Als eine Antwort auf die Nöte des beginnenden Industriezeitalters wurde 1836 durch Pfarrer Theodor Fliedner (1800–1864) und dessen Ehefrau Friederike (1800–1842) mit der Errichtung eines ersten Diakonissenhauses in Kaiserswerth/Düsseldorf das apostolische1 Diakonissenamt erneuert.
Frauen ohne Anstellung und Ansehen in der Gesellschaft wurden durch
Fliedner für sozialpflegerische und pädagogische Berufe ausgebildet und erhielten verantwortliche Aufgaben, zum Teil auch in leitender Position. Die Schwestern sollten evangelisch, gläubig, treu, anpassungsfähig und im Leben untadelig sein. Diakonisse sein geschah auf der Grundlage des eigenen christlichen Glaubens und war keine Berufsbezeichnung; die Ausbildung und Tätigkeit in den verschiedenen Berufen erfolgten im Laufe des Lebens als Diakonisse.
Fliedner fügte die in Gemeinde und Privatpflege Dienst tuenden Schwestern auf deren Wunsch im Mutterhaus als Schwesternschaft zusammen und bildete damit für sie eine Art Familie, der Fliedners als Hauseltern vorstanden. Die Schwestern verpflichteten sich mit der Einsegnung in das Diakonissenamt zum Leben in einer Glaubens-, Lebens- und Dienstgemeinschaft.
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Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Einleitung
1. Soziales Handeln
2. Jeanette Odenwald, Biografie
2.1. Glaubensfindung
3. Soziales Engagement der Jeanette Odenwald bis 1853
3.1. Die Jahre 1853 – 1864
3.2. Die Jahre 1864 – 1869
3.3. Die Jahre 1869 – 1875
3.4. Die Jahre nach 1875
4. Die Entwicklung des Kurhessischen Diakonissenhauses
5. Reflexion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Lebensgeschichte und das soziale Handeln von Jeanette Odenwald, der ersten Vorsteherin des Kurhessischen Diakonissenhauses, im Kontext der gesellschaftlichen Bedingungen des 19. Jahrhunderts. Ziel ist es, den oft vergessenen Beitrag Odenwalds zu würdigen und die Entwicklung des Diakonissenwesens in der Region nachzuzeichnen.
- Biografischer Werdegang von Jeanette Odenwald
- Die Rolle christlich motivierten sozialen Handelns
- Der Prozess der Glaubensfindung und diakonischen Berufung
- Entwicklungsgeschichte des Kurhessischen Diakonissenhauses
- Historische Bedeutung der ersten Vorsteherinnen
Auszug aus dem Buch
2.1. Die Glaubensfindung
Jeanette Odenwald entwickelte den tiefen Glauben, der sie in das Diakonissenamt brachte erst im Alter von 21 Jahren. Ihre Mutter erzählte zwar Geschichten „mit denen sie mein kindliches Gemüt zu fesseln wusste“, aber nach dem Tod der Eltern wuchs sie mit drei Schwestern bei ihrem Schwager auf, der zwar Pfarrer aber auch Rationalist war und „für unsere Bedürfnisse des Leibes gut gesorgt, aber an eine Pflege für unsere Seelen ward nicht gedacht“ hat.
„Aus meinem Confirmationsunterricht“, schreibt sie, „blieb mir wenig, weil in demselben die Hauptsache, die Lehre von der Liebe Gottes geoffenbart in Christo Jesu, fehlte“ und „ohne alle Erkenntniß Gottes“ legte sie mit knapp 14 Jahren dann das Gelübde am Altar ab.
Nach der Konfirmation lebte sie bei ihrer Schwester Sophie und deren Mann, Pfarrer Danquard, „der wohl nicht so feindselig und offenbar gegen den Herrn war; aber in tiefer Gleichgültigkeit gegen Gott und Sein Wort dahin lebte“. Da er Geschäftsführer der belletristischen Lesegesellschaft des Bezirks war, hatte auch sie Zugang zu vielen Romane und „es konnte natürlich nicht ausbleiben, daß dieselben einen nachhaltigen Einfluß auf mich ausübten“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Soziales Handeln: Dieses Kapitel definiert soziales Handeln als helfendes Interagieren und unterscheidet zwischen christlich motiviertem und nicht-christlichem Handeln.
2. Jeanette Odenwald, Biografie: Hier wird der Lebensweg Odenwalds von ihrer Kindheit bis zur späten Berufung und ihrer Zeit als Diakonisse detailliert nachgezeichnet.
2.1. Glaubensfindung: Dieser Abschnitt beleuchtet den geistlichen Entwicklungsprozess, der Odenwald trotz rationalistischer Einflüsse in ihrem Umfeld zum Diakonissenamt führte.
3. Soziales Engagement der Jeanette Odenwald bis 1853: Dieses Kapitel beschreibt ihr frühes familiäres Engagement sowie den Übergang in die institutionalisierte Arbeit.
3.1. Die Jahre 1853 – 1864: Eine Analyse ihrer Tätigkeit in der Krankenpflege und in leitenden Stationen in Kaiserswerth.
3.2. Die Jahre 1864 – 1869: Darstellung der Phase, in der sie sich zur Pflege ihrer Verwandten aus dem Diakonissendienst beurlauben ließ.
3.3. Die Jahre 1869 – 1875: Die Schilderung ihres Wirkens als Vorsteherin in Treysa und ihres entscheidenden Beitrags zur Gemeinschaftsbildung.
3.4. Die Jahre nach 1875: Ein Überblick über ihr Leben nach dem Ausscheiden aus dem Amt und der Heirat mit Wilhelm Ernst Behre.
4. Die Entwicklung des Kurhessischen Diakonissenhauses: Ein historischer Abriss der Gründung und Entwicklung der Einrichtung in Treysa und später in Kassel-Wehlheiden.
5. Reflexion: Der Autor reflektiert über die Schwierigkeiten der Quellenlage und die Bedeutung der Wiederentdeckung von Jeanette Odenwalds Lebensleistung.
Schlüsselwörter
Jeanette Odenwald, Diakonissenhaus, Kurhessisches Diakonissenhaus, Diakonie, Soziales Handeln, Glaubensfindung, 19. Jahrhundert, Franz von Roques, Geschichte, Krankenpflege, Kaiserswerther Stiftung, Mutterhaus, Vorsteherin, Frömmigkeit, Historische Biografie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Biografie von Jeanette Odenwald und ihrer Rolle bei der Etablierung des Kurhessischen Diakonissenhauses.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung des Diakonissenwesens, dem persönlichen Lebensweg Odenwalds und der Ausprägung ihres christlich motivierten sozialen Engagements.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Leistungen von Jeanette Odenwald, die in der offiziellen Geschichtsschreibung oft in den Hintergrund trat, zu dokumentieren und ihre Lebensgeschichte aufzuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer historischen Quellenanalyse, insbesondere der Auswertung von persönlichen Briefen und Lebensläufen Odenwalds.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine biografische Darstellung, eine Analyse ihres sozialen Engagements in verschiedenen Lebensphasen sowie eine historische Einordnung der Anstalt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Diakonissenhaus, Jeanette Odenwald, christliches Handeln, soziale Arbeit und historische Quellenanalyse.
Warum spielt der Rationalismus eine Rolle in Odenwalds Biografie?
Er beschreibt das geistige Umfeld ihrer Kindheit und Jugend bei ihrem Schwager, das Odenwald als seelenlos empfand und das ihren späteren Hunger nach echter Glaubenspraxis prägte.
Wie endete Odenwalds Zeit als Vorsteherin?
Sie trat 1875 aufgrund von Enttäuschung über die fehlende Mitsprache im Vorstand zurück und verließ die Schwesternschaft, um zu heiraten.
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- Christa Fischer (Author), 2005, Leben und Werk von Jeanette Odenwald. Über das soziale Engagement der ersten Vorsteherin des Kurhessischen Diakonissenhauses, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50419