Diplomatische Beziehungen zwischen Rom und Karthago zur Zeit des Zweiten Punischen Krieges


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019
14 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Hannibal in Spanien – Karthagos diplomatische Unternehmungen vor dem Einfall in Italien

Hannibal in Italien – Karthagos Einflussnahme in Italien und die Schlacht von Cannae

Diplomatische Bemühungen und die Auswirkungen der Schlacht von Cannae

Die Ereignisse auf Sizilien sowie die diplomatischen Konstellationen in Nordafrika Schluss

Literatur- und Quellenverzeichnis, Internetrecherche

Einleitung

Neben dem in Friedenzeiten herrschenden Austausch zweier oder mehrerer Parteien wächst ein ebenso für die politischen Beziehungen entscheidendes Bündnisnetz in Zeiten militärischer Auseinandersetzungen. Die nachfolgende Arbeit nimmt sich eben diesen diplomatischen Strukturen zur Zeit des Zweiten Punischen Krieges (218 v. Chr. – 201 v. Chr.1 ) im Zuge der Auseinandersetzungen zwischen Rom und Karthago zum Gegenstand. Hierbei soll weniger auf den chronologischen Verlauf der Kampfhandlungen eingegangen werden, sondern vielmehr versucht werden, die diplomatischen Bestrebungen beider Parteien zu skizzieren und anhand dieser die wachsende beziehungsweise schwindende militärische Schlagkraft darzustellen. Es wird bemerkbar sein, dass weitestgehend die diplomatischen Bemühungen des Hannibal Barkas in den Blick der Untersuchung geraten und die daraus resultierenden Konsequenzen des römischen Bündniswesens hinzugezogen werden. Dies rührt daher, dass die diplomatischen Vorhaben Hannibals auf dem Weg von Karthago durch das heutige Spanien und Südfrankreich bis in die südlichsten Ausläufer Italiens und nach Sizilien deutlich dynamischer und vor allem für den Kriegsverlauf der Karthager entscheidender gewesen zu sein scheinen als die der Römer. Ein Grund hierfür könnte ein bereits bestehendes Bündnissystem Roms innerhalb Mittelitaliens sowie dessen militärische Unterlegenheit hinsichtlich der Truppenstärke gewesen sein. So umfassten Hannibal Barkas Truppenverbände nie mehr als 50.000 Mann, die Kontingente Roms jedoch zeitweise 700.000 Mann.2 Es ist in keiner Weise zu vernachlässigen, dass komplexe Bündniskonstellationen und diplomatische Beziehungen in diesem hier untersuchten Zeitraum nicht gänzlich getrennt voneinander dargestellt und untersucht werden können. Dennoch werden die verschiedenen Kapitel der vorliegenden Arbeit diverse diplomatische Abschnitte des Zweiten Punischen Krieges beleuchten. So zunächst die karthagischen Unternehmungen in Hispanien vor dem Einfall in Italien, weiterführend die Geschehnisse in Italien sowie Sizilien. In diesem Zuge wird ebenfalls ein Blick in das antike Griechenland und auf die diplomatischen Beziehungen Hannibals beziehungsweise Roms mit Philipp V. geworfen. Um den Umfang des Zweiten Punischen Krieges umfassend zu untersuchen, wird zudem die Rückeroberung des heutigen Spaniens durch die Römer sowie die Geschehnisse im heutigen Nordafrika in die Betrachtung der diplomatischen Beziehungen hinzugezogen werden. Im Durchlaufen dieser einzelnen bündnispolitischen Abschnitte des Krieges soll zu jeder Zeit ein kritischer Blick auf die Diplomatie der Antike erfolgen. So werden nicht nur die Vorzüge für die Bündner im Fokus stehen, sondern auch die Verantwortung oder Belastung im Zuge dieser zur Sprache kommen. Nachfolgend ist ebenfalls zu erwähnen, dass neben dem kritischen Blick auf das diplomatische Geflecht dieser Zeit auch die Motivation und die erhofften Resultate aus den abgeschlossenen Bündnissen eine Rolle einnehmen sollen. Wie in der Moderne rühren die Bestrebungen auch zur Zeit des Punischen Krieges aus der Hoffnung, einen Vorteil in den Auseinandersetzungen zu erlangen. Diese Ambitionen der Parteien sollten somit keinesfalls außer Acht gelassen werden, möchte man die Mannigfaltigkeit und Komplexität der diplomatischen Beziehungen der Antike hinreichend untersuchen.

Hannibal in Spanien – Karthagos diplomatische Unternehmungen vor dem Einfall in Italien

Nach der Ernennung Hannibals zum Befehlshaber des Heeres in Spanien in Folge des Todes Hasdrubals3 nahm er von 221 v. Chr. bis 220 v. Chr. große Teile des Südwestens ein.4 Schon zu diesem frühen Zeitpunkt des Zweiten Punischen Krieges wird Hannibals militärisches aber vor allem diplomatisches Geschick deutlich. So nahm er zum Beispiel Maharbal, Befehlshaber der numidischen Kavallerie, in seinen Stab auf.5 Neben der militärischen Schlagkraft, welche er durch das Dazugewinnen der numidischen Reiterei schaffte, hatte Hannibal Barkas somit außerdem einen wichtigen Strategen in seinen Reihen, um spätere Angriff siegreich zu führen. Eine weitere Facette der Unternehmungen Karthagos in Hispanien war nach der Einnahme großer Landesteile das Pflegen der Beziehungen zu den wichtigsten iberischen Fürstentümern.6 Hierzu gehört unter anderem die Heirat Hannibals mit einer Frau aus Castulo.7

Vor der Einnahme Sagunts im Jahre 219 v. Chr.8 richtete Hannibal seinen Blick zudem auf das Bündnis mit Städten, welche zu diesem Zeitpunkt noch außerhalb seines Herrschaftsgebiets lagen.9 Dies wiederum bewegte die Saguntiner dazu, ihre diplomatischen Bemühungen Richtung Rom zu wenden und in Italien um Beistand gegen die Invasoren aus Nordafrika zu suchen.10 Rom seinerseits gewann zur Zeit des karthagischen Agierens in Hispanien an diplomatischer Stärke. So gelang es der Stadt in Italien, ein Netz aus bilateralen Verpflichtungen und Bündnissen zu schaffen, um sich Karthago entgegen zu stellen.11

„War im 1. [sic!] römisch-karthagischen Krieg Sizilien der Zankapfel gewesen, so war es nun wieder ein Land, auf das beide Parteien Besitzansprüche erhoben, die eine Seite, die karthagische aus dem Bewusstsein, eine rechtmäßige Beute erworben zu haben, die andere Seite, die römische, aus Großmachtbestreben.“

Hannibal in Italien – Karthagos Einflussnahme in Italien und die Schlacht von Cannae.

Um die diplomatischen Bemühungen Roms und Karthagos zur Zeit des Zweiten punischen Krieges in Italien analysieren zu können, bietet sich ein Blick auf den Zeitraum der Schlacht bei Cannae an. Die Kampfhandlungen am 2. August 216 v. Chr. beschreiben eine wichtige Zäsur im Verlauf des Zweiten Punischen Krieges und beeinflussten das Bündnissystem maßgeblich.12 Nach dem Sieg Hannibals über die Römer bei Cannae schlossen sich mehrere Regionen Mittel– und Süditaliens den Karthagern an.13 So konnten neben der strategisch wichtigen Stadt Capua unter anderem Samnium, Lukanien, Bruttien und Apulien zum Abfallen bewegt werden.14 Dies verdeutlicht, welchen Einfluss die militärischen Erfolge der Streitkraft auf die diplomatischen Entscheidungen potentieller Bündner hatten. Neben den vorherig genannten neuen Bündnern Hannibals nach der Schlacht von Cannae schlossen sich auch die Kampaner den Karthagern im Zuge des militärischen Erfolgs der Invasoren an. In seinem Geschichtswerk schreibt Titus Livius Folgendes bezüglich des Abkommens der Karthager mit der Region aus dem Süden Italiens: „[…] es werde kein Streit darum geben, daß die Herrschaft über Italien den Kampanern überlassen werden, wenn Hannibal nach Kriegsende als Sieger nach Afrika zurückgehe und sein Heer abziehe.“15 In den Abmachungen mit den Kampanern wird deutlich, dass Hannibal nach seinen angestrebten Sieg in Italien kein Fuß fassen möchte, sondern lediglich beabsichtigt, die Römer durch seine diplomatischen Bemühungen zu schwächen. So wird weiterführend unter anderem festgelegt, dass kein punischer Feldherr Rechte über kampanische Bürger besitzt16, kein kampanischer Bürger gegen seinen Willen Kriegsdienst leisten muss17 und die Stadt Capua eine eigene Verwaltung und eigene Gesetze behält.18 Weiterführend sollten den Kampanern 300 römische Gefangene übergeben werden, welche sie sich vorher selbst aussuchen durften.19 Dies verdeutlicht, welches diplomatische Verständnis Hannibal gegenüber den Regionen Italiens hatte. Die Schwächung Roms beziehungsweise Stärkung Karthagos erfolgte zunächst durch militärische Erfolge, nachfolgend wurden den neuen Bündnern Freiheiten gewährt sowie eine erfolgsversprechende Zukunft im Siegesfall zugesagt. Hannibal schien es also weniger um die territoriale Einnahme Italiens für Karthago zu gehen, als dass er lediglich versuchte, den Feind innerhalb seines eigenen Einzugsbereichs zu schwächen.

Trotz des Abfallens vieler Städte und Regionen Italiens zu den Karthagern im Zuge der römischen Niederlage von Cannae blieben unter anderem die Latiner, Etrusker, Sabiner und Umbrier sowie Picentier den Römern treu.20 Auch die strategisch wichtige Hafenstadt Neapel verhielt sich entgegen einigen anderen Teilen Kampaniens gegenüber den Bündnisbestrebungen der Karthager standhaft.21

Zu einem späteren Zeitpunkt des Krieges sollten strategisch wichtige Städte wie Capua wieder in die Hände der Römer fallen. Ab diesem Zeitpunkt gelang es den Karthagern nicht mehr wie in dem Maße zuvor ein Bündnisnetz aufzubauen.22 So misslang es Hannibal, ab diesem Zeitpunkt auch erfolgreiche Vorstöße nach Rhegion und Tarent zu unternehmen.23 Daraus ließe sich schließen, dass die Motivation zum Eingehen von Bündnissen auch von vorher mit anderen Regionen oder Städten geschlossenen Pakten abhängig ist. So waren Rhegion und Tarent nach der Rückgewinnung Capuas durch die Römer nicht mehr gewillt, eine diplomatische Beziehung mit den Karthagern einzugehen. Mit diesem dynamischen und im Wandel stehenden Bündnisnetz kamen für Hannibal neben den Vorzügen der Diplomatie auch negative Facetten hinzu. So schränkten die Verpflichtungen gegenüber den Bundesgenossen seine Handlungsfähigkeit ein, da sich das zu zersplittern drohende Netz aus Verbündeten später zunehmend schwer zu kontrollieren und zu unterstützen gestaltete.24 Mit dem Eingehen dieser Bündnisse gingen demnach nicht nur Vorteile, sondern auch eine Verantwortung und Pflichten einher, welche einen der Bündner, in diesem Falle Hannibal, belasten konnten. Die Ereignisse bis zu diesem Zeitpunkt werden in den kommenden Kapiteln zum Gegenstand der Untersuchung werden.

Diplomatische Bemühungen und die Auswirkungen der Schlacht von Cannae

Die Schlacht von Cannae im Jahre 216 v. Chr. beschreibt auch der griechische Geschichtsschreiber Polybios als entscheidenden Einschnitt und als besonders einflussnehmend auf die diplomatischen Bemühungen der griechischen Welt mit Rom und Karthago zur Zeit des Zweiten Punischen Krieges.25 Neben den diplomatischen Vorhaben in Italien richtete Hannibal seinen Blick nach der Schlacht von Cannae zudem nach Mazedonien:

„Hannibals Ziel war […], diese für Rom durchaus unangenehme Lage26 zu verschärfen. Auf keinen Fall durften die Römer die Initiative im Krieg erlangen. Um dies zu verwirklichen, schien Hannibal kein Mittel geeigneter, [sic!] als die Gewinnung von außeritalischen Bundesgenossen, die, wie er selbst, im Streit mit Rom lagen.“27

Mit den diplomatischen Bestrebungen innerhalb Italiens waren die Aktivitäten des Hannibal Barkas somit nicht abgeschlossen. Auch die Regionen an und um die Ägäis schienen das Interesse zu verfolgen, mit dem karthagischen Feldherrn zu paktieren:

„Alle Könige und Völker hatten ihr Interesse auf diesen Kampf der beiden mächtigsten Völker auf Erden gerichtet, unter ihnen Philippus, König von Mazedonien; und dieser umso mehr, weil er Italien näher und nur durch das Jonische Meer von ihm getrennt war.“28

[...]


1 Zimmermann, Klaus. Rom und Karthago. München 2013. S. 68.

2 Barcelo, Pedro. Hannibal. München 1998. S. 81.

3 Lancel, Serge. Hannibal. Eine Biogrpahie. Düsseldorf/Zürich 1998. S. 79.

4 Ebd. S. 84.

5 Barcelo, Pedro. Hannibal. München 1998. S. 32.

6 Ebd. S. 32.

7 Ebd. S. 32.

8 Ebd. S. 37.

9 Ebd. S. 35.

10 Ebd. S. 35.

11 Ebd. S. 38

12 Barcelo, Pedro. Hannibal. München 1998. S. 56.

13 Nemeth, Eduard/ Fodorean, Florian. Römische Militärgeschichte. Aus: Geschichte kompakt, hrsg. von Kai Brodersen, Martin Kintzinger, Uwe Puschner, Volker Reinhard. Darmstadt 2005. S. 31.

14 Barcelo, Pedro. Hannibal. München 1998. S. 59.

15 Livius, Titus. Römische Geschichte. lat.-deut. ed. Josef Feix. München 1980. XXIII, 6,2-6,3

16 Ebd. XXIII, 7,1.

17 Ebd. XXIII, 7,2.

18 Ebd. XXIII, 7,2.

19 Ebd. XXIII, 7,2.

20 Barcelo, Pedro. Hannibal. München 1998. S. 59.

21 Ebd. S. 60.

22 Ebd. S. 70.

23 Ebd. S. 73.

24 Ebd. S. 76.

25 http://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Polybius/5*.html [105,4-105,9], entnommen am 23.09.2019 um 12:34.

26 Hiermit ist die prekäre Lage Roms nach der Schlacht von Cannae 216 v. Chr. gemeint.

27 Barcelo, Pedro. Hannibal. Müchen 1998. S. 65.

28 Livius, Titus. Römische Geschichte. lat.-deut. ed. Josef Feix. München 1980. XXIII, 33-33,3.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Diplomatische Beziehungen zwischen Rom und Karthago zur Zeit des Zweiten Punischen Krieges
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Philosophisches Institut)
Veranstaltung
Seefahrt in der Antike
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
14
Katalognummer
V502808
ISBN (eBook)
9783346042064
ISBN (Buch)
9783346042071
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Seefahrt, Diplomatie, Rom, KArthago, Bündnisse, Bündner, Krieg, Punischer Krieg, Antike, Griechenland
Arbeit zitieren
Karl Huesmann (Autor), 2019, Diplomatische Beziehungen zwischen Rom und Karthago zur Zeit des Zweiten Punischen Krieges, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502808

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