Thomas Bernhards Werk gibt einer linguistischen Untersuchung jede Menge Nahrung: Auf allen Ebenen seiner literarischen Texte lassen sich Poetisierungsverfahren orten. Diese Seminararbeit widmet sich Bernhards Beitrag zur "Österreichischen Komik" und der Komik als rezeptionsästhetischem Phänomen, bevor eine detaillierte Analyse der Erzählung "Die Mütze" erfolgt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bernhards Beitrag zur „Österreichischen Komik“
3. Komik als rezeptionsästhetisches Phänomen
4. Komik: Bestimmungsversuche
5. Die Mütze
5.1. Erzähler und Erzählhaltung
5.2. Wahn und Zwänge
5.2.1. Beschwörungsformeln
5.2.2. Isolation und Ausbruch
5.2.3. Krankhafter Ich-Bezug
5.2.4. Zwischenergebnis
5.3. Die Mütze
5.4. Schluss
6. Bibliographie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Komik in Thomas Bernhards Erzählung "Die Mütze" unter besonderer Berücksichtigung linguistischer und literaturwissenschaftlicher Aspekte, um herauszufinden, wie Komik als strukturimmanentes Phänomen im Text generiert wird.
- Analyse von Bernhards Beitrag zur österreichischen komischen Tradition.
- Untersuchung der Komik als rezeptionsästhetisches Phänomen.
- Linguistische Untersuchung von Zwangshandlungen und Sprachmustern des Ich-Erzählers.
- Interpretation der titelgebenden Mütze als zentrales Objekt des psychischen und physischen Zustands des Protagonisten.
- Erforschung der Divergenz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung als komische Basis.
Auszug aus dem Buch
5.2.1. Beschwörungsformeln
Formal springt dem Leser der Mütze der Zwang zur sprachlichen Wiederholung ins Auge. Diesem Zwang sind wir bereits in der Formel „beherrschen müssen“ begegnet, die der Ich Erzähler autosuggestiv vor sich hinmurmelt (s. S.10). Beschwörungsformeln und weitere „magische“ Sprechhandlungen begegnen immer wieder bei Bernhard, bspw. in seiner Erzählung Jauregg: „Ich sage mir, ich bin zwar verzweifelt, aber ich muss nicht verzweifeln, grundsätzlich bin ich verzweifelt, grundlegend, aber ich muss nicht verzweifeln...“ (1988: 51-52) Im folgenden kreisen die Gedanken des Ich-Erzählers, der „bis in die Zellen hinein auf das tödlichste“ verstört ist (63), um zwei Themenkreise: das potentielle Verrücktwerden sowie das Verrücktwerden „in Kürze“:
Die Wahrheit aber ist, dass ich verrückt werden will, ich will verrückt werden, nichts lieber, als wirklich verrückt werden, aber ich fürchte, dass ich noch lange nicht verrückt werden kann. Ich will endlich verrückt werden! Ich will nicht nur Angst haben vor dem Verrücktwerden, ich will endlich verrückt werden. Mir haben zwei Ärzte, wovon einer ein höchst wissenschaftlicher Arzt ist, prophezeit, dass ich verrückt werde, in Kürze würde ich verrückt werden, haben mir die beiden Ärzte prophezeit, in Kürze, in Kürze; jetzt warte ich schon zwei Jahre darauf, verrückt zu werden, aber verrückt geworden bin ich noch immer nicht.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Fragestellung und methodische Vorgehensweise zur Untersuchung der Bernhard’schen Komik.
2. Bernhards Beitrag zur „Österreichischen Komik“: Einordnung von Bernhards Werk in die Tradition der österreichischen Literatur und deren komische Identitätskonstrukte.
3. Komik als rezeptionsästhetisches Phänomen: Untersuchung der Wirkung des Komischen auf den Rezipienten und den Wandel in der Wahrnehmung von Bernhards Stücken.
4. Komik: Bestimmungsversuche: Theoretische Auseinandersetzung mit der Definition und Funktion des Komischen als soziales und psychologisches Phänomen.
5. Die Mütze: Zentrale Interpretation der Erzählung, unterteilt in Erzählhaltung, Wahnsinn, Zwangshandlungen und die Symbolik des Objekts.
6. Bibliographie: Verzeichnis der verwendeten literaturwissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Thomas Bernhard, Die Mütze, Komik, Ironie, Erzählhaltung, Ich-Erzähler, Sprachanalyse, Zwangshandlungen, österreichische Literatur, Rezeptionsästhetik, Wahnsinn, Identität, sprachliche Wiederholung, Struktur, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Phänomen der Komik in der Erzählung "Die Mütze" von Thomas Bernhard und untersucht deren Struktur und Wirkung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Bernhards Verhältnis zur österreichischen Komik, die rezeptionsästhetische Wirkung, der psychische Zustand des Erzählers und die Bedeutung der Mütze als zentrales Element.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Entstehung der Komik auf der Textebene sowie durch das psychische Konstrukt des Ich-Erzählers zu ergründen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Verfasserin nutzt ein heuristisches Vorgehen, das linguistische Sem-Analysen mit literaturwissenschaftlicher Interpretation und motivgeschichtlichen Vergleichen kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Erzählhaltung, der Darstellung von Wahn und Zwängen sowie einer detaillierten Analyse der titelgebenden Mütze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Komik, Thomas Bernhard, Erzählhaltung, Zwangshandlungen und Identitätsdissoziation.
Warum spielt das Wort „müssen“ eine so große Rolle für den Erzähler?
Das „müssen“ dient dem Erzähler als Ausdruck einer Zwangslage und als sprachliches Mittel, um sich in seiner vermeintlichen Ausweglosigkeit zu versichern.
Welche Funktion hat die Mütze innerhalb der Erzählung?
Die Mütze fungiert als ein zufällig gefundenes Objekt, das durch die ständige sprachliche Beschwörung und den Fokus des Erzählers ins Epizentrum seines Denkkosmos rückt.
- Quote paper
- Kristina Werndl (Author), 2002, Komik bei Thomas Bernhard am Beispiel 'Die Mütze', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50236