Diese Arbeit soll textnah, mit Einbeziehung des historischen Kontextes, die Versinnlichung des Begehrens in Wildes "Salomé" und Strauss‘ "Libretto" herausarbeiten und fruchtbringende Vergleichspunkte aufzeigen. Es sollen zuerst die Exotik und Erotik auf der fin de siècle-Bühne, der Begriff der Femme fatale sowie der freudsche Narzissmus für eine historisch-theoretische Grundlage erläutert werden. Im Anschluss werden die Zensurmaßnahmen kurz ausgeführt. Schließlich folgt die Analyse der einzelnen Sinneswahrnehmungen, die in die Hauptmotive (Mond, Blick, Tanz, Stimme) untergliedert sind.
Inhaltsverzeichnis
I) Einleitung (Wildes und Strauss‘ Quellen, Fragestellung, Forschungsüberblick)
II) Exotik und Erotik auf der fin de siècle-Bühne
III) Femme fatale und freudscher Narzissmus
IV) Homosexuelles Begehren und Zensur
V) Analyse der Sinneswahrnehmungen
V. 1) Visuelle Wahrnehmung
V. 1. A) „Schaut den Mond!“- Projektionen des subjektiven Begehrens und der Selbstwahrnehmung
V. 1. B) „Schaut sie nicht an!“ Blickverbot und tödliche Blicke
V. 1. C) „Schaut mich an!“ - Der unsichtbare Tanz der sieben Schleier
V. 2) akustische Wahrnehmung
V. 2. A) Die körperlosen Stimmen
V. 2. B) Das Femme fatale-Motiv in Strauss‘ Salome
V. 4) Synästhesie
VI) Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht textnah die Versinnlichung des Begehrens in Oscar Wildes Drama "Salomé" sowie im Libretto der gleichnamigen Oper von Richard Strauss. Dabei wird analysiert, wie diese Werke durch Einbeziehung des historischen Kontextes und zentraler Motive wie Erotik, Exotik und psychologischer Narzissmus interpretiert werden können.
- Die Rolle von Exotik und Erotik in der fin de siècle-Ästhetik.
- Die Analyse der "Femme fatale" und psychoanalytische Aspekte nach Freud.
- Die Bedeutung von Zensurmaßnahmen und ihre Umgehung durch die Autoren.
- Untersuchung zentraler Sinneswahrnehmungen (visuelle Blicke und akustische Stimmen).
- Die Funktion des Tanzes der sieben Schleier als zentrales Symbol.
Auszug aus dem Buch
V. 1. B) „Schaut sie nicht an!“ Blickverbot und tödliche Blicke
In Wildes Salomé steht die Schaulust im Vordergrund als „Form einer höchst sublimierten Sinnlichkeit“. Mehrmals wird betont, wie gefährlich das Anschauen werden kann, sei es der verbotene Blick auf die verführerische Salome selbst (durch Narraboth oder auch der verbotene Blick auf den eingekerkerten Jochanaan): „PAGE DER HERODIAS. Man darf sie nicht anschauen. Ihr schaut sie zuviel an“. (S. 228; Verfasserin) Bei Strauss wurde das unpersönliche Verb falloir („Il ne faut pas la regarder“) fälschlicherweise mit dem Personalpronomen im Singular „Du“ (Strauss 6) übersetzt, was impliziert, dass nur Narraboth verboten wurde, die Prinzessin anzusehen - im französischen Original steht jedoch, viel drastischer, dass das Verbot jeden Untertan betrifft.
Der Blick erschafft eine räumliche und thematische Rahmung in Wildes sowie Strauss Salome: So wie die Prinzessin zu Beginn in Form einer Mauerschau betrachtet wird und ins Freie nach draußen entflieht, da sie sich vor den lüsternen Blicken ihres Stiefvaters ekelt („Es ist merkwürdig, daß der Mann meiner Mutter mich so anblickt.“ S. 230), so endet das Werk mit einer Inversion: Herodes ergreift die Flucht ins Innere. Noch bevor Salomes Auftritt wird sie begehrenswert beschrieben, sodass die Zuschauer auf Salomes Auftritt gespannt sind und ihr Begehren bzw. ihre Neugier durch den indirekten Blick Narraboths entfacht wird.
Zusammenfassung der Kapitel
I) Einleitung (Wildes und Strauss‘ Quellen, Fragestellung, Forschungsüberblick): Das Kapitel führt in die literarischen und künstlerischen Ursprünge der Salome-Figur ein und skizziert das Forschungsziel, Begehren in Drama und Oper zu untersuchen.
II) Exotik und Erotik auf der fin de siècle-Bühne: Die Analyse zeigt die Korrelation zwischen Exotik und erotischen Projektionen im zeitgenössischen Kontext auf und thematisiert die Darstellung der Frau als "Projektionsfläche".
III) Femme fatale und freudscher Narzissmus: Hier wird die Salome-Figur unter Rückgriff auf Freuds Narzissmus-Theorie als psychologisch komplexes, narzisstisches Weib interpretiert.
IV) Homosexuelles Begehren und Zensur: Dieses Kapitel untersucht die Zensurproblematik und die homosexuellen Untertöne zwischen den Figuren des Pagen und Narraboth.
V) Analyse der Sinneswahrnehmungen: Ein umfassender Hauptteil, der visuelle, akustische und haptische Ebenen sowie das Leitmotiv der Femme fatale und den Tanz der sieben Schleier analysiert.
VI) Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass trotz der Unterschiede beide Werke die destruktiven Konsequenzen von Besessenheit durch Perversionen wie Nekrophilie und Suizid aufzeigen.
Schlüsselwörter
Salome, Oscar Wilde, Richard Strauss, Femme fatale, Begehren, Blick, Narzissmus, Zensur, Tanz der sieben Schleier, Oper, fin de siècle, Psychoanalyse, Jochanaan, Herodes, Synästhesie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Inszenierung und Versinnlichung des Begehrens in Oscar Wildes Drama "Salomé" sowie in der Opern-Adaption von Richard Strauss.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Themen umfassen die Erotik des fin de siècle, die Analyse weiblicher Rollenbilder wie der Femme fatale, psychologische Narzissmus-Konzepte und die Rolle von Zensur.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Ziel ist es, die "Versinnlichung des Begehrens" durch die Analyse historischer Kontexte und spezifischer Sinnesmotive (Blick, Stimme) in beiden Werken herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Arbeit verfolgt einen textnahen, komparatistischen Ansatz unter Einbeziehung psychoanalytischer Theorien (insbesondere von Sigmund Freud) und musikwissenschaftlicher Aspekte der Opernpartitur.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil der Arbeit im Vordergrund?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse der Sinneswahrnehmungen, insbesondere die visuelle Ebene des Blicks, die akustische Dimension der Stimme und die symbolische Bedeutung des Tanzes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die wichtigsten Schlagworte sind Salome, Narzissmus, Begehren, Femme fatale, Blickverbot und Synästhesie.
Welche Bedeutung kommt dem Blickverbot zu?
Das Blickverbot ist ein zentrales Motiv, das die Spannung zwischen den Figuren strukturiert und gleichzeitig die fatale Neugier und das unbefriedigte Begehren der Protagonisten unterstreicht.
Wie unterscheidet sich die Rolle von Salomes Tanz in Drama und Oper?
Während der Tanz bei Wilde primär durch Regieanweisungen als Symbol fungiert, ergänzt Strauss diese Ebene durch eine gezielte Leitmotivtechnik, die den Tanz als musikalisch-dramaturgisches Zentrum etabliert.
- Citation du texte
- Alexandra Priesterath (Auteur), 2019, Versinnlichung des Begehrens in Oscar Wildes "Salomé" und Richard Strauss' "Libretto Salome", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504353