen und kritisch zu hinterfragen.
Welche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit der Fachliteratur sowie der Analyse eines praktischen Fallbeispiels.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsdefinition, die Darstellung des Schlichtungsprozesses, die Anforderungen an die Ausbildung der Mediatoren sowie die Vorteile und Grenzen des Verfahrens.
Welche Keywords beschreiben das Werk am besten?
Zentrale Begriffe sind Konflikt, Mediation, Streitschlichtung, Peer-Mediation, Gewaltprävention und soziale Kompetenz.
Wie gehen Streitschlichter mit den "Grundregeln" um?
Sie moderieren den Prozess, sorgen für die Einhaltung von Regeln wie das Ausredenlassen und Unterbinden von Beleidigungen, bleiben dabei jedoch stets neutral.
Warum kann eine Streitschlichtung scheitern?
Ein Scheitern kann eintreten, wenn keine Freiwilligkeit besteht, die Beteiligten nicht kooperationsbereit sind oder ein massives Machtgefälle besteht, das nicht durch den Schlichter ausgeglichen werden kann.
- Quote paper
- Stefanie Rolle (Author), 2006, Schüler-Streit-Schlichtung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50155