Der Hang zur Tradition, der bis zum heutigen Tag in kaum einer Gesellschaftsgruppe so ausgeprägt ist, erfährt vor langer Zeit seinen Ursprung. Der harte Kampf ums Überleben jeden Winter und die enge Beziehung zum Vieh haben den Bauernstand durch die Jahrhunderte geprägt, und die Bergbauern prägten wiederum die Natur.
Seit langer Zeit zieren in Hoch- und Mittelgebirgen temporär bewohnte, bewirtschaftete und ortsfeste Kleinsiedlungen das Landschaftsbild. Diese so genannten Almen dienen seit jeher einer traditionellen Almwirtschaft, welche im Fokus dieser Arbeit stehen soll.
Auch wenn der Begriff „Alm“ im globalen Kontext nicht greifen kann, da Almen im Allgemeinen mit den Alpen oder dem bayrischen Raum assoziiert werden, so existieren weltweit ganz ähnliche Formen, etwa in den Pyrenäen, im Kaukasus oder bei den Nomaden in Tibet. Dass sich dieses Weidewirtschaftsareal weltweit finden lässt, ist somit gegeben. Die Almwirtschaft selbst kann – und das nicht erst seit heute – nicht nur als ein einfacher Zweig der Berg-Land-Wirtschaft angesehen werden. Sie ist in ein komplexes Beziehungsgefüge von Ökonomie, Ökologie und Soziokultur eingebettet. Die Funktionen dieses Lebens-, Wirtschafts- und Kulturraumes sind sehr vielfältig und unser menschliches Handeln (sowie auch „Nichthandeln“) kann die unterschiedlichsten Wirkungen hervorrufen. Im Hinblick auf eine angestrebte nachhaltige Entwicklung der Almwirtschaft ist es daher notwendig, alle drei Aspekte in die Betrachtung zu integrieren.
Der Umfang dieser Arbeit wird sich somit in die Merkmale der Almen, der Almwirtschaft und der beispielhaften Darstellung dieser Wirtschaftsweise einer alpinen Region, den Ötztaler Alpen in Österreich, aufteilen.
Anschließend erfolgt eine aktuelle Situationsanalyse und ein Ausblick zur künftigen Entwicklung von Almen und Almwirtschaften, wobei diese durch ein Beispiel einer Alm in Tirol eingeleitet werden soll. Dieses Beispiel einer traditionell-modernen Alm mit multifunktionalem Angebot fungiert als Einstieg für Prognosen.
Inhaltsverzeichnis
1. Almen
1.1 Begriffsklärung und historischer Hintergrund
1.2 Die Lagen und Typen von Almen
1.3 Besitzverhältnisse
1.4 Almpersonal, Almgebäude und Almsiedlung
2. Die Almwirtschaft
2.1 Begriffsklärung, historischer Abriss und heutige Situation
2.2 Der Almauftrieb und der Almabtrieb
2.2.1 Der Almauftrieb
2.2.2 Der Almabtrieb
2.3 Funktionen der Almwirtschaft
2.3.1 Landwirtschaftliche Produktion
2.3.2 Fremdenverkehr
2.3.3 Natur- und Tierschutz
2.3.4 Schutz vor landschaftsformenden Prozessen
2.4 Resümee und Zukunftsaussichten
3. Die Almwirtschaft in den Ötztaler Alpen/Tirol
3.1 Geographische Einordnung der Ötztaler Alpen
3.2 Dimensionen der Almwirtschaft in den Ötztaler Alpen/Tirol
3.2.1 Höhenlagen und Besitzverhältnisse der Almen und Hütten
3.2.2 Flächenanteile der Almen 1986
3.2.3 Tirols Almen nach Nutzungsformen 1986
3.2.4 Fremdenverkehrseinrichtungen auf den Almen Tirols 1986
3.2.5 Almauftriebszahlen Tirols nach Viehkategorien 1986
3.3 Die Gaislachalm bei Sölden – ein Beispiel moderner Almwirtschaft
3.4 Fazit, Bewertung und Prognose der Almwirtschaft
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Merkmale von Almen und der Almwirtschaft sowie deren Bedeutung als komplexes Beziehungsgefüge von Ökonomie, Ökologie und Soziokultur. Ziel ist es, am Beispiel der Ötztaler Alpen in Österreich eine Situationsanalyse der traditionellen Wirtschaftsweise zu erstellen, die aktuelle Entwicklungen und die Rolle des sanften Tourismus integriert.
- Strukturelle Merkmale und historische Entwicklung der Almwirtschaft.
- Funktionen der Almwirtschaft (landwirtschaftliche Produktion, Tourismus, Naturschutz).
- Geographische und klimatische Einordnung der Ötztaler Alpen.
- Quantitative Analyse der Almwirtschaft in Tirol anhand von Nutzungsformen und Flächenanteilen.
- Integration von traditioneller Bewirtschaftung und modernen Anforderungen an den Tourismus.
Auszug aus dem Buch
3.3 Die Gaislach Alm (1.968m) – ein Beispiel moderner Almwirtschaft
Dieser traditionelle Familienbetrieb vereint almwirtschaftliche Gütererzeugung mit der modernen Anforderung, touristisches Aufkommen zu befriedigen und somit eine existentielle Sicherung zu gewährleisten. Gut erschlossene Zugangswege und Übernachtungsmöglichkeiten, sowie die gutbürgerliche Kost bieten den Tages- und Übernachtungsgästen eine Basis, welche durch abendliche Animationen und kinderfreundliche Attraktionen vervollständigt wird.
Die günstige Lage zur tiefer liegenden Stadt Sölden und den höher gelegenen Wanderpfade runden das Angebot für multipel-interessierte Besucher ab. „Coca-Cola neben frischer Almmilch“ steht für einen Kompromiss, welchen viele Almwirte im Zuge des wirtschaftlichen Strukturwandels und obligatorischen Integration eines sanften Tourismus eingehen müssen, um ihre Existenz zu sichern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Almen: Dieses Kapitel definiert den Begriff Alm historisch sowie funktional und beleuchtet die verschiedenen Lagen, Typen, Besitzverhältnisse sowie die Rolle des Almpersonals.
2. Die Almwirtschaft: Es wird die saisonale Vieh- und Weidewirtschaft als Teil der Hofwirtschaft beschrieben, inklusive deren Funktionen wie Produktion, Tourismus und Erosionsschutz sowie ihrer historischen Entwicklung.
3. Die Almwirtschaft in den Ötztaler Alpen/Tirol: Das Kapitel bietet eine geographische Einordnung der Region und analysiert detailliert Daten zu Höhenlagen, Flächenanteilen, Almauftrieb und modernen Beispielen wie der Gaislachalm.
Schlüsselwörter
Almwirtschaft, Ötztaler Alpen, Tirol, Kulturlandschaft, Weidewirtschaft, Almauftrieb, Strukturwandel, Agrarpolitik, Tourismus, Biodiversität, Almpersonal, Bergbauern, Nachhaltigkeit, Almtypen, Berglandwirtschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung der Almwirtschaft in den Ötztaler Alpen und deren Entwicklung im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die physiognomischen Merkmale von Almen, die ökonomischen sowie ökologischen Funktionen der Almwirtschaft und die Integration touristischer Angebote.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Ziel der Arbeit ist es, die Merkmale der Almwirtschaft als komplexes System zu analysieren und anhand der Region der Ötztaler Alpen eine aktuelle Situationsanalyse und Prognose zur Zukunft dieser Wirtschaftsweise aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Datenanalyse, wobei statistische Erhebungen (z.B. der Almerhebung 1986) und eine beispielhafte Einzelfallbetrachtung der Gaislachalm zur wissenschaftlichen Auswertung genutzt wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung von Almen und Almwirtschaft sowie eine vertiefende regionale Fallstudie zu den Dimensionen und der aktuellen Situation in den Ötztaler Alpen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Almwirtschaft, Ötztaler Alpen, Strukturwandel, sanfter Tourismus, Biodiversität und Kulturlandschaft.
Warum ist die Gaislachalm ein Beispiel für moderne Almwirtschaft?
Die Gaislachalm verbindet die klassische landwirtschaftliche Gütererzeugung mit einem breiten touristischen Angebot wie Übernachtungsmöglichkeiten und Animation, was als notwendiger Kompromiss zur Existenzsicherung gilt.
Welche Rolle spielt der Fremdenverkehr für die Almbauern?
Der Fremdenverkehr liefert wertvolle Nebeneinkünfte, die den Almbauern helfen, ihre Existenz zu sichern, wobei das "Landschaftsangebot" der Almen eine zentrale Rolle für Touristen spielt.
Welchen Einfluss hat die EU-Politik auf die Almwirtschaft?
Seit dem EU-Beitritt Österreichs unterstützen erhöhte Direktzahlungen und Alpungsprämien die lokalen Almwirtschaften und tragen zu einer Konsolidierung der Flächenbewirtschaftung bei.
- Quote paper
- Marco Grees (Author), 2005, Die Almwirtschaft in den Ötztaler Alpen/Österreich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50395