Die Wahrnehmung als notwendiger Übergang von der sinnlichen Gewissheit zum Verstand - In: G.W.F. Hegel: Phänomenologie des Geistes


Hausarbeit, 2005
14 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Die Wahrnehmung oder das Ding und die Täuschung
2.1 Die Methode der Phänomenologie
2.2 Die sinnlichen Gewissheit
2.3 Die Wahrnehmung oder das Ding und die Täuschung
2.4 Kraft und Verstand
2.5 Die Übergänge

3. Schlussfolgerungen
3.1 Die Notwendigkeit der Übergänge
3.2 Die Schlüssigkeit der Argumentation
3.3 Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Hegel gehört mit seiner Schrift der Phänomenologie des Geistes von 1807 philosophisch zum Idealismus. Dieser hatte 1795- 1805 seine Blütezeit. Hauptvertreter des deutschen Idealismus sind Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Johann Gottlieb Fichte und Friedrich Wilhelm Joseph Schelling. Der deutsche Idealismus bezieht sich auf Immanuel Kant. Die Phänomenologie des Geistes ist die Wissenschaft von der Erfahrung des Bewusstseins. Hegels Phänomenologie des Geistes ist eine Phänomenologie der Kultur. Für ihn ist der Prozess in dem die Ordnung der Wirklichkeit im Menschen zunehmend und immer differenzierter zum Bewusstsein kommt, seine Kulturgeschichte.[1] Hegel unterscheidet hierbei den subjektiven Geist: Gestalten eines subjektiven Individuums, bzw. Gestalten des individuellen Bewusstseins und den objektiven Geist: Gestalten einer Welt die analysierbar sind, kulturelle Individuen. Objektiver Geist ist Erkenntnis in den kulturellen Erscheinungen. Die Phänomenologie ist eine Darstellung des werdenden Wissens der kulturgeschichtlichen und individuellen Genese. Sie durchläuft 14 Stationen, in dem die Welt dem Menschen zum Bewusstsein kommt. Hegel untersucht die Struktur von Subjektivität, er fragt danach wie das Subjekt zu Erkenntnis gelangt und beschreibt die Stufen des Bewusstseins auf dem Weg dahin. Dabei durchläuft es den Weg von der sinnlichen Gewissheit bis zum absoluten Wissen. Stationen dabei sind: das Bewusstsein, das Selbstbewusstsein, der Geist und das absolute Wissen. Nach Hegel ist die Erkenntnis nicht unabhängig von dem Weg der zur Erkenntnis führt, d.h. Wissen verändert sich im Verlauf der Entwicklung des Bewusstseins. Diese Entwicklung ist eine Folge von Selbstprüfungen des Bewusstseins auf seiner jeweiligen Stufe. Auf jeder Stufe gerät es in Widersprüche zwischen Gewissheit und Wissen, die Notwendigkeit auf dem Weg der Erkenntnis weiterzuschreiten ist jeder Erkenntnisstufe immanent. Konstitutive Bedeutung kommt den Bewusstseinsstufen nur im Rahmen ihrer Abfolge zu. Sie sind Analysen einer bestimmten Form des Wissens als Entwicklung.

Meine Hausarbeit bezieht sich auf die erste Station des werdenden Wissens, dem Bewusstsein. In ihr gibt es drei Stufen, die sinnliche Gewissheit, die Wahrnehmung und Kraft und Verstand. Ich werde mich vor allem auf das Kapitel: Die Wahrnehmung oder das Ding und die Täuschung beziehen. Hierbei geht es mir darum den Weg der Wahrnehmung innerhalb des Kapitels nachzuzeichnen, also die Strukturen des Erkenntnisweges zu skizzieren und die Notwendigkeit der Übergänge zwischen den Kapiteln herauszuarbeiten. Dazu scheint es mir unerlässlich zunächst Hegels Methode innerhalb der Phänomenologie zu umreißen und kurz auf das Kapitel der sinnlichen Gewissheit und auf das des Verstandes einzugehen, da nur so die Notwendigkeit der Übergänge sichtbar werden können.

2. Die Wahrnehmung oder das Ding und die Täuschung

2.1 Die Methode der Phänomenologie

Hegels Methode ist zum einen untrennbar verbunden mit der Dialektik. Während Dialektik im Allgemeinen ein philosophisches Verfahren ist, von einer These auszugehen, dieser eine Antithese entgegenzustellen und daraus die Synthese zu bilden, ist Dialektik bei Hegel nicht nur ein Argumentationsverfahren. Bei ihm entsprechen die Denkprozesse: These, Antithese und Synthese auch immer Teilen oder Gesetzen der Wirklichkeit. Sie ist die Methode, in der der reale Widerstreit als logischer Widerspruch begriffen und aufgelöst werden kann. Zum anderen ist für die Phänomenologie ihre Polykontextoralität konstitutiv. Die Prüfung jeder Bewusstseinstufe findet auf verschiedenen Ebenen statt, sie ist einerseits Beschreibung und andererseits auch „Imitation“ dieses Bewusstseins.

Für die Untersuchung und Prüfung der Realität des Erkennens ist der Maßstab die Grundlage. Es können immer nur interne Maßstäbe sein. Sie sind nicht unabhängig vom Bewusstsein und seiner Stufe. Die jeweiligen Werkzeuge der Erkenntnis verändern die Erkenntnis. Maßstäbe sind bei Hegel das An-sich-sein, Für-sich-sein und das Für-es-an-sich-sein.

Das An-sich-sein ist unabhängig von Beziehungen zu anderen erkennenden Subjekten, es ist das was übrigbleibt, wenn wir das Wissen vom Gegenstand abziehen. Es ist ohne Bezug zum Erkennenden, d.h. ohne Relation zu unserem epistemologischen Bewusstsein.

Das Für-sich-sein ist das vom Subjekt benutzte An-sich. Zwischen diesen beiden Maßstäben gibt es eine beständige Bewegung der Erkenntnis, in der das Bewusstsein verschiedene Erfahrungen macht. Die erste Erfahrung - das An-sich - scheitert, die zweite Erfahrung – das Für-sich - als Gegensatz scheitert ebenso, die dritte Erfahrung – das Für-es-an-sich – geht als „Lösung“ in die nächste Bewusstseinsstufe über. Diese „Lösung“ des Bewusstseins, dass die Gegenstände erkennt, ist das Für-es-an-sich-sein, als Sein für ein Bewusstsein. Denn Ziel der Phänomenologie ist die Entwicklung der Einheit von Wissen und Erkenntnis, Ziel ist das Absolute, in dem Begriff und Gegenstand identisch werden. Die Wahrheit oder das Absolute wird erreicht, wenn Begriff und Gegenstand an-und-für-sich übereinstimmen, wenn das Bewusstsein sich selbst als Erfahrungsinhalt erkennt. Die Aufhebung des An-sich-seins und des Für-sich-seins in ein An-und-für-sich-sein ist eine Aufhebung im dreifachen Sinne. Es ist erstens Aufhebung im Sinne von: so nicht mehr vorhanden, Aufhebung im Sinne von Negation. Zweitens im Sinne von: auf eine andere Stufe heben und drittens im Sinne von: Aufbewahren als Resultat der Erfahrung der Bewusstseinsstufe.

Hegel versucht auch sprachlich etwas Neues zu schaffen, um aus dem bestehenden philosophischen Diskurs auszubrechen, in dem er die Erkenntnis vom Bewusstsein und seinen Prozessen mit Verzicht auf das bestehende philosophische Vokabular beschreibt. Er konstruiert innerhalb jeder Bewusstseinsstufe Spannungen, Dichotomien und Widersprüche, die scheitern. Dadurch wird der Übergang zur nächsten Stufe zwingend. Er versucht die Überwindung oder Auflösung der Dichotomien, eine Erkenntnis als Überwindung von Form und Inhalt, von Subjekt und Objekt.

2.2 Die sinnliche Gewissheit

Nach der Hierarchie der Bewusstseinsstufen ist die sinnliche Gewissheit die einfachste Art des Wissens. Sie ist unmittelbar und setzt scheinbar nichts voraus. Sie ist eine notwendige Stufe des Bewusstseins und in ihrer Möglichkeit der potentiellen Unendlichkeit des sinnlich erfahrbaren Wissens liegt ihr Reichtum.

„Der konkrete Inhalt der sinnlichen Gewissheit lässt sie unmittelbar als die reichste Erkenntnis, ja als eine Erkenntnis von unendlichem Reichtum erscheinen, [...] Diese Gewissheit aber gibt in der Tat sich selbst für die abstrakteste und ärmste Wahrheit aus. Sie sagt von dem was sie ist nur dies aus: es ist; und ihre Wahrheit enthält allein das Sein der Sache“.[2]

Da die sinnliche Gewissheit an die Gegenwart gebunden ist und nur eine Existenz beschreiben kann: es ist, und sie auf einer Ebene des Bewusstseins existiert, auf der keine Wahrheiten sprachlich formuliert werden können ist sie gleichzeitig die ärmste Wahrheit. Das Bewusstsein in der sinnlichen Gewissheit ist passiv. Es ist sich über sein eigenes Wesen ein ganz unbewusstes Bewusstsein.

Die Prüfung der Wahrheit der sinnlichen Gewissheit vollzieht Hegel an Hand der Begriffe des Hier und Jetzt. Diese Begriffe führen ihren Widerspruch in sich, denn sie sind beliebig, nicht konkretisierbar, nichts bleibendes und damit ein Allgemeines. Sie sind das Abstrakte, bei Hegel ist das immer etwas Negatives, ihnen entspricht nichts in der Wirklichkeit. Die sinnliche Gewissheit ist aus allen Bezügen herausgelöst und damit nur scheinbar konkret, jedoch in Wirklichkeit allgemein und a bstrakt. Sie ist eine Erkenntnisform die nach der Analyse nur scheinkonkret ist, durch sie erkennen wir das Abstrakteste, was sich erkennen lässt. Die Erfahrung der sinnlichen Gewissheit vollzieht sich in drei Schritten:

Das An-sich-sein ist das Erfassen der Wirklichkeit ohne Begriffe und Urteile, das Sein. Das Für-sich-sein ist das Erfassen dieser Wirklichkeit durch das Subjekt und damit durch sprachliche Ausdrücke. Beides entspricht sich nicht und es erfolgt die Bewegung der Erfahrung dieser Bewusstseinstufe zum Für-es-an-sich-sein. Dies ist ein dialektisches Wechselspiel zwischen Sinngebung und Sinnverlust.

[...]


[1] Siep, Ludwig: Der Weg der Phänomenologie des Geistes. Ein einführender Kommentar zu Hegels >Differenzschrift< und >Phänomenologie des Geistes<. Frankfurt am Main, 2000. Seite 15.

[2] Hegel, G.W.F.: Phänomenologie des Geistes. Frankfurt am Main, 1986. Seite 82

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Details

Titel
Die Wahrnehmung als notwendiger Übergang von der sinnlichen Gewissheit zum Verstand - In: G.W.F. Hegel: Phänomenologie des Geistes
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Philosophie und Geisteswissenschaften)
Veranstaltung
Hegels Phänomenologie des Geistes
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
14
Katalognummer
V50380
ISBN (eBook)
9783638466110
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wahrnehmung, Gewissheit, Verstand, Hegel, Phänomenologie, Geistes, Hegels
Arbeit zitieren
Monika Skolud (Autor), 2005, Die Wahrnehmung als notwendiger Übergang von der sinnlichen Gewissheit zum Verstand - In: G.W.F. Hegel: Phänomenologie des Geistes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50380

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