Eignung von Stablecoins für das unternehmerische Fremdwährungsrisikomanagement


Bachelorarbeit, 2019
50 Seiten, Note: 3.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Währungsrisiko im Unternehmen
2.1 Internationale Finanztransaktionen
2.2 Leistungsindikatoren von Stablecoins im
Fremdwährungsrisikomanagement
2.3 Die Blockchain: eine innovative Lösung

3 Stablecoins: Wertstabile Kryptowährungen
3.1 Stablecoins aktuelle Auswahl
3.2 LIBRA – Gerüchte um den Facebook Coin
3.3 Bedienung von Stablecoin-Transaktionen
3.4 Anreizsysteme für Stakeholder
3.5 Vertragsrecht und Identifikation der Teilnehmer
3.6 Steuern und Bilanz
3.7 Eignung des Stablecoins anhand vorher definierter Kriterien
3.7.1 Übersicht: Bewertung und Einsparpotential
3.7.2 Kosten bei Verwendung der Blockchain
3.8 Einsparungen gemessen an gewöhnlichen Finanztransaktionssystemen
3.9 Bewertung anhand fiktiver Auftragsvolumen
3.9.1 Beispiel bei Berechnung exemplarischer Werte
3.9.2 Berechnung unter der Verwendung historischer Kurswerte
3.9.3 Wann rentiert sich der Stablecoins für Unternehmer?

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Internationale Transaktionsverflechtungen

Abb. 2: Beispiel Fremdwährungsrisiko

Abb. 3: Finanzielle Risiken

Abb. 4: Chart Bitcoin – Euro, 1 Woche Volatilität

Abb. 5: 60 Tage Volatilität - TrueUSD

Abb. 6: Die Libra-Blockchain

Abb. 7: Praxisbeispiel I

Abb. 8: Praxisbeispiel II

Abb. 9: Überblick: Vor- und Nachteile bei Stablecoinverwendung

Abb. 10: DB Konditionen

Abb. 11: Finanztransaktionskosten per Fremddienstleister

1 Einleitung

Aktuell rückt die Blockchain Technologie mehr und mehr in den Fokus auch größerer Unternehmen, Bankinstitute und diverser Staaten. Tatsächlich ist die Blockchain theoretisch in der Lage die Art und Weise wie Unternehmen ihre Finanztransaktionen tätigen, verwalten und aufzeichnen, vollständig zu än- dern. Zentral geführte Modelle und Strukturen wie sie bei den meisten Konzer- nen zu erwarten sind, könnten sich grundlegend zu einer dezentralen Struktur hin verändern. In der Konsequenz wären Zwischenhändler und -instanzen ent- behrlich und eine direkte Interaktion zwischen allen Beteiligten würde dank Peer-to-Peer-Verfahren ermöglicht werden. Die Erwartungen an die Block- chain sind teilweise derart hoch, dass die Möglichkeit bestehe, unser traditio- nell etabliertes Wirtschafts- und Bankensystem neu zu definieren.

Etwas über 160 Währungen verteilen sich aktuell über den Globus.1 Dadurch resultiert für alle international agierenden Unternehmen die Gefahr, Verluste in laufenden Aufträgen aufgrund von Kursschwankungen hinzunehmen. Selbst Leitwährungen leiden unter permanenten Abweichungen, oftmals be- dingt durch nicht abschätzbare und vorhersehbare Ereignisse.

Das Ziel der Arbeit

Ohne Weltwährung haben Währungsrisiken weiterhin Bestand und müssen auf handelsüblichem und altbewährtem Wege minimiert werden. Die Nachteile sind zusätzlich entstehende Kosten und Gebühren oder der Verzicht auf po- tentielle Gewinne durch die Absicherung von Handelsaufträgen. Im Geschäfts- bericht für das Jahr 2018 der Volkswagen AG, werden 15 verschiedene Fremdwährungen aufgelistet, welche in der Bilanz des Konzerns berücksich- tigt werden müssen.2

Mithilfe der Blockchain-Technologie könnte eine virtuelle Weltwährung in das Wirtschaftssystem implementiert werden, welche global ohne weitere Zwi- scheninstanzen wie Banken oder Vermittler eingesetzt und verwendet werden kann. Finanztransaktionskosten lassen sich durch einen entsprechend ver- wendbaren Coin, erheblich senken. Dazu benötigt es jedoch eine wertstabile digitale Währung.

Ziel der Arbeit ist es, den sogenannten Stablecoin auf seine Tauglichkeit be- züglich des Fremdwährungsrisikomanagement zu untersuchen. Diese Taug- lichkeit wird anhand von mehreren Kriterien geprüft. Dabei fallen nicht nur die Vorteile und Chancen ins Gewicht, es müssen auch eventuelle Hemmnisse und Problematiken untersucht werden. Die Grundsatzfrage ist also: Kann die Technologie eine Lösung für das beschriebene Problem sein? „The techno- logy should be the solution to a specific problem and not vice versa“.3

Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Bachelorthesis teilt sich wie üblich in verschiedene Teilberei- che auf. Nach der vorangegangenen kurzen Einleitung und der Definition der zu beurteilenden Problematik und Zielsetzungen, werden nachfolgend die ak- tuellen Vorgehensweisen und Problemlösungen zur Währungsrisikovermei- dung wiedergegeben.

Einleitend wird ebenfalls das Thema Kryptowährungen zusammengefasst dargestellt, um im späteren Verlauf exakt auf die Stab- lecoins und Schwierigkeiten mit volatilen Coins wie dem Bitcoin einzugehen. Im Anschluss daran werden die fallbezogenen theoretischen Grundlagen ge- klärt. Ein notwendiges Prüfungsschema, um die Fähigkeiten und Eignungen von Stablecoins zu hinterfragen, wird ebenfalls noch in diesem Abschnitt auf- gestellt.

Das darauffolgende Kapitel widmet sich im Schwerpunkt dem Stablecoin, die wichtigsten Eigenschaften werden erläutert und hinterfragt, der aktuelle Stand der Technik verglichen und es wird auf die größten zu lösenden Problemen hingewiesen. Im Schwerpunkt werden Informationen ausgewertet und darge- stellt, welche im Prüfschema des anschließenden Kapitels zu einem Ergebnis ausgewertet werden. Mit diesem Prüfungsschema soll abschließend die Eig- nung von Stablecoins für das unternehmerische Fremdwährungsrisiko beant- wortet werden. Das Endresultat wird zusätzlich mit einigen Beispielen unter Zuhilfenahme von historischen Kursdaten, sowie fiktiven Auftragsvolumen im Bereich des Fremdwährungsrisikos und internationaler Transaktionen ge- stützt. Der Abschluss dieser Arbeit bildet eine kritische Auseinandersetzung mit dem Potential der eingesetzten Technologie und deren zukünftige Entwick- lung.

2 Währungsrisiko im Unternehmen

Die Vielzahl von existierenden Währungen verursacht ein nicht unerhebliches Risiko für Unternehmen. Transaktionskosten werden dadurch zusätzlich er- höht und allgemein sind diese Risiken als Behinderung des internationalen Güter- und Kapitalverkehres anzusehen. Um eine Problemlösung zu finden, muss zuallererst die gegenwärtige Vorgehensweise mit diesen Risken reflek- tiert werden.

2.1 Internationale Finanztransaktionen

Mit einer steigenden Anzahl an Währungen im Unternehmen, steigt auch das Risiko proportional an. Kursschwankungen und Transaktionskosten, sind ein permanentes, risikobehaftetes und auch sehr kostspieliges Unterfangen für die Finanzabteilungen. Aktuell werden Finanztransaktionen nicht über eine Peer-to-Peer-Lösung, welche von der Blockchain-Technologie genutzt wird, getätigt. Geldbestände bewegen sich aktuell noch auf dem tradi- tionellen Weg von einem Geschäftspartner zum anderen. Dabei ist die Betei- ligung von Intermediären unumgänglich. Abbildung 1 bildet dabei nur einen kleinen und beispielhaften Ausschnitt der internationalen Finanztransaktions- veflechtungen in einem Unternehmen ab.

Abb. 1: Internationale Transaktionsverflechtungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Autor

Risiko: Kursschwankungen

Wie groß die Risiken durch Kursschwankungen sind, soll folgende Abbildung verdeutlichen: Ein beliebiger Stahlproduzent möchte Stahlschrott in US-Dollar erwerben. Es können die folgenden Szenarien auftreten: (A) Der Dollar wird schwächer und der Stahlerzeuger zahlt damit weniger in EUR, (B) der Dollar wird stärker und Stahlerzeuger muss mehr Euro bezahlen als erwartet. Eine alternative (C) wäre für den unwahrscheinlich Fall denkbar, dass der USD- Kurs exakt gleichbleibt, was sich natürlich nicht auf den Preis in Euro auswirkt.

Abb. 2: Beispiel Fremdwährungsrisiko

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Autor

Traditionelle Vorgehensweise mit Fremdwährungsrisiken

Wenn Fremdwährungsrisiken nicht ausgeschlossen werden können, wie es für Deutschland als Exportland die Regel ist, werden unterschiedliche Strate- gien verwendet. Eine beliebte Form Geschäfte abzusichern ist das Hedging, die Nutzung von Devisentermingeschäften, auf die nachfolgend genauer ein- gegangen wird. Auch komplette Produktionsverlegungen auf den entspre- chend gewünschten Absatzmarkt, sind Lösungsansätze langfristiger Strate- gien und werden von vielen Konzernen praktiziert. Dies Alles ist eine Folge der vielen verschiedenen Staaten und seiner Währungen.4

Hedging von Fremdwährungspositionen

Unter Hedging wird die Verringerung eines Risikos, hier insbesondere Fremdwährungsrisiken, durch die Kombination negativ korrelierter Einzelpo- sitionen verstanden. Die Risiken der einen Position werden durch die Chan- cen der anderen teilweise kompensiert. Mittels Währungs-Futures hat der Si- cherheitssuchende Unternehmer die Möglichkeit, Preisrisiken auf flexible Weise abzusichern. Folglich können alle Unternehmen, welche in größeren Volumen außerhalb der Euro-Zone Handel betreiben, auf Devisengeschäfte wie den angesprochenen Futures aber auch Forwards und Optionen zurück- greifen. Sinn und Zweck ist es, auf Fremdwährung lautende Forderungen o- der Verbindlichkeiten, schon heute gegen einen sich negativ verändernden Kursverlauf abzusichern.

Die Gesamtkosten eines Hedgegeschäftes mit Devisen-Futures entsprechen im Normalfall ungefähr der zwischen den einbezogenen Währungen herr- schenden Zinsdifferenz. Es liegt in der Natur von Hedgegeschäften mit Fu- tures, dass im Falle von Kursgewinnen im Grundposten, diesen Verlusten aus der Terminmarktposition gegenüberstehen, und umgekehrt. Da aber der Einsatz von Futures beim Hedging weniger der Absicht einer Gewinnerzie- lung, wie bei der Vornahme einer Spekulation, als weit eher dem Ziel der Kurssicherung gegenüber unverhofften oder ungünstigen Wechselkursent- wicklungen dient, ist auch bei vorteilhafter Kursänderung im Kassamarkt aus dieser Sicht das Hedgegeschäft nicht als Zweckverfehlung zu beklagen, son- dern man darf trotz anfallenden Opportunitätskosten bedenkenlos von einem gelungenen Geschäft ausgehen.5

Forwards, Futures

Ein Forward Kontrakt ist eine unbedingte Vereinbarung zwischen zwei Ver- tragspartnern, bei dem sich die Parteien auf eine zukünftige Lieferung eines Gutes bei festgelegter Menge zu einem bestimmten Preis einigen. Im Falle einer Fremdwährungsrisikoabsicherung, wird so zum Beispiel eine bestimmte Menge an USD zu einem vereinbarten Kurs, bei Fälligkeitsdatum in EUR ver- kauft.

Forwards oder Futures sind gebührenlos, es ist aber eine Sicherungseinlage an die Börse zu leisten. Zusätzlich entstehen je nach Notierung ein Gewinn oder Verlust am Ende der Vertragslaufzeit. Futures funktionieren ähnlich den Forward Kontrakten, werden allerdings an der Börse gehandelt, welche als sicherer Mittelsmann fungiert. Der Börse ist dabei das Clearinghouse ange- gliedert. Dies garantiert das beide Parteien ihre Transaktion ausführen. Die Kontrakte unterliegen hierbei vorher vielen festgelegten Standards, sodass wenig Handlungsfreiraum für Individuelle Vertragsinhalte besteht. Bei For- wards und Futures entsteht aufgrund des bedingten Charakters dieser Instru- mente, stets ein Verzicht auf potenzielle Gewinne durch Kursänderungen. Sich negativ auswirkende Ereignisse werden abgesichert, das Profitieren durch sich positiv entwickelnde Märkte ist jedoch auch ausgeschlossen. Denn mit Termingeschäften werden die Bedingungen fixiert, so dass keine finanziell ne- gativen Entwicklungen mehr möglich sind. Das heißt aber auch, dass Unter- nehmen nicht profitieren, wenn sich die Märkte positiv entwickeln.6

Options

Ein Unternehmer der sein Risiko womöglich nicht nur absichern möchte, son- dern sich zusätzlich eventuell entstehende Gewinne durch entsprechende Kursveränderungen nicht entgehen lassen will, kommt an Divisen Optionen als Hedge-Instrument nicht vorbei. Es ist hierbei abzuschätzen, inwieweit die erwartenden Gewinne die Optionsgebühren überhaupt auffangen können. Devisenoptionen haben aufgrund ihres Wahlrechts zur Ausübung des Ver- kaufs/Kaufsrechts einen bedingten Charakter, im Gegensatz zu den Futures und Forwards gibt es keine Verpflichtung des Inhabers. Sie sind aber auch die kostspieligere Variante.7

2.2 Leistungsindikatoren von Stablecoins im Fremd- währungsrisikomanagement

Finanzielle Risiken werden aktiv gemessen und bei Bedarf abgesichert. Es ist möglich, dass Währungskursveränderungen einen signifikanten Einfluss auf die Ertragssituation nehmen. Veränderung von Zinsen können ebenfalls die GuV eines Unternehmens beeinflussen und GuV-Volatilität erzeugen. Es ist unter anderem die Aufgabe des Corporate Treasury, diese finanziellen Risiken zu steuern. Folgende Abbildung soll die Kernaufgaben des finanziellen Risikomanagements illustrireren.

Abb. 3: Finanzielle Risiken

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Autor in Anlehnung an: Bodemer/Disch, Corporate Treasury Management 2014

Momentan werden alle Messungen, Absicherungen und Optimierungen auf Basis herkömmlicher Währungen (Euro, Dollar) durchgeführt. Die Fragestel- lung dieser Arbeit, muss genau hier im Ansatz beantwortet werden. Eine Eig- nung von Stablecoins im Unternehmen, ist nur gegeben, wenn die dargestell- ten einzelnen Funktionen eine Optimierung durch diese erfahren, Kosten ein- gespart oder gesenkt werden. Der Stablecoin muss in der Lage sein, das Glei- che zu leisten, wie sein Pendant. Eine Einführung von diesen macht insbeson- dere nur dann Sinn, falls einzelne Teilbereiche deutlich von vorhandenen Ri- siken bereinigt werden können. Die Eignung von Stablecoins und deren Hand- habung im Bereich der finanziellen Risiken, werden mit den 3 unten aufgeführ- ten Teilrisiken und entsprechendem Fokus auf das Währungsrisikomanage- ment in Kapitel 3. Stablecoins ausführlich untersucht:

A. Marktrisiko
B. Liquiditätsmanagement
C. Kreditrisiko

2.3 Die Blockchain: eine innovative Lösung

Die in dieser Arbeit hinterfragte Problemstellung tritt zwangsläufig durch das zentralisierte Wirtschaftssystem und den verschiedenen Staaten, welche hier zentrale Knotenpunkte bilden auf. Dementsprechend bietet die Blockchain Technologie mit ihrem dezentralen Aufbau theoretisch den ersten Gedanken- gang, um dieses Problem vollständig digital zu lösen. Und auch historisch ge- sehen, ist die Dezentralisierung eine ganz natürliche Entwicklung, welche nicht gebremst werden sollte. Denn nach Ronald Harry Coase war eine Zentralisie- rung von Unternehmen, in einer Zeit weit vor dem Internet, nötig um Transak- tionskosten und damit allgemein Kosten für das Unternehmen zu vermeiden. Mit der Entstehung und Entwicklung des Internets allerdings, ist dieser Ge- danke mittlerweile als veraltet zu bezeichnen und trifft nicht mehr länger zu. Informationen können nun mit minimalen Mitteln in einer sehr kurzen Zeit- spanne beschafft werden.8

Mithilfe der Blockchain können nicht nur Informationen ausgetauscht, sondern auch direkt Finanztransaktionen durchgeführt werden. Im folgenden Kapitel werden deshalb alle wichtigen Details geklärt, wie die Blockchain und eine entsprechende stabile Kryptowährung, im folgenden Stablecoin, dazu beitra- gen können das unternehmerische Währungsrisikomanagement effizienter zu gestalten.

3 Stablecoins: Wertstabile Kryptowährungen

Aktuell finden sich jedoch fast ausschließlich nicht besicherte Variationen von Kryptowährungen auf den verschiedenen Börsen wieder. Insgesamt verfügt die Blockchain Technologie über ein großes Spektrum an digital currencies. Viele der aktuell über 2000 Varianten sind allerdings in ihrem Nutzen nicht sehr vielversprechend, es sind eher kleine Projekte oder ihr Dasein ist oftmals nur durch Spekulanten berechtigt. Die mit Abstand bekannteste Kryptowährung ist der Bitcoin. Erfunden und entwickelt im Jahr 2008 von einem Programmierer, bekannt unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto. Die Grundidee dabei war und ist es immer noch, Währungen direkt von einem Computer zum anderen Computer, von Smartphone zu Smartphone, unter Verwendung der Peer-to- Peer-Systematik zu versenden. Das ganze System soll komplett ohne Banken und andere Intermediäre arbeiten, ermöglicht durch die Blockchain-Technolo- gie.9

Aktuell (Stand 07.05.2019) existieren 2159 verschiedene Kryptowährungen o- der auch simpel ausgedrückt Coins, mit einer gesamt Marktkapitalisierung von 185.250.044.832,00 EUR. Die ersten fünf Plätze nach Marktkapitalisierung be- legen mit dem höchsten Wert beginnend: Bitcoin, gefolgt von Ethereum, XRP, Bitcoin Cash und EOS. Diese fünf Coins zusammen erreichen eine Marktka- pitalisierung von 144.767.808.790 EUR, das entspricht 78,15 % der gesamten Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen. Die ersten Top 20 Coins nach Marktkapitalisierung belegen sogar etwas über 90 Prozent. Auf Platz 43 befin- det sich aktuell der TRUE-USD, ein sogenannter Stablecoin.10

Eignung des Bitcoins als unternehmensinterne Währung

Angenommen ein Konzern hätte die Blockchain Technologie im Unternehmen implementiert und ist nun bereit all seine Finanztransaktionen per Kryptowäh- rung zu tätigen, es wäre noch immer eine immense Problematik zu bewältigen. Am Beispiel des Bitcoins wird schnell ersichtlich, dass der momentane Einsatz von Kryptowährung, aus finanzieller Perspektive betrachtet, eine völlig irratio- nale Entscheidung bedeutet. Das Problem ist zum einem das noch fehlende Vertrauen der breiten Masse in Kryptowährungen und die noch größere Prob- lematik, welche auch durch dieses fehlende Vertrauen mit zustande kommt, ist die extreme Volatilität der bekanntesten digitalen Währungen (siehe Abb.4).

Abb. 4: Chart Bitcoin – Euro, 1 Woche Volatilität

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle : https://www.finanzen.net/devisen/bitcoin-euro-kurs 09042019

Rein technisch gesehen ist die Blockchain-Technologie dank ihrer Program- mierung absolut vertrauenswürdig. Vertrauen ist dank Algorithmus und Pro- grammierung noch nicht einmal mehr nötig.11 Aber es gibt keinerlei Physische Sicherheiten für Währungen nach dem Prinzip des Bitcoins, kein Edelmetall und keine Devisen stützen ihn. Und er wird auch nicht durch eine Zentralbank oder ähnliche Institution geschöpft, sondern von privaten „Minern“. Diese Tat- sache lässt den konventionell denkenden Menschen scheinbar skeptisch wer- den. Die extremen Volatilitäten lassen den Bitcoin somit für den internationalen Einkauf/Verkauf zu einem völlig ineffektiven Instrument verkommen. Das Wäh- rungsrisiko wäre für jeden Konzern um ein Vielfaches höher. Ganz nüchtern betrachtet ist der Bitcoin aber dennoch ein weiters Zahlungsmittel, nur eben vollständig digital und instabil und könnte, rein technisch gesehen, durchaus im Unternehmen implementiert werden.

Wie wird ein Coin stabil?

Grundsätzliches zu den Stablecoins und allgemein Kryptowährung: Gemäß § 14 Abs. 1 S. 2 Gesetz über die Deutsche Bundesbank – Notenausgabe, sind auf Euro lautende Banknoten das einzige unbeschränkt zulässige Zahlungs- mittel. Es besteht also nicht das Recht darauf, Geschäfte mit Stablecoins ab- zuschließen. Natürlich funktioniert dies auf freiwilliger Basis mit späterem Um- tausch in die eigene Heimatwährung.

Aber was ist nun ein Stablecoin? Ein Stablecoin ist ebenfalls eine digitale Wäh- rung, welche aber anders als die größten Vertreter dieser Art des Geldes, ei- nen stabilen Kurs versprechen. Sie haben die Funktion ein digitales Abbild einer Fiat Währung darzustellen, also ein Token des realen Dollars, Euros o.Ä.. Die vor allem von Spekulanten geschätzte Volatilität der Kryptowährun- gen soll damit auf ein Minimum reduziert werden. Der Handel konnte bislang nicht mit Kryptowährung arbeiten, was sich durch Stablecoin ändern soll.12

Krypto gestützte Sicherheiten

Ein Ansatz Stabilität in Kryptowährung zu bekommen besteht darin, stabile Coins zu erstellen, welche von anderen vertrauenswürdigen Assets auf der Blockchain gestützt werden. Dieses Modell wurde ursprünglich von BitShares (BTS) entwickelt, wird jedoch auch von anderen Stablecoins genutzt. Die Si- cherheit dieser Coins stützt sich wiederum auf andere dezentral funktionie- rende Kryptowährungen. Der Vorteil hierbei ist, dass der Grundgedanke der Blockchain, also die Dezentralität, in diesem Falle Sicherheitsgeber ist und nicht eine zentral verwaltende Intuition. Die Sicherheiten werden einfach aber sicher per Smart Contract hinterlegt.

Die Ineffizienz dieses Verfahrens ergibt sich allerdings aus den, wiederum stark volatilen, Sicherungen in Form von gewöhnlicher Kryptowährung. Eine Übersicherung wäre eine mögliche Lösung für dieses Problem, würde aber bedeuten, dass große Geldbeträge „geparkt“ werden und dem Unternehmen für weitere Investitionen somit entzogen bleiben.13

[...]


1 Vgl. https://www.finanzen.net/waehrungsrechner, (Zugriff: 27.04.2019).

2 Vgl. Volkswagen AG, 2018, S. 304.

3 R. Lenz, 2018, S. 45.

4 Vgl. http://www.7-forum.com/bilanzpressekonferenz04.pdf (05.05.2019).

5 Vgl. http://www.deifin.de/fuhedge1c.htm (05.05.2019).

6 Vgl. J. Hull S. 2ff.

7 Vgl. ebenda, S. 4.

8 Vgl. https://archiv.wirtschaftsdienst.eu/ronald-h-coase/ (29.04.2019).

9 Vgl. P. Rosenberger S. 9f.

10 Vgl. https://www.livecoinwatch.com/ (07.05.2019).

11 Vgl. R. Lenz, 2018, S. 14.

12 Vgl. https://www.btc-echo.de/was-ist-ein-stable-coin/ (17.05.2019).

13 Vgl. https://blockchainwelt.de/stablecoins/ (17.05.2019).

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten

Details

Titel
Eignung von Stablecoins für das unternehmerische Fremdwährungsrisikomanagement
Hochschule
Fachhochschule Bielefeld
Note
3.0
Autor
Jahr
2019
Seiten
50
Katalognummer
V503109
ISBN (eBook)
9783346045249
ISBN (Buch)
9783346045256
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Blockchain, Libra, Kryptowährung, Finanztransaktionen, Fremdwährungsrisiko
Arbeit zitieren
Christopher Schütze (Autor), 2019, Eignung von Stablecoins für das unternehmerische Fremdwährungsrisikomanagement, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/503109

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